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Kroatien (CroMSIC Croatia)

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Johanna, Hofbieber

Motivation

Ich wollte an einem Forschungsaustausch teilnehmen, weil ich ausprobieren wollte, ob für mich das Feld der medizinischen Forschung als späterer Tätigkeitsbereich in Frage kommt. Zudem hatte ich überlegt, dass mir diese Erfahrung, mal in einem Forschungsprojekt mitgemacht zu haben, vielleicht später meine Entscheidung erleichtern würde, ob ich eine experimentelle Doktorarbeit in der Forschung machen möchte. Ich reise gerne und dachte mir deshalb, dass es deswegen gut passt, das mit einer Reise zu verbinden.

Vorbereitung

Ich habe mich -was die fachliche Vorbereitung angeht- an anderen Erfahrungsberichten und den Informationen des IFMSA Portals, sowie den Aussagen des LEOs orientiert. Der Professor hat selbst auch publiziert. Mit den öffentlich zugänglichen Publikationen kann man sich bei Interesse natürlich so auch weiter noch informieren, über Basis-Kenntnisse heraus. Sprachlich habe ich mich auch ein bisschen mit der Landessprache beschäftigt, obwohl das Projekt an sich auf Englisch ausgeschrieben war. Aber hier lässt sich sagen, dass das besonders ratsam für Leute ist, die auch ein bisschen von der Kultur des Landes mitnehmen wollen. Das ist nicht zwingend notwendig, gehört für mich aber dazu.

Visum

Da Kroatien in der EU ist, brauchte ich kein Visum.

Gesundheit

Gesundheitlich hatte ich bezüglich Kroatien weder Bedenken, noch Probleme. Mein Austausch war zu der Zeit des Corona-Virus, weshalb ich gefragt wurde, ob ich vorher in Italien war. An öffentlichen Orten gab es Aushänge mit Informationen und Verhaltensempfehlungen, wie Händewaschen und Massenansammlungen meiden. Im Großen und Ganzen würde ich aber dennoch die Situation hier als gelassen einstufen.

Sicherheit

Auch im Bezug auf Sicherheit hatte ich bei Kroatin weder Bedenken, noch Probleme. Da Kroatien zur EU gehört, ist auch das Sicherheitswesen ähnlich aufgebaut. Zagreb ist zwar die Hauptstadt von Kroatien, aber mit einer Einwohnerzahl von etwas mehr als 800.000 noch überschaubar. Alle Meschen mit denen ich im Projekt zu tun hatte, als auch Leute auf der Straße, erschienen mir hilfsbereit und freundlich. Darüberhinaus, sprechen die meisten Leute in jedem Fall gut genug Englisch, um sich in Gefahrensituationen Hilfe zu erbitten oder sich mitzuteilen. Auch nach Sonnenuntergang ist die Stadt noch sehr belebt, sodass man auch wenn man mal alleine unterwegs sein sollte, keine Angst haben braucht. Diese Situation muss sich aber im Allgemeinen nicht ergeben.

Geld

Die Währung in Kroatien heißt Kuna (kn). Ich hatte einen relativ stabilen Wechselkurs von ungefähr 1 Euro zu 7,5 Kuna. Ich habe Euro mit nach Kroatien gebracht und dann hier in einer Wechselstube umgetauscht. Ob Abheben oder eine Wechselstube lukrativer ist, hängt immer vom ausgeschriebenen Kurs ab, und davon, bei welcher Bank man ist. Wenn man vorher einfach mal ein bisschen verschiedene Möglichkeiten vergleicht, ist man, denke ich, am besten beraten. Im Notfall ist es im europäischen Ausland natürlich immer gut beraten, wenn man zumindest mal zur Sicherheit eine Bankkarte dabei hat, da man an den meisten Automaten problemlos Geld abheben kann.

Sprache

Die Menschen sprechen Kroatisch im alltäglichen Leben. In meinem Projekt wurde wegen mir, oft rücksichtsvollerweise englisch gesprochen. Es kann aber sicherlich nicht schaden, die Basics drauf zu haben, und sich einfach ein bisschen für die Sprache zu interessieren. Mit der Zeit kommen manche Floskeln schon von ganz alleine. Die Menschen hier reagieren auch im Allgemeinen sehr positiv und freudig darauf, wenn man versucht die gelernten Sätze anzuwenden. Dabei ist es natürlich nicht schlimm, wenn man Fehler macht.

Verkehrsbindungen

Ich hatte nicht wirklich die Notwendigkeit öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Ich war 2 Gehminuten von dem Labor, in dem meine Arbeit war, untergebracht und bin deshalb immer gelaufen. Auch die Stadt war fußläufig. Wenn ich dann doch mal Tram fahren wollte, war das immer sehr einfach: Bei einem Kiosk kann man für 4 kn ein Tickt kaufen, was man dann in der Bahn abstempelt und 30 Minuten damit fahren kann. Busse gibt es auch, jedoch dann eher für weiter weg gelegene Stadtteile. Manche Trams sind sehr alt und machen auch einen Teil des Flairs der Stadt aus. Fahrradfreundlich erscheint mir die Stadt nicht wirklich. Autos fahren sehr zügig und als Fußgänger sollte man beim Überqueren der Straße auch bei Zebrastreifen besondere Vorschicht walten lassen.

Kommunikation

Die Mitarbeiter des Labors konnten alle gutes Englisch sprechen, weshalb ich da keine Probleme hatte. Manchmal haben sie auch Kroatisch geredet und es dann später für mich übersetzt oder ich habe so versucht ein bisschen was zu verstehen. Die Anatomischen Begriffe, die verwendet wurden, waren Latein, also konnte ich mit diesen zumindest immer was anfangen. Auf der Straße hat Englisch in den meisten Fällen auch ausgereicht oder ich habe mich versucht mit ein bisschen Kroatisch durchzuschlagen.

Unterkunft

Untergebracht war ich im HIIM Center am Universitätscampus der medizinischen Fakultät in Zagreb. Das ist das Brain Research Institut, was im dritten Stock ein paar Zimmer zum Übernachten hat. Die Zimmer waren ähnlich wie ein Hotelzimmer aufgebaut mit eigenem Bad und kleinem Flur. Die meisten Zimmer sind Doppelzimmer. Die Küchen stehen leider nur dem Personal zur Verfügung, aber man kann im dritten Stock einen Kühlschrank benutzen. Die Unterkunft besticht durch eine Nähe zu den medizinischen Lehr-Gebäuden der Fakultät, dafür muss man zur Tramstation ca. 10 Minuten laufen. Dafür ist aber die Unterkunft auf dem Berg Salato gelegen, weshalb man eine schöne Aussicht hat und nach 165 Treppen direkt im Zentrum ist.

Literatur

Ich habe für mein Projekt keinerlei Literatur benötigt. Im Vorfeld habe ich mich über PubMed in ein paar Research Arbeiten des Professors eingelesen und habe auch innerhalb der ersten Woche noch ein bisschen eigene Recherche über den Gegenstand der aktuellen Forschung betrieben. Zudem habe ich von dem Professor eine PowerPoint Präsentation zur Verfügung gestellt bekommen, die ich am ersten Tag durchgesehen habe, um so auch einen Eindruck über die allgemeine Herangehensweise zu bekommen.

Mitzunehmen

Eigentlich werden die Austauschstudenten in einem Student Dorm untergebracht, in dem es sich scheinbar empfehlen würde Kochgeschirr mitzubringen, wenn man sich etwas selbst zubereiten will. In unserer Unterkunft ging das ja eigentlich nicht, aber wenn man morgens ein Müsli oder so essen möchte, kann man ja zumindest eine Schüssel mal mitnehmen oder ein Messer, um Obst oder Brot zu schneiden. Dementsprechend sollte man sich vorher mal informieren, wo man untergebracht ist. Je nachdem muss man nämlich auch eigene Handtücher mitbringen.

Reise und Ankunft

Ich bin geflogen, was ohne Probleme geklappt hat. Frankfurt-Zagreb ist ein Direktflug, der von Croatiaiar angeboten wird. Am Flughafen wurde ich von meiner Kroatischen Kontaktperson abgeholt und zu der Unterkunft gebracht. Das war gut, weil so konnte er mir schon mal ein paar Sachen erklären, bzw. ich konnte ein paar Fragen stellen. Ich kam am Sonntagabend an und musste Montag schon in mein Projekt. Mir hat das nichts ausgemacht, aber für Leute, denen es wichtig ist, vorher ein bisschen Zeit für sich zu haben und in einem Land erst ankommen wollen, ist es auch möglich schon etwas früher anzureisen. Zug fahren oder Fernbus sollte man umwelttechnisch auch als eine Option in Betracht ziehen, dauert aber wesentlich länger.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Die Forschung an sich war über ein aus dem Magensaft isoliertes Peptid (BPC157). Der Professor macht damit Versuche verschiedenster Art. Im Fokus stand, dass BPC157, das an sich eigentlich Ulcus im Magen verhindern soll, auch regenerative Wirkung auf anderen Gebieten mitbringt. Geforscht wurde generell an Laborratten. Untersucht wurden die Effekte der Applikation des Peptids bei einer Ratte mit einer gewissen Verletzung oder Krankheit (vorher induziert) im Bezug zu einer Kontrollratte. Das war das Prinzip, was hinter den jedem Versuchen stand. Es war dann nur ein Unterscheid, ob zum Beispiel eine neuroprotektive Wirkung am Gehirn untersucht wurde oder eine angiogenetische bei der Unterbindung von Blutgefäßen. Zuletzt wurde auch gezeigt, dass es auf die Haut wirkt, was besonders ist, da sich der Gewebetyp unterscheidet. Experimentiert wurde indem der Heilungsprozess der Ratten aufgezeichnet wurde, ein gewisses Verhalten beobachtete wurde, oder durch Messung von Vitalwerten und auch Operationen. Später wurden die Ergebnisse dann analysiert. Ich habe in dem Labor keine festen Aufgaben gehabt. Das war aber auch eigentlich für mich zum Vorteil, weil ich so fast jeden Tag neue Sachen sehen und machen durfte. Das einzig schlechte daran war, dass mir persönlich manchmal etwas die Struktur gefehlt hat. Die meiste Zeit haben sich mitunter auch andere Studenten um mich gekümmert und mir ihre Arbeiten gezeigt. Die kroatischen Studenten helfen in dem Labor aus oder machen eine Doktorarbeit dort. Deshalb habe ich viele verschiedene Projekte sehen können und mir wurde auch viel erklärt. Die Atmosphere war immer gut und ich wurde auch immer nach Fragen oder Anmerkungen gefragt. Im Generellen konnte man mit Basis Grundlagen gut folgen, wobei besonders anatomische Kenntnisse ratenswert sind. Ich durfte auch selbst die Ratten zum Beispiel nähen oder Kraniotomien durchführen, was ja in Deutschland so nicht innerhalb des Studiums gemacht wird. Das fand ich persönlich sehr interessant. Weil ich dann früher nach hause gehen musste und das Projekt dann also quasi abbrechen musste, fehlen mir hier dann logischerweise vielleicht auch ein paar Erfahrungen. Trotzdem würde ich sagen, dass ich ein ganz gutes Bild von der laufenden Forschungsarbeit bekommen habe. Es hat mir aber auch geholfen, Forschung als etwas sehr abstraktes und der Lebenswelt fernen anzusehen. Was ich zum Beispiel auch gar nicht auf dem Schirm hatte, waren die Tierexperimente. Und daran muss man sich wirklich auch erstmal gewöhnen.

Land und Leute

Mir begegneten die Menschen, mit denen ich in Kroatien zu der Zeit meines Austauschs zutun hatte als sehr aufgeschlossen und herzlich. Seien es die Leute aus dem Projekt oder die Leute, die ich unterwegs getroffen habe. Ich habe wirklich gute Gespräche führen können und mir wurde oft viel Interesse entgegengebracht. Zagreb ist eine schöne Stadt, die gerade dadurch besticht, dass sie noch viele kleine Straßen mit alten Häusern hat. Ein Hochhaus sucht man hier vergebens und zudem ist die Stadt schön grün. Ein Ausflug an die Küste lohnt sich auch immer sehr, von der Kroatien viel zu bieten hat. Das Klima ist durch den mediterranen Einfluss die meiste Zeit sehr angenehm. Besonders im Sommer ist das Land natürlich reizend, weil sich dann auch das Leben größtenteils draußen abspielt. Allerdings war ich im März auch nicht unglücklich mit dem mildem Wetter und ich konnte viel machen. In Zagreb wird ein Freizeitprogramm von kroatischen Studenten organisiert, was auch schön ist, da man so auch gleich unter Leute kommt. Die Kroatischen Studenten sind dabei sehr interessiert und geben auch gerne Tipps für Reisen. Das Kroatische Essen ist mediterran angehaucht und es gibt viele Fleischgerichte und Käse. Darüber gibt es viele für den gesamten Balkan typische Sachen, wie zum Beispiel Börek. In Zagreb braucht man sich aber auch bei anderen Vorlieben keine Gedanken zu machen, da es hier viele internationale Restaurants gibt und auch in den meisten Fällen vegetarische Optionen angeboten werden. Vegan ist schwieriger. Man kann aber auch sagen, dass ein wichtiger Teil des sozialen Umfelds auch die Leute werden, die ebenso wie man selbst ein Austauschprogramm in Kroatien machen und von überall her kommen. Das kreiert ein wirklich schönes internationales Umfeld und man kann wirklich viel auch über andere Kulturen lernen. So habe ich zum Beispiel auch viel über den Islam gelernt, weil ich mir am Anfang mit einer Indonesin das Zimmer geteilt habe. Das habe ich auch nicht gedacht, als ich nach Kroatien gegangen bin, aber für mich war die Erfahrung wirklich auch sehr bereichernd. Es war auch schön, dass man hier nochmal einen Blick in das Medizinstudium von den anderen Ländern bekommen hat. Mit mir im Austausch (alle anderen Personen haben ein Professional Austausch gemacht) war noch ein anderer Indonese, eine Russin und ein Mädchen aus der Ukraine. Da sie auch alle bei mir im Universitätsgebäude untergebracht waren, konnte man gut auch mal etwas unternehmen, wenn mal nichts organisiert war. Vom Land konnte ich leider wegen Corona dann nichts mehr sehen.

Fazit

Als Fazit kann ich ziehen, dass sich der Monat in Zagreb für mich sehr gelohnt hat. Es ist immer wieder notwendig im Projekt Eigeninitiative zu zeigen, je nachdem wird man auch eingebunden. So kann man relativ gut steuern, wie viel man selbst machen möchte, oder was man sich zutraut. Das Drumherum ist relativ gut organisiert, weshalb man sich um seine Freizeit weniger Gedanken machen muss. Alles in allem sollte man nicht mit zu hohen Erwartungen hineingehen, und sich vor allem auf die einem gegebenen Situationen einlassen. Einfach ein bisschen Flexibilität mitbringen.

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