zurück

Phalombe Clinic (Malawi)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Lea, Köln

Motivation

Nachdem ich bereits einen Teil meines Pflegepraktikums und auch ein Studiensemester im Ausland verbracht hatte, wollte ich unbedingt meinen letzten verbliebenen Famulaturmonat dafür nutzen, noch ein weiteres Land auf diese Weise kennenzulernen. Natürlich macht man ganz andere Erfahrungen, wenn man nicht nur zum Reisen, sondern auch zum Studieren oder Arbeiten in ein fremdes Land kommt. Man bekommt die Chance, sowohl fachlich als auch persönlich viel Neues zu lernen und erhält Einblicke in andere Gesundheitssysteme, eine andere Art der Patientenversorgung oder auch Krankheitsbilder, die man in Deutschland so vermutlich nie gesehen hätte. Darüber hinaus kann ich mir gut vorstellen, als Ärztin später eine Zeit im Ausland zu arbeiten, sodass ich möglichst früh schon viele Erfahrungen in diese Richtung sammeln möchte. Aus dieser Motivation heraus wollte ich meinen Austausch gerne in einem Land verbringen, dass sich sehr stark von Deutschland unterscheidet. So bewarb ich mich auf einen Public Health Austausch in Afrika, mit dem Erstwunsch Malawi. Daran hat mich gereizt, dass beim Public Health Austausch nicht nur das reine Arbeiten in der Klinik eine Rolle spielt, sondern man auch an einem Projekt mitwirkt, in dem versucht wird, die Gesundheitsversorgung vor Ort zu verbessern. Da ich noch nie in Afrika war, konzentrierte ich mich in meiner Bewerbung auf diesen Kontinent und entschied mich für Malawi, da ich von diesem Land wirklich keine Vorstellung hatte und ich dieses Unbekannte gerne kennenlernen wollte. Außerdem klang das Projekt, das der Verein Malawimed dort etabliert hat, sehr spannend. Nachdem ich einige Erfahrungsberichte gelesen hatte stand meine Entscheidung also schnell fest.

Vorbereitung

Insgesamt lief die Bewerbung bei mir recht unkompliziert. Auf der Website der bvmd steht sehr detailliert, was man alles braucht, und auch unsere lokale AG Austausch konnte ich immer ansprechen. Außerdem habe ich noch ein Predeparture Trainning der bvmd besucht, das sich wirklich gelohnt hat! Dort kann man sich super mit anderen Leuten austauschen und lernt, seine eigene Motivation und Erwartungen an den Aufenthalt nochmals zu hinterfragen. Nach der Zusage meldet sich der Verein Malawimed zeitnah bei euch und schickt nochmal einige Informationen, eine Packliste und Ähnliches zu. Außerdem wird eine WhatsApp Gruppe erstellt mit dem Vorstand von Malawimed und allen Famulanten, die zeitgleich da sind, sodass man bereits vor dem Austausch viel kommuniziert und immer einen Ansprechpartner hat.

Visum

Das Visum lässt sich ganz unkompliziert am Flughafen beantragen und kostet 50 US-Dollar. Die sollte man am besten in bar dabei haben, da es schonmal gut sein kann, dass das Kreditkartenlesegerät nicht funktioniert. Ich hatte das allerdings vergessen, da ich vorher schon am Reisen war, und durfte dann das Flughafengebäude in Blantyre schonmal verlassen, um am ATM davor Bargeld abzuheben. Dann bin ich wieder rein und habe bezahlt. Die Beamten waren in meinem Fall also sehr entspannt ;-) Allerdings kann es auch sein, dass in den Bankautomaten grade kein Geld ist, also ist es schon am schlauesten, einfach 50 Dollar bar dabeizuhaben. Anscheinend kann man das Visum neuerdings auch online beantragen, aber ich würde es einfach am Flughafen machen. Das Visum ist dann 30 Tage gültig, lässt sich aber im Immigration Office in Blantyre im Verlauf des Aufenthalts verlängern.

Gesundheit

In Malawi gibt es natürlich einige Dinge zu beachten, zunächst einmal solltet ihr alle eure Impfungen beim Reisemediziner checken lassen. Abgesehen von den Standardimpfungen sind z.B. Meningokokken, Tollwut, Cholera etc. empfohlen. Macht euch da also rechtzeitig schlau was euch noch fehlt. Ich habe auch dauerhaft eine Malaria-Prophylaxe eingenommen. Guter Mückenschutz in Form von Sprays und Moskitonetzen ist echt wichtig, die Mücken dort sind wirklich nervig. Ansonsten würde ich eine umfangreiche Reiseapotheke mitnehmen, da man nie weiß welche Sachen man dort bekommen kann und was nicht. Außerdem beträgt die HIV-Prävalenz dort ca. 10 Prozent, im Krankenhaus eher mehr, seid also sehr vorsichtig mit Nadeln etc. Eine Post-Expositionsprophylaxe gibt es wohl vor Ort, aber in die Situation will man natürlich nicht kommen. Auch Tuberkulose ist sehr häufig und es gibt eine ganze Station für diese Patienten. Die ist jedoch nicht sonderlich effektiv isoliert. FFP-Masken gibt es prinzipiell im Krankenhaus, zur Vorsicht schadet es aber nicht auch selber welche mitzunehmen. Ein weiteres Thema was eher beim Reisen relevant wird ist das Vorkommen von Schistosomiasis im Malawisee, da muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er ein Bad im See riskieren will. Einige haben sich Praziquantel günstig in der Krankenhausapotheke gekauft, andere Famulanten haben in Deutschland einen Test gemacht. Ist am Ende jedem selbst überlassen.

Sicherheit

Wir haben uns in Malawi stets sehr sicher gefühlt. Es ist zwar eins der ärmsten Länder der Welt, hat aber prinzipiell eine sehr stabile Sicherheitslage und wir sind nie in unangenehme Situation gekommen, abgesehen davon dass man mal nach Geld gefragt wird. Auf dem Campus lebt man sowieso sehr behütet, dort wird das Tor jede Nacht abgeschlossen und da das Krankenhaus sehr ländlich gelegen ist, ist Taschendiebstahl nicht ganz so ein großes Thema wie in der Großstadt. Natürlich zählen die gleichen Sicherheitsregeln wie bei jeder Reise, auf Wertsachen aufpassen und selbstverständlich eine gute Auslandskrankenversicherung abschließen. Abgesehen davon sind die größeren Gefahren vermutlich die dort vorkommenden Krankheiten und der Straßenverkehr.

Geld

Die Währung Malawis ist der Kwacha (1 Euro = ca. 800 Kwacha). Teilweise werden auch US-Dollar akzeptiert aber eigentlich wird überall nur mit Kwacha gezahlt. Ihr solltet immer genug Bargeld dabei haben, da Kreditkartenzahlung nur selten irgendwo möglich ist. In Phalombe selbst gibt es keinen ATM, also hebt bei eurer Ankunft in Blantyre ruhig viel ab. An den Automaten habe ich mit meiner Visa-Karte immer problemlos Geld abheben können, teilweise kann man jedoch nur einmal den Maximalbetrag von 80.000 Kwacha abheben (etwa 100 Euro). Die Lebenshaltungskosten variieren stark. Während Obst, Gemüse und Grundnahrungsmittel sehr günstig sind, muss man für Luxus-Lebensmittel wie Milch, Käse oder Schokolade durchaus mehr bezahlen als in Deutschland. Öffentlicher Transport ist sehr günstig, jedoch ist Sprit ziemlich teuer. Während der Zeit im Krankenhaus hat man tendenziell jedoch keine hohen Ausgaben, da man vor Ort eh nicht viel unternehmen kann. Für die wunderbare Haushälterin Molli haben wir pro Person ca. 17,50 Euro Gehalt die Woche gezahlt.

Sprache

Die Amtssprachen in Malawi sind Chichewa und Englisch, darüber hinaus gibt es noch viele regionale Sprachen. Die Ausbildungssprache ist Englisch, sodass das ganze Personal im Krankenhaus prinzipiell gut Englisch spricht und auch die Morning Conference wird auf Englisch abgehalten. Jedoch kann der Akzent manchmal eine Herausforderung sein, vor allem wenn es um Eigennamen von Medikamenten etc. geht, die dort zum Teil andere Bezeichnungen haben. Die Patienten sprechen oft kaum oder gar kein Englisch. Wir alle haben versucht möglichst viele Wörter und Redewendungen auf Chichewa zu lernen, worüber sich alle sehr freuen. Leerlaufzeiten im Krankenhaus habe ich oft genutzt, um mir von jemandem ein paar Wörter auf Chichewa in mein Notizbuch schreiben zu lassen. Die Sprache ist jedoch echt schwer zu lernen und um auf ein Niveau zu kommen, um sich wirklich mit Patienten unterhalten zu können, müsste man wohl sehr viel Arbeit investieren. Alle schriftlichen Dokumente im Krankenhaus sind jedoch auch auf englischer Sprache. Also keine Sorge, versucht so viel Chichewa zu lernen wie ihr könnt denn das macht wirklich Spaß, aber ihr kommt mit Englisch gut zurecht. Es ist nur schade, dass man bei den Visiten nie die Gespräche mit den Patienten verstehen kann.

Verkehrsbindungen

Internationale Flughäfen gibt es in Lilongwe und Blantyre, wobei Blantyre deutlich näher am Krankenhaus liegt. Dort könnt ihr auch von einem Fahrer des Krankenhauses abgeholt werden. Falls ihr vorher schon reist könnt ihr auch mit dem Bus über den Landweg einreisen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Blantyre fahren. Im Land gibt es für längere Strecken klassische Reisebusse und für kürzere Strecken oft stark überfüllte Minibusse. Die sind sehr günstig, fahren nicht wirklich nach festem Fahrplan und auch Unfälle passieren häufiger. In Malawi sind viele Leute zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs, sodass da leider oft was passiert. Wenn ihr während der Famulatur Wochenendausflüge machen wollt, wird euch immer ein Fahrer des Krankenhauses fahren. Das ist zwar teurer, da ihr Spritkosten übernehmen müsst und dem Fahrer noch einen kleinen Lohn zahlt, aber die Zuständigen im Krankenhaus haben einfach zu viel Sorge, dass euch während des Aufenthalts etwas passiert. Also sollte man das einfach dankend annehmen und sich über diesen privaten Fahrdienst freuen.

Kommunikation

In der Unterkunft gibt es kein WLAN, also haben wir uns alle in Blantyre eine Simkarte geholt. TNM hat am Krankenhaus den besten Empfang. Der ist jedoch auch mal mehr mal weniger gut, während eines Stromausfalls hat man in der Regel auch nicht wirklich Internetempfang. Ansonsten klappt‘s aber gut. 4 GB Internet für 30 Tage kosten ca. 10 Euro. Am Krankenhaus gibt es auch einen TNM-Stand wo man Guthaben und Datenvolumen aufladen kann.

Unterkunft

Die Unterkunft bekommt ihr gestellt und die Miete ist in den Bewerbungsgebühren an den Verein Malawimed enthalten. Wir waren wirklich super zufrieden! Man läuft 2 Minuten zum Krankenhaus, das Grundstück ist durch eine Mauer vom restlichen Krankenhausgelände abgetrennt und dort stehen zwei Gebäude, in dem einen haben wir gewohnt und in dem anderen ein Schwesternorden. Die haben auch immer wieder geschaut wie es uns geht und sind wirklich herzallerliebst! Jeder hatte ein eigenes Zimmer, die waren einfach eingerichtet aber sauber und vollkommen in Ordnung, wir haben uns echt schnell wohlgefühlt. Wir haben den Großteil der Zeit draußen auf einer kleinen Terrasse gesessen, umgeben von einem kleinen grünen Garten wo es zu unserer Zeit beispielsweise immer frische Limetten zu pflücken gab, einfach traumhaft. Außerdem gab es eine Küche und einen Aufenthaltsraum. Zu beachten ist, dass Strom und Wasser öfter mal weg sind (in der Regel nie länger als ein paar Stunden) und man nur kalt duschen kann.

Literatur

Ich habe im Internet auf verschiedenen Seiten recherchiert, natürlich bei Malawimed selbst und beim Auswärtigen Amt, außerdem auf verschiedenen Reiseblogs. Ansonsten hatte ich den Lonelyplanet „Zambia, Mozambique & Malawi“ dabei, der einen guten Überblick gibt. Da er drei Länder abdeckt ist er aber natürlich nicht sehr detailliert. Sonst hatte ich noch den Kauderwelsch Sprachführer Chichewa dabei (davon stand zuletzt auch noch ein Exemplar in der Unterkunft), den ich sehr gut fand wenn man Interesse hat ein paar Basics der Sprache zu lernen.

Mitzunehmen

Wie bereits erwähnt bekommt man eine Packliste von Malawimed zugeschickt, die eigentlich ziemlich vollständig ist, deswegen greife ich hier nur ein paar Sachen nochmal auf. Für die Arbeit im Krankenhaus braucht ihr auf jeden Fall Kasacks. Wenn ihr könnt freuen sich die Mitarbeiter dort sehr, wenn ihr die nach eurem Aufenthalt dort lasst. Handschuhe und Mundschutz hatten wir alle dabei, die gibt‘s aber prinzipiell auch im Krankenhaus (so dünne gepuderte Latexhandschuhe). Desinfektionsmittel zum Selbstschutz sollte man auf jeden Fall mitnehmen, am besten eine große Flasche zum Nachfüllen und eine kleine für die Kasacktasche. Ansonsten Malariatabletten und die klassische Reiseapotheke, Nobite-Spray, Moskitonetz (hier gibt es auch welche in der Unterkunft aber wir hatten alle eigene dabei). Weite sommerliche Kleidung, aber nicht zu knapp, und für die Abende einen Pullover. Wenn ihr Lust habt, den Mt. Mulanje zu besteigen, solltet ihr auch an Wanderausrüstung denken. Stirnlampe ist aufgrund der häufigen Stromausfälle ebenfalls wichtig. Ansonsten so das Übliche was man halt für eine Fernreise braucht ;-)

Reise und Ankunft

Die Anreise hat problemlos funktioniert. Wir haben dem Krankenhaus zuvor unsere Ankunftszeit mitgeteilt, sodass die Abholung vom Flughafen Blantyre organisiert werden konnte. Nachdem ich gelandet war wartete ich ca. Eine halbe Stunde auf den Fahrer, der dann über die Ankunft der anderen beiden Famulantinnen nicht genau Bescheid zu wissen schien, aber da wir alle vorher über WhatsApp Kontakt hatten konnte ich ihm mitteilen wen wir wann wo abholen müssen, sodass im Endeffekt alles geklappt hat. In Blantyre hat man nochmal die Möglichkeit, in einem großen Supermarkt einkaufen zu gehen. Hier sollte man einen Grundstock an Lebensmitteln besorgen, die man in Phalombe nicht so leicht bekommt, z.B.Brotaufstrich, Kaffee etc. Generell sollte man auch an alles mögliche an Grundausstattung denken, da man nie wissen kann ob die alten Famulanten noch was dort gelassen haben und man prinzipiell alles selber besorgen muss. Dazu gehören Sachen wie Klopapier, Spüli, Waschmittel, Kerzen, Streichhölzer, zahlreiche Wasserkanister zum Trinken, Öl, Salz usw. Nach ca. 2 Stunden Fahrt erreichten wir das Holy Family Mission Hospital. Wir hatten das Glück, am Wochenende anzukommen und noch zwei Tage Überschneidung mit den alten Famulantinnen hatten. So konnten sie uns bereits von ihren Erfahrungen erzählen, uns auf dem Gelände rumführen und Leuten vorstellen, z.B. Den Sisters und Erick, der Pfleger im Krankenhaus ist und sich um die ausländischen Studierenden kümmert. Am Montag begannen wir dann mit der Famulatur. Hier haben wir uns am Ende der Morning Conference kurz vorgestellt und uns danach auf Stationen aufgeteilt, wo man sich immer einfach bei allen Leuten vorstellen sollte. Alle sind super nett und freuen sich sehr, die neuen Studenten kennenzulernen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Jeder Tag beginnt mit einer Morning Conference um 7:30, zu der Pfleger, Clinicians und der einzige Arzt des Krankenhauses kommen und die einzelnen Stationen ihre Neuaufnahmen, Todesfälle etc. vorstellen. Außerdem werden noch jegliche weitere Anliegen diskutiert und manchmal sogar Vorträge gehalten. Der Arzt freut sich sehr, wenn ihr euch auch bereit erklärt mal über ein Thema eurer Wahl zu referieren. Am ersten Tag wurden wir dann erstmal von einem der Clinicians im Krankenhaus rumgeführt. Die Clinicians erfüllen in Malawi den Großteil der Aufgaben, die in Deutschland von Ärzten übernommen werden. Wie bereits erwähnt gibt es im HFM-Hospital nur einen Arzt, Jamie. Er ist wirklich super! Er wirkt noch total jung aber hat echt viel Ahnung, macht gerne Teachings und erklärt total viel, alles in perfektem Englisch.
Im Krankenhaus gibt es 4 Stationen: Male, Female, Labour und pediatrics. Wenn man einen Monat dort ist kann man also eine Woche auf jeder Station verbringen, man ist aber total frei darin wie man seine Zeit dort gestalten möchte und was man sehen will. Ihr müsst euch nur unter euch Famulanten absprechen. Wir waren zu dritt und bei uns war immer nur einer gleichzeitig auf einer Station, was denke ich sinnvoll ist um möglichst viel mitzunehmen. Die Tage beginnen dann zunächst mit der Visite, wobei die Clinicians wenn man interessiert ist gerne was zu jedem Patienten erklären. Die Gespräche auf Chichewa kann man ja leider nicht verstehen. Dort sieht man viele verschiedene Krankheitsbilder, wobei man sich zum Teil dran gewöhnen muss, dass Symptomen oft natürlich nicht in der Tiefe auf den Grund gegangen werden kann wie bei uns. So liegen oft Patienten mit „severe anemia“ auf Station - man sieht durchaus häufig mal einen Hb von 3 g/dL - woraufhin ein Malariatest gemacht wird, und wenn der negativ ist wird oft nicht weiter nachgeforscht oder der Test irgendwann wiederholt. Pneumonien, Tuberkulose, weit fortgeschrittene Karzinome, schwere Formen der Mangelernährung, Schlangenbisse, diverse AIDS-assoziierte Erkrankungen - das Spektrum an Krankheitsbildern ist groß und man kann super viel Neues lernen. Wie viel man praktisch selber machen kann hängt stark von einem selbst ab. Wenn ihr Interesse habt viele Viggos zu legen könnt ihr einfach zu den Krankenpflegern gehen und fragen ob ihr sie unterstützen könnt und ihr dürftet vermutlich auch Lumbalpunktionen etc. machen wenn ihr die Clinicians fragt. Bei diesen ganzen Prozeduren wird jedoch vor allem aus hygienischer Sicht oft nicht nach den bei uns gewohnten Standards gearbeitet und ihr müsst selbst entscheiden, ob ihr euch damit wohl fühlt solche invasiven Tätigkeiten dort auszuführen und zu lernen. Wo ihr als Studenten gerne mit eingespannt werdet sind die zahlreich durchgeführten Ausschabungen auf der Female und Labour Ward. Hier assistiert ihr entweder und haltet lediglich das Spekulum oder ihr führt die Ausschabung nach ein paar Malen selber durch. Da die Prozedur oft nur mit einer ungenügenden Menge Schmerzmitteln durchgeführt wird und das Ganze recht blutig ist, kann der ein oder andere dabei zunächst auch mal an seine Grenzen stoßen. Ansonsten kann man auf der Labour Ward unter Aufsicht selbstständig Geburten durchführen, was für mich eines der Highlights meines Aufenthalts war. Außerdem könnt ihr z.B. im OP oder beim Sono zuschauen wann immer ihr mögt. Was für mich persönlich zum Teil eine schwierige Erfahrung war war der Umgang mit Todesfällen. Regelmäßig versterben Patienten auf Station, da es keine Möglichkeit der Intensivbehandlung wie künstliche Beatmung gibt und reanimiert wird eigentlich nie. Das gilt auch für Neugeborene. So ist es mir beispielsweise passiert, dass ein 3 Tage altes Neugeborenes nach Asphyxie plötzlich aufgehört hatte zu atmen, das Baby vom Personal lediglich etwas geschüttelt wurde sodass ich schließlich mit der Reanimation begann. Die war natürlich leider erfolglos und im Nachhinein habe ich mich auch gefragt, was die Konsequenz gewesen wäre, da für das Kind auch keine weiteren Behandlungsoptionen bestanden hätten. Ich war nach dieser Situation ziemlich ergriffen, aber das Personal und auch die Mutter des Kindes blieben sehr gefasst. Man merkt einfach, dass dort öfter Säuglinge versterben, aber wenn man das deutsche Setting gewohnt ist, kann es einen durchaus belasten, dass dieses „einfach sterben lassen“ zum Teil Normalität ist.
Abgesehen von solchen Zwischenfällen hat die Arbeit im Krankenhaus aber richtig viel Spaß gemacht. Mit den Clinicians und Pflegern habe ich mich immer super verstanden, alle waren total nett und interessiert und es wird viel gemeinsam gelacht. Überarbeiten tun sie sich in der Regel auch nicht, sodass viel Zeit bleibt, zwischendurch gemütlich zusammenzusitzen und zu quatschen, bis mal die nächste Prozedur angegangen wird. Zum Gesundheitssystem im Allgemeinen ist noch zu sagen, dass man natürlich deutlich begrenztere Möglichkeiten hat als in Deutschland. Intensivbetten gibt es im Krankenhaus nicht, ebenso wenig wie einen Beatmungsmonitor für den OP. Andere Sachen fallen aber wiederum positiv auf, so erhält zum Beispiel jeder HIV-Patient lebenslang eine kostenlose antiretrovirale Therapie. Insgesamt könnt ihr euch also darauf einstellen, im Krankenhaus mit Sicherheit mal schwierige Situationen zu erleben, aber gleichzeitig super viel Neues zu lernen und stets mit offenen Armen in einem neuen Team empfangen zu werden.

Land und Leute

Malawi ist wirklich ein tolles Land! Die Leute sind super freundlich und hilfsbereit, unangenehme Situationen gab es eigentlich nie. Man fällt als Deutscher natürlich extrem auf und wenn man herumläuft muss man sich darauf einstellen, dass vor allem Kinder regelmäßig aufgeregt „Azungu“ („Weißer“) schreien, wenn sie einen sehen. Wenn man ihnen dann noch lieb zuwinkt, freuen sie sich umso mehr. Wir haben dieses Auffallen immer eher als eine positive Neugier empfunden und hatten nie das Gefühl, dass die Leute uns mit einer negativen Einstellung begegnet sind. Die Um. gebung des Krankenhauses ist wunderschön, der höchste Berg des Landes (Mt. Mulanje) ist direkt um die Ecke. Dort lohnt es sich definitiv, ein paar Wanderungen zu machen! Ansonsten haben wir an einem Wochenende noch ein Projekt von Ärzte ohne Grenzen im benachbarten Distrikt besucht, was für uns auch eine sehr spannende Erfahrung war. Weitere lohnenswerte Ziele sind die verschiedenen Nationalparks, wo man tolle Safaris machen kann, und natürlich der Malawisee (aufgrund der Entfernung aber eher für die Reise danach). Wie bereits erwähnt waren wir im Krankenhaus sehr wohl behütet, Erick und auch die Sisters haben stets darauf geachtet, dass wir nach Einbruch der Dunkelheit auch Zuhause waren und am Wochenende nicht auf eigene Faust irgendwo hinfahren. Kulturell fällt einem schnell auf, dass Religion hier noch eine sehr viel größere Rolle im Alltag spielt als bei uns. Dies liegt natürlich auch daran, dass zwei Schwesternorden auf dem Gelände leben und mit im Krankenhaus arbeiten. Darüber hinaus wird beispielsweise vor der Morning Conference immer gebetet und man wird häufig gefragt, welcher Religion man denn angehört. Grade in den ländlichen Bereichen spielen außerdem traditionelle Heiler noch eine wichtige Rolle. Wirtschaftlich gesehen ist Malawi eins der ärmsten Länder der Welt. Noch Anfang der 2000er Jahre gab es dort eine dramatische Hungersnot. Viele Menschen können sich nur grundlegendste Lebensmittel wie Maismehl und Gemüse leisten. Die Angestellten im Krankenhaus haben dafür fast alle Smartphones, schicke Handtaschen und Uhren (wobei auch ihr Gehalt noch immer niedrig ist). Wenn unsereins dann mal mit einem dreckigen Jutebeutel im Krankenhaus auftaucht, wird man freundlich darauf hingewiesen, dass der mal gewaschen werden sollte ;-) Da Bildung in Malawi Geld kostet, aber man ohne Bildung kaum an einen festen und angemessen bezahlten Job kommt, ist Armut oft ein Teufelskreis, der nur sehr schwer durchbrochen werden kann.

Fazit

Ich kann das Projekt im Holy Family Mission Hospital wirklich wärmstens empfehlen! Wenn man sich für Public Health, Tropenmedizin und die Gesundheitsversorgung in limitierten Settings interessiert, kann man hier intensive Einblicke bekommen und unglaublich viel lernen. Dazu sind die Leute dort mit die freundlichsten, denen ich je begegnet bin und nach wenigen Tagen fühlt man sich schon wie zuhause. Wenn man sich an die richtigen Leute hält und Initiative zeigt, kann man auch selbst viel praktisch machen. Dadurch, dass man mit anderen deutschen Famulanten zusammen wohnt, hat man auch nach der Arbeit direkt eine Möglichkeit, sich über das Erlebte auszutauschen, was für uns alle sehr hilfreich war. Manchmal ist man ja doch etwas erschlagen von den ganzen Eindrücken und freut sich dann, jemanden vor Ort zu haben, dem es genauso geht. Ich werde die Zeit dort nie vergessen und bin sehr dankbar für all die Erfahrungen, die ich dort machen durfte!

zurück