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Indonesia (CIMSA-ISMKI)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Anna, Leipzig

Motivation

Ich wollte eine Famulatur im Ausland machen um ein anderes Gesundheitssystem kennenzulernen. Erwartungen an meinen Austausch hatte ich vorher eigentlich nicht, da ich der Meinung bin dass man die besten Erfahrungen macht wenn man sich einfach darauf einlässt ohne große Vorstellungen zu haben.

Vorbereitung

Die Vorbereitungen waren bei mir sehr gering und haben sich beschränkt auf Flüge buchen, Visum und Impfungen. Spezielle Kurse habe ich im Vorhinein nicht belegt, auch konnte ich kein Bahasa, was aber kein Problem war.

Visum

Um mein Visum zu beantragen bevor ich abgereist bin war es leider schon zu spät bzw. hätte ich meinen Reisepass vermutlich nicht rechtzeitig zurück bekommen. Deshalb entschied ich mich für ein Visa on Arrival. Dies ist für 30 Tage gültig und kann vor Ort beim Immigrationsbüro nochmals um 30 Tage verlängert werden. Die Kosten beliefen sich dann insgesamt auf circa 60€.

Gesundheit

Vor meiner Abreise habe ich mich bei meinem Hausarzt impfen lassen. Fragt dort am besten mal nach was ihr noch braucht, und macht das frühzeitig da manchem Impfungen mehrfach durchgeführt werden müssen und somit einige Wochen Vorlaufzeit benötigen.
Eine Auslandskrankversicherung ist sehr zu empfehlen.

Sicherheit

Ich würde sagen dass Indonesien sehr sicher ist. Natürlich kommt es dabei immer darauf an, wo man sich aufhält. Mir gegenüber waren sie jedoch stets freundlich und ich wurde auch auf der Straße immer sehr nett gegrüßt.
Da ich während dem Covid-19 Ausbruch in Indonesien war, war ich allerdings dann doch froh als ich mit dem Auswärtigen Amt zurück nach Deutschland gekommen bin.

Geld

In Indonesien zahlt man mit indonesischen Rupien. Außer in größeren Geschäften habe ich eigentlich immer bar bezahlt. Geld kann man ganz einfach am Automaten abheben, die gibt es an jeder Ecke.
Die Preise sind sehr niedrig verglichen mit Deutschland. Aber auch hier kommt es auf die Region an, in Solo bekommen man ein Essen mit Getränk bereits für einen Euro, auf Bali hingegen gibt es auch einige Restaurants mit deutschen Preisen.
Generell habe ich aber während meinem Praktikum kaum Geld ausgegeben, da mein Zimmer vom Komitee dort gestellt wurde und ich sehr oft von denn Ärzten zum Essen eingeladen wurde.

Sprache

Die Landessprache ist Bahasa. Allerdings wird in den Regionen jeweils eine andere Sprache gesprochen, was es natürlich noch einmal deutlich schwerer macht. Die meisten gebildeten Menschen sprechen aber Englisch und im Krankenhaus kann man sich mit dem Personal ohne Probleme auf Englisch unterhalten. Die Morgenvisite wird ohnehin auf Englisch gehalten und auch sonst waren die Ärzte/innen und Studenten/innen sehr bemüht zum Englisch zu wechseln wenn ich dabei war.

Verkehrsbindungen

Meine Anreise plante ich nach Yogyakarta und von dort aus mit dem Zug weiter nach Solo.
Zwischen den verschiedenen Landesteilen bietet es sich an zu fliegen, da die Strecken doch sehr weit sind und die Flugtickets sehr günstig.
Ansonsten kann man für Wochenendausflüge sehr gut die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen (Bus, Zug). Diese sind sehr günstig und meistens voll mit Einheimischen, was eich eine sehr interessante Erfahrung fand.
Um sich in der Stadt zu bewegen bietet sich Grab oder GoJek an, das sind Apps mit denen man sich ein Taxi bestellen kann - entweder per Auto oder Motorroller.
Meine Unterkunft war aber so nah am Krankenhaus, dass ich auch jeden Morgen hinlaufen konnte.

Kommunikation

Vor Ort habe ich mir eine Simkarte mit Datenvolumen gekauft. Das ist dort im Vergleich zu Deutschland wirklich sehr günstig und sobald das Datenvolumen aufgebraucht ist kann man sich neues kaufen. Generell nutzen die Menschen dort WhatsApp, auch für Anrufe, sodass es sehr empfehlenswert ist, erreichbar zu sein.
In der Unterkunft gab es WLAN, genau wie eigentlich in jedem Café/Restaurant.

Unterkunft

Ich habe vom Komitee vor Ort ein Zimmer bekommen. Bad und Küche habe ich mir mit einer anderen Studentin geteilt, wobei wir dort nie gekocht haben weil das Essen außerhalb dafür viel zu lecker und zu günstig war.
Bettwäsche wurde mir von meiner Kontaktperson gestellt, das sollte aber vorher abgesprochen werden.

Literatur

Fachliteratur habe hatte ich nicht dabei. Wenn ich etwas nachlesen wollte, habe ich dafür einfach Amboss verwendet. Ansonsten hatte ich einen kleinen Sprachführer dabei, eine App auf dem Handy zum Übersetzen reicht aber auch aus.

Mitzunehmen

Wichtig ist hier, dass du für die Arbeit im Krankenhaus schicke Kleidung brauchst. Das heißt Bluse und Stoffhose oder Rock der bis über die Knie gehen muss, Männer tragen ein Hemd. Die Kleidervorschriften sind hier sehr streng.
Ich hatte keinen Laptop dabei, weil ich vorher noch gereist bin. Falls ihr aber nur zum Praktikum dort seid würde ich euch empfehlen ein Gerät für Recherchen mitzunehmen. Ich konnte mir glücklicherweise für einen Bericht, den ich schreiben sollte, den Laptop einer anderen Studentin ausleihen.

Reise und Ankunft

Ich bin einen Tag vor Praktikumsbeginn angereist. Geflogen bin ich nach Yogyakarta und dann mit dem Zug nach Solo gefahren. Dort wurde ich von meiner Kontaktperson abgeholt uns zu meiner Unterkunft gebracht.
Am ersten Tag meines Praktikums habe ich mich mit meiner Kontaktperson dann vor dem Krankenhaus getroffen und wir haben zuerst die administrativen Aufgaben erledigt bevor es auf Station ging. Dort wurde ich dem Chefarzt vorgestellt und anschließend hat mich einer der Assistensärzte mitgenommen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich durfte mein Praktikum in der Chirurgie machen und habe mir zu Beginn die Orthopädie und Unfallchirurgie aussuchen dürfen. Die chirurgische Abteilung hat 8 Fachbereiche aus denen man zu Beginn wählen darf. Für mich hat es mehr Sinn gemacht mich auf eine Fachrichtung zu konzentrieren, da ich so ein engeres Verhältnis zu den Ärzten aufbauen konnte, sodass mir auch mehr Aufgaben zugeteilt wurden.
Mein Tag begann morgens mit der Frühbesprechung, in der die neuen Patienten vorgestellt und die OPs für den jeweiligen Tag besprochen wurden. Danach durfte ich mir aussuchen ob ich mit in den OP oder in die Ambulanz wollte.
In der Ambulanz habe ich mit den anderen Studenten die Wundversorgung gemacht. An der Sprechstunde teilzunehmen war schwierig, da die Kommunikation mit dem Patienten nicht auf Englisch stattgefunden hat, sodass ich nur zusehen konnte ohne jedoch was zu verstehen.
Im OP durfte ich sehr oft mit an den Tisch und habe sehr viel praktische Erfahrungen machen dürfen. So durfte ich eigentlich immer am Ende der OP nähen und gelegentlich war ich 1. Assistenz und durften dann auch mal bohren oder schrauben. Hier war es allerdings sehr vom Arzt abhängig, und generell war es so, dass ich mehr machen durfte wenn ich auch direkt danach gefragt habe.
Das Highlight war meine „eigene“ erste OP, in der ich selbst schneiden, Drähte entfernt und danach wieder zugenäht habe. Der Arzt hat mir dabei nur alle Schritte angesagt und ein wenig assistiert - das war wohl eine der beeindruckendsten Erfahrungen in meiner bisherigen medizinischen Karriere.
Ich habe sehr viele Stunden im Krankenhaus verbracht, deutlich mehr als das wohl in einer Famulatur in Deutschland gewesen wäre. Allerdings waren die anderen Studenten und Assistenzärzte auch meine engsten Freunde in Indonesien und so hatte ich kein Problem damit bis spät Abends zu bleiben, oft haben wir dann auch noch zusammen Essen bestellt. Die Assistenzärzte operieren nämlich oft sehr lange bis in die Nacht hinein, und später am Tag bekommt man häufiger die Möglichkeit selbst etwas machen zu dürfen als gleich morgens bei der ersten OP.
Meine Erfahrung während der Famulatur werden mir wohl noch sehr lange im Gedächtnis bleiben. Ich durfte praktisch sehr viel lernen und habe viel Spaß an der Chirurgie gefunden. Auch wenn das Krankenhaus wohl auf einem anderen Stand ist, als es die Krankenhäuser in Deutschland sind fande ich, dass das Personal dort alles für ihre Patienten möglich gemacht hat. Es stehen eben weniger Mittel zur Verfügung, aber auch damit muss man umgehen lernen.

Land und Leute

In Indonesien könnte man wohl Jahre verbringen wenn man auch nur einen Teil des Landes kennenlernen möchte. Jede Insel, jede Region ist sehr verschieden.
Landschaftlich hat es auf jeden Fall sehr viel zu bieten. Empfehlen kann ich eine Vulkanwanderung oder auch nur einen Ausflug zu einem der unzähligen Wasserfälle. Es ist auf jeden Fall ratsam länger als nur die Zeit des Praktikums im Land zu bleiben. Ich war vorher auf Bali und Lombok, beide Inseln sind kulturell sehr anders als Java.
An den Wochenenden haben wir Ausflüge gemacht um die Gegend kennenzulernen. Wir waren bei einem hinduistischen Tempel und einem Wasserfall mit der Austauschgruppe. Ein anderes Wochenende sind wir ans Meer nach Pacitan gefahren. Die Fahrt dauerte 4 Stunden, aber wenn man das ganze Wochenende fährt lohnt sich der Weg. Ebenso geplant war ein 2-Tagestrip nach Yogjakarta, der aufgrund des Covid-19 Ausbruches und des damit zusammenhängenden Einschränkungen ausfallen musste.
Die Menschen empfand ich stets als sehr freundlich und interessiert. Es wird sehr viel gelacht und obwohl die meisten dort wenig besitzen sind sie sehr glücklich. Es wird viel zusammen gelacht, was auf Dauer auch wirklich ansteckend ist. Ich bin während meiner Zeit sehr viel gelassener geworden, auf Pünktlichkeit wird nicht so viel Acht gegeben. Allerdings ist der Tagesablauf ein wenig anders, viele Indonesier stehen bereits sehr früh auf zum Beten (80% sind Muslime).
Das Essen hat mich sehr überzeugt, mein Lieblingsessen war Gado Gado. Auf jeden Fall probieren! Ansonsten gibt es auf dem Markt sehr viel frisches Obst, hier habe ich mir oft etwas zum frühstücken mitgenommen. Und auch sonst macht es Spaß öfter über den Markt zu laufen und sich die Waren anzuschauen und ein bisschen zu handeln. Fragt am besten vorher einmal bei euren Freunden nach was ein guter Preis ist, sonst kann man auch ganz schön übers Ohr gehauen werden.







Fazit

Ich hatte eine unvergessliche Zeit in meiner Famulatur und wünsche jedem, dass er eine ähnliche Erfahrung machen kann! Indonesien kann ich nur wärmsten empfehlen - ich würde jederzeit wieder dorthin gehen und vielleicht werde ich auch einen Teil meines PJs dort verbringen.

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