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Kanada - Quebec (IFMSA Quebec)

Psychiatrie - SCORE (Forschungsaustausch)
Anonym

Motivation

Nachdem eine meiner Freundinnen sehr positiv von einem IFMSA-Austausch berichtet hat, wollte ich mich unbedingt selbst für einen Auslandsaufenthalt bewerben. Anfangs wusste ich nicht wo es hingehen könnte. Ich habe einfach nachgeschaut, welche Länder für meinen Zeitraum verfügbar waren und habe ich mich entschieden nach Kanada zu gehen, da ich noch nie auf einem anderen Kontinent war.

Vorbereitung

Mit den Vorbereitungen für meinen Forschungsaustausch habe ich im September-Oktober des Vorjahres begonnen. Für drei interessanteste Projekte habe ich die Motivationsschreiben formuliert und an die bvmd geschickt. Letztendlich habe ich allerdings ein Projekt zugeteilt bekommen, welches nicht in der IFMSA-Datenbank aufgeführt war, da diese Projekte nicht mehr aktuell waren. Ich habe mich anfangs für 3 Projekte in der Neurologie beworben, das neue Projekt war im Bereich der Psychiatrie und leider ohne experimenten Teil.
Als ich eine Zusage bekamm, recherchietre ich über Montreal und lernte meine Kontakt-Person und meine Gastgeber auf Facebook kennen.

Visum

Da ich die russiche Staatsbürgerschaft besitze, brauchte ich für Kanada ein Touristenvisum. Den Antrag für das Visum habe ich online unkompliziert gestellt. Für das Visum musste ich meine biometrischen Daten abgeben, deswegen bin für einen Tag nach Berlin geflogen, da es leider nicht möglich war dies in München zu machen.

Gesundheit

Da ich einen Forschungsaustausch und kein klinisches Praktikum machte und somit keinen Patientenkontakt hatte, musste ich mich keinen Untersuchungen im vorhinein unterziehen. Es gab nur einige Impfungen, die ich auffrischen musste. Hier ist die Liste aller notwendigen Impfungen: Keuchhusten - Diphtheria - Influenza - Hepatitis B (A ist nicht obligatorisch) - Meningococcal C - Hæmophilus influenzae type B (Hib) - Mumps - Poliomyelitis - Masern - Röteln - Tetanus – Varizella. Schwierigkeiten hatte ich nur mit der Hæmophilus influenzae type B (Hib) Impfung, weil sie für die Säuglingen vorgesehen ist und Erwschsene normalerweise nicht geimpft werden. Also habe ich mich ohne diese eine Impfung beworben und trotzdem wurde mein Impfpass akzeptiert.

Sicherheit

Kanada ist allgemein als sehr sicheres Land bekannt und die Sicherheitslage wurde auch vom auswärtigen Amt zu diesem Zeitpunkt als sehr sicher eingeschätzt. Auch abends kann man sorglos durch die Straßen schlendern. Außerdem kann man meinem Eindruck zufolge eigentlich fast jeden Kanadier auf der Straße ansprechen und es wird einem sofort so gut es geht geholfen.

Geld

Die kanadische Währung ist CAD. Überall kann man ohne Problemen mit der Karte zahlen, sodass es nicht unbedingt nötig war Bargeld zu wechseln. Ihr bekommt 200 CAD von der IFMSA (50CAD/Woche), die reichen komplett für den Transport, Essen im Labor und etc aus. Man findet überall die Geldwechselautomaten, z.B. in Shopping-Zentren oder in Banken.

Sprache

In Montreal wird sowohl Englisch als auch Französisch gesprochen. Die meisten Leute auf der Straße sprachen eher Französisch, aber wenn einer auf Englisch angesprochen wird, dann ist es meistens kein Problem das Gespräch auf Englisch zu führen. Französischkenntnisse werden beim Forschungsaustausch nicht vorausgesetzt. Im Labor hat sowohl meine Projektleiterin als auch mein unmittelbarer Tutor ein sehr gutes Englisch gesprochen, obwohl es manchmal trotzdem zu Schwierigkeiten bei der Kommuniktion kam.

Verkehrsbindungen

In der Stadt und auf dem Weg zum Labor habe immer öffentliche Verkehrsmittel benutz. Dafür braucht man ein OPUS-Card ohne Foto. Diese Card ist überall in Ticketsautomaten erhältlich und kann für einen Monat aufgeladen werden (monthly pass 86,50 CAD). Für größere Ausflüge würde ich ein Auto mieten. Damit ist man deutlich unabhängiger und die Spritpreise sind in Kanada recht günstig.

Kommunikation

Für meinen Aufenthalt habe ich eine Prepaid-Sim-Karte am Flughafen für einen Monat gekauft. Sie kostete 40 CAD für unbegrnzte Gespräche und 3 GB Flatrate. Man kann auch ohne SIM-Karte in Montreal zurecht kommen, da es in vielen Orten kostenloses WLAN zur Verfügung gestellt wird.

Unterkunft

Ich wurde in einem Gastzimmer einer Medizinstudentin der Université de Montréal und ihres Freundes untergebracht. Diese hat mich rechtzeitig circa zwei Monate vor Beginn des Austauschs kontaktiert und so konnten wir meine Ankunft organisieren. Bettwäsche und jegliche Wohnausstattung wie Bettdecke, Töpfe, Geschirr etc. war da und ich musste nichts extra aus Deutschland mitbringen.

Literatur

Vor meinem Austausch hatte ich meine Institution gebeten, mir einige Artikel bezüglich ihres Projektes zuzusenden, um mich in die Thematik einzulesen und auch an die Fremdsprache zu gewöhnen. Dies war sehr hilfreich und ich würde weiterempfehlen.

Mitzunehmen

-Steckdosenadapter (war eine böse Überraschung am ersten Tag mein Handy nicht aufladen zu können)!
-unbedingt warme Kleidung und Schuhe, es ist auch manchmal im März sehr kalt
-Kugelschreiber
-Laptop (mir wurde erlaubt die Arbeit auf meinem Laptop zu machen)
-Laborkittel (bei mir war überflüssig, da es in meinem Labor keinen experimentellen Teil gab)

Reise und Ankunft

Ich wurde am Flughafen von meiner Kontaktperson freundlich empfangen. Dort hat sie mir erklärt, wie ich die OPUS-Card aufladen kann und gleich dafür das Taschengeld gegeben. Danach brachte sie mich zu meiner Unterkunft.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Mein Forschungsprojekt „Suicide among homeless people“ war Teil der Abteilung für Psychiatrie der Douglas Mental Health University Institute. Dieses war ungefähr 50 Minuten von der Unterkunft entfernt, sodass ich, um dorthin zu gelangen, sowohl die U-Bahn als auch den Bus nehmen musste. Das U-Bahnnetzwerk ist allerdings recht unkompliziert und in den Stoßzeiten fährt alle zwei bis drei Minuten ein Zug ab. Problematischer ist es mit den Bussen, die hier sehr unregelmäßig fahren. An meinem ersten Arbeitstag wurde ich sehr nett von meinem Betreuer Guy Grenier und Coordinatorin meine Armelle Limboa in Empfang genommen. Sie führten mich durch das Labor und zeigten ihre Büros, die Bibliothek, den Konferenzraum und das Cafeteria. Außerdem hat Guy mir erklärt welche Aufgaben ich übernehmen werde und woran genau er mit meiner Projektleiterin Marie-Josée Fleury arbeitet. Inhalt dieses Projektes war die Erforschung allermöglichen Faktoren, die zur Suizidalität unter den Obdachlosen beitragen. Meine Aufgabe bestand darin, sog. Article review anzufertigen. Guy hat für mich mehrere (20 bis 30) besonders passende Artikeln gefunden und geschickt, sodass ich auf meinem Laptop arbeiten konnte. Article review bestand aus folgenden Säulen: Autoren, Name des Forschungsjournals, Ziel der Studie, Typ der Analyse, Datenbanken und Skalas, Teilnehmer der Studie, Jahre (wie lange wurde erforscht), Land und Stadt, Zielgröße, Einflussgrößen, signifikante Variabel, Exclusion und Inclusionkriterien, Hauptergebnisse und Schlussfolgerung. Anfangs hat mir Guy den Unterschied zwischen der Zielgröße, Einflussgrößen und signifikanten Variabel erklärt. Später wenn ich doch noch Fragen stellen wollte, war er wieder bereit alles zu erklären. Zusammen mit mir arbeitete eine Austauschstudentin aus Berlin. Ihr Projekt hatte mit dem Drogenmissbrauch zu tun und sie hatte auch ähnliche Aufgaben wie ich, sodass wir gemeinsam einige Kriterien besprechen konnten. Zusammen konnten wir auch an Seminaren von anderen Forschern der Douglas Institut teilnehmen. Normalerweise gab es ca. 2 Seminare pro Woche. Das Arbeitsklima war sehr angenehm und ich wurde schnell in das Team integriert. Das Medizinstudium in Kanada ist auf vier oder fünf Jahre begrenzt, was davon abhängt, ob man ein Bachelor in einer anderen Fachrichtung vor dem Medizinstudium gemacht hat. Während deutsche Studenten im Praktischen Jahr ein ganzes Jahr lang in der Klinik lernen und arbeiten, müssen die kanadischen Studierenden lediglich fünf Monate am Ende des Studiums auf den Stationen rotieren. Außerdem muss man sich als Medizinstudent an der Université de Montréal schon viel früher für eine favorisierte Fachrichtung entscheiden, da man bestimmte Kurse zum Ende des Studiums abgelegt haben muss, um für die Facharztausbildung („residency“) in dieser Fachrichtung zugelassen zu werden.

Land und Leute

Unter der Woche und am Wochenende hatte ich relativ viel Zeit für Sightseeing-Touren, da ich manchmal von zu Hause aus arbeiten durfte. In der ersten Woche habe ich den Mont-Royal mit den besten Aussichtspunkt auf die Downtown besucht. Wenn man sich in der Innenstadt befindet, solltet ihr hinter dem McGill-Campus den Hügel hinaufsteigen und den Wanderwegen/Schildern zum Aussichtspunkt am Mont Royal folgen. Das Chalet an der Spitze wurde in den 1920er Jahren erbaut und ist ein beliebter Ort für alle, die den Blick auf die Stadt genießen möchten. Dann habe ich Plateau-Mont-Royal erkundet. Besonders haben mir kleine Straßen mit den Graffiti überall, Vintage-Shops, gemütliche Cafes und Bars gefallen. Die Architektur dort war auch einzigartig: zweistöckige kleine Häuser, dicht aneinander gepresst und mit farbigen Fensterrahmen und Treppen. In Montreal finden unglaublich viele verschiedene Festivals statt, die meisten aber im Sommer: den Formula 1 Grand Prix du Canada, Montréal International Jazz Festival, MURAL Festival und andere. Doch hat meine Kontakt-Person Zhen Yan ein Festival im März gefunden: Nuit Blanche à Montréal. Das hat wirklich Spaß gemacht, wir waren mit ihren Freunden aus der Uni zusammen dorhingegangen. In Montreal kann ich nur weiterempfehlen Downtown und alte Stadtteile zu besuchen. Ich habe mir dafür mehrere Tage genommen um mehrere Straßen zu Fuß zu durchqueren. Auch folgende Viertel sind interassant durchzulaufen: Mile End, Le Village und Petite Italie. Das Nationalgericht in Kanada heißt Poutine, welches aus Pommes, Käse und einer speziellen Bratensauce besteht. Dieses gibt es nahezu an jeder Ecke zu kaufen und ist auch in zahlreichen Varianten erhältlich. Allgemein isst man in Kanada recht viel Fast Food. Ansonsten gibt es hier Ahornsirup in allen möglichen Formen und Varianten zu kaufen: Bonbons, Kekse, Fudge, etc. Ich hatte das Gefühl, dass Ahornsirup hier genauso verwendet wird, wie Salz und Pfeffer in Deutschland. Es wird nicht nur zu Pfannkuchen gegessen, sondern auch zum Nudelauflauf oder Bratkartoffeln serviert. Sehr beliebt ist es auch, beim Frühstück mit Ahornsirup übergossenen Bacon zu essen. Die Kanadier habe ich als sehr offene, hilfsbereite Menschen wahrgenommen. Wer allerdings etwas mehr über die Ureinwohner Kanadas erfahren möchte, findet hierzu zahlreiche Museen und im Sommer werden zudem jede Menge Festivals der First Nation People veranstaltet. Ich werde unbedingt noch mal nach Canada fliegen. Entweder für eine Famulatur oder in den Urlaub, um die schöne Natur zu erkunden.

Fazit

Während meines Praktikums konnte ich viele neue Erfahrungen sammeln und außerdem hat sich mein Englisch deutlich verbessert.
Insgesamt habe ich meinen Austausch sehr genossen, da es eine einzigartige Möglichkeit war mich fachlich zu entwickeln und ein neues Land mit ihrer besonderen Kultur kennenzulernen.

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