zurück

United Kingdom (MEDSIN-UK)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Jonas, Bochum

Motivation

Ich wollte unbedingt nach England, zum einen weil mich das Land einfach fasziniert und zum anderen weil ich sehr gute Sachen über die Lehre und den Umgang mit Studenten gehört habe.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung habe ich vor allem einen an meiner Uni angebotenen English for medicals Kurs besucht. Das war denke ich eine ganz gute Vorbereitung, aber auch nicht zwingend notwendig.
Sonst musste man sich vor allem um die einzureichenden Unterlagen kümmern.

Visum

Ein Visum brauchten wir nicht da England zum Zeitpunkt des Austausches NOCH in der EU war.

Gesundheit

Es wurde ein Relativ strenge Nachweise zur Immunität von Krankheiten erwartet.
Auch ein Tb Nachweis musste ich einreichen.
Ich brauchte keine Auslandsreiseversicherung über meine europäische Versicherungskarte hinaus

Sicherheit

Ich habe mir zu keiner Zeit Gedanken um meine Sicherheit gemacht auch als wir abends durch die Stadt gelaufen sind.
York ist eine sehr wohlhabende, touristische und ruhige Stadt.
Anders war es bei den internationalen Studenten in Hull, hier sollte man etwas vorsichtiger sein.

Geld

Wir haben von den lokalen Vertretung pro Woche etwa 30 Pfund zum für Essen im Krankenhaus bekommen. Für das Mittagessen im Krankenhaus mit dem Mitarbeiterrabatt hat es gereicht, allerdings ist das Krankenhausessen in England nicht unbedingt besser als das in Deutschland.
Im Allgemeinen ist England und der Pfund ein fach teuer, das sollte man schon im Hinterkopf haben.

Sprache

Es wurde ein sehr gutes Englisch vorausgesetzt und das ist denke ich auch sinnvoll wenn man etwas von dem Austausch mitnehmen möchte.
Wie schon vorher erwähnt gibt es an einigen Unis Vorbereitungskurse für medical English.

Verkehrsbindungen

York ist mit dem Zug hervorragend aus London zu erreichen. Ich bin mit dem Eurostar in London angekommen und von dort einfach in den Zug nach York.

York selber ist nicht so riesig, von daher war hier keine Notwendigkeit die öffentlichen Verkehrsmittel zu nehmen. Außerdem haben wir direkt neben dem Krankenhaus gewohnt und konnten deshalb problemlos laufen.

Kommunikation

Die Kommunikation läuft logischerweise auf Englisch und war auch keinerlei Problem. Auf ein paar Patienten mit eigentümlichen und schwer verständlichen Nordenglischen Akzenten sollte man allerdings vorbereitet sein(ist nicht so leicht verständlich wenn man nicht dran gewöhnt ist).
Die Unterhaltungen der Mitarbeiter im Krankenhaus ist allerdings auch wenn man sehr gutes Englisch spricht nicht unbedingt zu verstehen.
Abkürzungen machen einen unheimlich großen Teil der Krankenhaussprache aus und sind nicht unbedingt zu verstehen wenn man sie nicht kennt.

Unterkunft

Die Unterkunft war wirklich hervorragen organisiert, wir haben mit anderen Medizinstudenten direkt neben dem Krankenhaus gewohnt. Alle waren dort echt sehr hilfsbereit und wir haben uns gut aufgehoben gefühlt.
Die Studenten dort haben keine Ferien als wir ankamen, haben also auch einen ganz geregelten Studienalltag gehabt.

Literatur

Ich habe mich im Vorhinein nicht viel mit England auseinandergesetzt, da ich schon häufig in England und auch schon öfter in der näheren Umgebung von York war.
Von den Ärzten Vorort wird erwartet, dass man medizinische Dinge zuhause nachschlägt die beim teaching erwähnt werden.
Von daher lohnt sich ein englischsprachiges Lehrbuch oder ein Onlinezugang.

Mitzunehmen

Hierbei sollten vor allem zwei Dinge nicht vergessen werden.
In England ist wirklich englisches Wetter und dementsprechend sollte man grade in Yorkshire gute Regenkleidung mitnehmen.
Außerdem ist der Dresscode im Krankenhaus sehr formal und es wird auch drauf geachtet. Also braucht man zwar keinen Kittel mitnehmen aber eine Menge Hemden und Hosen die keine Jeans sind. Es wird auch von internationalen Studenten erwartet sich entsprechend anzuziehen.

Reise und Ankunft

Ich habe mir überlegt mit dem Zug anzureisen, das war auch absolut ohne Probleme möglich und sehr empfehlenswert.
Seiten wie zum Beispiel Trainline suchen einem Verbindungen quer durch Europa raus und dann empfiehlt es sich auf den einzelnen Websites zu buchen, das klappt meist besser als internationale Verbindungen über Trainline.
Ich bin mit einem Zug von Köln direkt nach Brüssel und von dort in den Eurostar nach London, von da hab ich den Zug nach York genommen.
Ich würde es jeder Zeit wieder so buchen, es war eine komfortable Reise und es gab auch keine Einschränkungen bezüglich des Gepäcks.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Als wir ankamen haben wir direkt eine Einführung von dem zuständigen Studienkoordinator bekommen und Unterkunft und Oberärzte wurden uns zugeteilt.
Im Krankenhaus wurde uns jeweils ein zuständiger Oberarzt zugeteilt, der als Ansprechpartner über die gesamte zeit für uns da war.
Es wurden in Anwesenheitszeiten von 9-17 Uhr erwartet und es wurde sich auch Mühe gegeben diese Zeit sinnvoll zu füllen. In Ausnahmefällen konnte unter Absprache mit den entsprechenden Consultants aber auch ein Nachmittag frei gegeben werden.
Mein Alltag bestand aus einem Mix von Station und Sprechstunde, je nach Abstimmung mit dem Consultant und zusätzlich Meetings der Abteilung wo es um Teilnahmen an Studien oder Vorstellung von Studien ging.
Mir wurde auch oft angeboten, dass ich gerne zu den Clinics der Oberärzte in den anderen Standorten kommen könnte, allerdings sind das meist abgelegene Örtchen und man muss dann selber zusehen wie man hin und wieder wegkommt. Hatte ich mir zwar vorgenommen aber am Ende habe ich es doch nicht gemacht, auch weil die Tickets für an und Abreise nicht so günstig sind und es auch im Krankenhaus sehr interessant war.
Allerdings ist das Fach Nephrologie mit den Dialyseeinheiten in der NHS und dementsprechend auch in dem Krankenhaus in York sehr dezentral organisiert und die Consultants(Oberärzte) der Station für viele verschiedene Standorte zuständig.
Meiner zugeordneten Ärztin war es sehr wichtig, dass ich auch einen Eindruck vom System des NHS bekomme und wie die interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Abteilung läuft.
Deshalb hat sie mich nicht nur dem ärztlichen personal vorgestellt sondern mich auch in Kontakt mit den Ernährungsberatern, Dialyseschwestern, Transplantationsschwestern und Psychotherapeuten der Abteilung gebracht.
So hatte ich wenn ich wollte auch die Möglichkeit zum Beispiel in Transplantationssprechstunden, häuslicher Dialyse usw. Mitzukommen und andere Eindrücke zu gewinnen.
Im Allgemeinen gehören zu der Medschool mehrere Krankenhäuser eins in York und ein/zwei in Hull, welcher Abteilung bzw.. dem entsprechend welcher Stadt man zugeteilt wird hängt von den Koordinatoren Vorort ab(Manche Abteilungen sind nur in einem der beiden Häuser vorhanden usw.).
Es wurde sich im gesamten sehr gut um mich gekümmert und wenn ich ein anliegen hatte wurde es immer auch erstgenommen.
Insgesamt ist die Hierarchie sehr flach und das Verhältnis zwischen Pflege, Ärzten und Studenten deutlich besser als ich das auch einigen deutschen Krankenhäusern gewöhnt bin.
Auch den Umgang mit den Patienten habe ich als sehr herzlich und ehrlich empfunden.

Land und Leute

Die Briten sind einfach ein ausgesprochen höfliches Volk und mir gegenüber in der gesamten Zeit sehr nett begegnet.
Wenn man verloren irgendwo rumwandert, egal ob in der Innenstadt oder im Krankenhaus wird man angesprochen und Hilfe angeboten.
Ich hatte wirklich mal wieder einen sehr positivenEindruck und habe mich sehr wohl gefühlt, auch sehr sympathisch dass nach Ausbruch der Coronapanik in England zuerst das Bier und nicht das Toilettenpapier ausverkauft war.
Das social Program ist durch die Verteilung der zuständigen Lokals und das internationalen Studenten aus verschiedenste Orte über die ganze region etwas schmal ausgefallen. Natürlich auch dadurch beeinflusst das einige Studenten bereits nach einer Woche schon wieder zurück in die Heimat mussten weil die Grenzen zugemacht wurden.
Ich habe aber zusammen mit einer anderen Studentin aus Deutschland in einem Haus mit englischen Medizinstudenten gewohnt. Zusammen konnten wir dann immer nach dem Krankenhaus nach belieben die Stadt erkunden zusammen kochen oder auch im Wochenende ein bisschen durchs Land reisen.

Unternehmen kann man von York aus sehr viel. Man kann in die umliegenden Nationalparks (Yorkshirdales und Moors) um tagesausflüge, Wanderungen etc. Zu machen.
Die Stadt selber ist aber auch sehr Sehenswert und bietet mit einem Minster und einer historischen Altstadt mit vielen netten Kaffees auch einiges.
Darüber hinaus kann man von York aus mit dem Zug die umliegenden Städte sehr gut erreichen und nichts im Norden von England ist so richtig weit.
Man sollte sich eine Railcard bei einem der Zugunternehmen holen, das lohnt sich schon nach einigen Fahrten, da Zugfahrten ähnlich teuer wie in Deutschland sind.
Wir haben Ausflüge nach Newcastle, Leeds und Scarboghour gemacht und eine Wochenende in Liverpool haben wir geplant(hat dann leider nicht mehr geklappt).
Das unterkommen in den Städten ist leider recht teuer und auch Hostels sind meist nicht ganz günstig, weswegen wir in Newcastle zum Beispiel auf Couchsurfing zurückgegriffen haben oder wie in Leeds und Scarboghour einen Tagestrip gemacht haben und uns so die Übernachtung gespart haben.
Alles kann ich nur sehr weiterempfehlen, besonders Newcastle habe ich sehr unterschätzt und einmal so weit im englischen Norden sollte man sich die Stadt nicht entgehen lassen.
Es lohnt sich die Zugticket ein bisschen im Voraus zu buchen, da die Preise wie auch in Deutschland abhängig von der Strecke sehr teuer werden können. Das trifft vor allem auf die größenren Städte zu wie London, Liverpool, Manchester…

Fazit

Alles in Allem eine tolle Zeit und super Erfahrung, die ich jedem sehr ans Herz legen kann.
Auch wenn es wegen corona etwas eher zu Ende ging als geplant, war es auf jeden Fall sehr schön und ich würde es jederzeit wieder machen.

zurück