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Indonesia (CIMSA-ISMKI)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Leonie, Düsseldorf

Motivation

Ich habe bereits eine Famulatur über die bvmd in Mexiko gemacht und diese Zeit hat mir so gut gefallen und ich habe viele interessante medizinische und persönliche Erfahrungen gesammelt, dass ich noch einen Austausch machen wollte.

Vorbereitung

Die größte Vorbereitung, die auch am meisten Zeit in Anspruch genommen hat, war die Beschaffung des Visums. Ansonsten habe ich mich nicht groß vorbereitet, außer mir einen Reiseführer und Gynbuch zu kaufen und mich etwas über das Land zu informieren.

Visum

Das Visum zu beschaffen stellte sich etwas komplzierter als gedacht da. Man muss das Visum für soziale und kulturelle Zwecke beantragen. Dafür muss man einige Dokumente einreichen wie z.B. einen invitation letter der dortigen Uni sowie einen Nachweis, dass man ausreichende finanzielle Mittel für einen Rücktransport aufweist. Für mich war die Botschaft in Frankfurt zuständig. Bis der Reisepass mit dem Visum zurück geschickt wird dauert es ca 1,5 bis 2 Wochen.

Gesundheit

Ich habe mich bei einem Reisemediziner informiert und habe folgende Impfungen erhalten: Japanische Enzephalitis, Typhus, Cholera, Hepatitis A. Einen großen Teil von den Kosten hat die Techniker Krankenkasse übernommen. Ansonsten habe ich die Klassiker wie Vomex, Loperamid und Ibuprofen mitgenommen sowie ein Antibiotikum zur Vorsicht. Meine Auslandskrankenversicherung habe ich über mawista gebucht.

Sicherheit

In Indonesien habe ich mich immer sehr sicher gefühlt. Die Indonesier sind unfassbar freundlich und auch die Kriminalitätsrate ist nicht besonders hoch. Natürlich muss man auf seine Wertgegenstände ein Auge haben, aber das versteht sich ja von selbst. Auch in der Dunkelheit muss man kaum bedenken haben, jedoch war ich auch nie abends alleine unterwegs.

Geld

Man bezahlt in den indonesischen Rupien. Ein 1 Euro sind ca. 15 Tsd IDR. Dadurch fühlt man sich schnell wie ein Millionär. Die Währung ist zunächst etwas unhandlich, aber man gewöhnt sich gut dran. Ich habe Bargeld mit meiner Kreditkarte von der ApoBank abgehoben. Im Vergleich zu Deutschland ist das Leben in Indonesien sehr günstig. Die Hostels/ Unterkünfte sind zwischen 6-10 Euro zu finden. Für eine leckere große Mahlzeit gibt man meist 2-3 Euro aus.

Sprache

Die Landessprache ist Bahsa Indonesia, jedoch gibt es je nach Region viele unterschiedliche Nebensprachen. In Bandung sprechen viele ältere Personen nur Sundanesisch. Ein paar Basics habe ich mir in der Zeit in Indonesien mittels duolingo angeeignet. Englisch wird vor allem in touristischen Regionen viel gesprochen, jedoch auf Java und in Bandung eher weniger. Patienten können kaum Englisch und bei den Ärzten ist es auch sehr unterschiedlich. Manche sind sehr offen und quatschen gerne mit einem auf Englisch aber andere sind sehr zurückhalten und antworten einem kaum oder nur in Bruchstücken.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit Scoot über Singapur nach Bali gereist und bin zunächst dort herumgereist. Von Lombok habe ich einen Inlandsflug nach Yogyarkata (Java) genommen. Auf Java gibt es eine sehr gute Zugverbindung zwischen den größten Städten. Zug fahren ist sehr zu empfehlen, da es relativ günstig ist und man so viel von der wunderschönen Landschaft sieht. Ansonsten haben wir vor Ort meist die Allrounder-App Gojek genutzt (ähnlich wie Uber), über die man Taxis, Roller, Essen und sogar Massagen bestellen kann.

Kommunikation

Ich habe mir früh eine Simkarte von Telkomcel geholt und mir eine Internetflatrate gemacht. Ich weiß leider nicht mehr wie viele MB es waren aber ich meine ich habe für ausreichend Internet in den zwei Monaten ca 10-15 Euro bezahlt. Im Studentenhostel gab es theoretisch auch WLAN, aber die Verbindung war nicht immer optimal.

Unterkunft

Die ausländischen Studenten waren in einem Studentenhostel untergebracht, in dem auch die indonesischen Medizinstudenten und auch Ärzte lebten. Mit denen sind wir jedoch kaum in Kontakt gekommen. Organisiert wurde dies von dem lokalen Austauschkomitee (LC). Die Unterkunft an sich war… gewöhnungsbedürftig. Die Zimmer waren zwar ausreichend groß und hatten ein kleines Bad dabei. Jedoch war es nicht wirklich sauber und hatte starke Nutzungsspuren. Nach einmal durchputzen war es aber in Ordnung. Leider hatte eine andere Deutsche Bettwanzen, was natürlich wirklich ekelig ist. Es war auch leider dann sehr kompliziert das Zimmer zu tauschen. Es gab theoretisch auch eine Küche aber die würde ich keinem empfehlen zu benutzen. Vorteilhaft waren der Trinkwasserspender und die Nähe zum Krankenhaus (5 Min zu Fuß).

Literatur

Ich hatte den lonely planet Reiseführer, der mir viele gute Dienste erwiesen hat. Außerdem hatte ich ein Buch für Gynäkologie und Geburtshilfe dabei, in dem ich immer gelesen habe, wenn es für mich nichts zu tun gab oder ich nichts verstanden habe. Es war ein kleines Kompaktbuch, was gut in die Kitteltasche gepasst hat.

Mitzunehmen

Ich habe einige Gastgeschenke mitgenommen für die Ärzte und das Komitee. Besonders über Süßigkeiten und eine Postkarte haben sie sich gefreut. Ansonsten kann ich sagen, dass das Stethoskop, was ausdrücklich von dem Komitee verlangt wurde, NICHT nötig ist. Vor allem nicht in der Gyn. Die Klamottenfrage für das Krankenhaus war auch relativ kompliziert, weil uns Austauschstudenten auch unterschiedliches gesagt wurde. Schlussendlich hat ein weißer Kittel meist gereicht. Darunter sollte man keinen großen Ausschnitt tragen und keine kurze Hose/ Rock. Ansonsten habe ich es als relativ entspannt empfunden, obwohl uns das Komitee diesbezüglich relativ viel Stress gemacht hat.

Reise und Ankunft

Da ich vorher noch in Indonesien herumgereist bin, bin ich in Bandung mit dem Zug angereist. Ich wurde von dem Bahnhof abgeholt und zu der Unterkunft gebracht. Ich hatte dann noch einen Tag bis das Praktikum begann. Am Montag wurden wir von der LEO (local exchange officer) ins Krankenhaus gebracht. Ich musste relativ lange auf den zuständigen Arzt warten und habe einen Rotationsplan erhalten, danach bin ich dann zu der Abteilung für die erste Woche gebracht worden.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe meine Famulatur in der Gynäkologie und Geburtshilfe gemacht. Ich muss vorab sagen, dass ich anstatt der geplanten 4 Wochen nur 2 Wochen im Krankenhaus war, da ich wegen der Corona-Pandemie mich nach 2 Wochen entschieden habe, früher nach Deutschland zurückzukehren. Ich habe wie bereits oben geschrieben einen Rotationsplan erhalten (je 1 Woche 1 Station/ Fachabteilung). Ich war auf der gynäkologischen und der onkologischen Station, dann sollte ich eigentlich noch in den Kreißsaal und in den OP (fiel weg). Der Kliniktag begann täglich um 7 Uhr mit dem morning report, bei dem die Patienten der Nacht besprochen wurden. Er war zwar theoretisch auf Englisch, jedoch konnte ich nicht so viel verstehen, da die Ärzt*innen sehr leise gesprochen haben. Rückfragen wurden i.d.R. auch auf Indonesisch gestellt, wodurch ich nicht so viel von den Fällen mitbekommen habe, sondern meist währenddessen gelesen habe. Ich bin meistens trotzdem hingegangen, da man dann anschließend mit den Ärzt*innen mitgehen konnte und sie nicht nachträglich in dem riesigen Krankenhaus suchen musste. Außerdem wurde ich nach dem morning report auch eher informiert, falls an dem Tag etwas Spannendes anstand. Meistens habe ich die Assistenzärzte begleitet und Ihnen über die Schulter geschaut. Ich durfte oft untersuchen und habe auch mal einen vaginalen und abdominellen Ultraschall gemacht. Besonders spannend war die Zeit in der onkologischen Poliklinik. Dort kommen Frauen mit Tumoren hin, um untersucht zu werden und die weitere Therapie zu besprechen. Ich habe sehr große Tumoren untersucht und gesehen. Ich war besonders schockiert über die Größe der Tumoren: Die Frauen gehen erst sehr spät zum Arzt, weshalb ich viele Frauen mit weit fortgeschrittenen Tumorstadien gesehen habe, die man vermutlich in Deutschland nur selten so sehen und untersuchen würde. Ebenfalls spannend fand ich die urogynäkologische Sprechstunde in der ich v.a. Uterus-Prolapse untersucht habe und mir viel gezeigt wurde. Ebenfalls habe ich in der ersten Woche bei Sectios eingewaschen am Tisch geholfen und auch andere gynäkologische OPs (Vulvahämatom, Abszess, Kürettage) gesehen.
Das Gesundheitssystem in Indonesien ist natürlich nicht mit dem in Deutschland zu vergleichen. Es gibt zwar eine gesetzliche Krankenversicherung, jedoch kann das System die Massen an Patienten kaum stemmen. Um einen Termin bei einer Gynäkologin zu erhalten muss man ca. 3 Tage warten. Auch bei diagnostiziertem schwerwiegendem Tumor, der eine dringende Operation benötigt, wartet man 8!!! Monate auf eine Operation. Viele Patientinnen versterben vor dem Termin allerdings schon. Auch Chemotherapien sind knapp bemessen und es muss die genommen werden, die grade vorrätig ist (auch wenn laut Empfehlung eine andere geeigneter wäre). Ärzte und Ärztinnen sind zwar genug vorhanden, jedoch gibt es nicht genügend Versorgungsräume und Materialien für die vielen Patienten. Die Ärzt*innen erhalten während der Ausbildung kein Geld, im Gegenteil: ohne Stipendium muss man dafür bezahlen, dass man einen Facharzt machen darf, nachdem man 2 Jahre als „Gerneral practitioner“ gearbeitet hat.
Zusammenfassend kann sagen, dass ich schon einiges sehen und machen konnte, es jedoch auch einige Phasen gibt, in denen man daneben sitzt und kaum etwas versteht. In den Phasen habe ich dann meistens ein bisschen in dem Fachbuch gelesen und auch so was gelernt.

Land und Leute

Indonesien ist wirklich ein wunderbares Land zum Reisen und für eine Famulatur. Die Indonesier sind wirklich unheimlich freundlich und hilfsbereit. Sie sprechen einen gerne an und lachen viel. Ein wenig nervig ist nur die Neigung, tausend Selfies/ Fotos von „Bules“(Ausländern) zu machen. Es passiert schon oft, grade auf nicht touristischen Inseln, dass man von vielen Leuten angesprochen wird oder einfach ohne zu fragen Bilder von einem gemacht werden.
Ich bin ungefähr 3 Wochen vorab angereist und habe die Zeit zum Reisen genutzt. Gestartet bin ich auf Bali, was mir persönlich vieel zu voll und touristisch war. Auf der Nachbarinsel Lombok geht es deutlich ruhiger zu. Dort haben wir gesurft, sind mit Scootern von Strand zu Strand gefahren und waren Tauchen auf den Gilis. Es war dort wirklich traumhaft schön und es gab immer etwas zu erleben. Danach sind wir von Lombok nach Yogyakarta auf Java geflogen. Dort kann ich Brobodur und Prambanan sehr empfehlen, sowie einen Batikkurs.
Während der Famulatur haben wir die Wochenenden genutzt, um die Gegend zu erkunden. Wir sind ein Wochenende in Lembang, im Norden gewesen. Dort gibt es auf jeden Fall viel zu entdecken. Wenn ihr dort hinfahrt, übernachtet unbedingt im Samakta Guest House!!! Es ist ein Hostel/ Hotel, das gehörlose Personen beschäftigt und mit ihnen Kunstworkshops macht. Die handgemachten Sachen kann man dort kaufen und auch selber bei Workshops mitmachen. Wir haben dort wirklich einen wunderbaren Aufenthalt gehabt und sind sogar noch ein zweites Mal hingefahren. Ein Wochenende waren wir auch in der Hauptstadt, Jakarta, die meiner Meinung nach nicht so viel zu bieten hat. Leider konnten wir kaum mehr Ausflüge machen, da wir wegen der Corona-Pandemie frühzeitig abgereist sind.
Leider muss ich noch ein paar Worte über das dortige Austauschkomitee verlieren. Sie haben uns leider häufig das Leben schwer gemacht und haben sich kaum um uns gekümmert. Problematisch war vor allem die Bettwanzensituation, das Ausfüllen des Zertifikats und der Dresscode im Krankenhaus. Die LEO ist wohl noch sehr neu, jung und etwas unflexibel. Es sollte euch jedoch nicht abschrecken in Bandung eine Famulatur zu machen. Wir haben dann auch andere Studenten kennen gelernt, mit denen wir viel unternommen haben und die sich super lieb um uns gekümmert haben.
Zusammenfassend kann ich Indonesien nur als Land empfehlen: Das Essen ist super lecker, die Leute sind sehr freundlich und die Landschaft ist vielfältig und beeindruckend.

Fazit

Meine Erwartungen wurden definitiv erfüllt. Die Famulatur war ganz gut, obwohl man vermutlich in Deutschland noch mehr fachliches Wissen hinzu gewonnen hätte. Jedoch würde ich die Erfahrungen, die ich dort gemacht habe nicht missen wollen.
Indonesien ist wunderschön zum Reisen und ich kann jedem empfehlen, auch unabhängig von einer Famulatur, dort Zeit zu verbringen.

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