zurück

Bosnia (SaMSIC)

Neurologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Felia, Marburg

Motivation

Ich wollte seit Beginn des Studiums für eine gewisse Zeit im Ausland studieren. Eine Famulatur fand ich war perfekt, um ein ausländisches Gesundheitssystem, die Medizin vor Ort, und generell ein neues Land und neue Leute kennen zu lernen.
Ich war vorher noch nie in Bosnien und sah es als gute Chance, mal ein Land zu bereisen, das ich sonst vielleicht nie als Reiseziel gewählt hätte.
Meine Erwartungen waren eigentlich gering, da ich kaum wusste, was mich in Bosnien erwarten würde.

Vorbereitung

Die Vorbereitung war super easy, eigentlich kam es nur auf den Kontakt zur bvmd und zu meinen Betreuern vor Ort an. Beides hat sehr gut geklappt, und es blieben im Voraus keine Fragen oder Wünsche offen.

Visum

Ein Visum habe ich für Bosnien nicht benötigt. Hatte trotzdem vorher mich versichert und nachgefragt.

Gesundheit

Auch besondere Vorkehrungen bezüglich der Gesundheit musste ich keine treffen, da es in Bosnien keine großartigen Krankheiten gibt, die es in Deutschland nicht gibt. Zumindest weiß ich von keinen. Mir wurde aber auch nichts empfohlen etc.

Sicherheit

Da ich ohnehin reiseversichert war und bin, musste ich keine extra Vorkehrungen treffen.
Ich habe mich in Bosnien eigentlich zu jeder Tages und Nachtzeit sicher gefühlt und habe jetzt auch im Nachhinein keine großen Bedenken, dort nachts alleine unterwegs gewesen zu sein.

Geld

Währung ist der die konvertible Mark. Andere Währungen wurden meines Wissens nach kaum akzeptiert, höchstens an der Grenze zu Kroatien noch der Euro. Ich habe immer mit meiner Kreditkarte Geld abgehoben und dann bar bezahlt, was kein Problem war.
Die Preise und generell Lebenshaltungskosten sind im Vergleich zu Deutschland deutlich günstiger.

Sprache

Alle Studenten konnten Englisch sprechen, die Ärzte teilweise nur Bosnisch, manchmal Französisch oder deutsch. Die Sprachbarriere im Krankenhaus war also deutlich höher als unter den "Jugendlichen". Trotzdem ist man meist zum Ziel gekommen. Bosnisch habe ich im Vornherein nicht gelernt.

Verkehrsbindungen

Ich bin günstig mit Ryanair nach Bosnien geflogen, da Zug und Bus Verbindungen teurer und viiiiiiel länger gedauert hätten. In Banja Luka gibt es einen kleinen Flughafen und ich wurde von meinen Ansprechpartnern abgeholt, das war kein Problem.
Ich bin vor Ort entweder zum Krankenhaus gelaufen oder mit dem Bus gefahren. Die Busnummer und ungefähre Uhrzeiten hat mir mein Koordinator mal gesagt, konnte die aber nirgends nachlesen und mich auch nicht wirklich drauf verlassen, habe also immer den gleichen Bus genommen und wenn es irgendwie ging, bin ich überall hin gelaufen.

Kommunikation

Ich habe mir vor Ort sehr günstig eine Sim Karte für mein Handy gekauft und konnte so alle jeder Zeit anrufen, wenn ich etwas benötigt habe oder Hilfe gebraucht habe. Das WLAN im Studentenwohnheim war leider sehr schlecht, weswegen mobile Daten fürs Handy auch empfehlenswert sind. Ich konnte damit also auch nach Hause FaceTimen.

Unterkunft

Ich habe in einem Studentenwohnheim gewohnt. Die erste Woche hatte ich noch eine Zimmernachbarin aus Israel, mit der ich mich super verstanden habe.
Organisieren musste ich nichts, mir wurde die Unterkunft gestellt. Das Zimmer war klein aber ordentlich und mit Balkon. Küche hat man sich mit dem gesamten Stockwerk geteilt, die habe ich aber nie genutzt, weil man dort innen rauchen durfe und eh nur aus einem Kühlschrank und einer Herdplatte bestand. Wasserkocher war im Zimmer vorhanden, ebenso wie Bettwäsche.

Literatur

Ich habe mir einen Balkan Reiseführer gekauft und darin stand viel nützliches zu Bosnien drin, zu Banja Luka aber eher weniger, da dort nicht wirklich viel Tourismus ist. Aber Kroatien und Serbien sind ja auch nicht weit.

Mitzunehmen

Ich habe Außer Klamotten einen Kittel, mein Stethoskop, Augenleuchte und etwas zu schreiben für die Klinik mitgenommen. Ansonsten stand glaub ich nichts wichtiges auf meiner Packliste. Gibt ja zur Not auch alles vor Ort.

Reise und Ankunft

Die Anreise war super easy, ich wurde von meinen Ansprechpartner direkt vom Flughafen abgeholt und zum Studentenwohnheim gebracht. Ich kam Samstag an und bin Montag das erste Mal in die Klinik gegangen.
Ich habe mir Sonntag noch die Stadt angeschaut.
Montag wurde ich dann auch wieder von einem Ansprechpartner ins Krankenhaus gebracht, der mich dann meinem Mentor in der Neurochirurgie vorgestellt hat.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war in der Neurochirurgie. Am ersten Tag wurden mir Station, Krankenhaus und OP gezeigt.
Der Tagesablauf war meist erst auf Station und CTs angeschaut und dann noch in den OP oder andersrum. Eigentlich konnte ich mir meinen Tag aber auch frei aufteilen und mehr oder weniger kommen und gehen wann ich möchte. Ich konnte meistens leider nur zuschauen und habe nicht viel gemacht. Über ein paar mehr praktische Aufgaben wie Blut abnehmen oder Ähnliches hätte ich mich gefreut. Gelernt habe ich denke ich fast nur etwas über die CT Auswertung. Und mein Mentor war scharf drauf, dass ich Nähen lerne. Also habe ich auch das häufig geübt mit Nadeln aus dem OP an x-beliebigen Gegenständen. Im Kopf geblieben sind mir die Patienten mit Schussverletzungen. Einer war ein Patient nach Suizidversuch, der andere hatte sich aus Versehen beim Jagen selbst in den Kopf geschossen.
Ärzte und Pflege waren alle nett, aber eher kurz angebunden. Das lag aber wahrscheinlich auch mit an der Sprachbarriere. Die Studenten waren alle super lieb und interessiert.
Das Gesundheitssystem ist etwas abgespeckter als in Deutschland und deutlich einfacher gehalten. Das merkt man insbesondere an der Ausstattung des Krankenhauses. Nicht an jeder Ecke Desinfektionsmittel etc. wie in Deutschland. Unitechnisch habe ich nicht so viel mitbekommen. Die Studenten haben aber ein ähnliches Prozedere geschildert, wie ich es aus Deutschland kenne. Also 6 Jahre Studium, 4 davon in der Klinik etc. Nur ihren Facharzt können sie später nicht selbst wählen, sondern müssen das nehmen, was das Krankenhaus gerade braucht. Deswegen kommen auch viele Bosnien nach Deutschland zum arbeiten. Und natürlich wegen des Gehalts. Viele im Krankenhaus haben mir erzählt, dass sie sich schonmal überlegt haben oder überlegen nach Deutschland zu gehen, da man dort viel mehr verdient, also auch zum Beispiel in der Pflege.
Ansonsten war das Krankenhaus riesengroß und nicht in arabischer Schrift ausgeschildert. Ich konnte mich also null orientieren und musste mir Wege immer vorher zeigen lassen, bevor ich sie alleine gehen konnte. War schon immer froh, wenn ich Ein- und Ausgang gefunden habe.
Den Stationsablauf finde ich ruhiger als in Deutschland. Habe da aber vielleicht auch nicht alles mitbekommen, da ich eigentlich nie vor 8 Uhr da war bzw. da sein sollte. Es standen aber immer viele Leute im Gang und haben auf Untersuchungen gewartet, was es so in Deutschland sicher nicht geben würde. Ansonsten kann ich mich an keine große Besonderheiten mehr erinnern.

Land und Leute

Ich wurde direkt am ersten Abend zum Feiern eingeladen, was ich auch direkt angenommen habe. So habe ich direkt am ersten Abend super viele nette Leute kennengelernt. Am nächsten Tag habe ich dann alleine die Stadt erkundet. Man kann alles zu Fuß machen, ich bin also recht viel gelaufen. Ich habe verschiedene Restaurants, Cafes etc. probiert und war am Fluss joggen. Unter der Woche blieb auch immer noch genug Zeit, um etwas mit meiner Mitbewohnerin zu unternehmen, zu kochen, spazieren zu gehen, zu lesen, shoppen zu gehen (Es gibt ein sehr großes Einkaufszentrum in der Nähe des Studentenwohnheims) und Sport zu machen. Wir waren auch nochmal mit den anderen Studenten feiern, uns wurden Bars und Clubs gezeigt, und generell hätte man die bei allen Fragen ansprechen können.
Am Wochenende habe ich mit einem bosnischen Studenten ein Road Trip gemacht in die nächste große Stadt mit Sehenswürdigkeiten, einem Wasserfall und so Thermalbädern. Ansonsten konnte man in der Gegend noch wandern und es gab wohl auch noch andere Wasserfälle.
Ich finde, es ist schon zu spüren, dass die Verhältnisse ärmer und einfacher sind als in Deutschland. Nichtsdestotrotz waren die meisten Menschen immer sehr nett und zuvorkommend zu mir und jeder wollte etwas über Deutschland wissen. Über Politik (außer über Flüchtlinge) wurde eigentlich nicht viel geredet. Ansonsten ist es dort wie gesagt auch einfach deutlich günstiger als in Deutschland.
Das Essen war relativ fleischlastig und meist schlecht beschriftet oder nur so dass ich nicht verstehen konnte, was im jeweiligen Essen drin ist. Ich als Veganerin hatte da schon so meine Probleme. Nach und nach hatte man aber trotzdem raus, was man essen kann. Zumal in der Zeit auch für viele Bosnien Fastenzeit war, und diese sowieso auf alle tierischen Produkte verzichtet haben. Vielleicht hatte ich auch einfach Glück und es gab mehr veganes Angebot als sonst. In großen Supermärkten gab es aber eigentlich auch fast alles, was es so in Deutschland gibt.
Leider bin ich nicht mehr dazu gekommen, das Land oder die umliegenden Länder zu bereisen, da ich durch die Corona Situation entschieden habe, die Famulatur zu beenden. Das Studentenwohnheim wurde dann eh geschlossen und das Krankenhaus für Studenten unzugänglich gemacht, weswegen sich ein weiterer Aufenthalt auch nicht gelohnt hätte und ich froh sein konnte, noch bevor die Grenzen dicht gemacht wurden wieder nach Deutschland einreisen zu können. Ansonsten hätte ich gerne noch Sarajevo, Kroatien, Serbien und Mazedonien besucht.

Fazit

Im Prinzip würde ich trotzdem nochmal einen Auslandsaufenthalt wagen, aber mich vorher vergewissern, dass ich nicht die einzige Austauschstudentin bin. Im Sommer kommen wohl viele nach Bosnien, aber ich war im März die Einzige und somit manchmal etwas einsam.

zurück