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France (ANEMF)

Dermatologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Daniel, Leipzig

Motivation

Die Idee, mich für eine Auslandsfamulatur zu bewerben, stand bereits seit längerer Zeit im Raum, nachdem ich das erste Mal von der Möglichkeit durch einen Info-Abend der bvmd erfahren hatte.
Ursprünglich hatte ich vor, für ein ERASMUS Jahr nach Frankreich zu gehen — aber da sich meine Pläne in der Zwischenzeit etwas geändert hatten, entschied ich mich für eine Famulatur in unserem Nachbarland, um somit immerhin ein wenig Lebensgefühl von dort für die Dauer eines Monats mitzunehmen und mein Französisch mal wieder tagtäglich zu verwenden. Ich war selber bereits unzählige Male in Frankreich und habe deshalb eine sehr große Liebe für das Land und die Leute.

Vorbereitung

Die Vorbereitung für den Aufenthalt war dank der guten und klaren Organisation durch die bvmd anfangs recht simpel: Bewerbungsbogen entsprechend ausfüllen und die notwendigen Dokumente zusammensuchen und erstellen. Natürlich hoffte ich bereits da, dass sich der Aufwand lohnen würde, aber hatte mir im Vorhinein schon mittels Punkte-Score ungefähr meine Chancen ausgerechnet. Ich schwankte noch zwischen spanisch- und französischsprachigen Ländern, aber da mein Französisch-Zertifikat aus Schulzeiten (CertiLingua B2) die 4-Jahresgrenze zu erreichen drohte, fällte ich die Entscheidung für meinen Erstwunsch zugunsten von Frankreich und damit war eigentlich alles an „Vorbereitung“ getan. Als Tipp kann man mitgeben, sich früh genug um die gültigen Sprachzertifikate zu kümmern oder zumindest deren Gültigkeitsdauer bis zur gewünschten Bewerbungsfrist zu überprüfen — ich wusste anfangs bspw. nicht, dass die Gültigkeit hierbei auf 2 oder 4 Jahre begrenzt sein kann, je nach Sprache. Da Frankreich in der EU liegt, muss man als deutscher Staatsbürger weiter aber nichts weiter tun, außer sich um einen entsprechend negativen Tbc-Test zu kümmern (siehe Gesundheit). Ich habe auch keine separaten Sprach- oder Vorbereitungskurse im Vorhinein besucht.

Visum

Wie bereits erwähnt muss man sich als deutscher oder europäischer Staatsbürger keine Sorgen um ein Visum machen. Es reichen der Personalausweis oder der Reisepass.

Gesundheit

Hat man alle in Deutschland üblichen Impfungen à la Hepatitis, Meningokokken, MMR usw. durchführen lassen, die auch hierzulande für die Arbeit im Gesundheitssektor gefordert werden, hat man erstmal keine weiteren Zusatzimpfungen, die man vornehmen lassen muss.
Der einzige Unterschied zu Deutschland war jedoch der geforderte Nachweis bzgl. eines negativen Tbc-Status. Hierbei hatte ich bereits im Vorhinein gesehen, dass je nach Universitätsklinikum in Frankreich hier sogar unterschiedliche Anforderungen gestellt werden können (Mendel-Mantoux, also intrakutaner Tuberkulintest VS. teilweise auch Röntgen-Thorax gefordert).
Nach meiner Zusage für Frankreich musste ich dann die entsprechenden Dokumente hochladen.
Ich begnügte mich vorerst mit einem Mendel-Mantoux (intrakutaner Tuberkulintest) beim lokalen Gesundheitsamt, welcher kostengünstig für glaube ich unter 20 EUR gemacht werden konnte.
Die Bestätigung des Gesundheitsamts sendete ich zusammen mit meinem Impfpass mit und das reichte vorerst.
Als ich einige Wochen vor meinem Austausch nochmal vom lokalen LEO kontaktiert wurde mit einem Merkblatt für die benötigten Dokumente, auf denen für die Stadt Reims auch „XRAY“ stand, antwortete ich mit einer Mail, dass ich bis jetzt nur den Mendel-Mantoux hatte durchführen lassen, da das in Deutschland Standard sei zur einfachen und kostengünstigen Tuberkulose-Diagnose — Das reichte als Antwort und es wurde auch kein weiteres Röntgen-Bild gefordert.

Sicherheit

Da Frankreich auch in der EU als enorm sicheres Reiseziel gelten darf, muss man sich im Bezug auf die Sicherheit absolut keine Gedanken machen. Frankreich ist hierbei absolut vergleichbar mit Deutschland. Man sollte sicher bei einem Paris-Wochenende etwas umsichtiger bzgl. Taschendiebe sein, aber das gilt ja bekanntlich in jeder europäischen Großstadt.
Zusätzliche Versicherungen habe ich nicht abschließen müssen, da ich privat ohnehin eine Auslandsreiseversicherung des ADAC habe, welche auch den entsprechenden (kurzen) Auslandsaufenthalt in Frankreich mitversichert hatte.
Wie vermutlich die meisten Studenten habe auch ich eine Berufs- und Privathaftpflichtversicherung, welche auch im Ausland gilt. Diese war auch für das Praktikum bei der Bewerbung notwendig gewesen, ebenso wie die private Krankenversicherung für das Ausland. Darüber hinaus habe ich keine Policen abgeschlossen.

Geld

Währung ist in Frankreich der EUR. Daher braucht man sich auch hier keine Gedanken machen.
Mit vielen Online-Banken kann man ja entweder mit Giro- oder VISA-Karte kostenlos im EU- oder weltweiten Ausland Geld abheben. Ich bin bei der comdirect und das klappt immer recht einfach damit. Generell ist eine Kreditkarte auch für Frankreich empfehlenswert, da dort auch in Bars wesentlich mehr kontaktlos bezahlt wird als hier in Deutschland. Ich hatte daher von Anfang an eine gewisse Menge Bargeld mit, die ich aber kaum aufgebraucht habe, da sehr viel per Kreditkarte bezahlbar war. Die Lebenshaltungskosten in Reims waren definitiv vergleichbar und / oder leicht höher als in Deutschland. Natürlich galt das insbesondere auch für den Ausflug nach Paris, aber auch so sind in Frankreich die Supermarktpreise einige Prozent über den Preisen hier in Deutschland. Es gibt aber auch dort einige LIDL (mit französischen Produkten), wodurch sich im Gegensatz zu Carrefour und Co. locker die Hälfte des Einkaufspreises sparen lässt.
Man kann definitiv auch günstig(er) leben, sollte sich aber auch in Reims (nicht nur in Paris) auf Bierpreise in Bars zwischen 6-9 EUR pro Bier einstellen.
Im Supermarkt kann man entsprechend günstigeren Alkohol auftreiben und man darf nicht vergessen, dass es dafür in Reims auch Unmengen an exzellentem und nicht allzu teurem Champagner gibt, der — von den lokalen Winzern — ab ca. 12 EUR die Flasche über die Theke geht. Savoir vivre en France ;)
Die Organisation vor Ort spendierte darüber hinaus eine Mensakarte mit 100 EUR Guthaben und ein Bus- und Tramticket für einen Monat, wodurch auch hier Kosten wegfielen. Alles in allem kann man also während der Zeit sehr gut über die Runden kommen, auch wenn man abends mal entsprechend unterwegs ist.

Sprache

Wer nach Frankreich fährt, sollte Französisch sprechen. Das ist sicherlich eine dehnbare Aussage, und natürlich können die Franzosen in der Regel auch Englisch sprechen, aber gerade in Frankreich kommt es da sehr darauf an, an wen man gerät. Auch unter den Studenten sind die Englischkenntnisse enorm variabel. Ich fand das allerdings persönlich absolut nicht schlimm, da ich ja zum Französischsprechen kam und das auch so durchziehen konnte.
Da unsere Uni leider keine besonderen Vorbereitungskurse „Französisch für Mediziner“ o.Ä. anbietet, ging ich fachterminologisch relativ unvorbereitet an den Start. Allerdings konnte man die französischen Krankheitsbegriffe sehr gut den deutschen Begriffen zuordnen und je nach Wissensstand im Französischen — bei mir ist das ca. Level B2 — konnte man den Anamnesen und Fallgeschichten gut bis sehr gut folgen. Die Ärzte gaben sich im Allgemeinen auch die Mühe, langsam oder recht deutlich auf Französisch zu erklären, falls ich mal etwas nicht verstanden hatte.
Ich empfehle natürlich die PONS-App, und wer mal längere Texte übersetzen möchte: DeepL.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit meinem Auto nach Reims angereist, da das für mich die schnellste Möglichkeit war. Wer sich die Maut / Péage nach Reims sparen möchte, fährt via Luxembourg und Belgien und nicht via Saarbrücken.

Reims ist durchzogen von einer (bzw. zwei) Tramlinien, die größtenteils dieselbe Strecke abdecken. Durch die Monatskarte konnte ich bequem und kostenlos täglich zum Krankenhaus Robert Debré fahren, was gleichzeitig die Endhaltestelle der einen Linie war.
Reims selber ist relativ auto-unfreundlich und entzückt mit horrenden Parkgebühren tagsüber, wodurch ich mich dazu entschied, mein Auto über die Dauer meines Aufenthalts auf einem Parkplatz am Krankenhaus abzustellen.

Der von der französischen Organisation angebotene Ausflug nach Paris erfolgte via Flixbus, und wer Lust hat, sich kostengünstig in ganz Frankreich fortzubewegen, kann das wie in Deutschland auch per blablacar, Flixbus, blablabus oder auch (teurer) mit dem TGV machen.

Kommunikation

Da es in Frankreich Gott sei Dank EU-Roaming gibt, kann man wie gewohnt seinen Handyvertrag von zuhause nutzen. Damit kann man wie in Deutschland alles tun und lassen, wie man möchte.
Französische Nummern kann ich persönlich zwar nicht kostenlos anrufen, aber per Whatsapp-Call oder Facetime-Audio kann man heutzutage ja fast jeden erreichen, wodurch keine zusätzlichen Kosten entstehen.

Unterkunft

Ich wurde ca. zwei Monate vor Famulaturantritt von meiner Gastgeberin kontaktiert, einer Medizinstudentin aus Reims. Es wurde im Vorhinein alles für mich organisiert und so erhielt ich eine wunderschöne kostenfreie Unterkunft super zentral in der Rue du Tambour in Reims, mitten im Stadtzentrum, eine Minute vom Rathaus entfernt.
Ich hatte ein eigenes Zimmer in der schönen Altbauwohnung mit Blick auf die Kathedrale.
Von dort war alles fußläufig gut zu erreichen.

Literatur

Zur Vorbereitung kann man sich sicher einige Bücher zulegen, aber wie viel davon nötig ist, muss jeder selbst entscheiden. Ich habe wie gewohnt meine AMBOSS-App verwendet, und mir Inhalte falls nötig mit PONS oder DeepL übersetzt, in beide Richtungen. Man könnte sicherlich auch französische Lehrbücher o.Ä. in Betracht ziehen, oder „Französisch für Mediziner“ vom ELSEVIER-Verlag zum allgemeinen Verbessern des Wortschatzes, man kann das aber auch sein lassen und einfach schauen, was einen so erwartet. Wer gerne fachlich in der französischen Sprache tiefer in die Lehrinhalte eintauchen möchte, hat vor Ort sicher die Möglichkeit, sich eines der berüchtigten orangenen Vorbereitungsbücher für das Staatsexamen von einem französischen Kommilitonen auszuleihen.

Mitzunehmen

Ich habe für meinen Aufenthalt nichts Besonderes mitgenommen. Wer mit dem Auto oder großen Koffern anreist, kann vielleicht das ein oder andere Gastpräsent mitnehmen. Ich denke das kommt immer ganz gut :) Sollte man dazu aber keine Möglichkeit haben, ist es nicht schlimm, da das nicht erwartet wird. Auch wenn es Frankreich ist, muss man in Reims im März mit kalten Temperaturen rechnen, also sollte man entsprechend warme Sachen zu der Jahreszeit einpacken. Im Sommer ist das definitiv anders. Für Frankreich kann man auch definitiv ein paar schickere Sachen einpacken, auch im Krankenhaus (je nach Station — ich war auf der Dermatologie) kommen viele Studenten auch mal im Hemd zum Praktikum — das ist vielleicht noch ein ganz interessanter Unterschied. Sicher gilt das nicht überall, aber der ein oder andere sei hier vielleicht vorgewarnt. Ansonsten gilt aber kein spezieller Dresscode und ein Kittel mit Stethoskop, Reflexhammer und -leuchte reicht.

Reise und Ankunft

Mir wurde vonseiten der Gastorganisation angeboten, mich am Ankunftsort abzuholen — Da ich jedoch mit dem eigenen Auto kam, hatte ich entsprechend im Vorhinein abgesprochen, alleine anzureisen. Ich kam am Sonntagabend vor Praktikumsbeginn in meiner Wohnung an. Besondere Vorbereitungen hatte ich nicht mehr zu treffen und meine Contact Person Hugo teilte mir die Ansprechpartnerin in der Klinik mit. Am nächsten Morgen um 9.30 Uhr meldete ich mich bei Prof. Viguier in der Dermatologie und ich konnte anschließend zusammen mit meinen Co-Externes auf die Station gehen.
Am Abend gab es dann nochmal einen offiziellen Empfang durch die Gastorganisation in der Cafeteria der Fakultät. Wir wurden herzlich mit Häppchen und sehr viel Champagner empfangen und einander vorgestellt. Unsere Contact Persons waren da und uns wurden die verschiedenen angebotenen Programmpunkte erklärt, die wir fakultativ für einen geringen Beitrag mitmachen konnten. Ich hatte Glück, genau in dem Monat anzureisen, in dem auch die alljährliche Gala der Mediziner stattfand, und so konnte ich gleich in der zweiten Nacht super viele Leute bei dem Event kennenlernen, mit denen ich ab dann gleich auch meine weitere Zeit in Reims tagtäglich verbrachte.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am ersten Tag ging es nach einer kurzen Einführung durch die Professorin und Chefin der Station recht schnell los für uns. Die Dermatologie in Reims ist zweigeteilt — in Onkodermatologie und klassische Dermatologie-Venerologie. Ich war Letzterer zugeordnet. Diese bestand selbst aus Notfallsprechstunde und regulären Konsultationen im Erdgeschoss, sowie der eigentlichen Station und dem Tageshospital im 4. Geschoss.
Wir wurden zunächst zu dritt auf die Station aufgeteilt, und eine weitere Famulantin wurde für die ersten zwei Wochen der Sprechstunde zugeteilt. Generell ist das System in Frankreich so, dass die Studenten von Anfang an sehr viel mehr in den Krankenhausalltag integriert werden und generell immer in Praktikums- und Theorieblöcken von je 6 Wochen abwechselnd ihr Semester absolvieren. Eine Famulatur so wie in Deutschland in den Semesterferien ist nicht vorgesehen, dafür ist diese „Famulatur“, das „Externat“, also fortwährend Teil des normalen Studiums. Es waren also zu meiner Zeit gleichzeitig ganz viele andere „externes“ auf den anderen Stationen ebenso im Einsatz und man begegnete zur Mittagszeit super vielen Studenten in der Mensa und auf den Gängen. So viel zum generellen Unterschied der „Famulatur“ in Frankreich.
Durch die sehr viel größere Erfahrung im Krankenhaus und bereits zahlreichen vorangegangenen Einsätzen waren die französischen Kommilitonen auch von Anfang an aktiv in der Arbeit zusammen mit den „internes“, den Assistenzärzten. Viele Aufgaben waren bspw. das Zusammensuchen und -telefonieren von fehlenden medizinischen Dokumenten, das Schreiben von täglichen Visiteberichten etc. Aufgrund der fehlenden medizinischen Terminologie und auch weil ich das Programm natürlich nicht so gut kannte wie meine Kommilitonen — im Übrigen war dies interessant: fast alles war digitalisiert!, im Gegensatz zu so manchen Kliniken hier in Deutschland — konnte ich dort nur teilweise mithelfen. Allerdings konnte ich gut an allen Visiten teilnehmen und mir wurde angeboten, Neuzugänge zu untersuchen — meistens machte ich das mit meinen „co-externes“ zusammen und sie schrieben dann den Großteil im Dokumentationsprogramm zusammen. Für mich war es trotzdem sehr interessant, Anamnese und Patientengespräche auf Französisch zu führen. Da ich im Stationsalltag also leichter ersetzbar war als meine Kommilitonen, durfte ich auch außerhalb der Reihe häufig in den Konsultationen vorbeischauen, was ich sehr viel interessanter fand. Hier war ich zwar größtenteils passiv beim Patientengespräch dabei, aber die ganze Bandbreite der dermatologischen Erkrankungen wurde hier im 15-Minutentakt vorgeführt. Außerdem durfte ich auf Station und in der Konsultation auch praktisch eigenständig Biopsien vornehmen, nähen etc. — definitiv immer eine schöne Abwechslung. Leider blieb auch Reims nicht von der alles-überrollenden Corona-Pandemie verschont. Nach 2 Wochen begannen allmählich die Restriktionen und das Bewusstsein aller Krankenhausmitarbeiter konzentrierte sich fortan hauptsächlich auf die Eindämmung der Patientenkontakte. Zur Kapazitätenausweitung wurden fortan die meisten dermatologischen Behandlungen vertagt und nur noch innerhäusliche Konsultationen oder Notfälle behandelt. Die dermatologische Station verwandelte sich mehr und mehr in eine Station der Inneren Medizin.

Das Gesundheitssystem Frankreichs mit dem deutschen Gesundheitssystem allumfänglich nach meiner kurzen Praktikumszeit zu vergleichen, ist sicherlich nicht möglich, jedoch fielen einem sicher die ein oder anderen Unterschiede auf:
Das Krankenhaus in Reims gewinnt sicherlich keinen Architekturpreis und auch die Ausstattung war teilweise im Vergleich zu manch sehr viel modernerer Uniklinik in Deutschland etwas veraltet. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass auch hier die wirklich essentiellen Untersuchungsgeräte neu und funktionstüchtig waren. Die Zimmergröße zumindest auf der dermatologischen Station war mit 1 oder 2-Bett-Zimmern kleiner als in vielen deutschen Kliniken, sicherlich zum Vorteil der Patienten. Die Arbeitsbedingungen sowohl für die Studenten, als auch für die Assistenzärzte sind in Frankreich aus meiner Sicht eindeutig härter als in Deutschland, sowohl was die abzuleistenden Nacht- und Wochenenddienste angeht (nicht nur die Assistenzärzte, auch die Studenten müssen hier für fast umsonst regelmäßig Schichten absolvieren), als auch was die finanzielle Entlohnung angeht, insbesondere der „internes“ (die Assistenzärzte verdienen ca. 1400 EUR mtl.). Es war deutlich zu vernehmen, dass hier viele Berufsanfänger resigniert über die Arbeitsrealität waren und kurz vor meiner Ankunft hatte es wohl einen Suizid eines Assistenzarztes aufgrund der Arbeitsbedingungen gegeben, was noch sichtbar anhand vieler Streik-Plakate auf dem Krankenhausgelände war. Trotzdem habe ich auf meiner Station sehr viel gute Laune und Motivation bei allen Beteiligten mitbekommen und die fröhliche französische Mentalität hat sich von all dem nichts anmerken lassen. Das Klima im Krankenhaus war generell sehr gut und auch die Hierarchie erschien mir etwas flacher, obwohl es schon so ist, dass ein Großteil der wirklichen Arbeit bei den Assistenzärzten hängenbleibt.
Interessant fand ich trotz all der ziemlich veralteten Gebäude- und Stationstechnik aber den Umstand, dass die gesamte Patientenakte sowohl durch das Pflege - als auch das ärztliche Personal digital geführt wurde. Alle Dokumente waren in einem Programm verfügbar und ich hatte das Gefühl, dass der Workflow hiermit unglaublich erleichtert wurde. Auch scheint in Frankreich die Datenschutzbarriere etwas niedriger zu liegen, häufig wurden private Handys dafür genutzt, Patientenzustände und Hautläsionen zu dokumentieren, um sie bspw. im gemeinsamen Board zu besprechen oder in die Patientenakte einzupflegen. Insgesamt erleichterte dies die Arbeit vor Ort aber ungemein.

Land und Leute

Ich liebe Frankreich, das Land und seine Leute. Ich konnte während meiner Famulatur auch außerhalb des Krankenhauses enorm viel erleben. Die Arbeitstage begannen um 8.30 und gingen in der Regel bis 17.00 Uhr. Manchmal konnte ich etwas früher gehen, aber spätestens am Abend konnte ich mich fast jeden Tag mit meinen co-externes treffen. Ich bin sehr froh darüber, dass mich die beiden von Anfang an so selbstverständlich mit eingebunden und eingeladen haben, und so hatte ich tatsächlich während meiner gesamten Zeit kein einziges Mal Langeweile. Wir haben viel Zeit in den Bars von Reims verbracht und auch am Wochenende gab es Programm: Entweder war ich in Paris oder in der Umgebung von Reims unterwegs.
Reims selber liegt wunderschön in den Weinbergen der Champagne, und besonders wenn die Sonne scheint ergibt sich ein wundervolles Panorama, was man mit Ausflügen in die ländliche Umgebung genießen kann. Aber auch die Stadt selbst ist ausreichend groß, um sich die Zeit zu vertreiben. Kulinarisch bietet Frankreich natürlich eine Menge, auch hier sind die Restaurantpreise zwar vergleichsweise höher als in Deutschland, aber sehr schön war zum Beispiel, dass im Ausflugsangebot von der Gastorganisation für Paris ein Restaurantbesuch in einem typischen französischen Restaurant inklusive war, und auch so hatte ich täglich die Möglichkeit, zusammen mit den anderen zu kochen. Generell war auch das Essen in der Mensa in Ordnung und somit hatte man jeden Tag auch in der Mittagspause ausreichend Zeit, sich mit allen anderen französischen "externes" auf einen Kaffee oder zum Mittagessen zu treffen. Alle waren sehr interessiert daran, mich teilhaben zu lassen am Leben in Reims, und die Offenheit der anderen Personen hat es definitiv leicht gemacht, hier einen guten Anschluss in einer fremden Stadt zu finden. Auch meine Gastgeberin und ihre Schwester waren super herzlich und wir haben einiges zusammen unternommen. Dadurch hatte ich von Anfang an das Gefühl, gut aufgenommen zu sein. Beide waren zuvor bereits zu einem Austausch in Deutschland gewesen und waren deshalb von vornherein sehr interessiert am Austausch, und so verbrachten wir letzten Endes sehr viel Zeit zusammen. Dass dann die Beschränkungen im Rahmen der Corona-Krise das soziale Leben mehr und mehr eingeschränkt haben, war Pech und der Zeit geschuldet, Frankreich hat sicherlich recht früh strengere Maßnahmen ergriffen, jedoch aus absolut nachvollziehbaren Gründen. Trotzdem blieb der gute Kontakt bestehen und man hat versucht, das Beste aus der Situation zu machen.

Fazit

Ich bin sehr froh darüber, die Erfahrung der Famulatur in Frankreich gemacht zu haben. Auch wenn Reims anfangs nicht auf meiner Wunschliste der französischen Städte stand, da ich keinen Bezug zu speziell dieser Region hatte, möchte ich sagen, dass ich sehr glücklich bin, statt nach Paris letztendlich doch hier hingekommen zu sein und würde jeden ermutigen, sich bei der Ortsangabe für Frankreich auch ruhig überraschen zu lassen. Ich hatte das Gefühl, in einer sehr „französischen“ Stadt gut eintauchen zu können in das wirkliche Leben dort — vielleicht noch etwas besser als im touristischen Paris — und so war es letzten Endes eine Erfahrung, nach der ich gesucht hatte. Ich habe den Ort mit einer Menge neuer Freunde verlassen und da die Entfernung nicht allzu weit ist, hoffe ich, bald — nach Grenzöffnung und Überwindung der akuten Corona-Pandemie — auch ein zweites Mal zu Besuch kommen zu können. Ich freue mich auf jeden Fall auf das nächste Mal! Ich kann nur jeden mit Französischkenntnissen (auch wenn etwas eingerostet aus der Schulzeit) ermutigen, diese Erfahrung zu machen, und sich wieder aktiv mit der Sprache, Land und Leuten zu beschäftigen — Ich habe den gesamten Austausch als sehr bereichernd empfunden!

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