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Phalombe Clinic (Malawi)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Anna, Radebeul

Motivation

Schon seit Beginn meines Studiums wollte ich gerne ein Praktikum in Afrika machen, da ich eine Freundin hatte, die diese Erfahrung in Kenia gemacht hatte und ich ihre Erzählungen immer sehr beeindruckend fand. Außerdem stellte ich mir vor, dass man kaum besser Einblicke in das Leben und Gesundheitssystem eines Entwicklungslandes bekommen kann, als bei so einem Praktikum. Ich war zuvor noch nie in einem Land südlich der Sahara gewesen und hatte große Lust, dies zu ändern und Afrika abseits der Touristenrouten kennenzulernen. Mit einer Freundin, die in einer anderen Stadt Medizin studiert, hatte ich schon länger Pläne, einmal gemeinsam reisen zu gehen und als klar war, dass wir zur gleichen Zeit ein Freisemester machen würden, fanden wir, dass der Public Health Austausch perfekt wäre, um das Reisen mit einem Praktikum im Krankenhaus zu verbinden. Die Beschreibung des Projekts und des Landes Malawi gefielen uns super gut, wobei wir uns auch über eine Zusage für die anderen afrikanischen Länder sehr gefreut hätten, denn über Malawi hatten wir bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel gehört.

Vorbereitung

Dass die bvmd nicht nur Famulaturen im Ausland, sondern auch einen Public Health Austausch organisiert, wusste ich, bis meine Freundin mir davon erzählt hat, nicht. Auch keiner meiner Studienfreunde hatte bis dahin von dem Public Health Austausch gehört. Das Gute an dem Austausch ist, dass man ihn auch während des Semesters, das für uns ja ein Freisemester war, machen kann und man dadurch und wahrscheinlich, weil er noch nicht so bekannt ist, gute Chancen bei der Bewerbung hat. Als wir die Zusage bekamen, den Public Health Austausch gemeinsam in Malawi zu absolvieren, freuten wir uns riesig. Wir bewarben uns direkt mit der Zusage auf einen Fahrtkostenzuschuss, der wirklich eine super finanzielle Unterstützung darstellt. Die Flüge buchten wir nach einer gewissen Beobachtungszeit der Flugpreise ungefähr 3 Monate vor Abreise. Von den Projektleitern bekamen wir eine E-Mail mit hilfreichen Informationen, wie einer Packliste und wichtigen Kontakten in Deutschland und Malawi. Wir schrieben dem Krankenhaus ein paar Wochen vorher unsere Ankunftszeit, damit unsere Abholung vom Flughafen geplant werden konnte. Außerdem wurden wir in eine Whatsapp- Gruppe mit den Organisatoren von malawimed und anderen ehemaligen oder zukünftigen Praktikanten hinzugefügt und konnten dort wichtige Fragen klären. Wenn man Zeit und Lust hat, kann es sicher hilfreich sein, im Vorfeld an einem Englisch- Kurs für Mediziner teilzunehmen, was wir allerdings nicht getan haben.

Visum

Das Visum haben wir direkt am Flughafen in Blantyre beantragt. Dafür mussten wir nur einen Zettel mit unseren Daten ausfüllen und kamen eigentlich direkt dran. Man bekommt erstmal nur ein Visum für 30 Tage. Dafür sollte man am besten die 50$ in bar dabeihaben. Es gibt zwar Geldautomaten am Flughafen, bei denen man mit Aufsicht schnell noch Geld holen könnte. Diese haben aber oft kein Geld, sodass ich mich darauf nicht verlassen würde. Das Visum kann man dann in Blantyre oder Zomba innerhalb der 30 Tage verlängern. Dafür muss man sich mit dem Krankenhaus einfach nochmal eine Fahrt in eine der Städte der organisieren. Die Verlängerung ging bei uns ganz schnell und hat nicht nochmal etwas gekostet.

Gesundheit

Ich ging bei mir zu Hause in die nächste reisemedizinische Beratung. Wenn einem noch viele Impfungen fehlen, sollte man dies schon mindestens zwei Monate vor Abreise tun, da manche Impfungen eine gewissen Zeit brauchen. Meningokokken ACWY, Typhus und Tollwut hatte ich schon. Die Gelbfieber- Impfung habe ich mir zu diesem Anlass noch geben lassen, obwohl man diese für Malawi nicht braucht, jedoch weiß man ja nie, ob man bei der Reise zwischendurch länger als geplant irgendwo Aufenthalt hat. Die restlichen Vorbereitungen machten wir hauptsächlich im Monat vor unserem Malawi- Aufenthalt. Ich deckte mich mit reichlich Mückenspray und einem eigenen Moskitonetz ein, was ich sehr empfehlen kann. Obwohl es in den Unterkünften in Malawi überall Netze gibt, war es beruhigend und schön, sein eigenes Netz immer dabei zu haben und über jedes Bett spannen zu können. Außerdem entschied ich mich, eine Malariaprophylaxe zu nehmen, da wir zur Regenzeit in Malawi waren und dies generell empfohlen wird. Trotz dem hohen Preis fiel meine Wahl auf Malarone, da es einfach die geringsten Nebenwirkungen hat. Zusätzlich nahmen wir eine gut ausgestattete Reiseapotheke mit. Über den Malawisee und Schistosomiasis hatten wir vor Abreise viel gelesen und gehört und uns entschieden, bei unserem Aufenthalt am Malawisee nach dem Praktikum im Krankenhaus, nicht baden zu gehen. Allerdings kommt sämtliches Duschwasser in der Umgebung des Sees auch aus diesem, sodass wir zur Sicherheit 3 Monate nach Rückkehr aus Malawi einen Antikörpertest machen wollen. Meine bereits bestehende Auslandskrankenversicherung habe ich vor Abreise nochmal geprüft, ob diese dafür ausreicht.

Sicherheit

Malawi gilt als sicheres Reiseland und wir haben uns während unseres Aufenthalts immer sicher gefühlt. Man sollte sich einfach an die üblichen Regeln halten, wie nachts nicht allein rumlaufen oder sich respektvoll gegenüber der Bevölkerung verhalten und seine Wertsachen immer gut verstauen, dann passiert einem auch nichts. Wir haben auf dem Gelände vom Krankenhaus mit den Ordensschwestern zusammengewohnt und von dieser Wohnanlage wird jede Nacht die Tür zugeschlossen. Allgemein haben die Nonnen immer ein Auge auf einen, sodass man sich dort sehr gut aufgehoben fühlt.

Geld

In Malawi bezahlt man mit Malawi Kwacha. Etwa 800 Kwacha sind so viel wie ein Euro. Gleich nach unserer Ankunft haben wir beim Einkaufzentrum zweimal 100€ abgehoben. In der Gegend um das Krankenhaus gibt es keine Geldautomaten und auch das Bezahlen mit Karte ist im ganzen Land, außer im Supermarkt und in manchen Unterkünften, nicht möglich. Deshalb sollte man immer, wenn man unterwegs ist und an einem Geldautomaten vorbeikommt, die Möglichkeit nutzen, um genug Geld abzuheben. Selbst am Malawisee in Cape MacLear gibt es keinen Geldautomaten! Auf Safari oder in Touristengebieten ist es oft möglich mit Dollar zu bezahlen, allerdings kommt da meist ein Zuschlag drauf, sodass ich lieber immer Kwacha dabei haben würde. Die Preise für Lebensmittel auf dem Markt sind sehr niedrig (eine Avocado für 30 Cent). Im Supermarkt sind die Preise für Luxusartikel, wie Wein, Schokolade oder Käse höher und vergleichbar mit Deutschland. Den Sprit, den wir für unsere Ausflüge, wenn uns die Krankenhausautos herumfuhren, immer bezahlen mussten, war relativ teuer, jedoch teilt man sich den ja untereinander, sodass es im Endeffekt okay ist.

Sprache

In Malawi wird Chichewa und Englisch gesprochen. Das Personal im Krankenhaus und die Menschen in Touristengebieten, wie am Malawisee oder auf Safari, sprechen Englisch. Jedoch spricht der Großteil der Bevölkerung nur Chichewa, sodass die Kommunikation mit den Patienten im Krankenhaus nicht möglich ist. Ich hatte einen kleinen Sprachführer für Chichewa immer mit dabei und die Menschen freuen sich immer sehr, wenn man ein paar Floskeln wie „Guten Tag“ oder „Wie geht es dir“ zu ihnen sagen kann. Auch die Nonnen oder Schwestern auf den Stationen sind immer bereit, einem ein paar Wörter oder Sätze beizubringen. An das Englisch in Malawi mussten wir uns alle ein bisschen gewöhnen, aber dann kann man sich dort damit schon gut verständigen. Gut zu wissen ist, dass dort die meisten Menschen im Englischen l und r vertauschen, sodass manche Wörter auf einmal ganz anders klingen und man sie erst gar nicht erkennt.

Verkehrsbindungen

Auf unserem Flug von Berlin nach Blantyre sind wir zweimal umgestiegen. Die meisten Flüge gehen über Kenia oder Äthiopien. Flüge gibt es ab 500€, was sehr gut ist, jedoch kann man da auch einiges mehr bezahlen. Wir wurden von einem Fahrer des Krankenhauses am Flughafen in Blantyre abgeholt. Die Ausflüge am Wochenende plant man am besten am Anfang vom Aufenthalt und dann versucht das Krankenhaus die Pläne so gut es geht mit den eigenen Fahrern und Autos umzusetzen. Das Krankenhaus möchte möglichst verhindern, dass man während man am Krankenhaus wohnt, andere Verkehrsmittel als die des Krankenhauses nutzt oder selbst fährt, da die Fahrweise in Malawi teilweise sehr chaotisch ist und Unfälle nicht selten sind. Wenn man nach dem Praktikum noch selbst im Land rumreisen möchte, kann man dies mit Bussen tun. Auf Strecken zwischen den Touristenorten fahren oft große Busse, die nach genauem Fahrplan fahren. Ansonsten kommt man an jeden Ort mit Minibussen, die an Busstationen starten, wenn sie voll sind. Die Fahrt damit ist sehr günstig, jedoch sitzen hier auch viele Menschen auf wenig Platz und die Fahrweise ist oftmals abenteuerlich. Eine teurere, aber sicherere Variante hierzu sind private Fahrer, die man sich auch überall in den Unterkünften organisieren kann.
Vom Holy Family Mission Hospital kommt man am besten mit dem Fahrrad nach Phalombe zum Einkaufen, das dauert ca. 15 Minuten.

Kommunikation

Gleich nach unserer Ankunft haben wir uns SIM-Karten gekauft. Es gibt welche von Airtel und tnm, wobei auf dem Krankenhausgelände der Empfang von tnm wesentlich besser ist. Man kann in den Shops der Anbieter Datenvolumen kaufen (weniger als 10€ für 4 GB für 30 Tage). Überall, auch auf dem kleinen Markt am Krankenhaus, gibt es Stände von tnm und Airtel, an denen man nochmal Guthaben und Datenvolumen aufladen lassen kann. In vielen Teilen des Landes hat man sehr guten Internetempfang, sodass der Kontakt nach Hause kein Problem ist.

Unterkunft

Man bekommt eine Unterkunft bei den Ordensschwestern direkt am Krankenhaus gestellt. Dort gibt es mehrere Zimmer und Bäder und eine gemeinsame Küche mit großem Aufenthaltsraum. Die Unterkunft ist für die Standards der Bevölkerung in Malawi sehr gut und man hat alles, was man braucht. Die meisten Zimmer sind Einzelzimmer und die Bäder teilt man sich mit anderen Praktikanten. Die Zimmer von mir und meiner Freundin waren mit einer Verbindungstür verbunden, die wir immer offenließen, sodass wir wie ein Zimmer hatten. An unseren Zimmerfenstern waren überall Moskitonetze angebracht. Wir richteten uns vor unseren Zimmern mit ein paar Stühlen und einem Tisch eine kleine Terrasse ein, auf der wir viele entspannte Stunden verbrachten. Die Küche ist mit einem Gasherd und Kühlschrank ausgestattet. Außerdem engagierten wir Molly als Haushälterin, wofür wir ihr jeder 14‘000 Kwacha pro Woche gaben plus Geld zum Einkaufen. Dafür war sie fast jeden Tag ab mittags bei uns und kochte uns super leckeres Mittag- und Abendessen. Auch ihr Bananenkuchen, den sie mit einem kleinen Kohleofen im Garten bäckt, schmeckt köstlich. In der Unterkunft kommt es häufig zu Strom- und/oder Wasserausfall, sodass es sich lohnt, immer ein bisschen Regenwasser in Eimern aufzufangen. Die Unterkunft hat auch einen schönen grünen Garten. Zu unserer Zeit trug der Limettenbaum super viele köstliche Limetten. Auch einen Mangobaum gibt es dort, die Mangozeit war aber leider bei unserer Ankunft gerade vorbei.

Literatur

Vor der Abreise habe ich ein bisschen im Internet auf Reiseblogs und die Erfahrungsberichte ehemaliger Praktikanten gelesen. Ich bekam den Reiseführer für Malawi aus dem Hupe- Verlag und den Kauderwelsch- Sprachführer geschenkt, die uns beide die ganze Reise begleiteten und die ich auch empfehlen kann. Wir hatten in Malawi noch das „Oxford Handbook of Tropical Medicine“ dabei, was uns während unseres Krankenhaus- Aufenthalts wahnsinnig gut unterstützt hat und in dem man sehr gut viele Krankheiten, die einem im Krankenhaus begegnen, nachlesen kann. Auf dem Handy habe ich im Krankenhaus noch die Amboss App genutzt, um schnell mal Sachen nachzulesen.

Mitzunehmen

An Kleidung nahm ich hauptsächlich leichte, lange Kleidung mit, die ich teilweise auch vorher mit dem Mückenschutz imprägnierte. Eine leichte Regenjacke bietet sich bei den immer mal wieder sehr heftigen Regengüssen in der Regenzeit auch an. Da es öfter zu Stromausfall kommt, würde ich jedem empfehlen, eine Powerbank, eine Stirnlampe und eventuell Kerzen für den Abend mitzunehmen. Wie schon erwähnt, hatte ich mein eigenes Moskitonetz und einen dünnen Schlafsack dabei, sodass ich in jedem Bett ruhigen Gewissens schlafen konnte. Für die Arbeit im Krankenhaus habe ich ein paar grüne Kasacks und alte Turnschuhe mitgenommen, sowie Handschuhe, Mundschutz und Desinfektionsmittel (ein kleines für die Kasacktasche und ein großes zum Nachfüllen), wobei es Mundschutz und Handschuhe auch im Krankenhaus gibt. Da man an vielen Tagen doch ein bisschen Freizeit hat, bietet es sich auch an, ein paar Spiele, sowie einen eBook- Reader oder Bücher mitzunehmen.

Reise und Ankunft

Wir kamen am Freitag abends in Phalombe an und unsere Arbeit im Krankenhaus begann erst am Montag. Ich fand es sehr angenehm, zwei Tage zur Eingewöhnung zu haben. Da vor uns im Januar keine Praktikanten da waren, mussten wir erstmal selbst rausfinden, wie vieles funktioniert und die Grundausstattung an Lebensmitteln besorgen. Nach unserer Ankunft am Flughafen fuhren wir zu einem großen Supermarkt. Dort sollte man auf jeden Fall erstmal ganz viel Wasser kaufen, da man in Phalombe die Kanister auf dem Fahrrad transportieren muss :D Ansonsten bietet es sich an, dort gleich ein paar Grundnahrungsmittel zu kaufen, wie Reis, Mehl, Öl, Salz, Brot, Kaffee etc. Auch besondere Sachen, wie Schokolade oder Gin und Tonic kauft man am besten dort, da es das in kleineren Läden nicht gibt. Der Malawi Gin ist sehr zu empfehlen und sehr günstig. Als wir an der Unterkunft ankamen, begrüßte uns Erick, ein Pfleger, der für die ausländischen Praktikanten zuständig ist. Er erklärte uns alles und fuhr auch am nächsten Tag mit den Fahrradtaxis mit uns zum Markt nach Phalombe, wo wir alle frischen Lebensmittel kauften, und zum Peoples Supermarkt, in dem es auch die wichtigsten Dinge zu kaufen gibt. Am ersten Tag im Krankenhaus gingen wir zur Morgenbesprechung und wurden dort vom Arzt Jamie vorgestellt und anschließend im Krankenhaus herumgeführt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Der Tag im Holy Family Mission Hospital begann immer 7.30 Uhr mit dem morning report. Dort stellte der Nachtdienst die Fälle der letzten Nacht vor und manchmal hielt einer der Clinicians noch eine Präsentation. Auch wir hielten in unserer 3. Woche eine Präsentation über Basic Life Support, worüber sich alle sehr freuten. Wir waren 3 Praktikanten und entschieden uns, während unserer 4 Wochen zwischen den einzelnen Stationen zu rotieren, um alles einmal sehen zu können. Es gibt 4 Stationen: Female ward, Male ward, Maternity ward und Pediatric ward. Außerdem gibt es einen kleinen und einen großen OP- Saal, einen Ultraschall, ein Labor und eine HIV- Ambulanz. Der Tag auf den Stationen beginnt immer mit der Visite, da kann man sich einfach einem der Clinicians anschließen. Danach finden noch verschiedene kleiner Eingriffe, wie Lumbalpunktionen oder Ausschabungen, statt. Bei diesen Eingriffen kann man immer mithelfen, jedoch wollten wir die meisten Eingriffe nicht komplett selbst machen, da es meist an adäquater Schmerzmittelgabe und Hygienemaßnahmen fehlt… Von 12 Uhr bis 14 Uhr hatten wir immer Mittagspause. Am Nachmittag ist auf den Stationen meist nicht mehr so viel zu tun, dann kann man einfach aktiv schauen, wo im Krankenhaus noch etwas zu sehen ist, zum Beispiel im OP oder im Labor ward, oder man quatscht ein bisschen mit den Schwestern. Diese sind immer sehr nett und freuen sich, etwas über Deutschland zu erfahren oder von ihrem Land zu erzählen. Allgemein brauchten wir erstmal ein paar Tage Zeit, um uns im Krankenhaus einzuleben, denn vieles läuft dort einfach sehr anders als in Deutschland. So mussten wir uns beispielsweise erstmal an die andere Arbeitsmoral gewöhnen. Viele Mitarbeiter sitzen oftmals während der Arbeitszeit einfach im Vorraum zusammen und quatschen, anstatt auf der Station noch Arbeit zu erledigen. Leider ist das Wissen beziehungsweise die Motivation mehr zu lernen, mancher Clinicians auch einfach nicht sehr hoch, sodass öfter nicht wirklich detailliert untersucht oder nach anderen Diagnosen als Malaria oder Pneumonie gesucht wird. Man selbst hat aber immer die Möglichkeit Patienten nochmal vollständig zu untersuchen, wenn man das gerne möchte. Allerdings kann man mit den meisten Patienten nicht allein kommunizieren, da sie meist kein Englisch sprechen. Am besten hat mir die Arbeit auf dem Labor ward gefallen. Dort kann man sogar selbstständig Geburten leiten. Das war wirklich eine besondere Erfahrung und ich bin sehr froh, diese gemacht zu haben. An einem Tag hat mir ein Clinican die HIV- Ambulanz gezeigt, was auch sehr spannend war. Ich war beeindruckt, dass die Regierung allen HIV-Infizierten lebenslang eine Therapie zur Verfügung stellt und diese von den Menschen auch gut angenommen wird.
Die Ausbildung zur Krankenschwester oder zum Clinician ist in Malawi sehr teuer, sodass nur wohlhabendere Familien sich dies für ihre Kinder leisten können. Während unseres Aufenthalts im Krankenhaus gab es nur einen Arzt, Jamie. Dieser ist super nett und erklärt einem gerne alles, was man wissen möchte.

Land und Leute

An den Wochenenden haben wir immer Ausflüge gemacht. An einem Tag sind wir mit Erick und einem Guide im Mount Mulanje zu einem Wasserfall gewandert. Dort war es sehr schön und man hatte unterwegs einen großartigen Blick über das grüne Land. Am zweiten Wochenende waren wir auf dem Zomba Plateau. Dort sind wir durch den Dschungel spaziert, was wirklich wunderschön war. An unserem dritten Wochenende sind wir von Freitag bis Montag in den Liwonde Nationalpark gefahren. Dort wohnten wir in einem Camp und unternahmen verschiedene Safaritouren. Eine Safari kann ich wirklich sehr empfehlen, da man im Camp auf andere Reisende oder Praktikanten trifft und unheimlich gut in der Natur entspannen kann. Da Regenzeit war, haben wir nicht super viele Tiere gesehen, aber unter anderem Elefanten und Hippos waren dabei. An unserem letzten Wochenende am Holy Family Mission Hospital haben wir die Gelegenheit genutzt und sind mit in den Gottesdienst gegangen. Das ist auf jeden Fall eine Erfahrung wert und es wird schön gesungen. Den Menschen in Malawi ist Religion sehr wichtig und man wird oft gefragt, welcher Religion man angehört.
Nach unserer Zeit am Krankenhaus fuhren wir mit den Minibussen nach Cape MacLear an den Malawisee. Dort kann man sehr entspannt ein paar Tage am Strand verbringen und bei Bootstouren den Sonnenuntergang genießen. Die letzten Tage vor unserem Rückflug entspannten wir noch in einer Lodge in Lilongwe. Dort kann man noch das Lilongwe Wildlife Centre besichtigen, was ich sehr empfehlen kann. Unsere Lodge hatte einen Garten mit Pool und Avocadobaum, was wir die letzten Tage nochmal sehr genossen.
Allgemein kann ich sagen, dass die Menschen in Malawi alle so herzlich sind und dass „The warm heart of Africa“ super zutrifft. Als weißer ist man in den ländlichen Regionen, in der auch das Holy Family Mission Hospital liegt, oftmals eine Attraktion und gerade Kinder kommen immer angerannt und rufen einem „Azungu“ („Weißer“) oder „give me money“ hinterher. In Phalombe waren wir immer die einzigen Weißen und mussten uns am Anfang erst einmal daran gewöhnen, dass viele einen anschauen. Als Weißer wird man immer als Reicher angesehen, was im Vergleich mit den Menschen dort ja auch meistens zutrifft, selbst wenn man „nur“ Student ist. Jedoch haben wir es nie unangenehm oder bedrohend empfunden. Wenn man Fotos von den Menschen machen möchte, fragt man am besten vorher, dann haben die meisten auch nichts dagegen. Ein Highlight für die Menschen dort, war meine Polaroidkamera. Besonders die Kinder freuten sich wahnsinnig, die Bilder danach behalten zu können.

Fazit

Mir hat der Public Health Austausch in Malawi super gut gefallen und ich würde es jederzeit wieder machen. Die Zeit dort im Krankenhaus hat mir sehr viele wertvolle Erfahrungen gebracht und ich kann viele Dinge in der deutschen Gesundheitsversorgung nun sehr gut schätzen. Durch die Arbeit im Krankenhaus hatte ich die Möglichkeit, das Land und dessen Einwohner hautnah kennenzulernen. Trotz, dass die meisten Menschen in Malawi sehr arm sind, haben sie immer ein Lächeln auf den Lippen und sind sehr gastfreundlich. Ich kann mir gut vorstellen, später noch einmal nach Malawi zu kommen und vielleicht nochmal im Krankenhaus zu arbeiten, wenn ich ein bisschen mehr Erfahrung habe. Ich bin sehr dankbar, die Chance für diesen Auslandsaufenthalt bekommen zu haben und denke sehr gerne daran zurück.

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