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Croatia (CroMSIC)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Luisa, Witten

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Motivation

Durch verschiedene Auslandspraktika, die ich absolvieren konnte, habe ich sehr gute Erfahrungen machen können und verschiedene Gesundheitssysteme, Kulturen und Lebensgewohnheiten kennenlernen dürfen. Dies war auch bei meinem vier wöchigen SCOPE Aufenthalt in Kroatien mein Wunsch. Zu dem wollte ich mein medizinisches Englisch verbessern und die Praxis in einem europäischen Land kennenlernen.

Vorbereitung

Nach dem sehr freundlichen Kontakt und der Organisation der bvmd, wechselte der Kontakt zum Online Portal des IFSMA. Dort habe ich alle Formalien und Fragen an meine IFSMA Verantwortlichen direkt in Kroatien geschickt. Zuerst ging es um Organisatorisches wie: Ankunft, Unterbringung und Arbeitsbeginn.
Circa drei Wochen vor Beginn meines Praktikums kontaktierte mich Marin, ein kroatischer Medizinstudent aus dem vierten Semester, der für mich während meines gesamten Praktikums zuständig war.
Er war sehr hilfsbereit, freundlich und konnte mir alle Fragen beantworten und organisierte auch meine Abholung und meine Unterkunft.
Etwa zur gleichen Zeit wurde ich zu einer studentischen Facebookgruppe hinzugefügt, in der meine Termine für das ‚Social program‘ organisiert und angekündigt wurden.
Ich selbst habe vor Beginn des Praktikums meine Lernziele für Chirurgie gesetzt und Materialien ausgearbeitet. Zudem habe ich mir ein medizinisches Wörterbuch zugelegt und die Themen mit englischen Vokabeln versehen.
Im Allgemeinen habe ich mit ein paar Artikeln und Dokumentationen über die kroatische Geschichte, das Gesundheitssystem und Kultur vorbereitet um eine Idee von dem Land zu bekommen.

Visum

Da Kroatien in der EU ist konnte ich ohne ein Visum einreisen.

Gesundheit

Ich musste lediglich meinen vollständigen Impfstatus bestätigen und meinen Impfpass gescannt im IFSMA Portal hochladen. Vollständig in diesem Falle heißt ausreichender Schutz gegen Hepatitis A und B, Tetanus, Polio, Diphtherie, Mumps, Masern, Röteln.

Sicherheit

Ich habe keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen getroffen.
Da ich durch meine gesetzliche Krankenversicherung im Ausland bis zu sechs Wochen versichert bin und ich eine private Unfallversicherung habe und auch eine Unfallversicherung seitens meiner Universität.
Ich habe mit meinem Einsatzort Zagreb eine normale Großstadt erwartet, mit teils gefährlicheren und teils sicheren Straßen erwartet.
Nach meiner Ankunft habe ich in Gespräche mit Studenten ein wenig gefragt, wo man vielleicht aufpassen sollte. Die Kroaten selbst empfinden aber ihre Hauptstadt als gemächlich und sicher. Im Nachhinein habe ich mich auch in allen Stadtteilen tagsüber als auch nachts sehr sicher gefühlt. Ich bin oft zu Fuß durch die Stadt gelaufen.

Geld

Bevor ich mich mit Kroatien beschäftigt habe, bin ich davon ausgegangen, dass ich in Kroatien auch mit Euro zahlen kann. Das war ein Trugschluss!
In Kroatien ist die nationale Währung Kuna. Etwa sieben Kuna sind ein Euro.
Ich habe für meine Reise nur etwas Bargeld in Euro mitgenommen und nach meiner Ankunft am ATM mit meiner Visacard kroatische Kuna abgehoben.
Ich habe die gesamte Zeit an allen Bankautomaten abheben können und keinerlei Probleme gehabt.
Insgesamt würde ich die Preise für Lebensmittel als preiswerter einschätzen als in Deutschland. Bioprodukte im DM waren allerdings etwas teurer oder der gleiche Preis wie in Deutschland. Preise in Restaurants und Cafés waren meist auch günstiger.

Sprache

In Kroatien spricht man Kroatisch. Da ich mein Praktikum auf Englisch absolvierte habe ich mich vor dem Praktikumsbeginn hauptsächlich mit medizinischem Englisch vorbereitet.
Die wichtigsten kroatischen Wörter, wie Hallo und Tschüss und Danke habe ich aber auch in Kroatisch nachgeschlagen.
Ich war überrascht wie viele Kroaten sehr gut Englisch sprechen. Ich hatte meist kein Problem mich verständlich zu machen.
Auch im Klinikum ging es teilweise über non-verbale Kommunikation und aufmerksames Zuhören.

Verkehrsbindungen

Für meine Anreise aus Deutschland buchte ich einen Zug, da ich nicht Fliegen wollte. Ich buchte sehr früh, so bekam ich noch einen Sparpreis ( ca. 50€ Dortmund  Zagreb, im Vergleich hat ein Flug für die gleiche Strecke 70€ gekostet).
In Kroatien selbst empfahlen mir die Studenten mit dem Bus zu fahren für längere Strecken.
In der Stadt Zagreb kann man sich gut mit der Tram und dem Bus fortbewegen auch wenn man sich an die Gemütlichkeit der Tram gewöhnen sollte. Ein Ticket für 30 Minuten kostet 4 Kuna. Ein Studententicket gibt es leider nicht für ein Praktikum oder ausländische Studenten. Eine Monatskarte kostet 400 Kuna. Je nachdem wie viel man Fahren möchte könnte sich das lohnen.

Kommunikation

Durch das EU Datenroaming konnte ich nach Deutschland zum Normaltarif telefonieren und auch das Mobile Internet nutzen.
Zusätzlich gibt es in fast allen Cafés und großen Plätzen freies Wlan.
Im Studentenwohnheim hatte ich allerdings kein Wlan.

Unterkunft

Mir wurde vom IFSMA und den Studenten eine Unterkunft in einem Studentenwohnheim organisiert. Mir wurde direkt bei meiner Ankunft der Schlüssel ausgehändigt, ein paar Tage später musste ich noch einen Vertrag unterschreiben. Die Kosten wurden durch IFSMA übernommen.
Ich hatte ein Bett in einem kleinen Doppelzimmer mit einer russischen Erasmusstudentin und das Bad haben wir uns zu viert geteilt.
Da meine Mitbewohnerin schon seit ein paar Monaten da war und sehr ordentlich ist, war das Zimmer sauber, aber sehr klein. Es gab viele Möglichkeiten zum Verstauen und zwei große Fenster im dritten Stock. Also war es sehr hell und für vier Wochen völlig ausreichend. Es gab zwar eine Küche für das gesamte Stockwerk, jedoch keine Töpfe oder Geschirr. Wenn man also Kochen möchte sollte man sich seine eigenen Utensilien mitbringen oder Kaufen.

Literatur

Ich habe mir einen Überblick über die politische Situation über die Nachdenkseiten und Arte Dokumentationen verschafft.
Zusätzlich habe ich versucht ein wenig über Gesundheitssystem zu erfahren auch über Wikipedia, Taz.

Mitzunehmen

Wichtig waren Stethoskop und ein weißer Kittel. Und mein medizinischen Wörterbuch war auch hilfreich. Ich hätte noch ein paar Küchenutensilien mitgenommen, wenn ich gewusst hätte, dass die Küche nicht ausgestattet sein wird.

Reise und Ankunft

Nach meiner Reise wurde ich komfortabel von einer Medizinstudentin am Bahnhof abgeholt und mit dem Auto zum Studentenwohnheim gebracht.
Es war gut, dass ich einen persönlichen Kontakt hatte, da ich meine Verspätung ankündigen konnte.
Ich hatte noch einen Tag frei um mich ein wenig einzugewöhnen bis mich ein Medizinstudent am Morgen meines ersten Arbeitstages zum Sekretariat der Allgemeinchirurgie brachte. Er hatte den Termin zuvor organisiert und eine Verbindung rausgesucht.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am ersten Tag wurde ich freundlich von einem der Ärzte empfangen. Er fragte mich nach meinen Interessen und Zielen für dieses Praktikum. Danach zeigte er mir alle wichtigen Räume und nahm mich direkt mit in den Ambulanten OP.
Von diesem Tag an war dieser Arzt mein Supervisor und er teilte mich jeden Morgen nach der Frühbesprechung um 8 Uhr einem Operationssaal zu.
Bei Nachfrage konnte ich mich auch frei nach meinem Interesse in die Ambulanz oder in verschiedene Elektive Ambulanzen begeben (z.B. proktologische Ambulanz).
Ich versuchte mich jedes Mal beim Team im Operationssaal auf Englisch vorzustellen und beim Operationsablauf davor oder danach zu helfen.
Leider war es nicht der Fall, dass all zu viel erklärt wurde oder ich mich mit einwaschen konnte.
Das Team war meist sehr nett, freundlich und hilfsbereit. Meistens sah ich elektive viszerale Eingriffe wie: Hernien, Hemikolektomie bei Rektumkarzinom, Cholezystektomie, Leberteilresektion, Splenektomie, Dränieren von Abszessen und Fisteln.
In der Ambulanz konnte ich bei allen Patienten und Untersuchungen dabei sein und bekam vieles erklärt. Auch hier konnte ich wenig selber machen, aber es war manchmal mehr Zeit um mehr über den Ablauf und das kroatische Gesundheitssystem zu erfahren.
Im OP waren viele Produkte und Abläufe ähnlich wie in Deutschland, hingegen in der Ambulanz vieles ziemlich anders.
Ich erfuhr schnell, dass die größte Kritik am kroatischen Medizinstudium ist, dass es zu verschult und zu wenig praktisch ausgelegt ist. Diesen Eindruck habe ich leider auch bekommen. Es war oft einfach keine Bereitschaft für Lehre zu spüren, aber es gab auch Ausnahmen.
Teilweise war es eventuell auch eine Sprachbarriere, dass sich Ärzte im Englisch nicht sicher genug fühlten um mir etwas zu erklären, aber auch mit anderen Studenten oder Assistenzärzten konnte ich wenig Interaktion erkennen.
Ich denke, was auch einen großen Einfluss hatte war, dass meine Supervisoren natürlich nicht alle Einzelheiten übersetzen konnten, sondern mir nur kurze Zusammenfassungen geben konnten. Gerade während Operationen gingen Einzelheiten und Schritte verloren, was wahrscheinlich in einem englischsprachigen Land nicht passieren würde.
Ich habe mich oft auch mit den Anästhesisten besprochen und konnte so bei einem Anästhesisten die gesamte Narkose Einleitung mit Intubation durchführen. Des Weiteren ließ dieser Arzt mich Arterien legen.
Nach ein paar Tagen habe ich mich dann schnell den Ärzten angeschlossen, die die Zeit und Freude hatten mir etwas beizubringen.

Land und Leute

Land und Leute
Wenn ich jetzt an Kroatien denke, verbinde ich volle Straßencafés und viele fröhliche und freundliche Menschen. Ich war überrascht wie viele Kroaten gute Englischkenntnisse besaßen und interessiert waren und meist freundlich und bemüht. So konnte ich mich gut verständigen und vieles über die Kultur und die einzelnen Menschen erfahren.

Ich habe in der Stadt Zagreb viel zu Fuß erkundet. Sie ist eine schöne Mischung aus alten gut erhaltenen Gebäuden, dann wieder Plattenbauten, die an die sozialistische Vergangenheit erinnern und kleinen maroden Ein-Familienhäusern. An sich ist es eine sehr grüne Stadt mit vielen Parks, Bäumen und viele Häuser haben einen angrenzenden Garten.
Fast an jeder Ecke findet man Cafés, die auch erstaunlicher Weise zu jeder Tageszeit mit Menschen gefüllt sind.
Da ich im Frühling dort war, konnte man schon draußen die Sonne genießen.
So habe ich viele Parks wie den botanischen Garten, Maksimir Park, den Jarun See kennengelernt und dort Kaffee getrunken, Sport gemacht oder einfach auf der Wiese die Sonne genossen.

In einer Woche wurde das internationale Filmfestival für Toleranz veranstaltet. Jährlich wird es und der Schirmherrschaft von Branko Lustig dem Produzent von Schindlers Liste, ein Kroate veranstaltet. In verschiedene Kinos der Stadt konnte man auf Spendenbasis den ganzen Tag sehr besondere Filme und Dokumentationen anschauen und es gab auch politische Diskussionen und Konzerte.

Zudem beherbergt Zagreb natürlich auch schöne Ausstellungen, Museen und Gebäude.
Mit den Studenten der Universität Zagreb haben wir die Stadt erkundet und verschiedene historische Gebäude besichtigt und ich habe geschichtliche Erläuterungen bekommen.
Besonders gefallen hat mir der Friedhof Mirogoj und das Atelier des Künstlers Ivan Meštrović.


An einem Wochenende bin ich raus gefahren zum kleinen und sehr idyllischen Städtchen Samobor unweit von Zagreb entfernt. Dort fand Abends ein traditionelles Lagerfeuer statt um den Frühling zu begrüßen.

Obwohl ich im April nur eine IFSMA Studentin war, haben die kroatischen Studenten ein sehr umfangreiches Social program organisiert mit Ausflügen und Besichtigungen und es war immer einer sehr netter Austausch.

In der Stadt hatte ich meist den Eindruck, dass es sehr wenige arme Menschen gibt. Ich habe wenig Bettler oder Obdachlose wahrgenommen. Und durch den lebensfrohen Eindruck von den oft sehr gepflegten Menschen in den Straßen ließ ich mich zuerst täuschen.
In zahlreichen Gespräche fand ich heraus, dass die meisten Kroaten sich über die berufliche Situation beschweren oder zumindest mir sehr ehrlich ihre Sorgen und Unzufriedenheit mitgeteilt haben.
Entweder, da die Bezahlung so schlecht ist, die Organisation oder die allgemeinen Arbeitsbedingungen nicht gut sind. Weshalb auch viele ins Ausland gehen um dort zu Arbeiten. Woraus dann wiederum z. B. ein Ärztemangel resultiert.
Im Vergleich zu den Lebensunterhaltskosten steht die Bezahlung in keinem Verhältnis, besonders nicht, da das Studium wie Medizin und Jura auch sehr lange sind.
Viele Kroaten besitzen Häuser an der Küste oder werden von ihren Familien unterstützt oder haben mehrere Jobs. An sich sagen die Kroaten aber auch über sich selbst, dass sie nicht so gerne arbeiten, die Frage ist, ob es nicht auch größtenteils an der Entlohnung liegt.
Viele Verbindungen oder Jobchancen ergeben sich nur über Kontakte.

Sehr positiv finde ich, dass es eine einheitliche Gesundheitsversicherung gibt und es für fast jeden möglich ist zu studieren, da es keine Studiengebühren gibt und das Studium für alle staatlich gefördert wird.

Fazit

Zusammenfassend kann ich feststellen, dass ich ein sehr gut organisiertes und interessantes Praktikum erleben konnte. Ich habe mich sehr wohl gefühlt und konnte einen sehr schönen Einblick in die kroatische Kultur bekommen.
Trotz all der Bemühungen ist es jedoch schwierig im Gesundheitssystem zu arbeiten ohne die Sprache der Einheimischen sprechen zu können.

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