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Ecuador (AEMPPI Ecuador)

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Sebastian, Köln

Motivation

Nach meinem anstrengenden Anatomiesemester hatte ich wirklich Lust darauf, etwas anderes als die Bib von innen zu sehen. An meiner Uni (Universität zu Köln) stand außerdem noch das wissenschaftliche Projekt an, und so wusste ich, dass ich dieses im Ausland absolvieren werde. Ich war noch nie in Südamerika und Ecuador ist wunderschön. Außerdem liebe ich die Natur weshalb Quito, die höchstgelegene Stadt der Welt (2850m) sich gut anbot.

Vorbereitung

Auf due bvmd wurde ich an meiner Uni auf einer Forschungsbörse aufmerksam. Dort erhielt ich gute Ratschläge für das weitere Vorgehen. Nach einer kurzen Recherche begann ich das Bewerbungsverfahren. Es lief alles unkompliziert ab. Nach meiner Zusage nahm ich mir vor, Spanisch-Basics zu lernen, was ich dann aber erst nach meinen Klausuren angefangen habe. Ich habe dafür die Website Babbel verwendet, welche ich sehr empfehlen kann. Ich habe außerdem ein paar Bekannte ausgefragt, die ebenfalls nach Ecuador gereist sind und habe einen Reiseführer überflogen. Insgsamt würde ich sagen, dass sich meine Vorbereitung eher in Grenzen gehalten hat.

Visum

Ein Visum habe ich nicht gebraucht, da der Reisepass zur Einreise genügt. Diesen musste ich allerdings noch beantragen. An der Grenze gab es auch keinerlei Probleme damit.

Gesundheit

Vor der Reise bin ich in Köln zur Reisemedizin gegangen. Dort wurde ich kompetent beraten und habe 3 Termine zu Imfungen ausgemacht. Auf dem Programm standen Typhus, Gelbfieber und Tollwut. Der Gelbfieberimpfstoff ist ein Lebendimpstoff, weshalb es nach der Impfung zu Nebenwirkungen kommen kann. Dies war bei mir aber nicht der Fall. Die Tollwutimpfung benötigt 3 seperate Termine und bietet im Falle einer Infektion keinen garantierten Schutz.

Sicherheit

Sicherheit ist in Südamerika stets ein heikles Thema. Auch Ecuador stellt hier keine Ausnahme dar. Als ich mich vor der Reise informiert habe, las ich viele Schauergeschichten. Auch zwei Bekannte, die bereits in Quito waren erzählten von Diebstahl, Raub und Vergewaltigungen. Ich las, dass es besonders wichtig sei, im Falle eines Überfalls keinen Widerstand zu leisten. In Quito erklärte mir meine Gastschwester ihre Erfahrungen. Sie meinte, man solle bestimmte Plätze meiden, und generell in der Nacht nicht unterwegs sein. Eine generelle Aufmerksamkeit sei essentiell. So riet sie mir, mein Smartphone in der Stadt nur herauszuholen, wenn niemand neben mir stehen würde. Ich hielt mich an diese Ratschläge und kann selbiges nur bestätigen.

Geld

In Ecuador ist die gültige Währung der US-Dollar. Deshalb sind die Preise zwar höher als z.B. in Kolumbien, aber dennoch ist das meiste deutlich günstiger als in Deutschland. So zahlt man auf dem Markt für ca. 20 Mandarinen 1$ und für 2 Flaschen Wasser 0,75$. Teuer sind jedoch Alkohol oder importierte Markenartikel. Meistens wird nur Cash akzeptiert, ich empfehle dieses möglichst klein bereitzuhaben, da oft kein Wechselgeld zur Verfügung steht. Es gibt auch einige Orte um Geld abzuheben.

Sprache

Die Landessprache ist Spanisch. Ich dachte im Vornherein, dass ich überall gut mit Englisch durchkomme. Dies hat sich in Quito leider nicht bewahrheitet. An meiner Uni konnte ich mich mit ungefähr der Hälfte der Studenten gut unterhalten. Außerhalb der Uni wurde es tatsächlich sehr schwer. So kam es vor, dass ich an meinem zweiten Tag in einem Kleinbus von der Uni Richtung Stadt saß und auf Englisch fragte, wo der richtige Ausstieg zu meinem Ziel sei und niemand in diesem Bus Englisch verstand. Ich bin aber trotzdem gut durchgekommen. Ich konnte während des Monats meine spärlichen Spanischkenntnisse gut ausbauen.

Verkehrsbindungen

Die meisten Touristen nutzen in Quito Taxis. Diese sind recht günstig, doch man muss unbedingt vor der Fahrt einen Preis aushandeln. Man kommt mit ein paar Dollar in der Regel durch die Stadt. Ich habe gelesen, dass man zu Sicherheit nur mit Taxis fahren, die man selbst gerufen hat. Von meiner Uni sind zum Glück Busse in viele Richtungen gefahren, sodass ich selten Taxis benötigte. Wir sind auch einmal 6 Stunden an die Küste gefahren, der Preis lag bei 14$. Auch in der Innenstadt fahren die Busse ziemlich häufig.

Kommunikation

An den Unis gibt es in der Regel W-lan, bei meiner Gastfamilie zum Glück auch. Auch in der Stadt sieht man oft „free wi-fi“-Schilder. Man kann überall Sim-Karten kaufen, mit denen man einen Minuten-, SMS, und Datenvolumenfreibetrag hat. Diese sind recht günstig (um die 10$). Ich hatte davor aber einen World-Tarif bei meinem deutschen Anbieter gebucht, was im Nachhinein aber sicherlich teurer kam. Ich habe zum telefonieren aber meistens trotzdem Whatsapp benutzt. Die Internetverbindung ist natürlich deutlich schlechter als in Europa, aber nach kurzen Wartezeiten hat man aber meistens trotzdem Netz.

Unterkunft

Ich habe die ersten zwei Nächte bei meiner Local Assistent geshlafen. Die Familie war sehr nett. Leider konnten beide Eltern kein Englisch aber wir konnten uns trotzdem verständigen. Danach kam meine Gastschwester aus dem Urlaub. Ich wohnte in Cumbaya in einer Gated Community, also in einem eingezäunten Bereich mit eigenem Sicherheitsdienst. Das Haus war ziemlich groß, darin wohnte meine Gastschwester mit ihrem Bruder und den Eltern. Die Familie hatte vier kleine Hunde. Ich hatte ein eigenes Zimmer mit Bad. Zur Uni bin ich meistens mit meiner Gastschwester gefahren.

Literatur

Ich habe zu Weihnachten den Reiseführer „Reise Know-How KultuShock Ecuador geschenkt bekommen. Diesen habe ich vor der Reise ein bisschen durchflogen und kann sagen, dass dieser im großen und ganzen gut auf den Alltag in Equador vorbereitet. Denoch habe ich zum einen aus Zeitgründen zum anderen weil ich auch unvoreingenommen vor Ort auftreten wollte, die Literaturrecherche im vornherein aufs geringste reduziert. Ich habe aber bezüglich der Sehenswürdigkeiten auch einige Zeit im Internet verbracht und meine Freunde interviewt, die bereits in Ecuador waren.

Mitzunehmen

Ich bin nur mit Handgepäck angereist, mit einem Wanderrucksack von Decathlon (50l). Das hat mir auch gereicht. Darin waren Kleidung für 7 Tage (ich hatte die Möglichkeit diese zu Waschen), Waschzeug, Haribos als Gastgeschenk (ich habe sie davor gefragt, was sie sich wünschen), mein Laptop und 4 Bücher. Was man auf jeden Fall mitnehmen sollte ist Sonnencreme, da die Sonne hier, auf Grund der zentralen Lage, natürlich stärker wirkt. Diese ist hier total teuer. Auch Insektenspray und eine Cap wären sinnvoll gewesen). Denkt auf jeden Fall an eine gute Regenjacke, da es wenn es hier regnet wirklich ordentlich nass wird.

Reise und Ankunft

Die Reise lief reibungslos, hin und zurück jeweils über Paris und ca. 15 Stunden. Der Paris-Quito Flug dauert 12 Stunden, ich habe jeweils zwei mal Essen bekommen und einige Filme gesehen. Als ich am Flughafen in Quito ankam war es bereits dunkel. Anfangs machte ich mir Sorgen, ob ich dann von dort kompliziert zum Haus meiner Local Assistent fahren müsste, doch diese war unbegründet. Sie sammelte mich mit ihrem Auto direkt vor dem Flughafen ein und es ging nach Hause zu ihr. Der Flughafen in Quito ist übrigens klein und sehr übersichtlich.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

An der Universität arbeitete ich bei verschiedenen Projekten mit, mein Arbeitstag ging wochentags von 9-17 Uhr. Ich arbeitete sehr eng mit meinem Projektleiter zusammen, er hat mir viele Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens beigebracht (z.B. SPSS). Ich habe an der Uni auch einen Vortrag über das Austauschprogramm für die ifmsa gehalten.
Im Folgenden soll mein entgültiges Projekt, das auch für mein wissenschaftliches Projekt verwendet wurde, zusammengefasst dargestellt werden:

Ziel der Studie ist es, sozioökonomische, geografische und umweltbedingte Risikofaktoren von Asthma zu erforschen, da diese im Gegensatz zu endogenen und exogenen Faktoren, besonders in Lateinamerika, bislang wenig betrachtet wurden.
Konkret soll der Zusammenhang zwischen der Asthmaprävalenz und dem Breitengrad, der Luftfeuchtigkeit, der Höhe über dem Meeresspiegel, der Temperatur und anderen ökologischen Indikatoren untersucht werden. Dabei wird davon ausgegangen, dass eine Erhöhung des Breitengrads bzw. der Luftfeuchtigkeit tendenziell zu einer erhöhten Asthmaprävalenz führt.

Es handelt sich um eine ökologische Studie, in der 37 lateinamerikanische Städte mit
insgesamt 327.676 Teilnehmern aus den Datensätzen der ISAAC-Studie
(„International Study of Asthma and Allergies in Childhood”) ausgewertet wurden. Bei der
ISAAC-Studie handelt es sich um das weltweit größte gemeinschaftliche Forschungsprojekt,
das jemals durchgeführt worden ist. Teilgenommen haben knapp 2 Millionen Kinder aus über
100 Ländern.
Nach dem Erstellen der Datenbank werden lineare Regressionsanalysen verwendet, um Zusammenhänge zwischen der Asthmaprävalenz in den lateinamerikanischen Städten und dem Breitengrad, der Luftfeuchtigkeit, der Höhe über dem Meeresspiegel, der Temperatur und anderen ökologischen Indikatoren zu finden.

Bislang ist es bereits gelungen, die Datenbank zu erstellen, die Analysen sind noch nicht beendet.

Da es sich hierbei, vor allem weil die finanziellen Mittel einen deskriptiven Studienansatz nahelegten, um eine ökologische Studie handelt, sind die Analysemöglichkeiten begrenzt. Nichtsdestotrotz geht es um eine äußerst präsente Krankheit und das Ergebnis dieser Studie könnte dazu beitragen, herauszufinden, ob eine Vitamin-D-Gabe als präventive Maßnahme gegen Asthma sinnvoll wäre.

Ich finde es schade, dass der Forschung in Ecuador nur ein sehr geringes Budget zugewiesen wird. Deshalb ist es üblich, nur Reviews oder deskriptive Studien durchzuführen. Experimentelle Studien findet man eher seltener.

Land und Leute

Südamerika hat sowohl geographisch als auch kulturell einiges zu bieten. Auch die Universität ist sehr besonders, sie verfügt z.B. über einen eigenen Tiergarten, eine Paintballanlage und eine Motorossstrecke. Quito zudem mit 2850m über dem Meeresspiegel auch die höchstgelegene Hauptstadt der Welt.
Ich hatte einmal die Chance im Unterricht als Gast anwesend zu sein. An der UIDE gibt es keine großen Kohorten, sondern Klassen mit ca. 30 Schülern. Es ist auch in Ecuador, sehr schwer, an einen Medizinstudienplatz zu kommen. Zum einen wegen schwerer Tests, zum anderen wegen hoher Gebühren. Ein Semester Medizin an der UIDE kostet ca. 6000$, was für ein armes Land wie Ecuador im Normalfall unleistbar ist. Der Unterricht, in dem ich anwesend war, war sehr spielerisch gestaltet. Zwischendrin wurden beispielsweise Süßigkeiten an die Studenten verteilt, auch konnte ich Gewinnspiele beobachten.
Mit dem Gesundheitssystem vor Ort bin ich nicht in Kontakt bekommen, jedoch erinnere ich mich an den Fakt, dass die ärztliche Behandlung übermäßig stark von finanziellen Mitteln abhängig ist.
Die Betreuung vor Ort war gut, meine Gastfamilie hat mir bei allem geholfen und mein Projektleiter hat sich viel Zeit genommen, jedoch war von der ifmsa wenig organisiert, und es fand auch kein social progamm statt.
Insgesamt hat mich Ecuador ziemlich fasziniert. Die Landschaft ist wunderschön und vielseitig. Am besten hat mir das Aufsteigen auf über 5000m gefallen (Cayambe). Man hat den geringen Sauerstoffgehalt in der Luft total zu spüren bekommen, deshalb musste man nach allen paar Metern eine kurze Pause einlegen, weil man so außer Atem war. Oben wurde man mit einem türkisen Gletschersee belohnt, in den wir auch kurz sprangen.
Leider reichte mein Spanisch nicht im Ansatz aus und mit Englisch können die meisten Ecuadorianer so gut wie gar nichts anfangen. Trotzdem konnten mir meine Mitmenschen, insbesondere meine Gastschwester immer weiterhelfen.

Die Ecuadorianer sind überaus gastfreundlich und freuen sich sehr über Besucher. Man muss natürlich auch erwähnen, dass Südamerika, insbesondere Quito, unter einer ausgeprägten Kriminalität leidet. Ich bin aber nicht damit in Berührung gekommen. Die Chance, Opfer einer Straftat zu werden, hängt natürlich auch vom Ort und der Tageszeit ab. So wurde der Freund von mir, der ebenfalls von der Universität zu Köln kam, auf offener Straße (jedoch in der Innenstadt) überfallen.
Mich hat beruhigt, dass laut meiner Gastschwester fast ausschließlich Diebstähle und Überfälle vorkommen, schlimmere Verbrechen wie Körperverletzungen, Entführungen, oder Morde (wie auf der Seite des auswärtigen Amtes beschrieben), sind sehr selten.

Nach 5 Tagen Arebeit, einem erlebnisreichen Wochenende, 5 weiteren Arbeitstagen, sind wir am Freitagabend mit dem Nachtbus ans Meer gefahren. Am Samstag erhielt uns die Nachricht, dass am Dienstag die Grenzen schließen. Also sind wir in der Nacht von Samstag auf Sonntag zurück nach Quito zum Flughafen gefahren. Nach einem Tag in Warteschlangen und Flughafencafés war es mir möglich noch in der Nacht zurück nach Paris zu fliegen. Die Umbuchung erfolgte kostenfrei durch Air France.
Somit habe ich leider nur 3 Ausflugstage gehabt, jedoch war der ganze Aufenthalt sehr horizonterweiternd und spannend.

Fazit

Zuletzt möchte ich noch einmal jedem, der sich nicht sicher ist, ob ein solcher Auslandsaufenthalt sinnvoll ist, stark dazu raten, ihn einfach durchzuführen. Neben dem, dass ein solcher Austausch großen Spaß macht, kann man auch den eigenen Horizont total erweitern. Man wird dazu gezwungen, durch die fremde Umgebung die eigene Komfort-Zone komplett zu verlassen. Des Weiteren kann man viele neue Kontakte auf der anderen Seite der Welt knüpfen, was zumindest bei mir ein sehr zufriedenstellendes Gefühl auslöst. Außerdem kann man auch die eigene Kultur an Orte bringen, die sonst niemals damit konfrontiert werden würden. So fragte mich ein Mann in meiner ersten Woche, ob alle Deutsche Hitler lieben.
Ich habe im Anschluss ein langes Gespräch mit ihm geführt und mir die größte Mühe gegeben, ihn von seinen Vorurteilen gegenüber Deutschen zu befreien.

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