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France (ANEMF)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Johanna, Regensburg

Motivation

Ich wollte schon immer im Rahmen meines Studiums ins Ausland gehen. Da ich Französisch in der Schule hatte, sich seither aber keine Gelegenheit mehr geboten hatte, es zu sprechen, bot sich mir mit einem Famulaturaustausch über den bvmd die perfekte Möglichkeit, mein Französisch aufzubessern und gleichzeitig ein anderes Gesundeitssystem kennenzulernen. Außerdem freute ich mich darauf, für einen Monat in eine andere Kultur einzutauchen, ohne dabei Tourist zu sein, sondern mit den Einheimischen zu leben und zu arbeiten.

Vorbereitung

Wenn man mit dem Gedanken spielt, eine Famulatur über den bvmd zu machen, muss man sich wirklich frühzeitig um alle notwendigen Unterlagen kümmern. So legte ich vor meiner Bewerbung noch den „onset“-Englischtest ab, den ich mir in ein DAAD-Zertifikat umschreiben ließ. Das benötigte Empfehlungsschreiben erhielt ich von meiner Doktorarbeitsbetreuerin. Am besten hätte ich mich auch schon früher um einen TBC-Test gekümmert, der für Frankreich benötigt wird. Die zwei Wochen, die mir nach der Zusage für Frankreich noch blieben, waren nämlich zu knapp und ich musste das Testergebnis nachreichen. Direkt vor dem Austausch bemühte ich mich noch darum, mein Vokabular und die französische Grammatik etwas aufzufrischen und bereitete mich mit „Französisch für Mediziner“ auf meinen Stationsalltag vor.

Visum

Für den Aufenthalt in Frankreich war kein Visum erforderlich.

Gesundheit

Im Vorfeld musste ich meinen Impfausweis hochladen. Besondere Extraimpfungen musste ich für meinen Austausch nicht vornehmen. Nur ein TBC-Test wurde gefordert. Diesen führte der Betriebsarzt durch, weshalb es sich recht unaufwändig gestaltete. In einigen Städten in Frankreich ist man dazu angehalten, ein Röntgen-Thorax-Bild einzureichen. Für dieses Städte habe ich mich daher nicht beworben.

Sicherheit

Was die Sicherheit anging, habe ich keinen Unterschied zu Deutschland erkennen können. Nachts über Hinterhöfe zu laufen macht auch in Strasbourg keinen Spaß. Auffällig war, dass in Frankreich das Militär viel präsenter ist als in Deutschland. Hier ist es normal, dass man ab und an einer Patrouille von vier schwer bewaffneten Soldaten begegnet. Unsicher oder bedroht habe ich mich während meiner ganzen Zeit dort nie gefühlt.

Geld

In Frankreich bezahlt man mit Euro – selbstredend. Man sollte auf jeden Fall darauf achten, eine funktionierende Kreditkarte bei sich zu haben, denn in Strasbourg wird deutlich mehr mit Karte bezahlt als bar. Manche Tram-Ticketautomaten haben die Eigenheit, keine Scheine, sondern nur Münzgeld oder eben die Kreditkarte entgegenzunehmen. Eine Kreditkarte ist daher eigentlich unerlässlich. Die Lebenshaltungskosten sind etwas höher als in Deutschland, daher fahren viele Franzosen einfach für den wöchentlichen Einkauf nach Kehl. Kann man machen, muss man aber nicht.

Sprache

Die Franzosen reden wirklich wahnsinnig schnell und binden die Wörter so, dass man manchmal nicht ganz kapiert, ob es sich nun um 1 Wort oder 5 Wörter handelt. Am schwierigsten fand ich es, in Gruppenkonversationen zu bestehen. Im Einzelgespräch kam ich allerdings gut zurecht. Um sich sprachlich zurechtzufinden, ist ein Niveau von mindestens B1 empfehlenswert. Die Franzosen sprechen nämlich ein miserables Englisch, das einem im Zweifel dann auch nicht wirklich weiterhilft. Wenn man Glück hat, können einige der Älteren noch deutsch oder besser: elsässisch, ein sehr charmanter, dem badischen ähnlicher Dialekt. Im Klinikum hat man auf jeden Fall den Vorteil, dass man viele Fachtermini versteht, weil sie lateinisch sind. Bestimmte Dinge wie zum Beispiel die Leberhautzeichen werden jedoch durch komplett andere Begriffe beschrieben und da kommt man nicht umhin, die einfach auswendig zu lernen.

Verkehrsbindungen

Straßburg hat ein sehr gut funktionierendes System öffentlicher Verkehrsmittel, wenn nicht gerade Streiks stattfinden (damit sollte man in Frankreich immer rechnen!). Alle 5 Minuten gingen die Trams unter der Woche von meiner Tramstation aus in beide Richtungen. Für die Benutzung der Tram habe ich mir im Büro der „CTS“ eine Monatskarte anfertigen lassen. Dafür braucht man ein Passbild und bezahlt knapp 33 Euro. Wenn man nicht mit der Tram fahren will, kann man sich auch für sehr günstige Konditionen ein Fahrrad für einen Monat ausleihen. Da es aber sehr viel geregnet hat, war ich ganz froh, nicht auf ein Fahrrad angewiesen zu sein. Wenn man am Wochenende auch ein bisschen ins Nachtleben eintauchen will, muss man sich um die Heimfahrt auch keine Sorgen machen. Es fahren stündlich Nachtbusse in alle Richtungen.

Kommunikation

Da ich kein Whatsapp habe, habe ich mich über SMS und facebook mit den anderen verständigt. Dummerweise hatte ich kein Internet in meinem Appartement. Um mobile Daten zu sparen, hab ich mich daher öfter ins Krankenhaus-Cafe gesetzt, weil es da kostenloses WLAN gab. Wir hatten aber nie Probleme mit der Kommunikation.

Unterkunft

Ich hatte wirklich Luxusbedingungen. Meine Gastfamilie stellte mir ein komplettes Appartement mit Küche, Bad, Toilette, Wohnzimmer und Schlafzimmer, das ich zu meiner alleinigen Verfügung hatte. Die Küche war super ausgestattet und hatte sogar eine Waschmaschine. Meine Gastfamilie hatte im Vorfeld für mich eingekauft. Davon hätte ich sicher zwei Wochen überleben können, ohne mir selbst etwas kaufen zu müssen. Abends musste ich mir aber ohnehin selten etwas kochen, da ich meistens von meiner Gastfamilie eingeladen wurde. Handtücher wurden mir zur Verfügung gestellt. Einziges Manko war, dass es dort kein W-LAN gab, aber mit genügend mobilen Daten kam man gut zurecht. Das Netz in Strasbourg ist allgemein sehr gut. Die Tramstation „Landsberg“ befand sich in nur 5 Minuten Entfernung von meiner Wohnung und zu Fuß war ich innerhalb von 30 Minuten in der Innenstadt.

Literatur

Absolut zu empfehlen ist das praktische Taschenbuch „Französisch für Mediziner“, das in jede Kitteltasche passt. Darin finden sich Kapitel zu fast allen Fachgebieten, eine Übersicht über das französische Gesundheitssystem und vor allem sehr viel nützliches Vokabular. Bei der Vor-und Nachbereitung meiner Patientenvisiten habe ich wahnsinnig davon profitiert, da es sogar bestimmte Fragstellungen enthält und einem in der Kommunikation mit dem Patienten bei Anamnese und Untersuchung sehr von Nutzen ist. Außerdem hatte ich noch den „Herold“ mit dabei. Der enthält einfach ALLES, was man zum Thema Innere Medizin wissen muss.

Mitzunehmen

Man sollte darauf vorbereit sein, dass es im Frühling in Strasbourg noch recht kalt sein kann und viel regnet. Also auf jeden Fall entsprechend warme Klamotten und einen stabilen Regenschirm mitnehmen. Wichtig finde ich es auch, an ein Gastgeschenk zu denken. Die Gastfamilien geben sich wirklich unglaublich viel Mühe und man sollte einfach gleich zu Beginn mit einer kleinen Geste zeigen, wie sehr man das zu schätzen weiß.

Reise und Ankunft

Mit dem TGV ist man wirklich super schnell in Strasbourg. Mit dem Sparpreis Europa der Deutschen Bahn ist das Ganze auch wirklich günstig. Am Bahnhof wurde ich von der Cousine meiner Gastschwester abgeholt. Sie erklärte mir gleich das Tramsystem in Strasbourg und organisierte mir Tickets für 2 Tage. Anschließend machte sie mich mit meiner Gastmutter bekannt. Die beiden begleiteten mich in das mir zugedachte Appartement. Dann führte mich meine Gastmutter ins Nouvel Hôpital Civil auf meine Station und war sogar so lieb, mich dort schon mal vorzustellen. Bevor sie mich zum Abendessen in ein typisches Elsässer Restaurant einlud, machte sie noch eine kleine Stadttour mit mir.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Von meinem Praktikum im Service d’hépato-gastro-enterologie war ich anfangs etwas enttäuscht. Es war eigentlich niemand wirklich zuständig für mich, und ich bekam auch keine Stationseinführung oder ein Namensschild o.ä. Ich denke, das lag vor allem daran, dass es in Frankreich diese Art von Praktika nicht gibt. Ich war für die Ärzte einfach „l’étudiante d’ERASMUS“ und wurde dementsprechend den „Externes“ zugeteilt (das sind Medizinstudenten, die hier ihr Stationspraktikum absolvieren). Leider waren die Externes auf dieser Station hauptsächlich für administrative Aufgaben zuständig. Meinen ersten Tag verbrachte ich daher damit, neben ihnen am Computer zu sitzen und Däumchen zu drehen. Die Mittagspause dauerte über 2 Stunden. Zuerst begleitete ich eine der Externes in die Mensa. Eine Vergünstigung bekommt man allerdings nur mit spezieller Karte, die ich natürlich nicht hatte. Nettwerweise bezahlte die Externe mein Essen einfach mit ihrer Karte. Nach dem Essen musste ich mich dann erst mal noch fast 2 Stunden im Krankenhaus beschäftigen, weil es sich nicht lohnte heimzufahren. Den Nachmittag verbrachte ich wieder damit, neben den Externes am PC zu sitzen. Irgendwann hatten sie Mitleid mit mir und schickten mich heim. Am nächsten Tag wandte ich mich direkt nach der Frühbesprechung an eine der „Chefs“ und fragte, ob ich sie zu einer Gastroskopie o.ä. begleiten dürfe. Weil sie selber an dem Tag nicht im OP eingeteilt war, zeigte sie mir einfach die Umkleide und erklärte mir, wo ich die OPs der Gastro finden könne. Ich fühlte mich leicht verloren. Ich schaffte es dann tatsächlich, mehreren Kolo- und Gastroskopien beizuwohnen. Die Ärzte waren zwar sehr nett und erklärten mir auch immer mal wieder was. Das Problem war nur, dass sie nach den Untersuchungen einfach verschwanden, ohne sich weiter um mich zu kümmern, und ich stand dann allein da und musste mir wieder eine neue Beschäftigung suchen. Weil mir das auf Dauer zu blöd war, begleitete ich ab dem nächsten Tag wieder die Externes. Ab sofort bekam ich eigene Patienten zugeteilt, die ich visitieren und untersuchen konnte. Das machte mir wirklich Spaß, und ich hatte hier immerhin das Gefühl eines Lerneffekts, sowohl fachlich als auch sprachlich. Außerdem durfte ich den Externes bei kleineren Maßnahmen wie z.B. Aszitespunktionen assitieren. Weil es nicht unbegrenzt viel für mich zu tun gab, war ich ab dem 3. Tag nur noch vormittags in der Klinik. Damit konnte ich mich gut arrangieren. Am Ende der ersten Woche hatten wir plötzlich den ersten Patienten auf Station, der positiv auf Covid-19 getestet wurde. Dummerweise hatten die Pfleger und Ärzte, die zuvor Kontakt zu ihm hatten, keinerlei Schutzmaßnahmen ergriffen. Es war sehr interessant für mich, eine Station in einer solchen Extremsituation zu erleben. Ab diesem Tag durften alle nur noch mit Maske auf die Station und es wurden strengere Hygienemaßnahmen durchgeführt. Nur wenige Tage später wurde das Elsass zum Risikogebiet erklärt, und das merkte man natürlich auch auf Station. Die Lage war sehr angespannt. Trotzdem war es für mich eine einmalige Erfahrung, Pandemiebekämpfung in einem für mich fremden Gesundheitssystem mitzuerleben.

Land und Leute

In Strasbourg als Stadt habe ich mich sofort verliebt. Hier hat man es geschafft, historische Gebäude in Einklang mit moderner Architektur zu bringen. Obwohl Strasbourg nicht riesig ist, hat es einiges zu bieten. Als Standort des Europaparlaments ist es sehr international und ein echter Touristenmagnet. Die Geschichte des Elsass ist durch den ewigen Wechsel der Nationalität hochinteressant, und es lohnt sich wirklich, eines der vielen Museen vor Ort zu besuchen. Sehr zu empfehlen ist das „musée historique“, das einen guten Überblick über die Stadtgeschichte bietet. Die Kulinarik ist mit Spezialitäten wie Sauerkraut, Speck und „Tartes flambées“ etwas deftig, aber sehr authentisch, vor allem wenn man sich dabei in einem historischen Gebäude befindet – und davon gibt es viele in Strasbourg. Undbedingt probieren sollte man auch die wahnsinnig leckeren Eclairs, die man in den fantastischen Boulangerien, die es quasi überall gibt, kaufen kann. Man sollte auf jeden Fall nicht damit rechnen, mit weniger Gewicht nach Hause zurückzukommen. Dafür sind die französischen Backkünste einfach zu gut. Auch das Nachtleben in Strasbourg ist nicht zu verachten. Und man trifft auch einige Erasmus-Studenten aus den unterschiedlichsten Ländern, die sehr feierfreudig sind. Die Landschaft um Strasbourg herum läd zu ausgiebigen Spaziergängen ein. Es lohnt sich auch auf jeden Fall, eines der umliegenden Dörfer zu besuchen. Sehr schön für mich war ein Tagesausflug zur „Haut Koenigsbourg“ mit meiner Gastschwester und dem anderen Income. Von dort hatte man eine traumhafte Sicht bis zum Schwarzwald und konnte in die ritterlich anmutenden alten Gemäuer der Burg eintauchen. Sehr praktisch ist die Nähe Strasbourgs zu Paris. Da kann man schnell mal in 2 Stunden mit dem TGV für einen Tagausflug hinfahren. Eine absolute Empfehlung für alle, die noch nie in der französischen Hauptstadt waren. Sie hat kulturell einfach alles zu bieten. Das hier allerdings im Detail aufzuzählen, würde den Rahmen ein wenig sprengen. Die Menschen, die ich während meines Aufenthalts kennenlernen durfte, sind mir sehr ans Herz gewachsen. Ich erlebte sehr offene und herzliche Leute und eine unglaubliche Gastfreundschaft! Unsere Gastschwestern organisierten ein tollen Programm für meinen deutschen Income-Kollegen und mich. Vom Raclette-Crêpes-Abend bis zu Ausflügen und Bowling war alles dabei. Allein schon wegen der wunderbaren Menschen lohnt es sich, nach Strasbourg zu kommen. Meine Gastfamilie hat sich wirklich rührend um mich gekümmert und alles top organisiert. Ich durfte sogar mit meiner Gastmutter zu ihren Chorproben mitkommen. Besser kann man die Menschen gar nicht kennenlernen, als wenn man mit ihnen singt. Das war ein echtes Highlight für mich! In dieser Hinsicht blieb also wirklich kein Wunsch offen.

Fazit

Ich bin unglaublich froh, dass ich mich zu einem Austausch mit dem bvmd entschieden habe und würde es immer wieder machen. Strasbourg als Stadt kann ich auch nur weiterempfehlen! Ich habe mich dort einfach unglaublich wohlgefühlt. Dies lag natürlich auch mit an den wahnsinnig herzlichen Einheimischen, die ich dort kennenlernen durfte. Die Strasbourger werden mir immer als sehr gastfreundlich, humorvoll und lebensfroh in Erinnerung bleiben. Mein Französisch hat unglaublich von den vielen Gesprächen mit tollen Personen profitiert, und ich habe nun richtig Feuer gefangen und möchte auch Teile meines PJs im Ausland machen. Das einzige Detail, dass ich im Nachhinein ändern würde, wäre die Station. Die Ärzte, Pfleger und Studenten dort waren alle sehr nett, aber um einen großen Lerneffekt in fachlicher Hinsicht zu haben, sollte man lieber auf eine andere Station gehen. Alles in allem bin ich einfach nur dankbar für die wunderbaren Erfahrungen, die ich machen und die fantastischen Menschen, die ich kennenlernen durfte! Ich werde meine Zeit dort sicher nie vergessen!

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