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Mexiko (IFMSA Mexiko)

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Sophie, Heidelberg

Motivation

Erfahrung im Ausland sammeln zu wollen stand für mich grundsätzlich schon seit längerem fest. Für SCORE habe ich mich nun relativ spontan entschieden, mich also für einen Restplatz beworben. Da ich selbst Spanisch spreche und mich Mexiko auch als Land sehr interessiert, hatte das dann perfekt gepasst.

Vorbereitung

Seit dem 1. Semester engagiere ich mich in der Lokalvertretung des AGX, habe bereits mehrere
Incomings betreut und konnte somit den ganzen Prozess bei anderen miterleben. Daher wusste ich
auch Bescheid über die Restplätze und kannte den Bewerbungsprozess. Die Bewerbung selbst lief dann
auch ziemlich unkompliziert und ich hatte die Zusage (der bvmd) noch am selben Abend.

Visum

Man muss kein Visum im Vorhinein beantragen. Mit dem Touristenvisum dürfte man sich 180 Tage lang
in Mexiko aufhalten. Man füllt dieses Dokument bei der Einreise aus und legt es bei der Ausreise wieder
vor.
Falls du über die USA nach Mexiko ein-/ausreist, musst du aber beachten, dass du ein gültiges ESTA-
Visum zur „Einreise“ nach Amerika benötigst! Das hatte ich zwar, aber es wurde mir dann kurz vor
meiner Abreise entzogen (Es gab aufgrund der Coronakrise Einreisebeschränkungen für Personen, die
sich in den letzten zwei Wochen vor ihrer Anreise nach Amerika in Europa aufgehalten hatten und keine
amerikanischen Staatsbürger waren – in meinem Fall traf beides nicht zu). Trotzdem war es in meiner
Situation mit mein größtes Problem bei der Ausreise; ich musste das ESTA Visum bis zu meinem Abflug noch mehrmals beantragen, da es mir plötzlich wieder entzogen wurde.

Gesundheit

Ich rate dazu, sich rechtzeitig vor der Ausreise nach den Impfempfehlungen zu erkundigen und ggf.
auch einen Termin in der Tropenmedizin zu vereinbaren. Zusätzlich dazu hatte ich eine gut
ausgestattete Reiseapotheke dabei.

Sicherheit

Die Polizeipräsenz in Monterrey fand ich anfangs eher befremdlich (vor allem auf dem
Krankenhausgelände). Außerdem wurde unsere Unterkunft rund um die Uhr durch Sicherheitspersonal
überwacht. Es gab zudem in jedem Raum (außer Bädern und Schlafzimmern) Kameras. Deswegen
konnte man sich natürlich auch sehr sicher fühlen. Es gab trotzdem in der Stadt oder auf meinen
Reisen niemals Momente, in denen ich mich unsicher gefühlt habe. Es ist sicher nicht schlecht, sich die
Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes anzuschauen und in diesem Bewusstsein und mit Vorsicht in
den öffentlichen Räumen aufzutreten.

Geld

In Mexiko zahlt man mit mexikanischen Pesos. In manchen Gebieten kann man zusätzlich auch mich
amerikanischen Dollars zahlen. Ich hatte aber meistens nur sehr wenig Bargeld dabei und konnte fast
alles mit der Kreditkarte bezahlen. Allgemein lässt sich sagen, dass die Lebenserhaltungskosten deutlich
geringer sind als in Deutschland.

Sprache

Im Labor und im Krankenhaus hatte ich den Eindruck, dass doch relativ viele gutes Englisch sprechen.
Ich würde nichtsdestotrotz jedoch empfehlen, die eigenen Spanischkenntnisse zuvor aufzufrischen oder
sich eine Grundlage vor der Anreise aufzubauen, da man doch auch in vielen Situationen auf Menschen
trifft, mit denen man ansonsten nicht oder nur ganz schwer kommunzieren könnte. Mit dem
Sicherheitspersonal der Unterkunft konnte ich zum Beispiel nur Spanisch sprechen. Vor allen Dingen
laufen Vorlesungen oder Meetings in der Landessprache.

Verkehrsbindungen

Uns wurde vor Ort geraten eher auf Bus und Metro zu verzichten und Uber zu nutzen, was ziemlich
unkompliziert war und ich nur jedem empfehlen kann. Die Busverbindungen fand ich ziemlich
kompliziert und chaotisch, bin dann auch nur einmal für einen Ausflug Bus gefahren. Die Metro liegt 20
Minuten von der Unterkunft entfernt, aber es gab nur 2 Linien. Damit kommt man aber auch ziemlich entspannt in die Innenstadt zum Macroplaza. Nachts oder bereits in der Dämmerung sind wir aus
Sicherheitsgründen immer Uber gefahren.

Kommunikation

In der Unterkunft gab es WLAN, einen Computer und sogar einen Drucker!
Um auch unterwegs immer erreichbar zu bleiben, habe ich mir gleich am ersten Tag bei Telcel eine
Simkarte mit Internetpaket gekauft. Das hat ungefähr 15 Euro gekostet und war sehr unkompliziert.
Man konnte damit auch kostenlos nach Amerika telefonieren, was meine Rettung war als ich Corona-
bedingt meinen Flug mehrmals umbuchen musste (Ich hing leider immer so 2 Stunden in der
Warteschleife und das wäre ansonsten schnell sehr teuer geworden).

Unterkunft

Wir waren direkt am Krankenhausgelände, wo auch das Labor war, in dem ich gearbeitet habe, in
einem großen Haus untergebracht. Es gab dort mehrere Gemeinschaftsräume und sogar einen
Fitnessraum. Das Haus war sogar klimatisiert. Es gab getrennte Frauen- und Männerbereiche und man
hat in Mehrbettzimmern geschlafen. Da die Küche lediglich mit einem Kühlschrank, einem Wassertank
und einer Mikrowelle ausgestattet war, haben wir nie gekocht (es gab auch eigentlich keine Teller). Wir
konnten zum Glück immer in der Krankenhaus-Mensa essen. Zwei Mal die Woche konnte man seine
Wäsche für 100 Pesos waschen lassen. Ansonsten wurde das Haus, wie bereits erwähnt, immer sehr
gut überwacht.

Literatur

Ich habe mich vor der Anreise auf der BVMD- und IFMSA-Website über den Austausch informiert und
habe dann noch Mexiko-spezifisch die allgemeinen Reisehinweise auf der Seite des Auswärtigen Amtes
gelesen. Ansonsten habe ich mich für das Projekt mithilfe der angegebenen Literatur auf der
spezifischen Project-Database vorbereitet.

Mitzunehmen

Abgesehen von den grundlegenden Gegenständen hatte ich einen Kittel und angemessene Kleidung für
das Labor dabei. Wenn ich gewusst hätte, dass ich problemlos auch mit ins Krankenhaus mitkommen
und bei den OPs zuschauen kann, hätte ich mir noch (farbige!!) Scrubs gekauft. Man konnte sich zwar
auch welche ausleihen, aber da musste man sehr früh dort sein, weil das Kontingent sehr begrenzt
war. Außerdem ist das Wetter in Monterrey sehr wechselhaft. Man sollte für kältere und auch heiße Tage mit über 40 Grad gewappnet sein.

Reise und Ankunft

Ich bin von München über Amsterdam und Atlanta nach Monterrey geflogen, was problemlos
funktionierte. Vom Flughafen aus habe ich dann ein Taxi genommen (ca. 20 US$) und bin mitten in der
Nacht am Ziel angekommen. Da das Wohnhaus aber rund um die Uhr bewacht wird, war das kein
Problem; ich wurde von dem Sicherheitspersonal begrüßt und man hat mir die Unterkunft gezeigt.
Ich hatte dann bis zum Beginn des Praktikums noch Zeit, um mich an die Zeitverschiebung zu
gewöhnen und mir einen ersten Eindruck von Monterrey zu verschaffen, was ich nur jedem empfehlen
kann!!

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Mein Forschungsaustausch fand in dem Physiologiebereich der Universidad Autonoma de Nuevo Leon
statt. Wir wurden am ersten Tag von einem Mitarbeiter der Lokalgruppe abgeholt, der uns zuerst das
Krankenhaus und die Mensa gezeigt und uns dann zur Verwaltung gebracht hat, wo wir unsere
Namensschilder bekommen haben.
Nachdem alle zu ihren Abteilungen im Krankenhaus gebracht waren, hat er mich ins Labor begleitet,
wo ich dann unter anderem meinen Betreuer, der sich gerade im Social Service-Jahr befand, und die
anderen Studenten aus der Arbeitsgruppe kennengelernt habe. Montags fand immer ein Meeting statt,
wobei der Ablauf der Woche und Organisatorisches besprochen wurden. Dort lernte ich dann noch den
verantwortlichen Professor und wenig später die Chefin der Physiologie kennen. Sie konnte sogar sehr
gut Deutsch, weil sie selbst eine Zeit lang in Deutschland gelebt hatte.
Ich war ein wenig enttäuscht, als ich herausgefunden habe, dass das Projekt, wofür ich dort war, schon
sehr alt ist und praktisch nicht mehr wirklich daran gearbeitet wird. Das bedeutete dann für mich, dass
ich nur einmal die Möglichkeit hatte, die Arbeit mit den Ratten mitzuerleben. Das fand ich aber sehr
spannend, weil ich das hier in Deutschland noch nie erlebt hatte. Mein Betreuer hat mir eine Operation
an der Carotis und an der Pfortader der Ratte gezeigt. Am Ende der OP durfte ich dann sogar Nähte machen. Ansonsten fand Dienstags immer ein journal club statt, wo man sich gegenseitig paper
vorgestellt hat. Das habe ich ebenfalls als sehr bereichernd empfunden.
Hauptsächlich war ich bei den Physiologie-Praktika, die vormittags und nachmittags stattfanden und bei den wöchentlichen Schulungen der Tutoren. Da ich in Heidelberg selbst schon ein Semester als Präptutorin gearbeitet hatte, fand ich es sehr interessant die Lehre in Mexiko mitzuerleben und daran teilhaben zu dürfen.
Ich konnte mich ausgiebig mit den Studenten dort austauschen, die ihrerseits wissbegierig und interessiert Fragen über Deutschland gestellt haben; so habe ich dort sehr gute und nette Bekanntschaften geschlossen.
Da die Physiologie-Praktika natürlich nicht auf Englisch gehalten werden, kann ich nur jedem, der sich
für dieses Projekt bewirbt, wärmstens empfehlen, ausreichend Kenntnisse in Spanisch mitzubringen.
Ansonsten tut man sich sehr schwer und bekommt auch sehr wenig mit.

Zusätzlich haben mir die Studenten angeboten, mit ihnen zu den Kursen und ins Krankenhaus oder zu
einer Obduktion mitkommen, weswegen ich trotz der wenigen Laborarbeit doch sehr viel gesehen und
einen sehr guten Eindruck mitgenommen habe.

Unbedingt hinzufügen möchte ich noch, dass die Arbeitszeiten wirklich sehr flexibel waren und man so
in seiner Tagesplanung sehr frei entscheiden konnte; man hatte nur sehr wenige verpflichtende
Termine. Wichtig in diesem Zusammenhang war insbesondere, dass der Betreuer Bescheid wusste, wo
man sich gerade befand, auch, dass man seine Zeit intensiv nutzt, um etwas zu lernen und die
medizinische Ausbildung und das Leben in Mexiko kennenlernt.
Ich habe mich allgemein sehr willkommen gefühlt und fand vor allem die Kommunikation mit dem
verantwortlichen Professor und der Leiterin der Physiologie sehr angenehm.
Da sich dann aber leider und zu meinem größten Bedauern im weiteren Verlauf die Lage Corona-
bedingt sehr zugespitzt hatte, wurden in Mexiko auch die Universitäten geschlossen und ich musste
dann überstürzt nach Deutschland zurückkehren. Deswegen war ich leider nur knapp drei Wochen
insgesamt in Mexiko und habe dadurch zwei weitere Wochen an der Uni verpasst.

Land und Leute

Mit den Studenten, die im Labor gearbeitet haben, habe ich mich von Anfang an sehr gut verstanden.
So haben wir uns auch außerhalb der Uni gerne getroffen und etwas zusammen unternommen.
Wie bereits erwähnt, habe ich mich an der Uni immer sehr willkommen gefühlt. Speziell in der Corona-
Krise zeigte sich dies deutlich; bis zu meiner Landung in Deutschland stand ich mit dem Professor und
der Leiterin des Institutes in engem Kontakt. Sie haben sich um mich gesorgt, sich wirklich regelmäßig
nach meiner Situation und nach Updates erkundigt (wir hatten dann sogar über WhatsApp Kontakt).
Ich bekam mehrfach Hilfe angeboten, worüber ich sehr dankbar war und auch immer noch bin. Ich
durfte also auch diesbezüglich gute Erfahrungen machen.
Weniger glücklich war ich jedoch über die Lokalvertretung dort; sie konnte mir leider nicht das Gefühl
vermitteln, dass sie sich wirlich um uns Austauschstudenten kümmern oder uns ihre Kultur und die
Stadt näherbringen möchte, schlicht, dass sie überhaupt an uns interessiert ist. Verglichen mit meinem
persönlichen Engagement für unsere Heidelberger Incomings empfand ich das als sehr schade; speziell
bezüglich Corona hätte ich mir da mehr Unterstützung bzw. zeitnahe Informationen erwartet.
Schlussendlich hatte ich meine persönliche Situation jedoch ziemlich gut unter Kontrolle und so will ich
mich deswegen auch nicht beschweren.
Mit mir waren noch zwei Mädchen aus Ecuador und zwei Studenten aus Deutschland in Monterrey.
Sehr sympathische Leute, mit denen ich einiges zusammen unternommen habe. Zum Beispiel waren
wir an einem Wochenende in den „Grutas de Garcia“ in der Nähe von Monterrey und in dem Park „La
Estanzuela“ (kann ich beides sehr empfehlen!) mit mexikanischen Freunden der beiden deutschen
Studenten gemeinsam wandern. Ansonsten sind wir gemeinsam in der Mensa Essen gegangen und
haben hin und wieder Abends Filme geschaut.
Im März waren wir also nur zu fünft; ich hatte aber gehört, dass wohl in manchen Monaten auch bis zu
30 Austauschstudenten zur selben Zeit in Monterrey sind und dann auch wirklich social program
angeboten wird.
Allgemein ist mir aufgefallen, dass die mexikanische Bevölkerung sehr hilfsbereit, herzlich und
freundlich ist! Außerdem kann ich nur empfehlen, die mexikanische Küche ausgiebig zu kosten und viel
auszuprobieren. In Mexico City sagte mir jemand, dass Monterrey wohl bekannt sei für das gute
Fleisch.
Ansonsten ist die Gegend um Monterrey für ihre Berge bekannt und das soll wohl auch atemberaubend sein – leider blieb mir dies verwehrt.
In Monterrey selbst hat mir das „Barrio Antiguo“ sehr gut gefallen.
An meinen Wochenden war ich einmal in Mexico City und bis zu meiner Abreise in der Gegend um
Cancun, bzw. Tulum, weil ich nur von dort einen Flug nach Hause bekommen habe.
Das kann ich beides nur sehr empfehlen. Vor allem Mexico City fand ich beeindruckend und extrem
sehenswert!!

Fazit

Auch wenn ich entgegen meiner Erwartung (auch Corona-bedingt) im Verhältnis wenig Laborarbeit
gemacht habe, hatte ich eine wirklich sehr aufregende und prägende Zeit in Mexiko bzw. an der Uni
erlebt. Ich bin sehr dankbar für die guten und interessanten Erfahrungen. Besondere Freude empfand
ich im Kontakt mit den herzlichen Menschen, die ich dort kennengelernt habe.
Ich kann dir Mexiko also nur wärmstens empfehlen und dir raten, deine Zeit dort gut zu nutzen und dir
das wunderschöne Land anzuschauen!
Ich werde auf jeden Fall zurückkehren, weil mich das Land wirklich sehr begeistert hat!

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