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Sonstiges Projekt

Pädiatrie - SCORE (Forschungsaustausch)
Anonym

Motivation

Ich wollte schon in der Vorklinik ins Ausland und habe das mit dem Studium als Forschungsaustausch verbunden, um ein neues Land mit neuen Leuten kennenzulernen. Außerdem interessiere ich mich sehr für andere Gesundheitssysteme, um immer wieder neue Perspektive zu entwickeln. Ich kann jedem nur weiterempfehlen, den Schritt zu wagen. Am besten ihr sucht euch einen guten Zeitpunkt für eure Reise nach Ghana. Die Austausch-AG in Kumasi organisiert ein super Socialprogramm, wenn viele Austauschstudierende da sind.

Vorbereitung

Ich bin ziemlich spontan an die Sache herangegangen - nach dem Motto „auf in ein Abenteuer“. Daher habe ich mir kaum Erfahrungsberichte durchgelesen, das werde ich beim nächsten Mal definitiv machen, weil es kaum eine bessere Perspektive gibt. Ich hatte das Glück, dass ich eine Bekannte vor Ort hatte, die dort ein Teil ihres PJ gemacht hat. Daher habe ich sie viel mit Fragen gelöchert. Auch meine Kontaktperson war immer zu erreichen, sodass ich mich gut aufgehoben gefühlt habe. Das nächste Mal würde ich mich noch genauer auf das Projekt vorbereiten bzw. die Thematik erfragen. Allerdings ist das bei einem Forschungsaustausch in Ghana nicht planbar, da die Zuteilung zu den Projekten sehr spontan abläuft. In meiner Abteilung war auch nicht ganz klar, was mit den Austauschstudierenden gemacht werden soll.

Visum

Das Visum zu beantragen sieht kompliziert aus und ist auch kompliziert, da viele Dokumente erforderlich sind. Aber auf gar keinen Fall von der Bürokratie abschrecken lassen. Sobald man sich einmal alle angeforderten Unterlagen angeschaut hat und alle nacheinander abarbeitet, kriegt man das selbstständig geregelt. Bei mir ging alles reibungslos über die Bühne und es hat keine 2 Wochen gedauert, da hatte ich das Visum in der Post. Das normale Touristenvisum für 90 Tage ab Ausstellungsdatum kostet 110€. Allerdings falls ihr irgendwie die Möglichkeit habt, das Visum persönlich in Berlin abzuholen, dann macht das. Da habe ich leider auch ein paar unschöne Geschichten gehört.

Gesundheit

Ich habe 3 Monate vor der geplanten Abreise einen Termin beim Tropeninstitut gemacht und mich beraten lassen, da ich vorher noch nie in Afrika war. Alle Impfungen liefen ohne Komplikationen ab und ich habe mich gut beraten gefühlt. Geldfieber ist Pflicht und muss auch für das Visum eingereicht werden. Denkt daran alles frühzeitig zu planen, da man für manche Impfungen mehrere Termine braucht. Malaria-Prophylaxe habe ich täglich abends genommen und auch gut vertragen. Sonst hatte ich viel zu viele Medikamente in meiner Reiseapotheke. Das Gesundheitssystem in Ghana ist zwar anders als in Deutschland, aber Medikamente wie Schmerztabletten etc. gibt es auch vor Ort.

Sicherheit

In Ghana habe ich immer sehr sicher gefühlt. Ich war meistens aber auch nie alleine unterwegs, da man sich immer mit anderen Austauschstudierenden und Einheimischen für Unternehmungen verabredet. Da man auf Grund der hellen Hautfarbe viel Aufmerksamkeit erregt, wird man sehr viel und sehr schnell immer angesprochen. Allerdings zu 99% alles in einem herzlichen Rahmen, wenn auch die Aufdringlichkeit etwas ungewohnt ist. Ich wurde nur einmal festgehalten, als ich alleine auf einem Markt unterwegs war, da der Mann mir meine Ware zeigen wollte. Mit einem bestimmten „nein danke“ konnte ich mich direkt aus der Situation befreien.

Geld

Ich habe die Kreditkarte der APO (VISA) und nie irgendwelche Probleme gehabt, solange die Bargeldautomaten auch funktionieren. Sonst kann es natürlich nie schaden auch Euros dabei zuhaben, die kann man einfach vor Ort umtauschen. Die Währung in Ghana sind Cedi. 1 Euro sind um die 6 oder 7 Cedi.

Sprache

Die offiziellen Sprachen in Ghana sind Twi und Englisch. Ich konnte mich mit fast allen Ghanaern auf Englisch verständigen. Allerdings musste ich mich sehr an den Akzent gewöhnen und gerade am Anfang öfter nachfragen. Mit der Zeit hat sich das aber gebessert. Im Krankenhaus sprechen auch alle Ärzte und Mitarbeiter Englisch, da auch in der Schule und später in der Universität nur in Englisch unterrichtet wird. Beim Umgang mit den Patienten sieht das ganz anders aus. Da erfolgt die Kommunikation hauptsächlich auf Twi. Ich versuche vor jeder Reise ein paar Wörter in der Amtssprache zu lernen und habe mir deshalb ein Video auf Youtube angesehen. Daher konnte ich „danke“ und „wie geht es dir?“, was immer sehr gut angekommen ist.

Verkehrsbindungen

Hauptsächlich fährt man mit kleinen Bussen, auch TroTro genannt, von A nach B. Hier darf man keinerlei Sicherheitsstandards erwarten, denn es gibt keine. Kein Gurt, keine Mindestpersonenanzahl oder Ähnliches. Das Auswärtige Amt rät von TroTros ab, allerdings habe ich keine schlimmen Erfahrungen gemacht und gehört. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Auf jeden Fall die preisgünstigste Variante. Man muss nur die Haltestellen finden, was ich nicht immer ganz einfach fande. Aber einfach nachfragen, Ghanaer helfen gerne. In Kumasi und Accra kann man sich super mit Uber oder Bolt fortbewegen. Einfach über die App buchen und am Ende mit Bargeld bezahlen, das kommt besser an als mit PayPal oder Ähnlichem. Für die langen Strecken zwischen Accra - Kumasi – Tamale – Cape Coast gibt es auch größere Busunternehmen, die teilweise wirklich luxuriös sind mit Klimaanlage und breiten Sitzen. Gefühlt der einzige Ort, wo mir immer kalt war. Daher kann ich nur empfehlen eine Jacke mit in den Bus zu nehmen.

Kommunikation

Mit Englisch kommt, man meiner Meinung nach, in fast allen Gebieten zurecht und auch ein paar Wörter auf Twi sind schnell erlernt. Ohnehin wird man als Europäer immer beobachtet und angesprochen, sodass einem sofort wietergeholfen wird, wenn man mal verwirrt in der Gegend umherschaut. So viele offene und nette Menschen sind wirklich beeindruckend. Ihr braucht auf jeden Fall eine SIM-Karte entweder MTN oder Vodafone, die haben das beste Netz im Land. Über das Handy läuft der ganze Kontakt in Ghana. Leider war das Wlan am KATH nicht so gut, sodass ich auf das Datenvolumen angewiesen war. Für 20 Cedi bekommt 4-5 GB und das hat für mich gereicht.

Unterkunft

Alle Austauschstudierende sind auf dem Krankenhausgelände untergebracht mit 2-3 anderen in einem Zimmer oder Apartment. Ich hatte Glück, da ich in einem kleinen Apartment mit eigener Kochnische und Bad gelandet bin. Ich konnte mir morgens gut Frühstück machen, auch ein Wasserkocher und Kühlschrank war vorhanden. Fließendes Wasser gab es zu 80%, sonst zieht man mit seinem Eimer los und holt Wasser aus den Wassertanks. Nachts kühlt es leider kaum ab, daher war es immer sehr heiß. Der Ventilator hat kaum geholfen. Aber tatsächlich gewöhnt man sich ein wenig an die Hitze.

Literatur

Ich habe viel im Internet über das Land gelesen, was mir allerdings zu unspezifisch war und mir deshalb den Bradt Reiseführer für Ghana zugelegt. Dort sind viele Empfehlungen aufgelistet und eignet sich ideal, wenn man organsiert das Land bereisen möchte. Ich dagegen bin relativ spontan mit anderen Austauschstudierenden losgezogen und habe immer über Empfehlungen von den Einheimischen gebucht.

Mitzunehmen

Ghana ist ein tropisches Land also kann ich euch empfehlen, die warme Sachen auf jeden Fall zu Hause zu lassen. Eine Jacke für den Flug und die Klimaanlage im Bus reicht. Ich habe oft lange lockere Hosen mit T-Shirt oder Top getragen und das war okay. Gerade in der Mittagssonne ist es super heiß und man schwitzt so oder so. Auf jeden Fall Sonnencreme! Wichtig ist auch, immer gegen Abend Mückenspray dabei zu haben. Die Prophylaxe schützt zwar vor Malaria, aber so angenehm sind die Stiche nicht. Im Studentenhostel braucht ihr nicht unbedingt ein Mückennetz, da die Fenster eigentlich überall ein Gitter haben. Das ist mir auch in den anderen Hostels positiv aufgefallen. Auf jeden Fall braucht ihr ein Laken und eine dünne Decke für das Student Hostel. Ich bin mit einem 50 Liter Rucksack gereist und es hat alles reingepasst. Vor Ort kann man waschen oder auch waschen lassen. Für den Klinikalltag: Laborkittel, Desinfektion, evtl. OP-Wäsche und relativ schicke Klamotten. Die Ghanaer laufen immer sehr schick herum. Die OP-Wäsche braucht ihr nicht für den Forschungsaustausch, aber vielleicht um einen Tag mal andere Austauschstudierende zu begleiten.

Reise und Ankunft

Einen direkten Flug von Deutschland aus nach Accra habe ich nicht gefunden, daher bin ich über Amsterdam mit KLM geflogen. Es war ein entspannter Flug über knapp 6 ½ Stunden und ich bin sicher in der Hauptstadt von Ghana gelandet. Der Weg vom Flughafen zum Hostel war etwas kompliziert. Ich bin zwar mit einem Uber-Fahrer gefahren, die mit Google-Maps eigentlich überall hinfinden. Leider nicht bei meiner ersten Fahrt in Ghana. Denn normalerweise muss man selbst den Weg zum Ziel wissen. Zum Glück sind wir über Umwege im Somewhere Nice angekommen. Das Hostel ist wirklich super mit bestem Frühstück meiner ganzen Reise. Auch trifft man dort viele Gleichgesinnte, die offen sind und bei Fragen gerne helfen. Im Flughafengebäude gibt es Wlan, außerhalb nicht. Beachtet das, wenn ihr noch nicht direkt am Flughafen eine neue Simkarte kaufen könnt. Ich habe im Hostel noch eine Angestellte getroffen, die mich an meinem 1. Tag in Accra rumgeführt hat. Das war super cool, so konnte ich alles sehen!
Von Accra bin ich mit dem VIP Bus nach Kumasi gereist. Am Busbahnhof wurde ich von meiner Kontaktperson in Empfang genommen und wir sind erstmal zum Krankenhausgelände gefahren. Dort gab es eine Führung rund herum und in mein Zimmer. Auch am 1. Praktikumstag sind wir zusammen zu meinem Betreuer gegangen. Das hat alles einwandfrei funktioniert. Wir haben uns sehr gut verstanden und uns auch regelmäßig getroffen.
Auf Grund der spontanen Abreise Mitte März habe ich auf dem Rückweg einen direkt Bus von Kumasi zum Flughafen nach Accra genommen. Das hat sehr gut geklappt und war beruhigend, da wir doch Hals über Kopf das Land verlassen mussten.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe mich für einen Forschungsaustausch in der Public Health Unit für Pädiatrie entschieden. Ich bin direkt nach dem 2. Semester geflogen und hatte dem entsprechend keine Ahnung von irgendwas. Aber zum Glück schon Soziologie erfolgreich absolviert. Denn in der Fachabteilung wurden viele Daten aus unterschiedlichen Studien erhoben und ausgewertet, sodass ich wenigstens ein wenig über Statistik und Studien Bescheid wusste. Die Thematik der Studien waren vielfältig. Einerseits wurde viel über impfpräventive Kinderkrankheiten geforscht. Vor allem über die Wirksamkeit von Impfungen. Da Impfungen für Kinder in Entwicklungsländer immer noch nicht selbstverständlich sind und es immer noch eine hohe Todesziffer durch infektiöse Erkrankungen gibt. Andererseits wurden auch experimentielle Studien durchgeführt. Federführend war die Studie über Medikamente gegen HIV und Tuberkulose und die Interaktion beider Erkrankungen.
Meine gesamte Praktikumszeit von 2 Wochen war sehr choatisch, da man nicht so recht wusste, was ich machen kann. Außerdem darf man sich im Krankenhaus erst frei bewegen, wenn man ein Einladungsschreiben der Dekanin der Universität hat und dem leitenden Arzt der Abteilung vorgestellt wurde. Bei mir was dieses Schreiben pünktlich vorhanden, aber leider falsch ausgestellt. Ich durfe also nur ins Abteilungsbüro aber nicht im Krankenhaus umherlaufen und mich an der Datenerhebung beteiligen. Das war sehr schade, da ich so keinen Eindruck des Klinikalltags gewinnen konnte. Dafür hatte ich dann theoretisch Unterricht in medizinischer Soziologie und Public Health Arbeit. Doch das hat auch nur 4 Mal stattgefunden für jeweils 1-2 Stunden. Den restlichen Tag habe ich damit verbracht auf irgendwas zu warten. Generell wartet man sehr viel in Ghana. Die Uhren ticken einfach anders. Ich musste mich sehr daran gewöhnen. Nach 1 ½ Wochen war die richtige Genehmigung dann da und ich durfte Patientendaten für Fragebögen erheben. Dann bin ich mit 2 Kollegen in die Sprechstunde für Kinderkardiologie gegangen, um Rötel-Verdachtsfälle zu identifizieren und überwachen. Auch konnte ich mir die Kinderintensivstation anschauen. Die Arzt-Patienten-Kommunikation findet leider auf Twi statt, sodass man nur sehr wenig versteht. Aber ich konnte auf jeden Fall einen Eindruck gewinnen.
Die Kollegen waren super nett und habe mir versucht alles genau zu erklären und mich miteinzubeziehen. Da ich allerdings nicht mit ihnen mitkommen durfte, habe ich die meiste Zeit im Büro gesessen und auf Neuigkeiten gewartet. Denn nach 2 Wochen Praktikumszeit durften die Austauschstudierenden das Krankenhausgelände aufgrund der sich weltweit ausbreitenden Corona-Pandemie nicht mehr betreten.

Land und Leute

Ich bin immer noch beeindruckt vom Land und den super netten Leuten, die ich getroffen habe. Alle sind wirklich hilfsbereit. Man muss sich aber bewusst machen, dass man wirklich überall angeschaut wird. Teilweise wird man auch ungefragt fotografiert und gefilmt. Ich hatte damit keine Probleme, aber musste mich definitiv daran gewöhnen. Wichtig ist auch, dass man auch einfach beherzt „Nein“ sagen kann, wenn man etwas nicht möchte. Gerade auf den großen Märkten in Accra und Kumasi versucht jeder seine Ware zu verkaufen. Die Märkte sind wirklich cool, aber sehr anstrengend. Sehr viele Menschen und Tiere an einem Fleck können überwältigend sein. Sonst findet man da wirklich schöne Mitbringsel für zu Hause.
An den Wochende hat man Zeit das Land zu erkunden. Leider konnte ich nur 2 Ausflüge mitmachen. Ich war mit anderen Studierenden im Mole National Park und am Lake Bosomtwe. Die Ausflüge haben wir selbst organisiert, da im Februar die anderen Austauschstudierenden mit dem Socialprogramm schon dort gewesen sind. Das Land ist wirklich sehenswert, vor allem wenn man noch nie in Afrika gewesen ist. Im National Park gibt es Elefanten, Antilopen, Krokodile und viele verschiedene Vögel zu sehen. Es ist nicht die Safari aus dem Katalog, dafür sehr günstig und komplett in der Natur. Auch der Lake Bosomtwe ist sehr cool, das Wasser ist super warm und liegt mitten im Dschungel.
Kumasi als Stadt ist sehr groß und voll. Leider hatte ich zu wenig Zeit, um ein paar Museen zu sehen und die Stadt zu erkunden. Kumasi ist ideal, um das Land zu bereisen auf Grund der zentralen Lage. Auch das Austauschteam vor Ort war zu meiner Zeit super nett und cool! Wenn man irgendwas brauchte oder Probleme hatte, wurde sich gekümmert.
Auffällig sind die Umwelt- und Müllprobleme in Ghana. Es liegt viel Müll überall herum und in offenen Feuern wird viel verbrannt. Auch wird alles doppelt in Plastik gepackt. Ich habe immer versucht das zu vermeiden, indem ich eine Dose mitgenommen habe. Dafür wird man noch schräger angeguckt. Wenn man in ländlichen Gegenden unterwegs ist, dann fällt auch teilweise die Armut des Landes auf. Vor allem Kinder betteln um Geld, Wasser oder Stifte.
Ich habe auch Menschen getroffen, die wirklich was bewegen wollen. In Kumasi gibt es ein Hostel mit super Essen und dass sich für Bildung unter Frauen einsetzen. Die Besitzerinnen hat uns alle herzlich willkommen geheißen. Auch einen Twi-Kurs kann man dort einmal die Woche dort besuchen. Wem die afrikanische Mode gefällt hat dort die Möglichkeit Unikate zu erwerben oder selbst zu nähen.
Wer Lust auf ein offenes Land und herzliche Menschen hat, dem kann ich Ghana wirklich empfehlen.

Fazit

Insgesamt hatte ich eine wunderschöne Zeit in Ghana, da ich tolle Leute und ein faszinierendes Land kennenlernen durfte. Falls ihr euch überlegt einen Forschungsaustausch in Kumasi zu machen, kann ich euch nur empfehlen zu warten. Eine Famulatur lohnt sich meiner Meinung nach mehr, da es in der Klinik schon einiges zu sehen gibt. Vor allem das Socialprogramm in Kumasi soll sich sehen lassen können. Leider war ich nicht zum richtigen Zeitpunkt dort, aber man kann auch gut mit anderen Austauschstudierenden mit Tipps der Ghanaer verreisen. Ghana eignet sich super als Einstiegsland für Afrika, da es weitgehend sicher und weltoffen ist. Wagt den Schritt, ihr habt nichts zu verlieren!

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