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Russia (HCCM)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Katja, Köln

Motivation

Ich habe mir schon lange gewünscht, eine Famulatur im Ausland zu machen. Mich haben die Unterschiede in den Gesundheitssystemen der verschiedenen Länder schon immer fasziniert und ich war einfach neugierig und gespannt, Medizin auch mal ein wenig „anders“ zu erleben. Da dies mein erster Austausch sein sollte, wollte ich unbedingt in ein Land, in dem ich mich nicht nur mit den Landsleuten, sondern insbesondere auch mit den Ärzten und Patienten gut verständigen konnte.
Da ich sogar Russisch als erste Muttersprache gelernt habe, fiel mir die Entscheidung nicht besonders schwer ;)
Auch wollte ich sehen, ob das Bild und die Vorstellungen der Kultur und der Seele
dieses Landes mit denen ich durch Erzählungen, Filme und Bücher aufgewachsen bin, auch nur ansatzweise der Realität entsprechen. :D

Vorbereitung

Da ich den Platz über das Restplatzverfahren ergattert hatte, habe ich „nur“ ca. 6 Monate vor dem Austausch mit der Bewerbung begonnen. Das Anstrengendste war es, sich durch das Bewerbungsportal zu fuchsen und die gefühlt 1000 Formulare zusammenzubekommen. Zum Glück hat mir meine Mitbewohnerin, welche auch schon einen Austausch gemacht hatte, dabei geholfen.
Dazu kamen noch viele Formulare von dem russischen Exchange-Team, welche es ebenfalls auszufüllen galt. Sehr aufwändig war beispielsweise der „Health-Check“, ein Formular welches letztendlich niemanden interessiert hat, welches aber unter anderem einen negativen Test für alle erdenklichen Geschlechtskrankheiten enthalten sollte oder einen Röntgen-Thorax-Befund zum Ausschluss einer Tuberkulose. Man sollte auch viele Dinge mitnehmen, wie z.B. 2 Passfotos für das Wohnheim, in dem man untergebracht wurde, Kasack und Hose, OP-Schuhe, OP-Kappe, Stethoskop und Kittel (wobei letztere auch nicht gebraucht wurden). Glücklicherweise ist mein Freund ebenfalls mitgekommen (er hat sich den Austausch aber eigenständig organisiert) und wir konnten die Vorbereitungen somit teilweise zusammen angehen.

Visum

Für unsere Famulatur in Russland haben wir ein sog. Studentenvisum gebraucht, ich glaube, es war 36 Tage gültig. Dafür braucht es eine Einladung aus dem dortigen Krankenhaus, welche man hier zu einem speziellen Reisebüro bringen konnte. Der Reisepass und 2 Fotos werden zudem auch benötigt. Nach einer Woche war das Visum fertig und konnte dann abgeholt werden. Ich kann mich leider nicht mehr so genau entsinnen, wie teuer dieses Erfordernis war, aber ich schätze es auf etwas zwischen 50 und 70 Euro. Kümmert euch am besten frühzeitig um das Visum, mein Freund hat es gerade noch auf den letzten Drücker geschafft, eins zu bekommen. ;)
Die Russen brauchen meistens sehr lange für die Einladung, da sie alle möglichen Stempel und Unterschriften erfordert, also plant das besser mit ein.

Gesundheit

Bis auf die Bescheinigung, dass man negativ auf alle Geschlechtskrankheiten (HIV, AIDS, Syphilis etc.) und Hepatitis getestet wurde (nicht älter als 3 Monate!) und einen Röntgenbefund der verzeichnet, dass auch die Lunge nicht von Tuberkulose befallen ist, waren keine besonderen gesundheitlichen Maßnahmen zu treffen. Die Bescheinigung über die Abwesenheit der Geschlechtskrankheiten habe ich mir bei der Blutspendezentrale ganz einfach geholt, da ich dort regelmäßig spenden gehe und das Blut dort regulär getestet wird. Das „Health-Check-Formular“ welches ich oben bereits erwähnt hatte, muss leider von einem Arzt ausgefüllt werden. Mein Hausarzt hat das gemacht, aber letztendlich war dieses Formular nicht von Belang, denn niemand hatte in Russland danach gefragt.

Sicherheit

Über die Sicherheit habe ich mir ehrlich gesagt herzlich wenig Gedanken gemacht, man musste eigentlich keine Vorkehrungen diesbezüglich treffen.
Da zur Mitte unseres Austausches hin das Coronavirus schlagartig auch auf Russland übergeschwappt ist, galten von diesem Zeitpunkt an Ausgehbeschränkungen und eine Empfehlung für das Tragen von Atemschutzmasken.

Geld

Die Währung in Russland ist der Rubel, zu Zeiten von Corona hat er sich für uns Deutsche allerdings sehr vorteilhaft entwickelt. Normalerweise ist ein Euro wohl 40 Rubel wert, aktuell schwankt er jedoch zwischen 80 und 90 Rubel für einen Euro. Dementsprechend waren unsere Ausgaben im Supermarkt, in Restaurants und Cafés sehr überschaubar.
Bezahlt haben wir meistens ganz bequem mit der Visa-Karte, wobei immer nur minimale Centbeträge als Währungsgebühr zusätzlich abgebucht wurden. Auch das Abheben von Bargeld war gar kein Problem, Geldautomaten sind wirklich überall. Ein Geldautomat steht sogar direkt in dem Eingangsbereich des Wohnheims.

Sprache

Ich hatte das große Glück, der russischen Sprache mächtig zu sein und ich kann mir wirklich nicht vorstellen, was im gegenteiligen Fall gewesen wäre.
Es gab unzählige Situationen in denen ich für meinen Freund übersetzen musste oder irgendwelche Angelegenheiten klären sollte.
In St. Petersburg findet immer im März ein medizinischer Austausch statt und die Studenten kommen wohl vorwiegend aus Italien, hat man uns erzählt. Unser Eindruck war jedoch, dass man nur mit Englischkenntnissen nicht in der Lage wäre, dort überaus weit zu kommen. Außer den paar Studentinnen, die uns abgeholt hatten, der „head of international affairs“ also unserer Koordinatorin und Ansprechperson Julia und der Ärztin, die uns mit an die Hand genommen hat, konnte kaum jemand Englisch.
Vor allem jetzt in der Corona Krise und als unser Wohnheim aufgrund eines anderen Studenten, welcher mit dem Virus infiziert war, für eine Zeit isoliert werden musste, war ich gezwungen mehrere Stunden am Tag mit diversen Leuten zu telefonieren und alle möglichen Probleme zu klären. Ohne Russischkenntnisse ist es doch ziemlich schwierig dort zurechtzukommen.

Verkehrsbindungen

Wir haben schon während unserer ersten Tage in Russland festgestellt, dass wohl ein Fluch auf den öffentlichen Verkehrsmitteln lasten muss. Es ist nämlich so: absolut unabhängig davon, wo man sich in der Stadt befindet sind es bis zu dem gewünschten Ziel IMMER 1,5 Stunden! 1,5 Stunden zur Arbeit, von der Arbeit in die Stadt, und aus der Stadt nach Hause. Es war wie verhext. Demnach muss man sich bewusst sein, dass ein großer Teil des Tages auf die Fahrzeit entfällt.
Es gibt auch unzählige verschiedene Verkehrsmittel; moderne große Busse, alte kleine Busse, 3 verschiedene Arten von Bahnen und natürlich die Metro, den schnellen Zug unterhalb der Stadt.
Man muss wirklich sagen, dass man nicht mit Wartezeiten zu kämpfen hatte, alle zwei Minuten kam schon das nächste Fahrzeug. Allerdings wird in JEDEM Fahrzeug das Ticket beim Einsteigen zuerst an einem Schalter gescannt und ein Centbetrag direkt abgebucht, dann wird man vom Fahrzeugbegleiter in auffälliger Warnweste schnellstens ausfindig gemacht, der das Ticket noch einmal persönlich abscannt.
Wir hatten sog. „Metrokarten“ welche man in den großen Metrostationen bequem aufladen konnte, sodass man sie immer nur noch in millisekundenschnelle herausholen musste, um sie panisch an den Scanner zu pressen und somit vielleicht die mürrischen Blicke der Fahrzeugbegleiter zu mildern.
Auch ist in St. Petersburg die App Uber und Jandex-Taxi sehr beliebt, damit kommt man zwar nicht unbedingt schneller aber deutlich bequemer und immer noch sehr günstig ans Ziel.

Kommunikation

Wir haben uns für die Kommunikation innerhalb Russlands und für den Kontakt nach Hause vor Ort neue SIM-Karten für die Handys geholt, welche im Vertrag eine gewisse Zahl an Freiminuten zum Telefonieren und ein vereinbartes Datenvolumen (z. B. 10 GB für den Anfang) hatten. Man konnte das Guthaben auf den Karten immer wieder aufstocken, was ziemlich praktisch war. WLAN gab es bei uns im Wohnheim allerdings nicht.

Unterkunft

Wir haben in einem der Studentenwohnheime für Medizinstudenten wohnen dürfen. Da mein Freund für seine Unterkunft selbst zahlen musste, wurde uns netterweise eine etwas größere Wohnung für uns allein zur Verfügung gestellt. Generell sei es dort äußerst unüblich, dass man (unverheiratet?) als Paar zusammenwohnt. Normalerweise wären wir mit anderen Austauschstudenten (streng nach Geschlecht getrennt) in ein Zimmer zugeteilt worden.
Das Wohnheim lag sehr weit außerhalb im Norden der Stadt. Man brauchte wirklich lange mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, um irgendwohin zu gelangen.
Die Ausstattung war außerordentlich notdürftig und marode, aber man hat sich schnell daran gewöhnt.
Vieles war allerdings schon kaputt oder ist im Laufe des Monats kaputt gegangen, sodass regelmäßig (nicht besonders zur Verbesserung beitragende) Reparaturen durchgeführt werden mussten.
Es gab Waschmaschinen vor Ort, welche man durch ein äußerst undurchschaubares und komplexes System über Telegramm reservieren und dann benutzen konnte, wir haben es aber auch analog hinbekommen ;) Je nach Tageszeit ändert sich übrigens der Tarif für die Waschmaschinen.
Direkt am Wohnheim war unser wichtigster Orientierungspunkt und Anker; ein „I <3 Shaverma“-Laden, welchen man sogar im tiefsten Schneesturm aus der Ferne aufleuchten sah und der uns immer zuverlässig den Weg nach Hause aufgezeigt und uns heimgelotst hat.

Literatur

Im ersten Krankenhaus hat uns unsere engagierte Lieblingsärztin Diyora immer „Hausaufgaben“ aufgegeben, damit wir uns gut auf die am nächsten Tag erfolgenden Operationen vorbereiten konnten. Wir haben alle üblichen Online-Lexika benutzt, sowie in „Primary Surgery“ – Büchern gelesen. Diese hatten wir von Zuhause mitgebracht und viele der Operationen in Russland wurden auf die „altmodische“ und etwas primitive, aber dafür sehr anschauliche Art gehandhabt, sodass wir darin viele Antworten auf unsere Fragen finden konnten.

Mitzunehmen

Man sollte Kasack und Hose, sowie geeignete Schuhe für den Operationssaal mitbringen. Zudem hatten die Chirurgen dort eigene OP-Hauben, eine einheitliche Kleiderordnung bestand somit nicht. Einen Einmalmundschutz (welcher aber meist mehrfach benutzt wurde ;) ) hat man dort bekommen. Den Arztkittel sowie sämtliche Untersuchungsgeräte wie Stethoskop, Reflexhammer oder eine Diagnostikleuchte hat man nicht benötigt.
Bedenkt bei eurer Freizeitklamottenauswahl, dass das Wetter im März in Russland nicht besonders stabil ist, es schneit und regnet sehr viel und ist SEHR kalt. Ab und zu kommt die Sonne aber auch unerwartet heraus, dann wirkt alles immer gleich ganz anders und so schön…!

Reise und Ankunft

Unsere Hinreise verlief unerwarteterweise problemlos. Wir hatten das Gefühl vor dem Coronavirus zu fliehen, weil Russland zu dem Zeitpunkt noch so unbeeinflusst davon schien. Wir hatten für ca 200€ Hin- und Rückflug gebucht und sind ohne Verspätung und mit großer Vorfreude gelandet.
Am Flughafen wurden wir von zwei Studentinnen abgeholt und zu unserem Wohnheim begleitet. Unterwegs haben wir noch die besagten SIM-Karten für die Handys und die Metrokarten besorgt.
Im Wohnheim hat das Eincchecken sehr lange gedauert, alles war in Aufruhr; das ganze Wohnheim wurde umgesiedelt, weil ein Austauschstudent mit dem Virus infiziert war. Da es schon sehr spät war als wir endlich in unsere Wohnung gelangt sind und ausgepackt haben, waren wir nur noch um 2 Uhr nachts köstlichst Essen (ja das ist in Russland möglich! :D) um dann völlig erschöpft einzuschlafen.
Am nächsten Tag wurden wir von einer weiteren sehr sympatischen Studentin ins Krankenhaus gebracht und haben da unsere Ansprechperson Julia und die tolle Ärztin Diyora kennengelernt. Sie haben uns die Station und das Gelände gezeigt, sowie dem Personal vorgestellt. Alle sie schienen leicht überrascht über unser Erscheinen, waren aber äußerst freundlich und offen. Wir hatten das Gefühl, dass wir die ersten Austauschstudenten waren, die das Personal im Krankenhaus jemals gesehen hatte.
Wir hatten recht früh frei an diesem Tag, da keine Operationen mehr anstanden (dafür war der OP-Plan für den nächsten Tag umso aufregender) und sind dann in das Stadtzentrum gefahren. Später hat uns dort eine andere Studentin getroffen und eine kleine Citytour für uns abgehalten.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

An unserem ersten Tag zeigte Diyora uns zuerst noch weitere wichtige Räumlichkeiten des Krankenhauses, z.B. wo die Labordiagnostik, die Bedside-Tests oder die Verbandswechsel vollzogen werden. Wir haben ebenfalls gesehen wie die Patienten der allgemeinen Chirurgie und onkologische Patienten untergebracht werden.
Während wir auf die erste OP warteten, die wir hier zu Gesicht bekommen würden, betrachteten wir das Arztzimmer, welches wie ein richtiges Hauptquartier auf uns wirkte, genauer. Dieser Raum, wohin sich die Chirurgen (und auch wir) bei Wartezeiten, zum Ausruhen oder für Recherchen am PC zurückzogen, war unglaublich gemütlich. Er hatte unfassbar hohe Decken und eine zweite Ebene, zu der eine alte Holztreppe durch den Raum führte. Oben befand sich die Kaffeeecke und man konnte wie von einem Balkon aus über das ganze Arztzimmer blicken. An den Wänden hingen riesige Gemälde von berühmten russischen Chirurgen. So etwas wie das habe ich in Deutschland noch nie gesehen…
Aber nun wieder zurück zur Medizin; die Operationen, die wir dort gesehen haben, waren unglaublich faszinierend. Zu den „Höhepunkten“ zählen z.B. eine Hemicolektomie aufgrund eines riesigen Karzinoms, eine Magenhernien-OP mit Teilresektion des Magens und anschließender Plastik, welche ich noch nie in so einem gewaltigen Ausmaß gesehen hatte, diverse Cholezystektomien mit Entzündungen jeglicher Grade, Hämorrhoiden-OPs und auch auf Phlebektomien hatte sich diese Abteilung spezialisiert.
Ich könnte ewig so weiterschreiben, aber das Beste war nicht nur den Chirurgen direkt über die Schulter schauen zu können, sondern dass sie und vor allem Diyora sich die größte Mühe gemacht haben, uns alles zu erklären und zu zeigen. Wenn etwas herausgeschnitten wurde, durften wir das nach der OP mit Handschuhen anfassen. Sogar die laparoskopischen Geräte hatte sie uns erklärt und wir konnten sie ein wenig ausprobieren.
Leider durften wir selber nicht viel an den Patienten machen, außer ein bisschen zu untersuchen, da die meisten Operationen dort ein gewisses Können der Assistenten voraussetzen und das Risiko uns in diesem Fall einfach zu hoch erschien.
Ich persönlich habe mich dort unglaublich wohl gefühlt. Die Chirurgen haben mir viele Griffe, Techniken und anatomische Strukturen beim Arbeiten gezeigt und erklärt, sodass ich dies dann wieder an meinen Freund weiterübersetzten konnte und ich fand, dass wir durch diese intensive Betreuung und Förderung wirklich eine VIP-ähnliche Behandlung erhalten haben.
Dementsprechend enttäuscht waren wir dann, als wir dieses (zugegebenermaßen auch sehr alte, marode und ein wenig heruntergekommene) Krankenhaus verlassen mussten, um den Rest unseres Praktikums auf der Herzchirurgie in einem weitaus moderneren Krankenhaus zu absolvieren. Dort waren die hyginischen Standards auf jeden Fall deutlich besser (spezielle OP-Kleidung, Einweghauben, lustige Überzieher für die Schuhe, größere und modernere OP-Säle usw.) aber hier haben wir die Betreuung sehr vermisst. Niemand hatte sich dort wirklich für unser Kommen interessiert, wir standen während der (leider auch nicht sehr abwechslungsreichen, Standart-) OPs gefühlt nur im Weg herum und mussten uns auch noch die ganze Zeit dafür rechtfertigen, wie wir es wagen können, sie mit unserer Anwesenheit zu belästigen. Sicher gab es auch freundlichere Leute im OP, aber das hat es auch leider nicht wettmachen können.

Die medizinischen Fragen zu den OPs hat der Chefarzt oft mit „Na, das ist so, weil das schon immer so gemacht wurde.“ beantwortet, irgendwie war es sehr schwer bis unmöglich sich dort gut einbringen zu können.
Die letzten Tage wollten wir unbedingt wieder in das erste Krankenhaus zurück, aber dann wurde eine landesweite Quarantäne verhängt und die Stationen haben alle zugemacht und nur die dringendsten Notfälle mit dem allernotwendigsten Personal wurden behandelt.
Wir haben leider nicht allzu viel über die medizinische Ausbildung der Studierenden in Erfahrung bringen können, da für sie alle der Besuch der Uni von Anfang unseres Austausches an untersagt war. Wie auch hierzulande gibt es dort mehr und weniger kompetente Ärzte, aber wir haben wirklich einige außerordentlich engagierte, motivierte und enthusiastische Chirurgen getroffen, welche einen inspirieren konnten.

Land und Leute

Nun, wo soll man da am besten anfangen…. Ich habe das Gefühl, dass es sehr zwiegespalten ist. Die Leute waren zum Teil unglaublich hilfsbereit, offen, freundlich und haben sich sehr um uns bemüht. Das trifft zum Beispiel auf die Studenten, manche Ärzte und unsere Ansprechperson zu.
Die meisten anderen Menschen haben ein gegenteiliges Bild präsentiert, ein Lächeln auf der Straße haben wir wahrscheinlich die ganze Zeit über nie gesehen. Vielleicht liegt es am Wetter oder an den langen Fahrten mit den öffentlichen Verkehrmitteln, dass die Leute eine mürrische, eher negativere und passiv-aggressive Einstellung an den Tag zu legen scheinen. Auch hatte ich den Eindruck, dass man wenn man etwas von jemanden brauchte, erstmal eine Wand aus Widerstand durchbrechen musste.
Völlig unabhängig davon, was gerade angelegen hatte, ständig wurde man von irgendwelchen Problemen (meist im Zusammenhang mit Corona) verfolgt. So war es nicht verwunderlich, dass „Nein.“ „Das geht nicht.“ usw. zu den häufigsten Worten und Phrasen zählen, die wir so zu hören bekommen haben.
Das gleiche gilt leider auch für die Stadt, alle Sehenswürdigekeiten waren geschlossen oder abgesperrt. Wir sind aber trotzdem viel spazieren gegangen, herumgelaufen und haben uns die Monumente wenigstens von außen angeschaut.
Das Essen dort ist wahrlich sehr empfehlenswert, insbesondere georgianische Restaurants gibt es dort en masse. In diesen lohnt es sich einfach alles zu probieren! Unsere Favoriten waren „Hatschepuri“ und „Hinkali“ ….. Abgöttisch gut.
Aber auch die anderen Essensläden haben uns kein einziges Mal enttäuscht, wir haben den guten Kurs des Euros wirklich ausgenutzt. ;)
Falls ihr Kaffee trinken geht, gibt es auch dahingehend ein paar interessante Spezialitäten, die einfach nur köstlich sind, z.B. die Kaffeespezialität „Raf“.
Wenn ihr dort einkaufen geht, ist unser Essensgeheimtipp „Sirki“, das sind eigentlich kleine Quarkdesserts für Kinder, aber sie sind einfach unvergleichlich und eine wahre Marktlücke hier.
Ihr seht, wir mussten den fehlenden sozialen Kontakt und den Mangel an lokal-typischen Unternehmungen mit Essen und Kaffee kompensieren.
Wir hätten uns gerne mehr sozialen Kontakt oder Kulturprogramm gewünscht, aber zu Zeiten wie diesen ist das leider äußerst unrealistisch. Die Leute, die wir dann aber näher kennengelernt haben, haben sich oft als wahre Goldstücke entpuppt und viel dazu beigetragen, dass wir eine bessere und schönere Zeit dort hatten.

Fazit

Ich denke, dass es nicht fair wäre, das Land nur nach dem Eindruck zu beurteilen, welchen wir in dieser Ausnahmesituation bekommen haben.
Wären wir bei schönem Wetter und vor dem Coronavirus dort gewesen, hätte man das komplette Social-Program mitnehmen können und wäre damit zu einem ganz anderen Eindruck gelangt. Es wäre z.B. eine Fahrt nach Moskau, der Besuch aller Museen, Parks und Schlösser, eine Ballett- und Theateraufführung neben dem Praktikum möglich gewesen.
Die Stadt hat auf jeden Fall ihre Vorzüge, man sollte nur die Möglichkeit haben diese auch nutzen zu können. Das Gesundheitssystem ist ebenfalls sehenswert, ich denke das ist eine der wenigen großen Metropolen, wo man noch einen Einblick in „Primary Surgery“ bekommen kann.
Ich kann euch nur ans Herz legen ein wenig Russisch für einen solchen Aufenthalt zu lernen, denn ganz ohne gestaltet sich die Kommunikation mit den Landsleuten als eher schwierig.
Noch ein letzter Tipp; lasst euch nicht so schnell frustrieren :D Vielen Sachen muss man dort erst eine Chance geben und spätestens dort lernt man mit diversen Herausforderungen umzugehen. Wir fanden der Aufenthalt war so etwas wie eine kleine Lebensschule und eine wirklich besondere Erfahrung, welche immer wieder die Dankbarkeit für das fördert, was wir hier Zuhause haben.

But…. It’s Russia, baby!!!

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