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Phalombe Clinic (Malawi)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
Anonym

Motivation

Seit Beginn des Studiums war für mich klar, das ich einen Teil meiner Famulaturen im Ausland absolvieren möchte. Es ist die optimale Gelegenheit das Leben in einem anderen Land, andere Gesundheitssysteme und Kulturen hautnah kennenzulernen. Malawi ist bekannt für die Freundlichkeit der Landsleute und dafür, ein gutes “Einsteigerland“ für Afrika zu sein. Das kann ich nur bestätigen!

Vorbereitung

Flug buchen, Reiseführer besorgen, Impfungen checken, Malaria-Prophylaxe besorgen und Auslandskrankenversicherung abschließen! Dank der Packliste von MalawiMed war der Rest dann ganz einfach :)
( Falls jemand ein Geschenk mitbringen möchte, die super liebe und zauberhafte Molli, die euch bekochen wird, könnte eine Fahrradlampe bzw. Kopflampe sehr gut gebrauchen (am besten zum aufladen und ohne Batterie, da diese zu teuer sind). Sie fährt nachts immer mit dem Fahrrad im Dunkeln nach Hause, nachdem sie mit der Arbeit bei euch fertig ist. Da es keine Straßenbeleuchtung gibt, ist es wirklich sehr dunkel.
Ansonsten sind Fußbälle für die Kids immer willkommen! Eine Ballpumpe gibt es :) )

Visum

Das Visum ist ganz einfach bei Ankunft für 50 Dollar erhältlich. Am besten schon Dollar mitbringen! Das Visum gilt für 30 Tage. Man kann es dann problemlos in Blantyre verlängern lassen (kostenlos). Einfach irgendwann mal unter der Woche mit einem Fahrer vom Krankenhaus mitfahren, es fährt regelmäßig mal jemand in die Stadt.

Gesundheit

Ich habe die Tropenmedizinische Beratung in der Uniklinik gemacht, ein Termin beim Hausarzt hätte allerdings gereicht! Obwohl ich über Äthiopien eingereist bin, habe ich mir keine Gelbfieber-Impfung geben lassen. Ich hatte nur einen Transit-Aufenthalt von ein paar Stunden und wurde auch nicht danach gefragt in Malawi. Die Malaria-Prophylaxe hab ich von meiner Krankenkasse erstattet bekommen. Es lohnt sich dort mal nachzufragen! Zum Eigenschutz habe ich mir von daheim aus Desinfektionsmittel, Handschuhe und Gesichtsmasken mitgenommen. Gesichtsmasken und Handschuhe gab es alledings reichlich in der Klinik.

Sicherheit

Ich habe mich in Malawi nie unsicher gefühlt. Die Menschen denen ich begegnet bin, waren alle sehr nett und höflich und ich befand mich nie in einer unangenehmen Situation. Auch in der Unterkunft fühlte ich mich sehr sicher und habe mir nie Sorgen um rumliegende Wertsachen gemacht.

Geld

In Malawi zahlt man mit Kwacha. Ca. 800 Kwacha entsprechen 1€. Man kann fast überall nur bar zahlen, daher lohnt es sich immer Geld dabei zu haben. Am Flughafen hatten wir direkt ca. 200€ abgehoben. Da alles sehr günstig ist, kommt man damit auch weit, nur die Ausflüge sind etwas teurer. Aber da kann man meistens auch nochmal an einem Geldautomaten halten. In der Nähe der Klinik gibt es leider keinen!

Sprache

In Malawi spricht man Chichewa! Englisch ist zwar auch eine Landessprache, allerdings wird es außerhalb der Städte Lilongwe und Blantyre wenig gesprochen. In der Klinik finden die Morningreports auf Englisch statt, allerdings habe ich wegen der Akustik und dem Akzent fast nichts verstehen können. Mit den Clinicians und dem Arzt Jamie kann man auf Englisch kommunizieren, mit den Patienten leider nicht. Insgesamt würde ich die Sprachbarriere als einzigen negativen Aspekt der Famulatur zählen. Das Englisch-Level ist insgesamt recht niedrig. Es macht allerdings auch Spaß sich ein bisschen Chichewa anzueignen und die Leute freuen sich sehr darüber!

Verkehrsbindungen

Insgesamt sind die Verkehrsverbindungen zwischen den Touristen-Hotspots eher schlecht aufgestellt. Malawi ist generell nicht sehr touristisch, was natürlich viele schöne Seiten hat, aber daher mangelt es ein bisschen an Infrastruktur. Man kommt meistens mit Busen und Minibusen irgendwie durch, es kann nur lange dauern. Wenn man nach der Famulatur noch reisen geht, kann man sich überlegen ein Auto zu mieten. Wenn man innerhalb der Famulatur am Wochenende Ausflüge unternehmen möchte, kriegt man einen Fahrer von der Klinik gestellt. Da die Klinikleitung sehr um das Wohlergehen der Famulanten besorgt ist, ist Ihnen dieses Angebot sehr wichtig. Man zahlt dann den Benzinpreis (vergleichbar mit Deutschland, nur verbrauchen die Autos mehr) und ein Gehalt für den Fahrer, was sehr wenig ist!

Kommunikation

Es gibt auf dem Krankenhausgelände und in der Unterkunft leider kein WLAN aber man kann sich eine Simkarte mit Internetbundle kaufen (2GB ca. 5€) und damit kann man gut kommunizieren! Wenn der Strom ausfällt (das passiert recht häufig für ein paar Stunden) dann ist die Verbindung schlecht aber sonst kommt man gut damit klar! Wenn ihr am Flughafen abgeholt werdet, fahrt ihr zu einem großen Supermarkt (Shoprite) und dort könnt ihr euch auch eine Simkarte holen. Es gibt 2 Anbieter, Airtel und TNM. TNM hatte bei uns eine bessere Verbindung!

Unterkunft

Man lebt zusammen mit den Nonnen in einem Wohnkomplex direkt auf dem Gelände, wo auch die Klinik ist. Man läuft 2 min dorthin. Ihr habt euren eigenen Bereich mit eigenem Zimmer, Küche Wohnzimmer und eine Sitzecke draußen. Ich fand die Zimmer sehr komfortabel und man kriegt ein Moskitonetz und Bettwäsche. Nur Handtücher sollte man selber mitbringen. Das Badezimmer teilt man sich mit den anderen Famulanten. Dort hat man eine Dusche. Manchmal gibt es kein fließendes Wasser aber bei uns ging es meistens wieder nach ein paar Stunden.

Literatur

Ich habe mir vor Abreise die Seite vom Auswärtigen Amt durchgelesen, mir einen Lonely Planet besorgt und die Amboss App heruntergeladen. Ansonsten kann ich das Oxford Handbook of Tropical Medicine empfehlen!

Mitzunehmen

Man kriegt von MalawiMed eine Packliste zugeschickt, die sehr hilfreich ist. Für die Klinikarbeit hatte ich ein paar Sets Op-Kleidung dabei und alte Schuhe. Ich hatte noch Handschuhe, Desinfektionsmittel und Masken für mich mitgebracht. Unbedingt mit MalawiMed absprechen, ob sie Dinge haben die nach Malawi zu transportieren sind. Bei den meisten Fluggesellschaften hat man eh mehrere Gepäckstücke frei. Ansonsten alles was man für eine Reise so braucht, Kopflampe, Moskitospray, Spiele!! und Bücher, Medikamente usw.

Reise und Ankunft

Ich bin mit Ethiopian Airlines nach Blantyre geflogen und es hat alles gut geklappt. Bei der Ankunft hab ich auch problemlos und schnell das Visum bekommen. Nach einer kurzen Wartezeit von einer halben Stunde wurde ich dann von dem Fahrer abgeholt. Nicht wundern wenn nicht gleich jemand da ist. Mit dem fahrt ihr dann erstmal nach Blantyre zu einem Supermarkt, wo ihr unbedingt einige Dinge kaufen solltet: viel Wasser, denn bei der Unterkunft gibt es keinen Supermarkt (man muss mit einem Fahrradtaxi nach Phalombe fahren für 15 min und dann von dort Wasser nach Hause transportieren) Lebensmittel zum Frühstücken, MalawiGin falls ihr Lust habt, Waschmittel, Mehl (damit Molli euch Bananenbrot backen kann) Kaffee, Süßigkeiten und alles worauf ihr Lust habt. Wir haben gleich einen sehr großen Einkauf gemacht und das hatte sich gelohnt. Dort könnt ihr auch die Simkarten-Anbieter und Geldautomaten finden.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Der Tag beginnt immer um 7:30 Uhr mit dem morning report. Dort werden alle Patientinnen und Patienten und Neuigkeiten kurz vorgestellt und einige Fälle diskutiert. Oft gibt es auch eine kleine Präsentation zur Weiterbildung. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr auch eine machen! Leider habe ich bei diesen Morgenbesprechungen nicht viel verstanden, das muss man dann einfach mit Humor nehmen. Danach ging man auf die Station und hat sich jemandem zur Visite angeschlossen. Es gibt insgesamt 4 Stationen: Female und Male ward, Pediatric Ward und Maternity Ward. Wir haben uns so aufgeteilt, das jeder mal füR eine Woche auf jeder Station war. Es gibt aber auch noch das Minor und Major Theather, wo kleinere Eingriffe und OPs gemacht werden. Da kann man auch jederzeit hingehen. Außerdem gibts es einen Sono- und Röntgenbereich und ein Labor, wo einem auch sehr gerne Dinge gezeigt und erklärt werden. Der Orthopäde der Klinik heißt Steven und er ist meistens im Minor Theater, einfach ansprechen und fragen ob man mitgehen kann! Es sind alle sehr offen und nett und nehmen einen gerne mit. Ich kann euch nur empfehlen euch bei allen Personen gleich vorzustellen, ihr werdet sehr schnell viele Freunde machen wenn ihr möchtet und das macht einem die Zeit in der Klinik sehr viel schöner! Die meisten Mitarbeiter*innen sind sehr an einem interessiert und schätzen den Kontakt! Generell ist das Ausbildungssystem in Malawi anders als bei uns. Es gibt die Pflegekräfte, die Clinicians, die quasi als Arzt tätig sind aber nur 3 Jahre Ausbildung haben und dann gibt es einen Arzt, der sehr kompetent und nett ist. Die Qualität der Visite hing bei mir sehr stark von dem Clinician ab, mit dem ich mitging. Man ist leider darauf angewiesen das sie einem etwas erklären und übersetzen. Nicht jeder Clinician ist mit Engagement bei der Sache und manchmal merkt man dann schon einen großen Unterschied in der Ausbildung. In einigen, vor allem praktischen Bereichen, sind sie sehr viel besser ausgebildet als wir, aber in manchen Bereichen fehlt Ihnen auch Wissen. Traut euch ruhig euer Wissen mit einzubringen! Nach der Visite hatte man dann meistens Mittagspause von 12 bis 14 Uhr und Nachmittags dann nochmal bis 17 Uhr. Nachmittags ist es manchmal sehr ruhig. Da muss man dann Eigeninitiative zeigen und sich manchmal auch Arbeit suchen. Grundsätzlich muss man sich bewusst machen, das die Arbeitsmoral dort ganz anders ist. Das kann an einigen Tagen sehr frustrierend sein!! Nicht davon beeinflussen oder demotivieren lassen! Wie viel man dort praktisch lernt, ist einem total selbst überlassen. Wenn man möchte und sich das zutraut, kann man sehr viel machen, Lumbalpunktionen, Kaiserschnitte, Geburten leiten, Gebärmutterausscharbungen usw. Aber man muss selbstverständlich nicht! Man wird zu nichts gezwungen oder gedrängt! Generell hat man die Chance sehr viele Geburten zu sehen, alle möglichen Tropenkrankheiten und einige sehr seltene Krankheitsbilder.

Land und Leute

Ich finde Malawi traumhaft schön! Noch dazu ist die Klinik in der wahrscheinlich schönsten Ecke des Landes! Direkt am Fuß des Mount Mulanje, auf dem man auch wunderschöne Tageswanderungen oder sogar 4-5 tägige Touren machen kann. Landschaftlich ist man wirklich in einem Paradies und das haben wir jeden Tag genossen. Malawi ist ein recht kleines Land, wodurch man schnell viel erreichen und besichtigen kann. Es gibt mehrere Nationalparks in denen man auch Safaritouren machen und Campen kann, man kann sehr gut wandern, dann hat man natürlich den riesigen See, an dem man Strandurlaub machen kann, Kajak fahren zu kleinen Inseln, die man nicht anders erreicht und auf denen man auch übernachten kann und sicher noch vieles mehr! Wenn ihr könnt, plant noch etwas Reisezeit ein, es lohnt sich auf jeden Fall!
Malawi ist auch ein sehr sicheres und entspanntes Reiseland! Das einzige was manchmal etwas komplizierter ist, ist von einem Ort zum anderen zu kommen. Aber mit Geduld klappt das auch. Ich war im März in Malawi, also zum Ende der Regenzeit und das kann ich total empfehlen! Das ganze Land ist grün, egal wo man hinschaut! Wenn man sich umhört, ist das angeblich keine gute Reisezeit aber das kann ich nicht bestätigen. Es regnet vielleicht ab und zu mal aber darüber freut man sich meistens und es hält nicht lange an. Dafür ist es überall sehr schön, weil alles blüht.
Die Leute die ich kennengelernt habe waren alle sehr nett und herzlich! Natürlich muss man sich an einige Dinge gewöhnen und vieles kennenlernen, aber unterm Strich war für mich der Austausch mit den Menschen sehr besonders! In der Region wo ihr untergebracht seid, sieht man tatsächlich eher selten Azungus (das Wort für „Weiße“, das ihr ständig hören werdet), wodurch man dann schon wie ein Star behandelt wird. Daran muss man sich etwas gewöhnen und es akzeptieren und sein Lächeln nie verlieren, egal wie müde man ist! :)
Eine ganz besondere Beziehung hatten wir zu Molly, sie ist die Haushälterin und Köchin. Die bekocht einen jeden Tag mit super gutem Essen und erfüllt einem jeden Wunsch! Sie ist etwas schüchtern aber spricht eigentlich ganz gut Englisch. Unbedingt nach ihrem Bananenbrot fragen! Wir haben ihr 2000 Kwacha pro Person pro Tag gegeben als Lohn und dann noch Geld für Lebensmittel die sie eingekauft hat. Sie wird keinen Preis verlangen, daher muss man sich das selber überlegen. Wir haben uns dann informiert über einen fairen Preis und uns dann darauf geeinigt. Sie macht wirklich einen wahnsinnig guten und herzlichen Job für einen!
Eric ist eine Pflegekraft in der Klinik und ist für die Famulanten verantwortlich. Er ist auch häufig bei Ausflügen dabei. Er ist super nett und man kann ihn ALLES fragen. Mit ihm organisiert man auch Ausflüge usw.
Die Sisters neben denen man lebt sind auch alle sehr nett und offen. Generell, nicht schüchtern sein!! Wenn man möchte kann man wirklich viel Austausch haben!
Generell ist die Bevölkerung in Malawi sehr arm, das merkt man nicht nur in der Klinik!

Fazit

Für mich war die Famulatur in Malawi eine großartige Erfahrung für die ich sehr dankbar bin! Es war eine tolle Gelegenheit Land und Leute kennenzulernen, außergewöhnliche Erfahrungen zu machen und einen Einblick in die Tropenmedizin zu gewinnen.
Malawi ist auch als Reiseland absolut zu empfehlen!

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