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Eat to Fight your Disease (Ruanda)

Innere - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Laura, Mainz

Motivation

Vor dem Abschluss meines Studiums in Deutschland wollte ich die Chance nutzen, um ein anderes Gesundheitssystem und eine andere Kultur kennen zu lernen.
Da das Krankenhaus in Huye(Butare)/Rwanda einen guten Ruf als Teaching Hospital hat und dort auf Englisch unterrichtet wird, bewarb ich mich für Rwanda. Außerdem habe ich von Freunden nur Gutes von dem Land und den Leuten dort erzählt bekommen, weshalb ich mich sehr über die Zusage freute und total gespannt auf den Monat dort war.
Ursprünglich bewarb ich mich auf den Public Health Austausch, da mich das Projekt vor Ort sehr interessierte und ich mir so einen tieferen Einblick in das Land erhoffte. Aus organisatorischen Gründen konnte ich dann aber nicht (wie viele Leute vor mir) eine Famulatur machen und gleichzeitig im Projekt mitarbeiten. Da es meine letzten Semesterferien vor dem Examen waren, habe ich mich dann für die Famulatur entschieden.
Besondere Erwartungen hatte ich kaum, ich lies mich also einfach überraschen :-)

Vorbereitung

Vorbereitet habe ich mich eigentlich kaum. In der Facebook-Gruppe habe ich Kontakt zu zwei anderen Medizinstudentinnen aufgenommen und mich mit Ihnen ausgetauscht. Im Internet habe ich mich über die Geschichte Rwandas belesen und mir einige Erfahrungsberichte auf der bvmd Internetseite angeschaut.

Visum

On Arrival am Flughafen in Kigali bekommt man für 50$ ein Single Entry Touristenvisum. Es ist auch möglich ein Multiple Entry Visum zu bekommen, kostet dann ein wenig mehr. Dort kann man auch ein East Africa Visa beantragen, wenn man plant mehrere Länder zu bereisen.
Das Touristenvisum gilt für 30 Tage (plus fünf weitere Tage Kulanzzeit). Am Flughafen sollte man natürlich sagen, dass man Tourist ist ;-)

Gesundheit

Vorab habe ich meine Impfungen auffrischen lassen (Hep A+B, Meningokokken, Tollwut), gegen Typhus und Cholera habe ich mich nicht impfen lassen. Im Krankenhaus sollten wir am ersten Tag unsere Hep B Impfung vorweisen, nach einem Titer wurde nicht gefragt.
Also Malariaprophylaxe habe ich wie eigentlich alle vor Ort Malarone genommen. Bis auf leicht verstörende Träume haben wir das auch alle gut vertragen. In Huye gab es selten mal Mücken, aber in Kigali und in den Nationalparks schon. Prinzipiell denke ich, dass es auch möglich wäre Malarone nur als Stand-By Medikament mitzunehmen.
Eine Standardreiseapotheke hatte ich auch eingepackt, falls mal was fehlt kann man aber dort auch in die Apotheke und bekommt die meisten Medikamente.

Sicherheit

Rwanda ist ein unfassbar sicheres Land. Ich habe mich zu keinem Moment unsicher gefühlt oder hatte Angst. Die Menschen sind sehr respektvoll, zurückhaltend aber trotzdem offen und hilfsbereit.
Wenn wir in Huye nachts noch unterwegs waren, sind wir meistens mindestens zu zweit herumgelaufen, aber ich denke es wäre auch in Ordnung gewesen, wenn man alleine gewesen wäre.

Geld

Geld habe ich mit meiner DKB Visa Card abgehoben und in Deutschland habe ich noch die 50$ für das Visum und die 100$ für das Krankenhaus gewechselt.
In Butare findet man immer einen ATM der funktioniert.
Die Preise in Rwanda sind in Vergleich zu deutschen Preisen sehr niedrig. In der Studentenstadt Huye kostet ein Mittagessen zwischen 1 und 3 Euro und ein Kaffee zwischen 50 Cent und 1 Euro.

Sprache

In Rwanda wird Kinyarwanda gesprochen. Die Teaching Sprache im Krankenhaus ist Englisch, am Anfang hatten wir ein wenig Probleme mit dem medical english, aber ab der zweiten Wochen haben wir fast alles verstanden, natürlich kann man auch immer nachfragen. Die meistens Patienten sprechen aber kein Englisch.
Generell kommt man mit Englisch aber im Land gut zu Recht und ein paar Sätze und Wörter auf Kinyarwanda hat man auch schnell gelernt.

Verkehrsbindungen

Meinen Flug nach Kigali über Istanbul mit Turkish Airlines habe ich circa 6 Wochen vorher gebucht und 550€ gezahlt.
In Rwanda kann man überall mit dem Bus hinfahren, Tickets braucht man keine vorher zu kaufen. Von Kigali fährt man circa 3-4 Stunden nach Huye, die Fahrt kostet 3€.
In Kigali selbst kann man alles mit dem Mototaxi erreichen, eine Fahrt kostet je nach Strecke zwischen 300 und 800 Francs (30-80 Cents).
In Huye sind wir eigentlich immer alles zu Fuß gelaufen, aber auch dort gibt es viele Mototaxis, die Preise sind noch ein wenig niedriger als in Kigali.
Generell ist das Reisen in Rwanda sehr entspannt!

Kommunikation

Vor Ort habe ich mir eine SimKarte von MTN gekauft und genug Internet auf die Karte laden lassen. Die Leute im Hostel oder im Guesthouse helfen einem auf jeden Fall dabei. Im Land hat man fast flächendeckend Internet, dafür selten Wifi.
In Rwanda benutzen wirklich alle Whatsapp, man kann also mit allen ganz entspannt kommunizieren.

Unterkunft

Ich habe im RVCP House gewohnt, die Unterkunft gehört zu einer gemeinnützigen Organisation in Huye. Die Einnahmen durch die Miete (ca 190€ für einen Monat) fließen in die Organisation ein.
Wir waren zu viert dort und haben uns zwei kleine Häuser geteilt, die super ausgestattet und gemütlich waren. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt und wenn es Probleme gab, konnte man immer schnell einen der zuständigen Studenten erreichen.
Um dort einen Platz zu reservieren habe ich ungefähr einen Monat vorher eine E-Mail geschrieben.

Literatur

Zuvor habe ich den kurzen TED Talk von Chimamanda Ngozi Adichie – „the danger of a single story“ angeschaut, sehr zu empfehlen!
Ansonsten liegen in den Unterkünften in Huye verschiedene Reiseführer und Bücher über Rwanda, die man lesen kann, außerdem sind mehrere Medizinbücher vor Ort.

Mitzunehmen

Für die Famulatur braucht man einen weißen Kittel, darunter zieht man normale Klamotten an, am besten eine lange Hose und ein Oberteil was mindestens über die Schultern geht. Außerdem hatten wir alle noch ein Stethoskop mit, ich habe meins aber nur einmal benutzt. Im Krankenhaus wollte Elias am Anfang einige Dokumente von uns sehen, zb Impfausweis, Krankenversicherungsbestätigung, Immatrikulationsbescheinigung.
Ich hatte noch Sterilium und Handschuhe mit, im RVCP House liegt jedoch so viel Zeug davon herum, dass alle Studenten in den nächsten Jahren nichts mehr mitzubringen brauchen ;)
Kasacks für den OP brauchten wir auf der Inneren nicht, aber wenn man in der Päd/Chirurgie/Gyn famuliert, soll man eigene mitbringen. Vor Ort liegen aber auch schon genug herum, braucht man also auch nicht unbedingt mitzunehmen.
Ansonsten reicht es, ein paar feste Schuhe mitzunehmen, wenn man mag auch noch ein extra paar für das Krankenhaus. Da es in Rwanda oft regnet, lohnt sich ein Schirm oder eine Regenjacke und generell Klamotten die schnell trocknen.

Reise und Ankunft

Mein Flug ist nachts in Kigali gelandet, was aber kein Problem war. Zuvor hatte ich ein Bett im Mijo Hostel in Kimihurura in Kigali gebucht und bin dort mit dem Taxi (circa 10€) hingefahren. Das Hostel ist sehr zu empfehlen! Ich habe dort zwei Tage verbracht und mir Kigali angeschaut, eine Simkarte besorgt und bin dann sonntags mit dem Bus nach Huye gefahren. Am Montag sind wir dann zu zweit zu Elias im Krankenhaus gegangen, um die Formalitäten mit ihm zu klären. Lasst euch nicht von Elias einschüchtern, er schikaniert einen ein wenig mit seinen Fragen, aber am Ende ist er meistens doch relativ nett und alles klappt, auch wenn ihr nicht alle Unterlagen direkt beim ersten Mal dabeihabt. Er ist auch wirklich die einzige Person, die nicht sehr freundlich ist!
Da unser Treffen mit Elias extrem lang gedauert hat, haben wir erst am Dienstag mit der Famulatur angefangen. Wir haben uns einfach bis zur Morgenbesprechung durchgefragt und uns dann dort den Ärzten vorgestellt. Es wäre aber auch möglich gewesen, dass Elias uns dort hingebracht hätte.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Täglich um 7:30 fand die Morgenbesprechung statt, anwesend waren alle Internisten und alle Studierenden aus dem letzten Jahr (ähnlich wie unser PJ) und Studierende aus dem dritten Jahr die gerade ein Praktikum in der Inneren gemacht haben. Meistens wurden verschiedene Vorträge gehalten (von Brandschutz, über Feedback bis zur Pneumonie), anschließend wurde ein besonders komplexer Fall aus der Nacht gemeinsam besprochen. Hier wurden auch die Studenten miteinbezogen und ich habe bei diesen Fallbesprechungen viel gelernt.
Die Besprechung dauert meistens zwischen 1-2 Stunden, danach sind wir zunächst mit den Ärzten mitgelaufen. In der Nacht ist ein Assistenzarzt mit einem Studenten alleine, die beiden stellen dann am Vormittag alle aufgenommenen Patienten den anderen Ärzten vor und klären die weitere Vorgehensweise miteinander ab. Oft haben wir hier Krankheitsbilder sehen können, die es bei uns nur selten gibt oder meist schon in früheren Stadien behandelt werden. Unter anderem kamen zB Patienten mit Meningitis, Tetanus, akutem Nierenversagen, hepatischer Enzephalopathie und Herzbeuteltamponade.
Ab 11 gehen die Visiten auf Station los. Es gibt fünf Stationen, zwei für Männer und zwei für Frauen und eine Privatstation. Eine Station besteht aus einem Raum mit 13 Betten. Ein Arzt macht täglich zusammen mit den Studenten Visite. Zuvor untersuchen die Studenten die Patienten, erheben die Anamnese und überlegen sich, wie sie weiter mit den Patienten vorgehen würden. Während der Visite wird alles zusammen besprochen und gemeinsam entschieden was gemacht wird. Die Studenten aus dem letzten Jahr waren fachlich enorm kompetent und hatten viel mehr Verantwortung als wir hier in Deutschland. Außerdem wird während der Visite noch Studentenunterricht gemacht, kleine Vorträge müssen vorbereitet werden und Differentialdiagnosen werden zusammen erstellt. Wenn es interessante Befunde bei der körperlichen Untersuchung gab, konnten wir auch nochmal auf die Lunge oder das Herz hören, ansonsten hatten wir eher wenig Patientenkontakt und eigene Aufgaben.
Da das Krankenhaus für ein großes Gebiet im Süden des Landes zuständig ist, werden alle möglichen Fälle behandelt, zum Beispiel Patienten mit septischen Schock, Pneumonie, Schlaganfall, Tuberkulose, Hepatitis, Tumorerkrankungen oder psychiatrischen Problemen.
Leider fehlt es oft an den nötigen Untersuchungen oder Laborwerte um die richtige Diagnose eindeutig stellen zu können. Also müssen die Ärzte und Studenten oft improvisieren, was oft gut klappt, aber manchmal auch nicht zu Erfolg führt.

Am Nachmittag gab es immer noch eine Stunde Studentenunterricht und eine Stunde einen Vortrag von einem der Ärzte. Ein Famulaturtag war meistens gegen 15:30 zu Ende.

Die Ärzte, Pfleger und Studenten sind alle super nett und hilfsbereit. Wenn man Fragen hat, kann man diese immer stellen. Da der Studentenunterricht und die Visiten (meist) auf Englisch, habe ich viel lernen können. Die Studenten dort werden total in die Behandlung der Patienten miteinbezogen und viel Zeit wird auf die Lehre verwendet. Im Vergleich ist unser Bedside Teaching in Deutschland nicht ansatzweise so gut.
Viel selbst machen konnten wir leider nicht, weil wir oft den Vortritt den einheimischen Studenten lassen wollten und wir auch kaum mit den Patienten kommunizieren konnten.
Wegen der Corona Pandemie mussten wir außerdem die Famulatur zwei Wochen früher abbrechen, deshalb glaube ich, dass wir noch mehr hätten machen können, wenn wir noch länger dort gewesen wären.

Land und Leute

Rwanda ist ein tolles Land mit wunderbaren Menschen. Ich bin sehr traurig gewesen, dass wir früher abreisen mussten, da ich mich dort sehr wohl gefühlt habe.
Unter den Studenten haben wir schnell Freunde gefunden und haben auch abends gemeinsam Zeit verbracht. Aufgrund der schnellen Entwicklungen der Corona Pandemie mussten alle Schüler und Studenten innerhalb 24 Stunden Huye verlassen und auch wir mussten uns schnell entscheiden, wie wir mit der Situation umgehen wollen. Deshalb habe ich Huye leider ziemlich schnell verlassen müssen und konnte mich nicht mehr von allen persönlich verabschieden, was sehr traurig war.

Ich habe die Menschen in Rwanda als sehr höflich, interessiert, respektvoll und extrem lustig wahrgenommen. Nach einem kurzen Smalltalk wird man mit den meisten Menschen schnell warm. Uns ist aufgefallen, dass sehr viel Wert auf den Austausch von Höflichkeitsfloskeln gelegt wird. Bevor man nach dem Weg fragt, kann man also erst einmal schnell fragen, wie es dem Gegenüber geht ;)

Huye selbst ist eine kleine Stadt mit vielen Studenten (trotzdem nicht zu vergleichen mit einer deutschen Studentenstadt). Man bekommt dort alles was man braucht, es gibt einen Markt, ein paar kleine Supermärkte und mehrere Restaurants und Cafés. Abends kann man zum Aerobic oder zum Yoga gehen, wenn man das möchte. Oder man geht in das chinesische Restaurant essen ;) Ansonsten haben wir auch oft auf dem Gelände des RVCP House Zeit verbracht, gekocht, gelesen und auch mal die Sonne genossen.
In Huye kann man auch eine Tour durch die Kaffeeplantagen machen und in das ethnografische Museum gehen.

Das Land ist wunderschön, alleine die Fahrt nach Huye mit dem Bus ist traumhaft. Leider konnte ich nicht viel vom Land sehen, aber ich denke es ist möglich, das meiste an den Wochenenden anzuschauen. Es gibt mehrere Nationalparks zum wandern, den Lake Kivu, einen Nationalpark mit Möglichkeit zur Safari, die moderne Hauptstadt Kigali und im Norden die Vulkane und Gorillas.

In Kigali lohnt es sich auf jeden Fall das Genocide Memorial Center anzuschauen. Dort bekommt man einen groben Überblick, was damals alles vorgefallen ist und welche vermeintlichen Auswirkungen das auf die heutige Gesellschaft in Ruanda noch hat. Wenn man Zeit in Ruanda verbringt, kommt man nicht darum herum, sich mit dem Genozid zu beschäftigen. Wenn man mit Menschen darüber sprechen möchte, kann man das natürlich machen, sollte aber sehr sensibel sein, weil viele Menschen unvorstellbares erleben musste.

Fazit

Meine Erwartungen wurden auf jeden Fall übertroffen. Auch wenn ich leider nur 2 Wochen im Krankenhaus war, hatte ich eine sehr gute Zeit, habe tolle Menschen kennenlernen dürfen und bin dankbar, dass ich da sein durfte.
Fachlich habe ich einiges gelernt, aber praktisch konnte ich leider nicht viel machen, was schade aber trotzdem in Ordnung war.
Ich würde jederzeit wieder nach Huye gehen, ich denke auch, dass vier Wochen perfekt für eine Famulatur dort sind.

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