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Kanada - Quebec (IFMSA Quebec)

Psychiatrie - SCORE (Forschungsaustausch)
von Anne, Berlin

Motivation

Durch meine Pflegepraktika im Ausland konnte ich schon einige klinische Erfahrung im Ausland sammeln. Als ich von der Möglichkeit erfuhr, das Interesse an Forschung mit dem Interesse an anderen Kulturen und Sprachen zu verbinden, war ich sofort begeistert. Zudem bin ich noch in der Vorklinik, weshalb nur SCORE und SCOPH in Frage kamen.
Ich bewarb mich für Taiwan bzw. China, da ich Mandarin lerne und jede Möglichkeit nutze, um meine Sprach- und Kulturkenntnisse zu vertiefen. Zudem träume ich davon, in Richtung integrative Medizin zu gehen und Traditionelle Chinesische Medizin mit Schulmedizin zu verbinden. Forschung ist meiner Meinung nach für ein Gelingen der integrativen Medizin in unserem Gesundheitssystem von großer Bedeutung. Besonders in Taiwan gab es einige Projekte, die Grundlagenforschung zu TCM betrieben – genau das, was ich suchte. Denn ich wollte außerdem die Arbeit im Wet Lab kennenlernen, um perspektivisch entscheiden zu können, ob ich tatsächlich in diesem Bereich der Forschung meine Doktorarbeit machen möchte.
Leider hat es mit Taiwan nicht geklappt, weshalb ich mich für einen Restplatz in Québec entschied. Zwar kannte ich diesen Teil Kanadas bereits, aber auch hier fand ich interessante Forschungsprojekte in der Datenbank und mich reizte die Kombination aus Englisch und Französisch – perfekt, um die eingestaubten Französisch-Kenntnisse wieder hervorzukramen!
Im Vordergrund meiner Motivation stand jedoch definitiv, einen Einblick in die Grundlagen-Forschung erhalten zu wollen.

Vorbereitung

Die Kommunikation mit der Partnerorganisation in Québec lief zu jeder Zeit problemlos. Auch, als sich die Card of Acceptance verspätete, hielt mich der Verantwortliche stets auf dem Laufenden.
Ansonsten habe ich mich nicht groß vorbereitet. Im Nachhinein hätte ich gerne meine Französisch-Kenntnisse schon vor Abflug etwas auf Vordermann gebracht, um dadurch sprachlich mehr von meinem Aufenthalt mitnehmen zu können.

Visum

Kanada hat eine Ausnahme für Forscher, wenn es um eine Arbeitserlaubnis geht (Short-term (120-day) work permit exemption for researchers – mehr Infos auf den Seiten der kanadischen Regierung. Mit dem richtigen Schreiben einer anerkannten Forschungs-Institution fallen auch Studenten unter diese Regelung. Das Einladungsschreiben, das ich von der für mich verantwortlichen Professorin erhielt, enthielt bereits alle Punkte, die gewährleistet und bestätigt sein müssen, um Anspruch auf diese Ausnahme zu haben.
Ein elektronisches Visum braucht man als Deutscher trotzdem. Dies lässt sich allerdings innerhalb von 10 Minuten online beantragen und kostet um die 7 Euro (am besten auf der offiziellen Regierungsseite beantragen, auch wenn viele Visa-Firmen auf Google von anderem überzeugen wollen). Die Visums-Bestätigung kam in meinem Fall innerhalb weniger Stunden, allerdings wird aufgrund eventuell entstehender Probleme trotzdem empfohlen, es frühzeitig vor Abflug zu machen.
Die Einreise lief damit problemlos. Während die meisten Touristen direkt durchgewunken wurden, musste ich aufgrund meiner Angabe am elektronischen Schalter, dass ich in Kanada arbeiten werde, mit einem Beamten reden, doch auch dort gab es kein Problem und man wollte nicht einmal mein Einladungsschreiben sehen.

Gesundheit

Da ich nicht mit Patienten arbeitete, musste ich keine Tests/Impfbescheinigungen vorlegen. Eine Auslandskrankenversicherung hatte ich bereits und war am Ende in Corona-Zeiten froh über diese Absicherung. Auch eine ADAC Plus Mitgliedschaft schadet nicht.

Sicherheit

Kanada ist generell ein sehr sicheres Land, weshalb ich mir darum keine Gedanken machte. Die Sicherheit ist vergleichbar mit jeder europäischen Großstadt und auch nachts kann man problemlos in fast allen Gegenden alleine unterwegs sein.

Geld

Bezahlt wird mir kanadischen Dollars, CAD, aber das Allermeiste kann man mit Kreditkarte zahlen. Ich habe eine Postbankkarte, mit der ich vier Mal im Jahr im Ausland kostenlos Geld abheben kann und habe damit gleich nach Ankunft eine für den Monat ausreichende Summe Bargeld abgehoben. Alles ist etwas teurer in Kanada, besonders Lebensmittel. Mittags konnte ich für umgerechnet um die 3 Euro in der Kantine essen. Einschließlich kleinerer Ausflüge und der Monatskarte für die Öffentlichen habe ich in meinen 2,5 Wochen vor Ort ca. 300 Euro ausgegeben, wobei ich eher hochwertige Lebensmittel (bio etc.) eingekauft habe. Pro Woche erhält man 50 CAD von der Gastorganisation, die für ein Mal Essen/Tag ausreichen sollen. Aufgrund der günstigen Kantine hat das Geld dafür locker gereicht.

Sprache

Montreal ist eine sehr internationale Stadt und so gut wie jeder kann Englisch sprechen, obwohl die gängigere Sprache definitiv Französisch ist. Außerhalb der Stadtgrenzen wird das schnell anders und man findet immer weniger Menschen, die Englisch sprechen.
Ich hatte in der Mittelstufe fünf Jahre lang Französisch, weshalb ich schnell wieder das viel verstanden habe. Nur das Sprechen fiel mir schwer und eine Wiederholung der Grammatik hätte meinem Französisch gutgetan.
Im Forschungsprojekt konnten viele meiner Kollegen tatsächlich nicht fließend Englisch und die Umgangssprache war Französisch (in anderen Teams schien das aber anders zu sein). Auch bei meinen Ansprechpartnern kam es das ein oder andere Mal zu Missverständnissen in Gesprächen auf Englisch. Mit konversationssicheren Französischkenntnissen hat man es da sicherlich etwas einfacher, wobei es mit etwas Kommunikationsgeschick auch keine großen Probleme gab. Inhaltlich war meine Arbeit rein englisch: Ich beschäftigte mich mit einem Literature Review und las damit Tag ein Tag aus englische Paper. Auch die teilweise angebotenen Lectures im Zentrum sind auf Englisch.
Wer vorhat, einen Einblick in die Universität zu erhaschen, sollte Französischkenntnisse haben, da (zumindest an der Université de Montréal) die Lehre auf Französisch stattfindet.

Verkehrsbindungen

Ich empfehle definitiv, ein Monatsticket für die Öffentlichen in Montréal, das um die 85 Euro kostet. Meine Unterkunft war recht weit außerhalb, weshalb ich eine Stunde in die Stadt brauchte, allerdings dafür näher an meinem Arbeitsort wohnte, wo ich innerhalb einer halben Stunde war. Die Anbindung ist selbst in den Vororten (dort mit Bussen statt mit der U-Bahn) gut, wenn auch viel Zeit durch viel Umsteigen draufgeht.
Ich hatte leider keine Zeit, um weitere Reisen zu machen, da meine Zeit in Kanada durch Corona nach zwei Wochen beendet wurde. Aber während des Planens schienen mir Zug- und Fernbusfahrten teurer als in Deutschland. Für Ausflüge in die National Parks um Montréal herum war ich froh, dass meine Kontaktperson ein Auto hatte, das die Anfahrt um einiges weniger zeit- und geldintensiv machte.

Kommunikation

Ich habe mich gegen einen Vertrag/eine Prepaid-SIM-Karte entschieden und bin damit gut ausgekommen. Kosten für Telefon/SMS/Internet sind ziemlich hoch in Kanada. Die meisten Verträge enthalten nur ein sehr kleines Datenvolumen und ein Großteil der Kommunikation zwischen den Einheimischen läuft per SMS.
Sowohl in meiner Unterkunft als auch im Forschungszentrum hatte ich WLAN und für Notfälle außerhalb des WLANs suchte ich entweder eduroam oder nutzte den SMS-Tarif meines deutschen Anbieters.

Unterkunft

Ich wurde von der lokalenPartnerorganisation (Local Committee - LC) in einer Gastfamile untergebracht, mit der ich allerdings recht wenig zu tun hatte. Es handelte sich um ein „Bachelor Appartment“, also um ein Zimmer mit Küchenzeile sowie kleinem Bad und separatem Eingang. Die Tochter der Familie studierte auch Medizin, war allerdings nicht meine Kontaktperson und somit nur für die Unterkunft verantwortlich. Trotzdem hat sie mir am ersten Wochenende die Stadt gezeigt und war jederzeit bei Problemen/Fragen für mich da.
Die Familie stellte alles (Bettwäsche, Handtücher, etc.) und ich durfte meine Wäsche mitwaschen.

Literatur

Aufgrund meiner Klausuren vor meinem Abflug hatte ich leider keine Zeit dazu. Zudem war ich schonmal in Montreal, weshalb ich zumindest eine Vorstellung von Land und Leuten hatte. Gute Infos für Outdoor-Fans bietet die offizielle Seite der Nationalparks Sépaq, Leihausrüstung bietet der Outdoors Club der McGill Studenten.

Mitzunehmen

Da März in Québec noch Winter ist, unbedingt an warme Kleidung (Winterjacke, Handschuhe, lange Unterwäsche etc.) denken! Zwar herrschen keine -30°C mehr, aber -10°C kann es gerne mal sein. Ich war besonders froh über meine dicken Winterstiefel, da ich auf dem Weg zur Arbeit ein weites Stück laufen musste und sie auch zum Wandern nutzen konnte. März ist ein durchaus spannender Monat in Montréal, da man das Ende des Winters und den Beginn des Frühlings mitbekommt. Während Anfang des Monats noch viel Schnee lag und fiel und somit Wintersport überall machbar war, begann Mitte März langsam der Frühling und der Schnee taute immer mehr.
Im Nachhinein hätte ich gerne meine Langlauf-Ski und Schlittschuhe mitgenommen, da es viele Loipen und auch kostenlose Möglichkeiten zum Schlittschuh-Fahren gibt. Wenn ihr mit Air Canada fliegt, schaut nach, ob ihr eure Ski-Ausrüstung kostenlos mitnehmen dürft!
Für die Arbeit ist definitiv ein Laptop von Vorteil.
Wer gerne Sport macht, sollte seine Laufschuhe und Sportkleidung nicht vergessen. Von Gyms über tolle Laufrouten in einem der unzähligen Parks in der Stadt bis hin zu kostenlosem Schwimmen im Olympiapark gibt es viele Möglichkeiten.

Reise und Ankunft

Die Anreise lief problemlos und ich wurde sehr herzlich von meiner Kontaktperson am Flughafen empfangen. Ich reiste drei Tage vor Praktikumsbeginn an, sodass ich das Wochenende hatte, um die Stadt zu erkunden und mich einzuleben.
Am Montag darauf hatte ich meinen ersten Arbeitstag, zu dem ich alleine erschien. Zuvor hatte ich sowohl Kontakt mit meiner Ansprechpartnerin, einer Professorin der McGill University, als auch mit ihren Teammitgliedern, die mich an meinem ersten Tag erwarteten und mir alles zeigten.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich durfte ein Forschungsteam des Douglas Research Centre unterstützen, einer psychologischen Forschungseinrichtung, die mit der McGill University assoziiert ist. Es ist das zweitgrößte Institut für Mental Health Forschung in Kanada, und geforscht wird zu Themen von „Aging, Cognition and Alzheimer’s Disease“ bis „Youth Mental Health and Early Intervention“.
Mein Team hatte seinen Fokus auf „Organisation and adequacy of mental health services” und arbeitete damit auf der Public Health und Policy Seite des Forschungsspektrums.
Wie jeder Vollzeit-Arbeitende in Québec arbeitete ich 35 Stunden in der Woche, war aber relativ frei darin, wie ich meine Zeit einteilte. So machte ich in den ersten Wochentagen häufig mehr Stunden, um am Freitag früher fertig zu sein. Der Großteil des Teams arbeitet die meiste Zeit im Homeoffice, einschließlich der leitenden Professorin. Uns Praktikanten war es erlaubt, einen Tag in der Woche von Zuhause aus zu arbeiten, wobei uns der Freitag empfohlen wurde, da dort auch unser direkter Ansprechpartner, der als einziger immer im Office war, frei hatte.
Dadurch war es leider nur schwer möglich, im Austausch mit den Forschern etwas zu lernen, was meiner Meinung nach ein wichtiger Aspekt eines Praktikums ist, da man neue Perspektiven und Einblicke erhält.
An meinem ersten Tag wurde im Rahmen eines Meetings mit der Professorin sowie den beteiligten ForscherInnen festgelegt, wo mein Arbeitsschwerpunkt sein sollte.
Ich verbrachte meine Zeit mit einem Rapid Literature Review zu Substance Use Disorders and Quality of Care. Zu Beginn hatte ich mich dafür eingesetzt, nicht nur die Zusammenfassungen zu schreiben, sondern auch die Literatursuche auf verschiedenen Datenbanken durchführen zu dürfen. Die Master-Studentin des Teams unterstützte mich, indem sie mir sehr gutes Material zur Durchführung von Suche und Rapid Review gab, war immer für mich ansprechbar und sehr bemüht, mich zu unterstützen.
Durch sie erhielt ich neue Ideen, um meine Arbeit interessanter zu gestalten und einen breiteren Einblick in Forschung zu erhalten. 50 Research Paper zu lesen und zusammenzufassen ist eine ziemlich anstrengende Arbeit und teils recht eintönig, weshalb ich einige Vorschläge machte, um weitere Einblicke erhalten zu können.
Durch wöchentliche Meetings war die Betreuung von Seiten der Professorin sehr gut und sie war sehr offen für meine Ideen. So durfte ich folgend an Seminaren und Vorlesungen des Forschungszentrums (meist Neuroscience-Thematiken) teilnehmen und hätte einen Tag mit der Statistikerin des Teams verbringen dürfen, hätte ich nicht zurück nach Deutschland gemusst. Zudem nahm sie sich viel Zeit, um meine Fragen zu beantworten.
Auch nach meiner Rückkehr nach Deutschland aufgrund der Covid-19-Situation behielten wir diesen Austausch über Skype bei. Allerdings war ich im Homeoffice wieder auf mein Literature Review beschränkt.
Durch die Themen, die ich im Rahmen meiner Reviews behandelte (Quality of Care for Substance Use Disorder/for Cannabis Use Disorder among Youth), konnte ich Einblicke in verschiedenste Gesundheitssysteme erhalten und beschäftigte mich viel mit der Schnittstelle zwischen Politik und Klinik.
Einen Einblick in das Universitätssystem bekam ich nur in meiner Freizeit. Mit meiner Kontaktperson diskutierte ich viel über unsere verschiedenen Systeme und hatte durch ihn die Möglichkeit, am APP (dem kanadische Problemorientierten Lernen (POL)) teilzunehmen. Ich war überrascht, wie viele Ähnlichkeiten die Lernformate unserer beiden Universitäten haben (Université de Montréal (UdeM) und Charité Berlin), obwohl sich Ablauf und Voraussetzungen des Studiums sehr unterscheiden. Auch die UdeM verfolgt im Vergleich zu anderen kanadischen Universitäten einen eher innovativen Ansatz, mit POL und thematischen Modulen. Besonders dankbar bin ich nun für unseren Präp-Kurs, da es dort keinen gibt.

Land und Leute

Ich bin kein großer Fan von touristischem Sightseeing und habe meine freie Zeit mit Alternativen verbracht, die vor allem Natur und Menschen beinhalteten.
Die Internationalität der Bevölkerung hat mich sehr begeistert. Ein großer Teil der Einwohner Montréals hat mindestens Eltern mit Migrationshintergrund, was jedes Gespräch sehr interessant machte. Die Sichtweisen auf Integration sind dort ganz anders im Gespräch als bei uns.
Kanadier sind generell sehr, sehr gastfreundlich und offen, was für die deutsche Mentalität manchmal oberflächlich ankommt. Trotzdem: Dadurch hat man es leicht, sich in Gruppen einzugliedern und ist stets willkommen.

Leider konnte ich aufgrund meiner kurzen Zeit vor Ort nur einen Bruchteil meiner Pläne in die Tat umsetzen, folgendes kann ich aber wärmstens empfehlen: den Mont Royal erkunden (bei den Amis de la Montagne gibt es Leih-Schlittschuhe und -Langlaufski, ansonsten ist es ein herrlicher Ort um laufen zu gehen, die vielen kleinen Wege zu erkunden, die ein oder andere Steigung mitzunehmen und die tolle Aussicht zu genießen); einen der umliegenden Nationalparks erkunden: durch die verschiedenen Viertel der Stadt schlendern (besonders Little Italy und Umgebung sind wunderschön und in Le Plateau de Mont Royal es gibt die besten Bagels!); sonntags kostenlos viele Museen besuchen (am ersten Sonntag im Monat sind sie kostenlos – am besten die kanadische Heimat-Postleitzahl parat haben; ich weiß nicht, ob es auch für Touristen kostenlos ist); über Märkte wie Jean Talon und Atwater schlendern; in einem der coolen Co-Working Spaces arbeiten oder einfach nur einen Kaffee trinken und Leute gucken; die schicken öffentlichen Bibliotheken erkundigen; authentisches internationales Essen genießen (durch die Internationalität immer genial!); und Zeit mit einheimischen Studenten verbringen! Durch letzteres habe ich definitiv am meisten mitgenommen.
Was ich gerne noch gemacht hätte: In den meisten Nationalparks darf man kostenlos zelten, oder kann sich (für Kanada) sehr günstig eine Übernachtung in einer Log Cabin buchen und so noch mehr Natur entdecken; die Musik-Fakultät bietet beinahe jeden Tag kostenlose Konzerte an und betreibt eine coole Jazz-Bar; St. Patrick’s Parade (Montreal hat zu jeder Jahreszeit Festivals und viele Veranstaltungen zu bieten!); Ski fahren auf dem Mont Tremblant (wahrscheinlich das am einfachsten zu erreichende Skigebiet); Hundeschlitten fahren (es gibt unzählige Unternehmen in der Umgebung, manche für den Massentourismus, manche noch sehr familiär); …

Fazit

Aufgrund der Tatsache, dass ich keines meiner gewählten Projekte erhielt und es nicht möglich war, eine Wet Lab Forschungsgruppe zu finden, die eine Praktikantin aufnahm, konnten meine Erwartungen leider von vornherein nicht erfüllt werden. Weiter weg von Wet Lab als das Department of Psychology geht es kaum. Trotzdem beschloss ich mich, das Beste aus meiner Zeit dort zu machen und es als Chance zu sehen, einen Bereich kennenzulernen, den ich ansonsten wohl nie freiwillig gewählt hätte. Während meines Praktikums vor Ort hatte ich einige Tage, die mich sehr frustrierten, da die Bedingungen nicht ideal waren: Mich frustrierte vor allem, dass kaum Austausch mit den Forschern möglich war, ich meine Arbeitszeit fast nur mit meinem Review verbrachte und dass mein Arbeitsplatz kein Fenster hatte – eine Kleinigkeit, die ich sicherlich angesprochen hätte, hätte mich Corona nicht nach Deutschland zurückgeschickt. Das Team ist meiner Meinung nach durch die Arbeitsstrukturen (Homeoffice) nicht besonders gut für Praktikanten geeignet.
Trotzdem konnte ich einiges mitnehmen und bin sehr dankbar für meine Zeit: Die verantwortliche Professorin war sehr bemüht und der Kontakt wird über das Praktikum hinaus bestehen. Besonders die Unterstützung des Über-den-Tellerrand-Blickens (Neuroscience Seminare etc.) schätzte ich sehr. Auch die Aufgabe, ein Rapid Review zu erstellen, war durchaus sinnvoll, da ich die erlernten Fähigkeit in jedem Forschungsbereich nutzen kann.
Definitiv möchte ich wieder einen Auslandsaufenthalt wagen, und nachdem ich besonders die Policy-Aspekte des kanadischen Gesundheitssystems kennengelernt habe, würde mich die Perspektive der Klinik sehr interessieren.
Es besteht immer das Risiko, dass Forschungsprojekte nicht zur Verfügung stehen oder bürokratische Hürden einen Einsatz verhindern. Ich bin trotzdem froh, diesen Einblick in einen Forschungsbereich bekommen zu haben, den ich ansonsten niemals gewählt hätte. Für Einblicke in die Grundlagenforschung werden sich weitere Möglichkeiten bieten! Ich kann euch also nur ermutigen, trotzdem motiviert in euer Praktikum zu gehen, auch wenn ihr nicht – oder nicht mal ansatzweise – euer Traumprojekt bekommen habt! Es bringt etwas, sich aktiv für Veränderungen im Arbeitsablauf einzusetzen und eine Vielfalt von Einblicken zu fordern und ein zu Anfang vielleicht nicht sehr zufriedenstellendes Praktikum so mitzugestalten, dass es als gute Erfahrung in Erinnerung bleibt!

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