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Brazil (DENEM)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Veronika Anna, Karben

Motivation

Ich habe schon im Januar 2019 eine Auslandsfamulatur über die bvmd gemacht. Damals habe ich einen anderen Famulanten kennengelernt, der vor Ort auch seine Auslandsfamu machte. Wir beide wurden in dem Monat sehr gute Freunde und er erzählte mir viel von seiner Heimat Brasilien. Damals machten wir aus, uns bald wieder zu sehen. Ich wollte unser Wiedersehen gleich mit meiner nächsten Auslandsfamulatur verbinden, weil ich nach der ersten so glücklich darüber war, dass ich diese Möglichkeit wahrgenommen hatte.
Gesagt, getan! Ein Jahr später saß ich im Flieger nach Brasilien, um meine Famulatur in der Stadt zu machen, in der mein Freund studiert. Ich habe mich unglaublich auf unser Wiedersehen gefreut und war gespannt die Kultur und Heimat meines Freundes kennen zu lernen und alles, von dem er mir alles erzählt hatte, mit eigenen Augen zu sehen.

Vorbereitung

Zu Weihnachten hatte ich das Buch „Portugiesisch für Dummies“ geschenkt bekommen, war ganz hilfreich für ein paar Floskeln. Ansonsten spreche ich Spanisch Level B1, das war bei der Kommunikation ganz hilfreich. Wenn man die Zeit hat, würde ich jedem auch ans Herz legen so viel Portugiesisch wie möglich zu lernen, da die wenigsten in Brasilien Englisch reden.
Um den Lernerfolg in der Famu zu maximieren, ist es ratsam die Famu auf einem Gebiet zu machen, das man schon im Studium absolviert hat.
Wichtig ist außerdem sich frühzeitig über nötige Impfungen zu informieren.

Visum

Als deutscher Staatsbürger kann man für 90 Tage visumsfrei einreisen.

Gesundheit

Mein Tipp: Auf jeden Fall ein Beratungsgespräch in der Tropenmedizin oder beim Hausarzt ausmachen! Ich musste mich noch gegen Hep A impfen lassen und das sind 2 Impfungen im Abstand von 6 Monaten. Außerdem wurde ich noch gegen Tollwut und Typhus geimpft. Die Gelbfieberimpfung war außerdem Vorraussetzung für eine Famulatur in Brasilien.
In meiner Reiseapotheke hatte ich nur die Standards dabei: Ibuprofen, Kohletabletten, Pflaster, Desinfektionsmittel, Vomex. Gebraucht habe ich davon kaum etwas, an sich kann man sich alles auch in der Apotheke (, die sich immer in den Drogerien befindet) kaufen. Auf jeden Fall hätte ich gerne noch Zink-Creme dabeigehabt.
Mückenspray sollte auch nicht im Koffer fehlen, vor allem wenn man vor hat auch einige Tage außerhalb der Stadt zu verbringen, denn viele Krankheiten werden über Mücken übertragen und komplett zerstochen zu werden ist auch nicht so spaßig.
Eine Auslandsversicherung habe ich über den ADAC schon seit Jahren. Eine Versicherung für das Praktikum im Krankenhaus speziell habe ich nicht benötigt, mir wurde mitgeteilt, dass ich über die Klinik in Brasilien versichert sei.

Sicherheit

Allgemein kann ich nur das bestätigen, was ich in den anderen Berichten über Brasilien gelesen habe: Es ist sicher!
Man muss an Situationen nur mit gesundem Menschenverstand heran gehen, damit nichts passiert, dazu gehört z.B. nicht alle seine Sachen am Strand liegen zu lassen und dann ins Wasser zu gehen. Ich habe mich zu keinem Moment unsicher gefühlt.
Ich kann jetzt im Nachhinein feststellen, dass ich mir vor meiner Reise eindeutig zu viele Sorgen um meine Sicherheit gemacht habe und auch zu viele Vorkehrungen getroffen habe, die ich aber wahrscheinlich trotzdem nochmal so treffen würde.
So habe ich von allen meinen wichtigen Dokumenten Kopien gemacht und sie immer an zwei verschiedenen Orten aufbewahrt. Genauso habe ich 2 Kreditkarten mitgenommen, falls die eine gestohlen werden sollte. Außerdem habe ich mir einen „moneybag“ geholt, den man unter dem T-Shirt am BH oder innen an der Hose fest machen kann. Diesen habe ich kein einziges Mal benutzt.
Was man aber auf jeden Fall mitnehmen sollte, ist eine Bauchtasche, so hat man seine Wichtigsten Sachen immer nah am Körper und im Blick, denn in Brasilien sind Taschendiebe recht häufig.
Dadurch, dass ich in Vassouras untergebracht war, hatte ich viele Vorteile, was Sicherheit angeht. Vassouras ist eine kleine Stadt in der Nähe von Rio (35.000 Einwohner). Weil die Stadt so klein ist, konnte ich mich immer frei bewegen und musste auch nachts kein Uber nach Hause nehmen, sondern konnte alles laufen und brauchte mir auch sonst überhaupt keine Gedanken zu machen.
Empfehlenswert ist es jedoch, vor allem in größeren Städten, abends mit Uber unterwegs zu sein, genauso wie in Vierteln, die von Einheimischen als gefährlich betitelt werden oder dessen Straßen verdächtig leer sind.
Für alle, die zum Karneval in Rio sind: Man kann sich immer gut an den Brasilianern orientieren, was Sicherheit angeht. Im Karneval passt man einfach auf seine Wertsachen auf, da am meisten Taschendiebe unterwegs sind. Heißt: Fast jeder Brasilianer läuft mit Bauchtasche rum, sodass man immer seine Wertsachen dabeihat. Metro fahren ist überhaupt kein Problem, auch nachts nicht. Die Stadt ist super voll und belebt. In Menschenmassen sollte man sein Handy nicht rausholen, wenn nötig immer zur Seite gehen und jemanden dabei haben der sich ein bisschen vor einen stellen und die Umgebung beobachten kann. Ansonsten würde ich am besten immer Bargeld dabeihaben, keine Kreditkarten.

Insgesamt also: Mit etwas Vorsicht ist Brasilien sicherheitstechnisch überhaupt kein Problem.

Geld

In Brasilien zahlt man mit Real. Der aktuelle Kurs lag bei 1:5. Man kann eigentlich überall mit Kreditkarte zahlen. Ich habe zusätzlich auch immer etwas Bargeld dabeigehabt. Das konnte man bei vielen Banken vor Ort ohne zusätzliche Gebühren. Wenn man eine Kreditkarte von der Apo Bank hat kann man sich aber auch im Nachhinein die Gebühren rückerstatten lassen. Mit der Kreditkarte zahlt man aber immer ca. 1,9% drauf, wenn man mit der Kreditkarte zahlt. Dafür kann ich die Visa von der DKB empfehlen, mit der kann man überall im Ausland gebührenfrei zahlen.
Brasilien ist ein eher günstiges Land. Ich habe um einiges weniger (ca. die Hälfte) ausgegeben als in Deutschland und dabei war ich deutlich öfter auswärts essen und abends weg als zu hause. Dadurch, dass man auch noch mindestens eine Mahlzeit am Tag gestellt bekommt, kann man ein recht kleines Budget einplanen. Das einzig Teure waren die ganzen Touri Attraktionen, sprich Zuckerhut etc. Um ein gutes Reisebudget einzuplanen gibt es viele hilfreiche Seiten, die einem bei der Einschätzung helfen, vor allem wenn man noch ein bisschen durch das Land reise will.

Sprache

In Brasilien wird Portugiesisch gesprochen und nur Portugiesisch. Mit Englisch kommt man nicht so weit, vor allem nicht im Krankenhaus. Auch unter den jungen Leuten ist Englisch nicht so weit verbreitet. Ich habe insgesamt nur zwei Ärzte kennengelernt, die Englisch gesprochen haben, obwohl die Ärzteschaft aus sehr vielen jungen Ärzt*innen bestand.
Glücklicherweise spreche ich ziemlich gut Spanisch. Das hat mir beim Verständnis viel gebracht. Mit der Kommunikation hat es trotzdem manchmal gehapert.
In Krankenhaus in Vassouras ist das System für ausländische Studierende, dass man eine/n Studierende/n zugeteilt bekommt, der mit einem in derselben Rotation ist. Meistens haben die Student*innen dann auch neben mir gestanden und mir das meiste auf Englisch übersetzt.

Verkehrsbindungen

Um nach Brasilien zu kommen bin ich logischerweise geflogen. Ich hatte Glück meine Zusage seitens Brasiliens früh genug erhalten zu haben, sodass ich nur knapp 500€ für Hin- und Rückflug gezahlt hatte.
Nach Vassouras bin ich noch am selben Tag nach meiner Landung mit dem Bus gefahren. Um zum Busterminal zu kommen, aber auch um allgemein vom Flughafen weg zu kommen, kann man ein Taxi oder Uber nehmen. Das Taxi ist hier aber 4 Mal so teuer als Uber! Wer am internationalen Flughafen Rios ankommt, muss, um ein Uber zu nehmen aus der Ankunftshalle hoch mit den Rolltreppen in die Abflughalle, denn nur hier fahren die Uber ab. WLAN gibt es am Flughafen, sodass man auch ohne SIM Karte ein Uber bestellen und nehmen kann.
Das Busterminal in Rio (Novo Rio Bus Terminal) ist recht groß, Tickets nach Vassouras gibt es am Stand von Util. Eine Fahrt kostet keine 10€ und man fährt ca. 2 Stunden mit dem Bus.
Insgesamt ist das Busnetz in Brasilien super ausgebaut. Ich habe es andauernd für Wochenendtrips, aber auch für Tagesausflüge genutzt. Die Busse fahren häufig und pünktlich und sind sehr preiswert. Sie sind größtenteils besser ausgestattet als Flixbusse (WLAN, Beinfreiheit etc.). Tickets kann man online auf clickbus.com.br kaufen oder direkt an den Bushaltestellen.

Kommunikation

Ich habe mir am Tag nach meiner Ankunft in Vassouras eine SIM Karte gekauft. Dafür musste ich von einem Brasilianer begleitet werden, da man für den Kauf einer SIM Karte die TPF Nummer braucht (ist eine Art Steuernummer, die jede/r Brasilianer/in hat, mit der häufig Käufe registriert werden). In Vassouras gab es nur einen Anbieter: VIVO. Deshalb waren meine Möglichkeiten limitiert und ich hatte ein recht teures Angebot mit 3GB pro Woche für 3€. What´s app kann man übrigens mit einer SIM Karte mit Internet immer kostenlos unlimitiert nutzen, das bietet sich super an zum Telefonieren mit zu Hause, aber auch zum Kommunizieren mit den Brasilianer*innen.
In der Wohnung, in der ich untergekommen bin, aber auch im Krankenhaus, Flughäfen und Bushaltestellen, sowie Cafés und anderen öffentlichen Orten gab es meistens WLAN.

Unterkunft

Ich bin in der Wohnung einer Studentin untergekommen (in Vassouras kann man übrigens nur Medizin studieren, man ist also nur unter Medizinstudierenden). Dort hatte ich mein eigenes Zimmer, mit allem, was man braucht: Bett, Tisch mit Stuhl und einem Schrank. Geteilt haben wir uns das Wohnzimmer, die Küche und das Bad sowie eine zweite kleine zusätzliche Toilette. Die Wohnung war echt groß für zwei Personen. Ich habe Bettwäsche und Handtücher gestellt bekommen, konnte zu jeder Zeit die Waschmaschine benutzen und wir hatten sogar einen Fernseher. Außerdem war die Küche sehr gut ausgestattet.
Ich habe mich mit meiner Host unglaublich gut verstanden, oft haben wir bei uns zu Hause abends noch ein paar Freunde eingeladen. Dabei war es auch vollkommen okay, wenn ich mal ein paar Leute mitgebracht habe. Sie hat mir sogar noch eine zusätzliche Matratze gegeben und mir mehr Bettwäsche zur Verfügung gestellt, falls mal noch jemand übernachtet.
Insgesamt war sie unglaublich gastfreundlich. Nach dem Wochenende, an dem sie meistens in ihrer Heimatstadt bei ihrer Familie war, brachte sie mir immer Essen mit, das ihre Mama extra für mich gemacht hatte und das ich dann über die Woche hinweg auftauen und essen konnte.
Die Standardlebensmittel hat sie mir auch immer zur Verfügung gestellt, genauso wie Artikel wie Spülmittel, Waschmittel oder Toilettenpapier.

Literatur

Viel habe ich mich im Vorfeld nicht belesen. Ich habe mir einige Dokus über Brasilien angesehen, die mir aber teilweise ein ziemlich anderes Bild vermittelt haben, als dass, das ich vor Ort bekommen habe.
Wer in Brasilien in die Gynäkologie geht, kann ich aber die Netflixdoku „Die Wiedergeburt der Geburt“ ans Herz legen.
Ansonsten sollte man echt so viel Portugiesisch wie möglich im Vorfeld lernen!
Wer in einem chirurgischen Fach in Brasilien tätig sein wird, kann ich empfehlen das OP-Besteck auf Portugiesisch zu lernen, denn in Brasilien assistieren die Studierenden eigentlich bei jeder OP, dabei übernehmen sie die Aufgaben einer OP-Assistenz und reichen v.a. OP-Besteck an. Wer das dann auf portugiesisch kann, hat auf jeden Fall einen riesen Vorteil.

Mitzunehmen

Vieles hatte ich nicht dabei. Alle Pflegeprodukte kann man auf jeden Fall problemlos in Brasilien nachkaufen, genauso wie eigentlich alles andere.
Ich habe für wichtig empfunden zwei Kreditkarten dabei zu haben, um nicht gleich aufgeschmissen zu sein, falls eine mal nicht funktioniert oder gestohlen wird.
Fürs Krankenhaus in Vassouras habe ich als Studentin immer komplett weiß gekleidet kommen müssen, heißt weiße Hose, weiße T-Shirts und weiße Sneaker sind ein Muss. Die T-Shirts konnten jedoch mit Print sein und bei meinen eher grau-pastellrosa-farbenen Schuhen hat auch niemand etwas gesagt.
Auf jeden Fall sollte man seinen Personalausweis mitnehmen, denn die ganze Zeit mit dem Pass rumlaufen sollte man nicht und in allen Situationen, in denen ich nach einem Ausweis gefragt wurde, hat mein Perso ausgereicht.
Eine zusätzliche Kopie von allen wichtigen Dokumenten ist auch nicht schlecht.
Außerdem der Zettel, der ausgefüllt werden muss, damit eure Uni die Famulatur anerkennt. Und kümmert euch am besten einige Tage vor Abreise schon um das Ausfüllen dieses Zettels, ich habe nämlich in Brasilien gelernt, wie schwer es doch sein kann einen Kliniksstempel zu bekommen.

Wer nach Vassouras fährt sollte auf jeden Fall auch Schuhe mitnehmen, die dreckig und kaputt werden dürfen, denn die meisten Partys finden außerhalb der Stadt auf einem alten Bauernhofsgelände statt, hier kann es ziemlich schlammig sein.
Wenn wir schon beim Feiern sind: Brasilianer/innen ziehen sich recht schick beim Feiern an. Männer oft mit Hemd und langer Hose, Frauen sehr freizügig.

Reise und Ankunft

Nach meinem langen Flug bin ich abends in Rio gelandet. Von dort aus habe ich den Uber zum Busterminal Novo Rio genommen. Wer sich nicht mit der App auskennt, sollte sich am besten damit im Vorfeld vertraut machen.
Ganz wichtig: In Rio am internationalen Flughafen fahren die Uber nur aus dem in der 2. Etage liegenden Abflughalle. An der Ankunftshalle fahren nur Taxen ab und die sind 4 Mal so teuer.
Ich war am Busterminal mit einem anderen Austauschstudenten verabredet, der auch nach Vassouras musste. Nachdem ich mein Ticket am Stand von Util gekauft habe, konnten wir gemeinsam den Bus nehmen. Busverbindungen nachsehen sowie Tickets kaufen könnt ihr auf clickbus.com.br. In Vassouras wurden wir an der Bushaltestelle von einem Freund von mir abgeholt und in unsere Unterkunft gebracht.
Da wir schon am Donnerstagabend angekommen sind hatten wir noch das ganze Wochenende bis zum Praktikumsbeginn. In dieser Zeit haben wir Vassouras besser kennengelernt und sind auch noch in die Heimatstadt von meinem Kumpel gefahren. Dort wurden wir unglaublich herzlich von Familie und Freunden von ihm empfangen. Sie hatten sogar am Sonntag extra eine kleine Willkommensparty für uns veranstaltet, auf der es typisch brasilianisches Essen und Getränke gab und sie uns beigebracht haben wie man Samba tanzt. Diese unglaublich großartige Herzlichkeit ist mir in den kommenden Wochen immer wieder überall begegnet.

Für meinen ersten Tag im Krankenhaus wurde ich von zu Hause von meiner „godmother“ abgeholt und wir fuhren gemeinsam zum Krankenhaus. Sie war mit einer anderen Studentin für mich verantwortlich. Den Ärzt*innen an diesem Tag hatte sich mich auch vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe meine Famulatur in der Gynäkologie gemacht. Dabei hatte ich geäußert, dass ich diese vor allem von Seiten des OPs kennenlernen würde, das war überhaupt kein Problem.
Meine ersten 2 Wochen habe ich fast nur im OP verbracht.
In Vassouras gibt es das System, dass die Studierenden in den letzten 2 Jahren ihres Studiums alle Rotationen durchlaufen müssen. Dies machen sie dann in Kleingruppen von ca. 8-10 Personen.
Beide meine godmothers waren in den ersten 2 Wochen meiner Famulatur in der Gynäkologie und deswegen, war dann auch fast jeden Tag dort. Die beiden Gruppen meiner godmothers wechselten sich in der Woche ab, sodass ich am Montag mit Gruppe 1 und am Dienstag mit Gruppe 2 unterwegs was usw.
Im OP durfte immer ein/e Student/in bei der OP assistieren und hat dabei die Aufgaben einer OP-Assistenz übernommen, sprich, neben dem üblichen Haken halten gehörten auch OP-Besteck anreichen, das OP-Feld eindecken und das Nähen am Ende zu den Aufgaben.
Je nach Tag gab es auch mal keine oder nur eine OP, manchmal dann aber auch 5 an einem. Insgesamt ist jeder aus der Gruppe ca. einmal in der Woche dran gewesen mit assistieren.
Je nach Operateur gab es während der OP noch sehr viel Unterricht. Einige erklärten jeden einzelnen Schritt, den sie taten, andere stellten den Studierenden viele Fragen, die sie dann beantworten oder erklären mussten.
Insgesamt waren die Ärzt*innen sehr bemüht um eine lehrreiche Atmosphäre.
Ich selbst bin in meinen zwei Wochen OP zwei Mal beim Assistieren drangekommen. Da die Ärzt*innen alle kein Englisch sprachen, was mit mir immer noch eine weitere Studentin am Tisch, die das Besteck anreichte und mir die Dinge noch auf Englisch erklärte. Ich durfte dann Haken halten und am Ende zunähen.
Ich hatte Glück, denn ich lernte außerdem noch einen Arzt kennen, der neben seiner Privatpraxis einmal pro Woche ins Krankenhaus kam, um mastologische OPs durchzuführen. Er sprach sehr gutes Englisch und war sehr motiviert mir etwas beizubringen und sehr interessiert daran, wie das Leben und Arbeiten in Deutschland sind. Deshalb habe ich dann einmal die Woche bei ihm im OP eine Art Einzelunterricht bekommen und durfte dann auch bei allen OPs assistieren. Das war wirklich eins meiner Highlights.
In der zweiten Hälfte meiner Famulatur waren die zwei Gruppen, denen ich angehörte, auf Station eingeteilt. Die Station beinhaltete alle gynäkologischen Felder, von Geburten bis Carcinomen war alles dabei. Hier sah jeder Tag ungefähr gleich aus. Jede/r der Student/innen bekam eine Patientenakte. Diese mussten sie bearbeiten und die Patientin im Anschluss untersuchen: Von der Anamnese bis zum CTG messen musste dabei alles gemacht werden. Im Anschluss mussten die Studierenden dann noch alles in der Akte protokollieren und sich ggf. weitere Therapien oder die mögliche Entlassung überlegen. Im Anschluss liefen wir dann durch alle Zimmer und die Studierenden stellten der Gruppe und den Ärzt*innen die Patientin vor. Zusätzlich gab es dann zu den Fällen noch ein bisschen Unterricht und spezielle Befunde wurden nochmals ausführlich besprochen und Entscheidungen erklärt. Ich habe immer zusammen mit meiner godmother eine Patientin gemacht, außer dem Protokollieren und Fallvorstellen konnte ich dabei auch alles selbst machen.
Nach der Arbeit auf Station sind wir am Nachmittag dann immer noch in die gynäkologische Ambulanz gegangen und haben dort in Gruppen von 2-3 Studierenden Patientinnen anamnestiziert und untersucht. Im Anschluss kam ein/e Ärzt/in und segnete nur unsere Befunde und Therapieempfehlung ab.
Insgesamt konnte ich als mit den brasilianischen Studierenden sehr frei und selbstständig agieren. Das hatte mir sehr gefallen, da man an der größeren Verantwortung sehr schnell wächst und meiner Meinung nach auch so viel mehr lernt, da man sich zwar am Tag nur mit eigen wenigen Krankheitsbildern beschäftigt, dafür aber sehr intensiv.
An einem Tag hatte ich noch die Möglichkeit mit einem ambulanten Gynäkologen mit zu fahren. Ich würde auf jeden Fall jedem empfehlen so eine Möglichkeit zu ergreifen, falls sie sich anbietet!
Wir sind mit dem Auto in sehr abgelegene Dörfer gefahren (, in denen man noch nicht einmal Handynetz hatte). Dort hat der Arzt dann seine Patientinnen im healthcare Zentrum des Dorfes untersucht. Es war sehr cool die ländliche Gegend kennenzulernen und zu verstehen, wie dort das Gesundheitssystem funktioniert.
Insgesamt war für mich sehr eindrücklich in der Famulatur zu sehen, mit wie viel einfacherem Equipment die Ärzt*innen zurechtkommen (müssen). In Brasilien gibt es eine staatliche Krankenversicherung für jeden, das fand ich sehr bemerkenswert, bei so einem großen Land, das teilweise sehr hohe Armut verzeichnet. Trotzdem gibt es auch einen unglaublich großen privaten Sektor, für alle die es sich leisten können.
In Vassouras ist das Krankenhaus überwiegend öffentlich finanziert. Das merkte man dann auch an der Ausstattung. An vielen Ecken und Enden hat es an Dingen gefehlt: unscharfe Skalpelle, verrostete gynäkologische Stühle und Schimmel an den Wänden war leider keine Seltenheit. Und trotzdem funktionieren die meisten Dinge doch so wie sie sollten. Das fand ich sehr schön und trotzdem hat es meine Dankbarkeit noch größer gemacht, dass man in Deutschland als Ärzt*in mit (fast) unlimitierten Ressourcen an seine/n Patient/in herantreten kann und so die bestmögliche Behandlung bieten kann.
In der Gynäkologie hatte mich lediglich geschockt, wie viele Kaiserschnitte durchgeführt wurden – in 4 Wochen gab es nur eine natürliche Geburt auf Station, darauf kamen mehr als 20 Kaiserschnitte. Teilweise waren diese ohne jegliche Indikation.
Die Studierenden erklärten mir, dass die Ressourcen sehr limitiert waren und die Ärzt*innen deshalb lieber eine sectio durchführen, die sehr schnell von statten ging. Außerdem sollen sich viele Ärzt*innen kaum bis gar nicht weiterbilden und teilweise an veralteten Erkenntnissen festhalten.

Das einzige, was ich an meiner Famulatur gerne geändert hätte, war die Sprachbarriere.

Land und Leute

Die größte Stadt in der Nähe von Vassouras ist Rio de Janeiro. Man sollte auf jeden Fall hier ein paar Tage für einplanen. Außerdem ist Sao Paulo auch nur eine Nachtbusreise entfernt. Als weitere Ausflüge war ich mit den anderen Austauschstudierenden auch noch in Petrópolis, die Stadt bietet unglaublich viele Wasserfälle und war zudem auch noch eine deutsche Kolonie, in der bis heute „deutsches Bier“ gebraut wird.
Wenn man die Zeit hat, sollte man auf jeden Fall auch für ein paar Tage nach Buzios fahren, das ist eine wundervolle kleine Stadt am Meer und die Brasilianer nennen sie auch gerne mal ihr eigenes Saint Tropez.
In Vassouras selbst gab es nicht so viel zu sehen, empfehlen kann ich aber hier auf einen Fall einen Ausflug zur in der Stadt gelegenen Fazenda und einen Abstecher im Relíquia für ein „chope de vinho“.
Meinen Austausch zu etwas ganz Besonderem haben die Menschen in Brasilien gemacht. Alle waren immer unglaublich aufgeschlossen und gastfreundlich. Außerdem habe ich die Brasilianer als ein sehr fröhliches Völkchen wahrgenommen, das immer etwas zum Feiern hat, egal ob mit ihrer Oma am Sonntagmittag oder mit ihren Freunden unter der Woche. Caipirinhas und Samba zu entkommen ist in Brasilien auf jeden Fall schwer.
Ich habe unglaublich viele Studierenden kennen lernen können, die alle unglaubliches Interesse an dem Leben in Deutschland hatten, aber auch mir vieles ihrer Kultur zeigen wollten. Ich war deshalb keinen einzigen Tag allein. Die anderen Austauschstudierenden und ich wurden unglaublich gut in das Alltagsleben der anderen integriert. Wir wurden zu jeder Veranstaltung mitgenommen und konnten das Leben der Studierenden in Vassouras richtig kennen lernen. Das großartige ist, dass Vassouras eine Studentenstadt ist. So war immer etwas los.
Außerdem wurde für uns Austauschstudierenden immer wieder ein teaching abends angeboten, in dem wir advanced life support lernen konnten, aber auch chirurgische skills oder verschiedenen Tropenkrankheiten aus aller Welt. Das alles wurde durch die lokal Vertretung orgaisiert und war immer sehr lehrreich ohne dabei den Spaß zu verlieren.
Schon mal als kleine Warnung: Die Brasilianer sind wirklich nicht pünktlich, die meisten zumindest, wenn es also heißt man trifft sich um Punkt, dann ist es meist 15 nach, dafür bekommt man aber schnell ein Gefühl. Als kleines Beispiel, das mich doch die ersten Tage verwirrt hat: Auf dem OP Plan war die erste OP immer für 8 Uhr angesetzt, vor 8:45 war aber nie die erste Patientin da und vor 9 lief schon mal gar nichts im OP. Trotzdem war ich erstaunt, wie die OPs am Ende des Tages alle durch waren und alle pünktlich Schluss machen konnten und dabei sogar noch eine Mittagspause hatten. Diese etwas gelassenere Art auf der Arbeit fand ich sehr angenehm, vor allem, weil ich am Ende des Tages nie das Gefühl hatte, dass etwas nicht geschafft wurde. Im OP war die Stimmung auch deutlich ausgelassener und zwischen den Ärzt*innen aber auch mit den Studenten wurde immer wieder rumgewitzelt.
Der Monat hat unglaublichen Spaß gemacht und war auch richtig lecker: Ich selbst bin eigentlich kein Fan von Reis mit Bohnen, aber die Art wie diese in Brasilien serviert werden ist unglaublich. Ich konnte kaum genug bekommen. Insgesamt war ich sehr positiv überrascht von der brasilianischen Küche und wundere mich mittlerweile, wieso sie nicht berühmter ist. Lasst euch auf jeden Fall auch auf die kulinarische Seite einer Brasilienreise ein!
Als kleiner Tipp noch: Für alle Medi-Fans, im Oktober findet in Vassouras der brasilianische Abklatsch der Medis statt, falls man sich das mal ansehen möchte.

Fazit

Egal ob für einen Austausch oder einfach so: Eine Brasilienreise lohnt sich immer und ich plane jetzt schon meine nächste Reise dorthin. Ich denke aber auch, dass vor allem ein Praktikum in Brasilien einen der Bevölkerung und Kultur noch näherbringt und das ist meiner Meinung das, was Brasilien wirklich ausmacht – auch wenn die Flora und Fauna wirklich beeindruckend ist. Meine Erwartungen wurden in jeder Hinsicht übertroffen, denn auch wenn ich im Praktikum aufgrund der Sprachbarriere nicht vieles komplett alleine machen konnte, habe ich doch viel gelernt und mit der Unterstützung der anderen Studierenden auch viel machen können, teilweise auch Dinge, die man in Deutschland als Famulant nicht selbstverständlich machen darf.
Außerdem habe ich unglaublich viele großartige, fröhliche und nette Leute kennengelernt und auch neue Freunde dazu gewonnen. Ich werde auch jeden Fall immer ein bisschen von der brasilianischen guten Laune und Lockerheit in meinem Alltag mitschwingen lasse.

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