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Peru (IFMSA-Peru)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Carla, Aachen

Motivation

Dass ich einen Austausch mit der bvmd machen würde, stand schon vor der ersten Famulatur statt. Zeit dafür fand ich dann nach meinem Auslandssemester im 8. Semester in Spanien. Da ein Auslandssemester nur vier Monate umfasst und dort meine größte Motivation Spanischlernen war, wollte ich dieses Ziel weiter in meiner Auslandsfamulatur verfolgen. Somit war meine Wahl auf ein spanischsprechendes Land gefallen und da lag Peru nah, da mein früherer Spanischlehrer aus Peru kam und damals immer von dem Land schwärmte.
Nicht nur die Sprache war ein Grund für mich über den großen Teich zu fliegen, ich erhoffte mir Einblicke in ein anderes Gesundheitssystem sowie Medizinstudenten aus der ganzen Welt kennenzulernen.

Vorbereitung

Zur Vorbereitungen lernte ich wie gesagt fleißig Spanisch, was auch definitiv nötig war, da die Ärzte nur drei Worte Englisch sprachen. Eine andere Studentin wollte eigentlich eine der englischsprachigen Famulaturen besuchen, die es aber dann nicht gab.
Außerdem besuchte ich das PDT in Heidelberg, um mich mit anderen Studenten auszutauschen.

Visum

Ich benötigte kein Visum. Für deutsche Staatsangehörige ist ein 90-tägiger Besuch kostenlos. (Stand: Juli 2018)

Gesundheit

Eine Reihe von Impfungen sind von Nöten und werden gegebenenfalls nicht von der Versicherung übernommen. Für mich gab es eine Gelbfieber-, Meningokokken- und Tollwutimpfung (ACHTUNG: 3 Stück) und eine Auffrischung für Hepatitis A und B. Je nach Reiseplan braucht man gegebenenfalls eine Malariaprophylaxe.
Meine private Krankenversicherung beinhaltet auch eine Auslandskrankenversicherung, die obligatorisch ist. Außerdem wird auch ein Tuberkulose-Test verlangt, was sehr häufig in Peru ist. Also am besten Fenster offen lassen!

Sicherheit

Auch wenn Peru eines der sichersten Länder Südamerikas ist, ist es natürlich nicht Deutschland. Ich habe meine Wertsachen in der Gastfamilie gelassen oder in meine Moneybelt verstaut (auch sehr praktisch, wenn man im Krankenhaus ist und nicht weiß wohin mit seinen Wertsachen.)
Ich habe versucht zu vermeiden nachts aus dem Haus zu gehen und mich nur mit Micro (Bus dort) oder Uber fortzubewegen.
Vor einigen Dingen ist man trotzdem nicht sicher und so sind wir an einem Abend, als wir auf den Fernbus im Terminal gewartet haben, in eine Schießerei gekommen. Es war definitiv kein schönes Erlebnis, was ich wohl auch nicht so schnell vergessen werde, aber auch das kann zu einer Reise nach Lima dazugehören.

Geld

In Peru werden kleine Beiträge in Soles (1€=3,8 Soles) bezahlt, größere in Dollar.
Beides lässt sich problemlos überall abheben. Meistens werden Gebühren von 17-20 Soles erhoben.
Supermärkte, Klamotten und elektronische Geräte haben ähnliche Preise wie in Deutschland. Essengehen und Busfahren sind um einiges günstiger: Ein Abendessen mit Vorspeise, Hauptgang und Getränk 10 Soles, Busfahren 2 Soles.
Sehr teuer kommt der Machu Picchu, die restlichen Reisen hielten sich in Grenzen. (Huaraz 2 Tage mit Bus 175 Soles, Ica 1 Tag 140 Soles, Cusco 5 Tage ohne Flug 180$, Titicacasee 2 Tage 110 Soles ohne Anreise)

Sprache

Meines Erachtens wird ein Niveau B2 benötigt, um sich zu gut verständigen. In Lima wird nur Spanisch gesprochen,
Ohne gute Kenntnisse verpasst man leider viel im Krankenhaus und kann wenig teilhaben.

Verkehrsbindungen

In der Stadt kann man sich gut mit Micros (Bussen) fortbewegen. Sie sind super günstig (1-2 Soles), dafür kann man gut und gerne mal im Stau stehen, sie sind super voll und anstrengend. Zusätzlich etwas unsicher. App: TuRuta
Wer es etwas schneller mag, nimmt die Metropolitano, die etwas teurer ist (2,5 Soles), dafür aber eine eigene Fahrbahn haben. Hier für wird eine Karte benötigt und sie fährt nicht überall hin.
Nachts oder über weite Strecken benutzt man am besten ein Uber (App laden!). Taxis sind gefährlich.
Im Juli (Hochsaison) kostet die Flüge mindestens 900€. Über weite Strecken benutzt man Fernbusse (hier Preis je nach Kategorie und Komfort). Am besten auf teurere Firmen zurückgreifen, da die Sicherheit höher ist oder das Flugzeug (teurer, aber natürlich viel schneller).

Kommunikation

Vor Ort eine SIM-Karte kaufen (claro 5 Soles). Für eine Aufladung von 30 Soles hast du 2MB. WhatsApp und Soziale Netze sind kostenlos. Anrufe und SMS unlimitiert. Wifi hat die Familie im Normalfall.
Denk an die 7 Stunden Zeitunterschied!

Unterkunft

Ich habe bei einer Gastfamilie in Chorrillos gelebt. Das war Carmen (19), mein Host mit ihren Geschwistern (9, 11), sowie ihren Eltern. Außerdem gab es eine Haushälterin Lolli und eine Putzfrau.
Ich hatte mein eigenes Zimmer mit Bad. Gekocht hat Lolli (leider jeden Tag fast das gleiche und nicht vegetarisch), Möglichkeit zur Selbstverpflegung gab es nicht, da die Küche anders als der Rest des Hauses einfach war.
Beschützt wurde das Haus von drei Hunden der Familie und zwei Straßenhunden. Am Eingang der Straße befand sich ein Zaun.

Literatur

Ich hatte drei Reiseführer gekauft (Lonely Planet, Dumont, Stefan Loose). Stefan Loose war für mich die beste Entscheidung. Gute Tipps für Backpacker, viele Preisangaben. Medizinische Literatur habe ich mir nicht besorgt. Ich habe jedoch vorher nochmal Amboss durchgeklickt, um die Inhalte zu repetieren.

Mitzunehmen

Ich hatte deutlich zu sommerliche Klamotten dabei. Die 18 Grad im Winter in Lima fühlen sich mehr wie 15 Grad auf Grund der Luftfeuchtigkeit an. Die Sonne scheint so gut wie nie, es ist immer bedeckt. In Cusco, Puno und Huaraz kann es gut unter 0 Grad fallen. Mütze, Schal und Handschuhe nicht vergessen (ggf. sogar Skiunterwäsche).
Für meine Famulatur benötigte ich Kasak und Kittel.
Auf Reisen sind Wanderschuhe und Outdoorkleidung von Vorteil.

Reise und Ankunft

Abgeholt wurde ich von meinem Host und ihrer Familie nachts um 2 Uhr. Ich hatte mir extra ein freies Wochenende vor dem Praktikumsbeginn genommen.
Am Sonntag wurde mir von einem Contact eines anderen Incomings der Weg zum Bus und der Bus gezeigt. An meinem ersten Tag nahm mich William (LEO) auf die Station und stellte mich vor. Vorher habe ich mir noch einen Kasak gekauft (180 Soles).

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe auf der Risikoschwangerschaftsstation famuliert, d.h. größtenteils hatten wir Frauen mit Kaiserschnitten.
Ich war gemeinsam mit den andere Incomings meiner Austauschuniversität am Hospital Nacional Edgardo Rebagliati Martins. Es ist das größte öffentliche Krankenhaus Perus. An meinem ersten Tag bin ich bei der Visite einfach mitgelaufen. Tag für Tag durfte ich dann mehr: die Lage des Babys tasten, Stand des Uterus nach Geburt tasten, Wundkontrolle durchführen, Herzgeräusche des Babys abhören, EKGs schreiben, vaginale Untersuchung, ....
Meine Tage begannen um 7 und waren gegen 13 Uhr vorbei. Die erste Stunde wurde alleine vom Assistenzarzt Claudio und seinen beiden Internos Carlos und Daniel alle Patienten untersucht. Danach gehen alle nochmal mit einem der vier Oberärzte alle Patienten durch. Ganz wichtig hierbei: der Oberarzt setzt auf alles seinen Stempel. Ab 10:30 setzte man sich zusammen und besprach schwierige Fälle mit der Chefärztin Gloria. Es wurde Papierkram erledigt. Manchmal gab es Konsile, Vorträge oder Kongresse, an denen ich auch teilnahm.
Außerdem durfte ich mehrere Tage in den Kreissaal und konnte endlich meine erste natürliche Geburt sehen.
Auch in den OP durfte ich und bei Kaiserschnitten mit am Tisch stehen und assistieren. Alle Ärzte und das Pflegepersonal waren stets freundlich zu mir und haben sich Zeit genommen mit viel zu erklären. Hier wird definitiv noch viel mehr auf Lehre gesetzt. Dadurch habe ich auch viel gelernt, was mir in Deutschland verwehrt wäre.
Auch sonst ist einiges anders. Zunächst steht viel mehr Personal zur Verfügung, dadurch ist alles entspannter. Der arme Assistenzarzt macht aber trotzdem 36 Stunden Dienste.
Auf Hygiene wird nicht so viel Wert gesetzt, ein oder zweimal pro Tag wird sich die Hände gewaschen und das mit rosa Seife. Auch sterile Handschuhe werden einfach umgedreht, wenn man den anderen braucht. Im OP werden sich die Hände mit Bürsten gewaschen, Hände werden nicht desinfiziert.
Eine besondere Erlebnisse waren die Spontangeburten. Hier gab es tatsächlich einen „Saal“ als Kreissaal, wo bis zu 8 Frauen gemeinsam in den Wehen liegen. Hier habe ich gemeinsam mit den Internos (PJler) die Patientinnen aufgenommen: Blutdruck gemessen, Herztöne abgehört. Später haben wir vaginale Untersuchungen durchgeführt, um die Weite und Konsistenz des Muttermunds zu messen, sowie die Lage des Babykopfes zu tasten. Wir haben die Wehenfrequenz gemessen, ggf. Oxytocin gespritzt. Bei 10cm sind wir dann ab in den OP, wo dann die letzten Wehen abgewartet wurden, bis das Kind dann nach großer Anstrengung auf die Welt kommt. Die Frauen haben das ganze dabei alleine durchgestanden.

Land und Leute

Dadurch dass alle Incomings meiner Austauschuniversität und ich am gleichen Krankenhaus waren, haben wir fast jeden Tag zusammen etwas gemacht. Wir hatten ein ausführliches Social Program, das sich aber leider nur als Vorschlag herausstellte, hielten uns aber viel daran und unternahmen die Sachen ohne LEO, CPs oder Hosts.
Wir waren in Miraflores, dem Reichenviertel der Stadt, in Barranco, dem Künstlerviertel, im historischen Zentrum, um die Katakomben zu sehen, haben gemeinsam WM Spiele gesehen oder waren im Parque da las Aguas gemeinsam mit allen 40 Incomings aus Lima.
Am Wochenende waren wir im Zoo, sind mit allen anderen Incomings nach Huaraz oder Ica gefahren und verbrachten unsere letzten 5 Tage gemeinsam in Cusco.
Huaraz: 7 stündige Busfahrt auf 3000m. Von dort aus haben wir zwei Ausflüge gemacht: Zunächst eine kurze Wanderung auf über 5000m auf den Pastoruri Gletscher, am zweiten Tag eine lange Wanderung zur Lagune 69. Dieser Ausflug hat sich auf jeden Fall gelohnt, auch wenn es etwas gefährlich war innerhalb kürzester Zeit von 0 auf 5000m aufzusteigen. Das ganze wurde von der LEO einer anderen Uni in Lima geplant. So wie es in Peru üblich ist nur ein paar Tage früher. Kosten: 135 Soles inkl. Übernachtung im Hotel. 80 Soles Bus.
Ica: Tagesauslug zu den Islas Ballestas, um Pinguine und Seelöwen zu sehen. Danach nach Huacachina wo wir alle mit Buggys durch die Wüste gefahren sind, um den schönsten Blick auf die Oase zu haben. 140 Soles, selbst organisiert.
Cusco: Zusammen mit 5 anderen Incomings ging es am letzten Wochenende nach Cusco. Dort sahen wir uns die Stadt und Umgebung an, unternahmen einen Ausflug zum Montana de los siete colores, durch das Valle Sagrado de los Incas und natürlich Machu Picchu. Preis: 180$ + Flug + 100 Soles fürs Hostel.
Jeder Ausflug hat sich gelohnt und wir hatten super letzte Tage zusammen.
Alleine war ich dann noch am Lago Titicaca, was für mich das Highlight war. Ich habe dort einen Homestay gemacht und eine ganz neue Kultur kennengelernt. Es gab nur begrenzt Strom, kein fließend Wasser.
Peru ist ein Land voller Unterschiede, in jeglicher Hinsicht.
In Lima trifft man es kultur- und essenstechnisch am schlechtesten. Es wird fast nur Hühnchen mit Reis gegessen, eine wirklich Kultur erkennt man nicht. Die Leute sind immer gestresst und haben wenig Ahnung vom Rest ihres Landes. Dadurch dass ein Medizinstudium sehr teurer ist, haben wir uns eher in den gehobenen Kreisen der Stadt aufgehalten. Genauso auch in einer völligen Leistungsgesellschaft. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so viel wie meine Gasteltern gearbeitet hat (Montag bis Samstag 8-23 Uhr) oder so viel gelernt hat wie meine Host (sie hat jeden Tag drei Stunden geschlafen, nie mit uns gegessen und dabei hatte sie in der Zeit nur einen Kurs (Statistik).) Dadurch hatte ich wenig mit meiner Familie zu tun und war nur zum Abendessen und Schlafen da. Auf Verabredung kann man sich nicht verlassen. So holte mich meine CP 3 Stunden zu spät für die Welcome Party ab und ging nach 5 Minuten. Mein ifmsa-Zertifikat habe ich 3 Stunden vor Abflug nach langem Betteln erhalten.
Ich hatte das Glück, dass ich über meinen Vater eine weitere Person in Lima kannte, die mir nochmal eine andere Sicht zeigte.
Peru lieben lernte ich erst auf meine Reisen. In jeder Region traf man auf eine andere Kultur, lernte neues Essen kennen und die Natur außerhalb Limas ist wunderschön. Die Gastfreundschaft außerhalb Lima ist groß!
Mich haben leider etwas die ständigen Erzählungen über die fehlende Sicherheit in Peru eingeschüchtert. Aber eigentlich ist Alleinreisen kein Problem, wenn man sich an ein paar Regeln hält.

Fazit

Einen Austausch mit der bvmd empfehle ich zu 100%. So einfach kommt man nie wieder zu so einer Erfahrung, in der man einen Einblick in das Leben eines Mediziners in einem anderen Land bekommt. Zusätzlich wird sich im Grunde um fast alles gekümmert, man wohnt bei einer Familie, die Famulatur ist organisiert, und ggf. wird sogar der Flug bezahlt.

Leider muss ich sagen, dass ich nur so semi zufrieden mit dem Austausch war. Das lag aber rein daran, dass ich in Lima gelandet bin, obwohl ich das nicht als Option angegeben hatte und auch angegeben hatte, dass ich nach der Stadt eingeteilt werden möchte.
Das graue und kalte Wetter in Lima, der Verkehr, die Lautstärke der Stadt waren für mich alles Gründe Lima nicht auf meine Liste zu setzen und als ich da war, wurde ich leider darin bestätigt. Für mich ist Lima definitiv keine lebenswerte Stadt. Leider ist es nicht nur mir so ergangen.
Hätte ich vorher gewusst, dass die Chancen in eine andere Stadt zu kommen nicht so hoch sind, hätte ich nicht Peru als Land gewählt.
Mit meiner Famulatur war ich sehr zufrieden (auch trotz 1 ½ stündiger Anfahrt jeden morgen um 5.30 Uhr), ich habe viele neue Freunde aus Mexiko getroffen und mein Spanisch um Welten verbessert.
Danke an die bvmd für diese Chance!

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