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Norway (NMSA)

Neurologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Maria, Hannover

Motivation

Nachdem ich ein Jahr zuvor das Glück hatte, einen Austausch (meinen damals ersten längeren Auslandsaufenthalt) mit der bvmd nach Ghana machen zu dürfen, wollte ich so gerne ein weiteres Land, deren Kultur und Leute kennenlernen. Die Strukturen und Vorteile der bvmd bzw. ifmsa hatte ich bereits kennen- und schätzen gelernt. Die Wahl für Norwegen kam dann relativ spontan aufgrund der Erfahrungsberichte und Erzählungen einer Freundin, die dort Erasmus gemacht hatte.

Vorbereitung

Viele Vorbereitungen waren für den Monat in Norwegen nicht nötig. Impfungen waren nicht empfohlen, eine Auslandsreisekrankenversicherung hatte ich noch vom Jahr zuvor (die würde ich jedem empfehlen). Ein Vorbereitungswochenende o.ä. habe ich nicht besucht. Lediglich die Dokumente für die Card of Documets auf der ifmsa-Website (z.B. eine englische Immatrikulationsbescheinigung) musste ich besorgen. Als Vorbereitung habe ich ein wenig norwegisch geübt mit einer Freundin, die dort Erasmus gemacht hatte, da ich der Neurologie zugeteilt wurde. Allerdings nur 2-3 Stunden für ein paar einfach Grundlagen.

Visum

Ich musste kein Visum beantragen, da es zu den Schengen-Staaten gehört.

Gesundheit

Impfungen waren nicht nötig, aber ein MRSA-Test. Dieser war das komplizierteste der in der Card of Documents geforderten Dokumente. Man sollte ihn laut ifmsa-Website innerhalb der letzten 2 Wochen vor Beginn des Austausches machen lassen und hochladen. Da man aber bei ggf. vorliegender Keimbesiedlung nicht angenommen worden wäre (bzw. eine Sanierung und neuen Test hätte durchführen müssen), hatte ich ihn sicherheitshalber etwas eher gemacht und mir die englische Übersetzung in den letzen 2 Wochen von meinem Hausarzt unterschreiben und stempeln lassen, das hatte so auch super geklappt. Ansonsten habe ich die 'normale' Reiseapotheke mitgenommen, d.h. Ibuprofen, Fenistilcreme, Pflaster, Blasenpflaster (für die Wanderungen), Magnesiumtabletten.

Sicherheit

Hinsichtlich der Sicherheit hatte ich mir gar keine Sorgen gemacht. Die Freundin, die dort Erasmus gemacht hatte, hatte nichts gefährliches/zwielichtes berichtet, und auch auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes (die ich sehr empfehlen würde für jegliche Auslandsaufenthalte) stand nichts, dass mir Sorgen machen würde. Es gab auch während des gesamten Austausches keine Situation, in der ich mich unsicher gefühlt habe.

Geld

Norwegen ist teurer als man erwartet (also ein bisschen vorher sparen ist nicht schlecht :D). Die meisten Lebensmittel sind geschätzt ca. 1,5-2x so teuer wie in Deutschland, Bier/Alkohol ist besonders teuer. Wir haben aber auch jeden Mittag für 50 Kronen (das ist die Währung in Norwegen) in der Kantine des Krankenhauses Essen bekommen, das hat meistens ca. für ein Mittagessen ausgereicht :) Generell sind 10 Kronen ca. 1 Euro als Faustregel. Sehr oft hat man mit Kreditkarte bezahlt, das war sogar in Bars und Restaurants nicht unüblich. Geld abheben ging natürlich auch vor Ort, das hatte ich nicht vorher in Deutschland gemacht. Wir haben oft mit den Austauschstudenten abends im Wohnheim gekocht/gegessen, so wurde man relativ günstig satt.

Sprache

Die Sprache ist Norwegisch, allerdings spricht fast jeder dort, auch ältere Menschen, gutes bis sehr gutes Englisch. Auch der Akzent dort ist sehr leicht zu verstehen (im Gegensatz zu meinen Erfahrungen in Ghana). Es ist natürlich kein Muss, aber die Leute vor Ort freuen sich, wenn man versucht, den ein oder anderen Brocken Norwegisch zu sprechen. Es ist auch teilweise recht ähnlich zum Deutschen und es gibt einfache Youtube-Tutorials dazu. Aber wie gesagt natürlich kein Muss ;) Außerdem konnten einige Ärzte auch etwas Deutsch (wird dort als zweite Fremdsprache angeboten) und ein paar der Ärzte dort waren aus Deutschland eingewandert (vielleicht war das aber auch nur Zufall in der Neurologieabteilung).

Verkehrsbindungen

Ich bin von Berlin aus nach Bergen geflogen, von dort gab es die günstigsten Verbindungen. Es ist aber auch möglich, mit der Fähre aus Deutschland anzureisen (dauert logischerweise etwas länger). Zwei Studenten aus unserer Austauschgruppe waren auch erst nach Oslo geflogen und sind von dort aus mit Zug nach Bergen gefahren (eine der weltweit schönsten Zugstrecken). Vor Ort haben wir uns ein Monatsticket für die regionalen Öffis gekauft (kostete ca. 45€) und bei längeren Strecken Zug, Fähre oder Bus gebucht. Das war alles recht unkompliziert über’s Internet möglich.

Kommunikation

Je nach Handyvertrag hat man als Deutscher meist kostenloses Roaming in Norwegen. Der Empfang ist gut (außer auf Bergspitzen :D). Im Wohnheim hatten wir außerdem WLAN, also alles problemlos. Kommuniziert wurde über Whatsapp und Facebook.

Unterkunft

Wir Austauschstudenten (eine Gruppe von 11 Leuten) haben alle im selben Wohnheim gewohnt, ganz in der Nähe des Universitätskrankenhauses und zu Fuß von dort aus erreichbar. Dort haben auch andere Studenten/Ärzte gewohnt, bunt gemischt. Jeder hatte ein eigenes Zimmer, Duschen und Toiletten sowie Küche wurde pro Flur geteilt. Die Sauberkeit war in Ordnung. Uns wurde Bettwäsche gestellt, die Küche durfte jeder nutzen.

Literatur

Die Seite des Auswärtigen Amtes ist gut. Außerdem hatte ich ein wenig in ein paar Reise-/Erfahrungsblogs aus Norwegen gelesen und ein paar Youtube-Videos dazu geschaut. Weiterhin hatte ich das Lonely-Planet Buch zu Norwegen mitgenommen, was sehr interessant war. Man muss aber auch dazu sagen, dass ich nach dem Austausch noch eine Woche länger in Norwegen war zum Reisen/Wandern.

Mitzunehmen

Eingepackt habe ich neben normaler Kleidung, Wäsche, Kulturbeutel und dem normalen Urlaubskram vor allem Sportsachen und regenfeste Kleidung (Regenjacke und –hose). Außerdem Sonnencreme, obwohl es hieß, dass es typischerweise in Bergen sehr viel regnet. Wanderschuhe natürlich :) Weiterhin ein paar Gastgeschenke aus Deutschland sowie ein paar Lebensmittel für das International Dinner, das geplant war. Gebraucht hatte ich die regenfeste Kleidung dann nicht viel, da es erstaunlicherweise sehr trocken und für norwegische Verhältnisse warm war (Juli 2018, Hitzewelle Europa).

Reise und Ankunft

Die Abholung vor Ort klappte echt super, die lokalen verantwortlichen Studenten waren top organisiert. Wir wurden mit Auto (!) nachts um 12 zum Wohnheim gebracht, da eine andere Austauschstudentin und ich Flüge gebucht hatten, die erst spät abends landeten. Am nächsten Tag hatten wir ein kleines Upon-Arrival-Training über Norwegen, das Krankenhaus und eine kleine Vorstellungsrunde, bevor es auf die Stationen (bzw. für die SCORE-Studenten zu ihrem Projekt) ging.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich hatte mir ursprünglich Anästhesie/Intensiv/Chirurgie gewünscht, da ich dachte, das sei leichter mit der Sprachbarriere zu vereinbaren. Da ich auf die Neurologie gekommen bin, wurde natürlich viel auf Norwegisch geredet, mit den Patienten sowieso, und leider vergaßen die meisten Ärzte, nachdem man um Übersetzung/Erklärung gebeten hatte, schnell wieder, dass man (fast) nichts auf Norwegisch verstand und sind schnell wieder umgesprungen auf Norwegisch. Das hat die Morning-Meetings und Visiten oft lang und frustrierend gemacht. Allerdings gab es auch ein paar Ärzte/Studenten, die sehr nett waren und sehr viel übersetzten. Es kam sehr darauf an, an wen man geriet. Ich hatte auch nicht Einen Supervisor, sondern war ziemlich frei, wann ich auf welche Station oder in die Notaufnahme ging oder mit wem ich mitging und wie lange ich blieb. Die Zeit in der Notaufnahme war am interessantesten. Insgesamt hätte ich mir allerdings die Sprachbarriere geringer erhofft. Ich denke, auf einer chirurgischen Station oder in einem englischsprachigen Land hätte ich wesentlich mehr medizinisch gelernt. Meine Tätigkeiten betreffend: Ich habe Anamnesen und neurologische Untersuchungen (meist ohne Anleitung im Anschluss an die Visite) geübt, sowie unter Anleitung Ultraschall der Hirnarterien und des Halses durchgeführt; Letzteres war wirklich interessant und wurde mir super erklärt. Der Arbeitstag begann für mich um 8 Uhr morgens mit dem Morning-Meeting und dem anschließenden Radiologie-Meeting (beides auf Norwegisch), danach die Visite, anschließend manchmal Ultraschall/Lumbalpunktionen oder ich bin in die Notaufnahme gegangen. Er endete (da war ich relativ frei) meistens nachmittags, manchmal auch mittags oder frühen Abend, je nachdem was es zu sehen gab. Insgesamt hätte ich aber gerne mehr selber gemacht, was vor allem aufgrund der Sprachbarriere schwierig war. Man musste schon sehr aktiv sein und viel fragen, um etwas für sich selbst mitzunehmen. Genervt oder unfreundlich habe ich Ärzte und Pflegekräfte allerdings nie erlebt. Generell habe ich das Arbeitsklima dort als sehr freundlich und wertschätzend empfunden, auch zwischen Pflege und Ärzten. Die Hierarchien dort sind sehr flach, man konnte seine Fragen genauso dem Studenten wie dem Overlege (Oberarzt) stellen. Auch die Zahl der Patienten pro Arzt/Pflegekraft war geringer als in Deutschland und die Pflege ist dort geschult, mehr Dinge zu erledigen als in Deutschland (z.B. Blutentnahmen). Dementsprechend konnten die Ärzte oft schon nachmittags, manchmal sogar gegen 15 Uhr gehen (das sei aber in der Winterzeit anders). Das Gesundheitssystem dort würde ich nach meinem Eindruck als besser im Vergleich zu Deutschland bewerten.

Land und Leute

Das war der mit Abstand schönste Teil des Austausches. Die LEO’s for Ort waren supernett und haben einige gemeinsame Aktivitäten geplant, zum Beispiel das International Dinner in der ersten Woche, welches richtig schön und kulinarisch interessant war. Weiterhin haben sie mehrere kleine Wanderungen geplant (direkt um Bergen gibt es schon 7 Berge zu bewandern, einer davon direkt hinter unserem Wohnheim), eine Sightseeingtour sowie eine Educational Night (mit Pizza), bei der jeder vom Gesundheitssystem in seinem Land oder einem landestypischem Gesundheitsproblem/-thema berichtet hat. Auch ein Karaokeabend und weitere Dinge standen auf dem Plan. Es war natürlich nie für uns Pflicht teilzunehmen, dennoch waren die meisten dabei, da es echt Spaß gemacht hat und wir eine sehr harmonische Gruppe waren. Es gab keinen Streit oder ähnliches und da fast jeder von uns aus einem anderen Land kam, haben wir viel über die anderen Kulturen und teilweise ein paar Brocken neuer Sprachen gelernt. Die Wochenenden haben wir ohne die LEO‘s verplant, wenn wir aber Fragen hatten, standen sie uns immer mit Rat und Tat zur Seite. Größtenteils sind wir mit Leuten aus der Austauschgruppe in andere Gegenden gefahren zum Kayak fahren/ wandern / Gletscherwandern (teuer, aber ein Riesenerlebnis!) / etc.. Ein Highlight war definitiv eine Fahrt mit einer Fähre über den langen Sognefjord, ein Wochenende waren wir in Oslo. Wir haben dabei bis auf das Oslo-Wochenende immer Tagesausflüge gemacht und nachts in unserem Wohnheim geschlafen. Die allermeisten Hostels/Airbnb-Möglichkeiten waren zu der Zeit nämlich schon ausgebucht oder ziemlich teuer. Generell habe ich die Norweger als sehr hilfsbereite Menschen empfunden. Auch außerhalb des Krankenhauses konnte praktisch jeder einwandfrei Englisch und hat freundlich den Weg erklärt oder Fragen beantwortet. Auffallend in Bergen war auch, wieviel Sport dort gemacht wird und wieviel Wert auf Sauberkeit und Pünktlichkeit gelegt wird. Trotz des Großstadtflairs (Bergen ist die zweitgrößte Stadt Norwegens) war die Stadt quasi komplett frei von Müll und die Luft total rein. Das Wetter war, wie oben bereits angesprochen, überraschenderweise warm (ca. 18-25 Grad im Mittel) und trocken (nur 2 Regentage während des Austausches). Zum typisch norwegischen Essen kann ich nicht viel sagen, da wir meist recht einfach/kostengünstig im Wohnheim gekocht haben. Es gibt aber auch viele Restaurants sowie einen großen Fisch- und Handelsmarkt im Zentrum. Das Mittagessen in der Kantine (welches uns einmal am Tag zur Verfügung stand) war eigentlich immer gut, es gab sogar eine große Salatbar. Der Weg vom Wohnheim zum Krankenhaus und zurück war eher eine kleine Wanderung als ein ebener Weg, aber auch daran hatte man sich als Norddeutscher Plattländler relativ schnell gewöhnt :D Für Fans von Outdoor und Sport würde ich Bergen definitiv empfehlen!

Fazit

Norwegen mit seiner atemberaubenden Natur sowie den zahlreichen Möglichkeiten für Outdoor- und Sportaktivitäten ist einfach wunderschön. Medizinisch habe ich leider nicht besonders viel mitgenommen, aber dennoch ein paar interessante Dinge gesehen und gelernt. Das mit Abstand beste am Austausch waren jedoch die Leute in unserer Austauschgruppe. Während des Monats sind Freundschaften entstanden, die sicher noch Jahre halten werden, wir haben das persönliche Höhen und Tiefen zusammen durchlebt und viel voneinander gelernt. Das war eine so wertvolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

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