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Slowakei (SloMSA)

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
Anonym

Motivation

Da mir noch nicht so ganz klar war, ob ich nach dem Medizinstudium als Ärztin oder Forscherin arbeiten will, wollte ich einen Einblick in die Labortätigkeit gewinnen. Außerdem war ich noch nie in Osteuropa, deswegen habe ich Slovakei als mein SCORE-Land gewählt.

Vorbereitung

Einen speziellen Kurs für Englisch oder Slovakisch habe ich nicht belegt. Für das Englischzertifikat habe ich eine Prüfung beim Sprachlabor der Uni geschrieben, sie hat nur 1,5-2 Stunden gedauert.

Visum

Die Slowakei ist ein Teil von der EU, deswegen braucht man kein Visum.

Gesundheit

Eine spezielle Reisenkrankenversicherung habe ich nicht abgeschlossen, weil meine Krankenversicherung auch im Ausland bis 4 Wochen gültig ist. Keine weitere Impfung war aufgefordert.

Sicherheit

Während meines ganzen Aufenthaltes habe ich mich sicher gefühlt. Die Sicherheit war sogar etwas sicherer als meine Unistadt. Studenten, die ihren Geldbeutel irgendwo draußen verloren haben, haben trotzdem ihn von der Polizei zurückgebracht bekommen.

Geld

Die Lebenshaltungskosten sind mehr oder weniger gleich wie in Deutschland. Bei Ankunft hat man Foodtickets von LORE bekommen und man kann mit denen in Restaurants oder in Supermärkten bezahlen. Außerdem ist in einem Restaurant zu essen günstiger als in meiner Unistadt.

Sprache

Martin ist eine Studentenstadt, deswegen kann man mit anderen auf Englisch reden. Im Restaurant ist Englisch und im Bahnhof sogar auch Deutsch zu nutzen. Aber ein paar Worte zum Begrüßen, Bedanken usw. habe ich während meines Aufenthaltes gelernt und schadet nicht, ab und zu sie zu benutzen und man bekommt ein freundlicheres Benehmen von anderen.

Verkehrsbindungen

Martin ist eher eine kleine Studentenstadt, deswegen ist alles zu Fuß erreichbar. Verkehrsverbindungen innerhalb Martin ist in google maps nicht zu erscheinen, dafür braucht man eine andere Webseite nämlich https://www.mhdmartin.sk/cestovne-poriadky-vyhladavanie/ . Taxi ist dort auch sehr beliebt, da man 24/7 mit 2-3 Euro irgendwohin innerhalb der Stadt fahren kann.

Kommunikation

Deutsche SIM-Karten kann man noch in der Slovakei benutzen. An der Uni und im Studentenwohnheim gibt es eduroam, das schlecht beim Whatsapp-Anruf aber gut genug beim Filme schauen war.

Unterkunft

Das Zimmer habe ich mit 2 anderen Mädchen geteilt, das Bad und Toilette mit anderen 8. Jeder Stock hat nur eine Küche, aber da die Studenten am Mittag immer in der Mensa essen, wurde die Küche nur von 3-4 Leuten benutzt.

Literatur

Ich kaufe mir niemals Reiseführer, da man alles heuzutage im Internet finden kann. Im Labor habe ich ein paar Paper bekommen oder auch selbst recherchiert.

Mitzunehmen

Laborkittel habe ich mitgenommen aber keine Laborschuhe, welche eigentlich nötig waren. Aber man durfte trotzdem ohne spezielle Laborschuhe das Labor betreten. Außerdem wurden Laptop mit DVD Laufwerk gebraucht, da man für Datenanalyse eine bestimmte App benutzt hat und sie im Laptop installiert wurde.

Reise und Ankunft

Zum Austausch bin ich nach Budapest geflogen, da es keinen direkten Flug von Frankfurt nach Bratislava gibt. Außer nach Budapest kann man nach Wien oder Krakow fliegen aber die Flugtickets waren deutlich teurer. In Budapest bin ich ein paar Tage geblieben und dann mit dem Bus nach Bratislava. Von dort nach Vrutky, eine Nachbarstadt von Martin, gibt es einen direkten Zug. Von Vrutky kann man mit einem anderen Zug oder mit dem Bus fahren, welcher deutlich länger dauert aber an der Haltestelle nahe dem Studentewohnheims hält.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Die Abteilung, wo ich meinen SCORE machte, war Biophysik-Abteilung. Sie hat zum ersten Mal an diesem Austausch teilgenommen, da laut meiner Ansprechpartnerin die Professoren normalerweise sehr beschäftigt waren, weil viele Leute in der Abteilung auch noch unterrichten müssen. Weil sie noch keine Erfahrung in Betreuung der Austauschstudierende hatten, war es in der ersten Woche erscheinend unorganisiert. Sie wussten nicht und fragten mich sogar, was für eine Aufgabe sie als Tutoren mir geben sollten. Aber die Stimmung im Labor war sehr entspannt, da meine Professoren sehr engagiert waren, nicht nur in ihrer Arbeit sondern auch mir die slovakische Kultur zu zeigen, zum Beispiel indem sie ihren Thesisstudenten und mich zu einem slowakischen Restaurant einluden, was der Meinung meiner Ansprechpartnerin nach bei vorherigen Austauschstudenten nicht passierte.

Täglich fing ich um 9 Uhr an und man durfte nach dem Mittagessen auch schon gehen, wenn man keine Arbeit hatte. Aber wenn man trotzdem nach der Mittagspause zurück wollte, erhielt man bestimmt interessante Aufgaben. In der ersten Woche bekam ich ein paar Paper zum Lesen. Wenn ich Fragen hatte, nahmen meine Professoren wirklich Zeit, alles zu beantworten und zu erklären. Außerdem halfe ich bei der Analyse von zwei Experimenten. Mir wurde eine Leitlinien gegeben, in welcher Sekunde es etwas zum Analysieren gab. Dabei musste man den Anfang, Spitzenwert und das Ende von der Aktivität jeweiliger Atmungsmuskel bestimmen. In der ersten Woche wurde es auch geplant, einen Versuch mit einem Kaninchen durchzuführen. Aber leider klappte es nicht, da vermutlich das Kaninchen noch zu klein war und leider starb schon vor dem Versuch an der schwächsten Anasthäsie. Weil es eine Vorschrift gibt, die das begrenzt, wieviele Tiere man an einem einzigen Tag benutzen darf, fuhren wir dann am Ende keinen Versuch durch. Troztdem habe ich etwas gelernt, wie empfindlich und unerwartet ein Kaninchen als Versuchstier ist. Mir wurde erzählt, dass manche Kaninchen auf richtige Dosis an Anasthäsie nicht reagieren, aber bei den anderen sterben sie schon.

In der zweiten Woche gab es dann zwei Experimente mit Kaninchen und da ich noch nicht die Versuchstiere anfassen durfte, halfe ich mit dem Versuchsprotokoll und beobachtete ich, wie die anderen die Kaninchen operierten. Da es bei diesem Projekt um die Bestimmung der Signalwege von Husten und Niesen ging, war es sehr interessant zu sehen, wie die Kaninchen nach mechanischen oder physikalischen Stimuli niesten und husteten. Wegen Coronakrise war das Labor geschlossen und leider endete mein Austausch dementsprechend zwei Wochen früher.

Land und Leute

Solange ich in der Slowakei war, traf ich niemals keine netten Leute. Alle waren sehr freundlich, zum Beispiel lächelt man zu einer fremden Person auf der Straße. Außerdem waren sie auch immer bereit, mir zu helfen, obwohl sie kein Englisch können und ich kein Slovakisch kann und am Ende konnten wir uns verstehen. Aber ich habe es bemerkt, dass obwohl ich mich auf Slovakisch nur bedanken oder begrüßen konnte, sie noch freundlicher waren. Deswegen empfehle ich, dass man so ein paar Basic-Greetings lernt. Als Hinweis gibt es zwei verschiedenen Formen von Grüßen, eine ist formell und die andere benuzt man unter Freunden oder Verwandten. Denn ich lernte am Anfang die Begrüßung nicht richtig und hörte nur, wie jemand im Martin Bahnhof die anderen begrüßte, benutzte ich am ersten Tag die informelle Begrüßung unpassend zu meinem Professor und erst danach fragte ich, ob es eigentlich die formelle gibt. Glücklicherweise traf ich an dem Tag noch nicht den Biophysik-Abteilungsleiter.

Vor meinem Austausch kannte ich nur Bratislava, aber nachdem ich andere Städte von der Slowakei gesehen habe, fand ich, dass sogar die weniger bekannten Städte mir besser gefielen, zum Beispiel Martin und Zilina. Ich bin der Meinung, dass die slowakischen Städte eine Mischung aus Klassik und Moderne sind, da sie nicht nur historische Gebäude haben, sondern auch moderne Einkaufzentren besitzen.

Weiterhin wäre in jeder Jahreszeiten empfehlenswert, einen Austausch in Nordslowakei zu absolvieren, da im Winter man beispielsweise in Martin Ski fahren kann, also mit günstigem Preis und in anderen Saisons viele Wanderwege angeboten werden.

Wegen der Coronavirus-Krise in der Slowakei hat die Regierung in meiner zweiten Aufenthaltswoche, also knapp einer Woche nach dem ersten Corona-Fall, entschlossen, alle internationalen Flughäfen zu schließen. Die internationalen Züge und Busse fahren auch nicht mehr. Deswegen wurde es entschieden, dass mein Austausch abgebrochen werden musste. Da seit Anfang der zweiten Woche alle Studenten nach Hause geschickt wurden, war ich alleine im Studentenwohnheim und selbst von Slowakei aus zu fahren, war auch unmöglich, deshalb sind meine LORE und ihr Vater 80 kilometer weit gefahren, nur um mich abzuholen und mich an die Grenze zu Polen vorbeizubringen. Außerdem hat sie eine Reise für mich von der Grenze bis Krakow organisiert, damit ich von dort nach Deutschland fliegen konnte. Nochmal war ich sehr überrascht über die Freundlichkeit der Slowaken, da obwohl ich noch nie die LORE und ihre Familie vorher traf, halfen sie mir. Sie waren auch ganz bereit, mich unterzubringen, wenn ich hätte länger in der Slowakei bleiben müssen.

Fazit

Trotz der Schwierigkeiten bei der Ausreise hat es mir sehr gut gefallen, den SCORE in Slowakei zu machen, da sowohl die Professoren, meine Ansprechpartnerinen und die LORE so viele Mühe gegeben haben, meinen Aufenthalt angenehm zu gestalten, mir die slowakische Kultur und Forschungstätigkeit näher zu bringen.

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