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Nepal (NMSS)

Notfallmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Felix, Unterhaching

Motivation

Ich wollte schon immer mal eine Famulatur in einem sich entwickelnden Land machen, um mal ein anderes Spektrum an Krankheiten kennenzulernen und zu sehen, wie Medizin ohne aufwendige, apparative Diagnostik funktioniert. Außerdem bietet so eine Famulatur die Möglichkeit Erfahrungen in dem Gesundheitssystem eines anderen Landes zu sammeln und so sowohl medizinische als gesellschaftliche Folgen und Probleme besser nachvollziehen zu können. Für Nepal habe ich mich wegen Englisch als medizinische Fachsprache, der interessanten Mischkultur aus Hinduismus und Buddhismus und dem Himalaja entschieden.

Vorbereitung

Als Vorbereitung für meine Famulatur habe ich mit meiner Kontaktperson von NMSS den Rahmen meiner Unterbringung abgeklärt, die Flüge gebucht und mich gegen einige Krankheiten geimpft (siehe Gesundheit). Für die Zeit danach habe ich mich über verschiedene Trekkingrouten und Expeditionen informiert und mir entsprechende Ausrüstung zugelegt.

Visum

Für die Famulatur in Nepal reicht anders als auf der Website des Auswärtigen Amts angegeben ein normales Touristenvisum. Nepal stellt für deutsche Touristen unkompliziert ein Visa-On-Arrival aus, dafür braucht man ein Passfoto und Bargeld in Euro, Dollar oder NPR (Nepalesische Rupie). Das Visum gibt es entweder für 15, 30 oder 60 Tage und kostet entsprechend 15, 30 oder 115.€ Sollte am Flughafen viel los sein, kann sich die Visumausstellung etwas ziehen. Wer will kann sich schon in Deutschland bei einem der Honorarkonsule gegen einen Aufpreis von 5€ ein Visum ausstellen lassen.

Gesundheit

Ich habe mich für Nepal gegen Japanische Enzephalitis, Typhus und Cholera (hilft auch gegen viele andere Durchfallerreger) impfen lassen, Tollwut, Hepatitis A, Meningokokken, Influenza und alle STIKO-Impfungen hatte ich schon. Für meine Zeit in Kathmandu hatte ich jede Menge Tannacomp und Imodium sowie Elotrans dabei. Solltest du zum ersten Mal in einem Entwicklungsland sein, sei am Anfang ein bisschen vorsichtig mit Streetfood, einige andere Austauschstudenten hatten sehr mit Montezumas Rache zu kämpfen.
Da ich eine Expedition und einen Trek in eine abgelegenen Region geplant hatte, waren außerdem eine gut ausgerüstete Reiseapotheke mit mehreren Antibiotika und Hydrocortison und Diamox gegen die Höhenkrankheit dabei. Empfehlenswert ist der tägliche Vortrag der Himalayan Rescue Association nahe Thamel in Kathmandu, bei dem dir alles Wichtige rund um Prävention, Diagnostik und Notfalltherapie der Höhenkrankheit erklärt wird. Solltest du einen Besuch im Nationalpark Chitwan vorhaben, kannst du überlegen Malarone als Malaria-Standby mitzunehmen.

Sicherheit

Nepal ist was Kriminalität angeht ein sehr sicheres Land, nur in vollen Bussen und an den Touri-Hotspots kann es mal Taschendiebe geben. In Kathmandu Downtown gibt es öfter Tricksereien mit Jugendlichen, die dir die Stadt zeigen wollen, dir dann ihre teils sehr tragischen Lebensgeschichten (Armut, Erdbeben, usw.) erzählen und dich am Ende bitten in ihrer Mandala-Schule etwas zu kaufen oder ihre Familien mit Lebensmitteln zu unterstützen.
Trotzdem stellt der Straßenverkehr eine nicht zu unterschätzende Gefahr da, fast täglich hatten wir ein polytraumatisiertes Verkehrsopfer in der Notaufnahme. In Kathmandu ist durch die viele Mopeds und die fehlenden Regeln Vorsicht geboten, außerhalb sind schlechte Straßenverhältnisse und defekte Fahrzeuge ein Problem. Wer in die Khumbu-Region reisen möchte, kann sich überlegen mit dem Jeep statt mit dem Flugzeug nach Lukla zu fahren, da die meisten Unglücke beim Landen passieren und die Akklimatisierung so auf einfacher ist.

Geld

Landeswährung ist die Nepalesische Rupie, etwa 125 (Stand 3/2020) entsprechen einem Euro. In Kathmandu kann man mit einer Visa-Card problemlos Bargeld abheben, allerdings gibt es bei allen Banken ein Limit (20-30 k NPR) und ein Entgeld von 400-500 NPR pro Abhebung. Ich hatte die One-Plus-Visakarte von Santander dabei, die neben einem kostenlosen Auslandseinsatz auch eine komplette Rückerstattung der Automatengebühren bietet. Im Alltag benötigt ihr fast überall Bargeld, nur ganz selten ist mal eine Kartenzahlung möglich. Außerhalb der Touri-Zentren kann die Cash-Versorgung schwierig werden, also denkt auf jeden Fall an ausreichend Puffer mit wenn ihr Trekken usw. geht.

Sprache

Viele Nepalis sprechen gut Englisch und ihr werdet immer jemanden finden, der für euch übersetzen kann. Da die Nepalis unglaublich geduldig und nett, kann man so problemlos in jedem noch so kleinen Dorf etwas zu essen oder ein Bett für die Nacht bekommen.
Im Krankenhaus ist die Fachsprache zwischen den Pflegern und Ärzten Englisch, auch wenn in der Visite gerne mal auf Nepali geswitched wird. Dann einfach nett fragen und sie wechseln sofort zurück. Zwar ist der Akzent und die medizinischen Fachbegriffe am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, aber nach einer Woche hat man sich daran gewöhnt. Die Kommunikation mit den Patienten kann etwas schwierig sein, wenn diese nicht gut Englisch sprechen, da würde ich dir zu einem Fach mit eher geringerem Redeanteil (nicht gerade Psychiatrie usw.) raten.

Verkehrsbindungen

Leider fliegen nicht so viele Fluglinien nach Kathmandu, sodass sich der Flugpreis zwischen 500 – 700 € bewegt. In Kathmandu kommt man mit dem Bus (billig, zur Rushhour langsam & voll), Taxi (teurer) und Pathao & Tootle (Uber für Mopeds, sehr schnell, manchmal gefährlich) gut rum, ladet euch aber vor der Reise auf jeden Fall Maps.me mit offline-Karten auf euer Handy um nicht die Orientierung zu verlieren. Außerhalb des Kathmandu-Tals kann man entweder mit der Touri-Infrastruktur reisen oder man greift auf den öffentlichen Nahverkehr (zeitaufwendig & nervenaufreibend) zurück. Für alle, die es eilig haben, gibt es fast in alle Städte Flugverbindungen, die jedoch teuer und manchmal etwas zwielichtig sind.

Kommunikation

In Nepal gibt es fast überall 4G Handynetz, ich konnte sogar am Everest Base Camp (5400 hm, 50 km von der nächsten Straße) mit NCell noch telefonieren. Die SIM-Karte würde ich mir direkt am Flughafen (noch im Gebäude) holen, ein Vertrag mit 10 GB kostet für einen Monat etwa 8€. Wenn du in die Berge willst, informiere dich davor, ob du in deiner Region mit Namaste oder NCell den besseren Empfang hast. Bei der Gastfamilie gibt es top Wlan, das easy für Skype, Netflix & Co läuft. In Khumbu gibt es in den meisten Lodges Everest-Link, ein kostenpflichtiger WLAN-Dienst.

Unterkunft

Wie in allen anderen Erfahrungsberichten hier war ich bei der Gastfamilie in Sukedhara untergebracht. Aktuell wohnen dort die Gasteltern Kanchi und Sorma (NICHT Sashi wie in manchen Berichten steht!) und ein Sohn Sonam mit seiner Freundin Chhewang. Der andere Sohn Kishor ist gerade bei seiner Frau in Australien, Sonam managed für ihn das Fitnessstudio und organisiert die Renovierung der Lodge in Gokyo. Ihr bekommt euer eigenes Zimmer mit guter Ausstattung und privatem Bad und morgens und abends wird für euch lecker (manchmal etwas scharf) gekocht. Weil Sorma aus dem Terai kommt und Kanchi eine echte Sherpa ist, ist das Essen eine bunte Mischung aus indischen, tibetischen und internationalen Gerichten.
Die Familie ist wirklich extrem nett, sehr hilfsbereit und man wird völlig ins Familienleben integriert. Wir saßen jeden Abend nach dem Essen noch lange zusammen und haben über Gott und die Welt gequatscht. Beim tibetische Neujahrsfest Losar habe ich extra ein eigenes Sherpa-Outfit und Geschenke bekommen und wurde der kompletten Familie von Kanchi vorgestellt. Da die Beiden lange ein Teahouse in Gokyo betrieben haben, können sie viele spannende Geschichten rund um den Mount Everest und berühmte Bergsteiger erzählen und fast jeder überhalb von Namche Bazaar kennt sie. Meinen dreiwöchigen Trek in der Region hat Sorma beiläufig neben dem Abendessen geplant, die Expedition auf den Island Peak lief über den Ehemann von Kanchis Schwester (aktueller Rekordhalter in längste Zeit nackt auf dem Mt. Everest, 16-facher Summiter) und in vielen Teahouses auf dem Trek konnte ich dank der Connection kostenlos schlafen und essen.
Obwohl die Familie Geld für den Austausch bekommt, finde es selbstverständlich, dass man sich mal durch Abspülen usw. für die Gastfreundschaft revanchiert. An meinem letzten Abend bei ihnen habe ich Kassspatzn für sie gekocht, da haben sie sich riesig drüber gefreut.
Als meine Freundin nach Nepal kam, durfte sie bei mir im Zimmer wohnen und als wir nach dem Trek in Kathmandu noch einige Tage auf den Rückholflug nach Deutschland warten mussten, kamen wir auch wieder bei ihnen unter. Während dem Corona-Lockdown verbrachten wir viel Zeit mit gemeinsamen Kochen und auf der wunderschönen Dachterrasse, von der man dank fehlendem Smog eine atemberaubende Sicht auf den Himalaya hatte.

Literatur

Für meinen Trek habe ich mir den Lonely Planet Guide „Trekking in the Nepal Himalaya“ gekauft, der zwar eine gute Übersicht, aber nicht besonders detaillierte Infos bietet. Sobald klar war, dass wir in der Khumbu-Region wandern gehen werden, habe ich mir im Pilgrims Book Store in Thamel nochmal passende Karten und einen Cicerone-Guide gekauft. Für die Zeit in Kathmandu ist kein Reiseführer nötig, da euch die Familie mit genug Infos über die Stadt und ihre Umgebung versorgen kann. Für das Krankenhaus ist Amboss auf Englisch hilfreich, dann tut man sich mit der Fachsprache und den Abkürzungen leichter.

Mitzunehmen

Für deinen Einsatz im Krankenhaus benötigst du einen Kittel, Scrubs, Krankenhausschuhe, Stethoskop, Taschenlampe und Reflexhammer. Außerdem musst du dich selbst um deine Hygiene kümmern, also würde ich dir ausreichend Desi (zwei große Flaschen), Handschuhe (2 Boxen) und ein paar FFP2/3-Masken gegen die Tuberkulose ans Herz legen. Gegen den Smog kann man in Kathmandu überall Masken mit einem passenden Filter kaufen.
Fürs Trekken ist je nach Höhe und Jahreszeit ein guter Daunenschlafsack und warme Kleidung notwendig, weil es nachts gut mal -20°C werden kann. Ich würde auf jeden Fall wieder ein Gerät zur Wasseraufbereitung (Filter, SteriPen, Chlortabletten) mitnehmen, da man sonst immer teures Wasser aus Plastikflaschen kaufen muss und nur noch mehr Müll in den Himalaya getragen wird. Wie bei jedem Höhentrekking sollten eine gute Sonnenbrille (CAT 2/3), starke Sonnencreme, robuste Schuhe und Klamotten für Sonnenschein bis Blizzard nicht fehlen.

Reise und Ankunft

Mein Flug mit Oman Air über Maskat lief ereignislos ab. Am Flughafen in Kathmandu hat ein Team der NMSS mich vor der Tür abgeholt und per Taxi zur Gastfamilie gefahren. An meinem ersten Tag im Krankenhaus hat mich Sorma morgens zum Bus gebracht und ein NMSS-Mitglied ins Exchange Office im Krankenhaus. Dort wurden meine Dokumente überprüft und ich habe den superwichtigen Studentenausweis bekommen, mit dem man sich in der Klinik ausweisen muss und in fast alle Sehenswürdigkeiten Kathmandus freien Eintritt bekommt. Danach wurde ich zur Notaufnahme begleitet und dem Chefarzt sowie allen anderen Ärzten dort vorgestellt.
Die Rückkehr lief wegen dem Coronavirus leider deutlich anders als geplant ab. Als in Nepal die Ausgangssperre und Reiseverbote verhängt wurde, waren wir gerade am Everest Base Camp und mehrere Tage Fußmarsch vom nächstgrößeren Dorf entfernt. Nachdem die Botschaft zunächst erfolglos versucht hatte, eine Evakuierung per Helikopter zu organisieren, wurden wir schlussendlich aus Lukla ausgeflogen. Nach 5 weiteren Tagen in Kathmandu wurden wir mit einem Rückholflug der Botschaft nach Frankfurt zurückgeflogen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Für meine Famulatur in der Notfallmedizin war ich in der Notaufnahme des Tribhuvan University Teaching Hospitals eingesetzt. Ich wurde dem Team der Red Area zugeordnet, in dem Patienten mit lebensgefährlichen Krankheiten und Verletzungen behandelt werden. Die Red Area gleicht dabei eher einer schlecht ausgestatteten Intensivstation und hat den Vorteil, dass es dort durch weniger Patienten und mehr Ärzten etwas weniger chaotisch zugeht und dass alle Patienten bereits von der Triage eine Akte mit Anamnese in Englisch haben. Die Fälle deckten wirklich das komplette Spektrum vom Polytrauma bis zu Raritäten wie CIP (Congenital Insensivity to Pain) ab mit einem Fokus auf Tuberkulose, dekompensierten Nieren- und Herzinsuffizienzen, COPD, Infektionskrankheiten und Verkehrstraumen. Alle Patienten hatten gemeinsam, dass die Krankheiten meist sehr „extreme“ Erscheinungsformen hatten und so auf fast jeder Brust was zu hören und auf jedem Röntgen was zu sehen war. Der Grund dafür ist, dass das TUTH als staatliches Krankenhaus sehr billige Behandlungen anbietet und viele ärmere Bevölkerungsschichten erst zum Arzt gehen, wenn es wirklich sein muss.

Wie schon in anderen Berichten beschrieben war auch die Notaufnahme sehr schlecht ausgestattet, es stand nur eine Beatmungsmaschine zur Verfügung, das CT war größtenteils kaputt und Strom und Monitore sind immer genau dann ausgefallen, wenn man sie gerade am dringendsten gebraucht hat. Medikamente können erst gegeben werden, nachdem sie von einem Arzt verschrieben und von einem Angehörigen gekauft wurden, wodurch es öfter mal Verwechslungen bei den Medikamenten gab oder wichtige Medikamente (Adrenalin bei Reanimation, Sedierung für Intubation) zu spät kamen. Aber da die Nepalis sehr kreativ mit ihren Problemen umgehen, gab es für fast alles ein Workaround: wurde mehr als ein Patient intubiert, mussten ihn Familienangehörige per Ambu-Beutel beatmen und wurde dringend ein CT gebraucht, wurde der intubierte Patient mit dem Taxi in eine private Radiologie-Praxis gefahren.

Auch die hygienischen Bedingungen waren anfangs wie in den Vorberichten (kaum Handdesinfektionen, mehrere Patienten pro Bett, …), haben sich während meiner Famulatur aber wegen dem nahenden Coronavirus deutlich verbessert und waren am Ende auf westlichen Stand. Es wurde auch sehr schnell ein Fieber-Screening am Eingang des Krankenhauses eingeführt und gab Schulungen zur Triage, Diagnostik und Therapie von Covid-Patienten.

Die Ärzte in der Red Area waren alle sehr nett zu mir und haben sich viel Mühe gegeben. Entgegen der schlechten Ausstattung der Notaufnahme sind die Ärzte sehr gut ausgebildet und kennen sich in der Notfallversorgung bestens aus. In der morgendlichen Visite wurden interessante Fälle intensiv besprochen und oftmals ein kleines Teaching durch die Oberärzte eingebaut. Durch die vielen Konsile (Neurochirurgie, Gyn, Auge, Nephro, Psychatrie, usw.) hatte ich auch immer wieder die Möglichkeit in die Akutversorgung in anderen Fachgebieten reinzuschnuppern. Während meiner Zeit konnte ich nach und nach mehr Aufgaben übernehmen, durfte am Ende Patienten selbstständig versorgen und viele schwierige Prozeduren wie komplizierte Wundversorgung oder Intubationen selber machen. Alles in allem fand ich meine Famulatur dort sehr lehrreich und ich habe Einiges an medizinischem Wissen und Fähigkeiten dazugelernt.
Aber wie immer sind Praktika das was man daraus macht, andere Austauschstudenten haben sich dort nicht so wohlgefühlt. Also immer schön aktiv auf alle zugehen, nicht nach zwei Stunden wieder abhauen und sich nicht allzu dumm anstellen ;)

Land und Leute

Das Erste, was einem in Nepal auffällt, ist wie nett und hilfsbereit die Nepalis sind. Die Meisten sind sehr gesellig und ich hatte viele interessante Gespräche mit Taxifahrern, Ladenbesitzern, Teahouse-Ownern und an Straßenständen. Es lohnt sich wirklich, sich auf diese Gespräche einzulassen, weil Viele spannende Geschichten über Nepal, das Erdbeben und die Kultur zu erzählen haben und das die Erlebnisse sind, die ihr nicht im Reiseführer findet. Das Alltagsleben wird stark von den beiden Religionen Hinduismus und Buddhismus dominiert, ständig gibt es Feste, überall stehen Tempel und in den Altstädten sieht man viele Menschen beim Beten. Außerdem sind die Nepalis ein sehr tolerantes Volk, da sie selbst aus über 50 ethnischen Gruppen mit eigenen Sprachen und Kulturen bestehen, die alle friedlich nebeneinander herleben – in Sachen Völkerverständigung und Gutmütigkeit kann man also so Einiges lernen.
Kathmandu fand ich trotz Smog eine sehr beeindruckende Stadt, in der Altstadt hat man das Gefühl, das jeder Stein und jede Holzsäule eine eigene Geschichte zu erzählen hat. Zwar ist das Stadtbild größtenteils das einer chaotischen, unorganisierten und übervölkerten Großstadt, in den vielen kleinen Gassen gibt es aber immer eine schöne Stupa oder ein verstecktes Kloster zu entdecken. Einzige Ausnahme war für mich der Touri-Distrikt Thamel, in dem für mich nichts von dem zu finden war, was Nepal für mich ausmacht.
Die Stadt bietet auf jeden Fall auch genug Attraktionen für den Monat vor Ort und Bhaktapur und Patan sind beide entspannt als Daytrip zu erreichen. Mein absoluter Lieblingsort war die Riesen-Stupa Boudhanath, verpasst auf keinen Fall, einen Massala-Tea zum Sonnenuntergang in einem der Dachterrassen-Cafes zu trinken. Am Wochenende habe ich mit anderen Austauschstudenten Ausflüge zur Seilbahn in Chandragiri und zu dem Aussichtsturm in Nagarkot gemacht, von wo man bei Sonnenaufgang einen fantastischen Blick auf die gesamte Himalajakette hat.
Nach meiner Famulatur bin ich mit meiner Freundin für drei Wochen zum Trekken nach Solukhumbu gefahren, um den Three-Passes-Trail mit einer Expedition auf den Island Peak zu laufen. Leider musste die Expedition wegen der Ausgangssperre ausfallen, den Rest vom Trek konnten wir aber wie geplant machen. Der Trail war eine unglaubliche Erfahrung mit unvergesslichen Ausblicken auf die höchsten Gipfel der Welt. Da wir wegen dem Einreiseverbot fast alleine unterwegs waren, kamen wir viel mit den Einwohnern ins Gespräch und konnten tief in die Sherpa-Kultur eintauchen. Allerdings eignet sich der Weg eher weniger für Unerfahrene, da es hoch hinausgeht und auf den Pässen alpine Erfahrung und Einiges an Kondition benötigt wird – wenn es deine erste Wanderung in großer Höhe ist würde ich dir eher den Everest Base Camp Trail oder den Annapurna Circuit empfehlen.

Fazit

Meine Famulatur in Nepal war für mich ein unvergessliches Erlebnis. Medizinisch habe ich viel dazu gelernt und habe dort deutlich mehr gesehen und gemacht, als ich es in einer deutschen Notaufnahme gekonnt hätte. Die Unterbringung in der netten Gastfamilie ermöglicht einen intensiven Einblick in die Kultur Nepals und vermittelt eine viel tiefere Verbindung als z.B. als ein Backpacking-Trip in Hostels. Und nicht zuletzt haben mich die Offenherzigkeit der Nepalis und natürlich der Himalaya so fasziniert, dass ich es kaum erwarten kann wieder zurückzukommen. Wenn du also auch so auf Berge stehst und kein Problem damit hast, dich mal in einem chaotischen Land auf eigene Faust durchzuschlagen, kann ich dir eine Famulatur dort nur wärmstens empfehlen.

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