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Spain (IFMSA-Spain)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Pia-Franziska, Hannover

Motivation

Ich hatte mich gerade für Spanien beworben, weil dort unter anderem die meisten Plätze zum SCOPE Austausch zur Verfügung standen - ganz pragmatisch also!
Ich hatte keine besonderen Erwartungen, da ich vorher auch noch nie in Spanien war, ich wollte einfach ein neues Land und dessen Gesundheitssystem/Kultur kennen lernen und neue Leute aus anderen Ländern glich dazu

Vorbereitung

Ich habe keine besonderen Vorbereitungen getroffen. In Spanien braucht man kein Visum, also musste ich nur die Formalitäten der bmvd ausfüllen und das wars. Rückblickend hätte mir ein Spanisch Sprachkurs wohl ganz gut getan.
Ansonsten habe ich höchstens den Ort Santander geooglet und mich ansonsten einfach drauf gefreut

Visum

Da man in Spanien kein Visum brauchte, ergaben sich für mich überhaupt keine Schwierigkeiten

Gesundheit

Für Spanien allgemein werden keine besonderen Schutzimpfungen empfohlen und da man als Medizinstudent in Deutschland ja eigentlich eh regelmäßig vom Betriebsarzt der Uni auf das wichtigste untersucht wird, hatte ich auch damit nichts weiter am Hut. Ich habe mir ansonsten nur ein paar Paracetamol, Pflaster und Halstabletten mit genommen - und natürlich genügend Sonnencreme

Sicherheit

Ich habe Spanien als sehr sicheres Land empfunden! Ich bin teilweise auch alleine gereist, mit dem Flugzeug, de Bahn und dem Bus und hatte nie ein Gefühl der Unsicherheit und das als 1,60 m kleine Frau.
Auch in Santander im speziellen war es kein Problem Nachts auch alleine nach Hause zu laufen

Geld

Zum Glück wird in Spanien ja auch mit dem Euro bezahlt, also hieß es für mich einfach etwas Geld abheben und alles war geklärt. In Spanien ist es ähnlich wie in Deutschland: Kleinere Beträge und gerade in Restaurants wird gerne noch mit Bargeld bezahlt. Wenn man aber nur eine Kreditkarte zur Verfügung hat ist das meistens aber auch kein Problem! Spanien ist an sich sehr günstig, besonders in Restaurants bekommt man viel Essen und akzeptables Bier für wenig Geld. Auch die öffentlichen Verkehrsmittel sind um ein Vielfaches günstiger als hier.

Sprache

Die Spanier reden spanisch und dann lange Zeit nichts mehr. Es lohnt sich also durchaus vorher einen Sprachkurs zu machen und seine Spanisch Kenntnisse aufzubessern! Die Ärzte im Krankenhaus reden auch gutes englisch, aber das sind dann auch so ziemlich die einzigen. Der Patientenkontakt ist komplett auf spanisch und auch auf der Straße und in Restaurants kommt man mit englisch häufig nicht so weit.

Verkehrsbindungen

Der öffentliche Verkehr ist in Spanien durchaus gut organisiert (wenn man immer großzügige Verspätungen mit einplant) und vor allem günstig! In Santander kostet eine Busfahrt mit entsprechender Karte 66 Cent, der Bus in die nächste Stadt 4€. Ich habe sogar einen Flug quer durchs Land bis nach Valencia für 20€ buchen können.

Kommunikation

Ich hatte Glück und war in einer Unterkunft mit WLAN untergebracht - andere Studenten hatten da deutlich weniger gute Karten. Im Krankenhaus konnte man das WLAN angeblich auch nutzen, ich habe nur bis zum Ende das Passwort nicht raus finden können.

Unterkunft

Die Unterkunft wurde von der Austausch Organisation IFSMA zur Verfügung gestellt. Es war ein komplett eingerichtetes Apartment, das ich mir mit drei weiteren Auslandsstudenten geteilt habe. Ich konnte mir sogar durch eine frühe Anreise eines de Einzelzimmer sichern. Es war alles vorhanden was machen braucht: Waschmaschine, Mikrowelle, Kühlschrank, Ofen, ein Wohnzimmer mit Fernseher und WLAN

Literatur

Ich habe keine extra Literatur gesucht oder gelesen. Ich habe mir die Beschreibung von Santander auf der Internetseite der IFSMA durchgelesen; was eine gute Zusammenfassung von allem Wissenswerten in und um Santander enthielt.

Mitzunehmen

Ich hatte einen Koffer mit knapp 18 Kg mit - voller Klamotten natürlich, die sich wie immer als zu viele herausstellten. Man sollte auf jeden Fall genügend Handtücher mitnehmen, gerade wenn man in eine Stadt mit Strand fährt. Auch ganz wichtig ist der weiße Kittel für das Krankenhaus, denn ohne steht man recht dämlich da.
Ich habe eigentlich nichts groß vermisst, da man sich sonst alles weitere günstig vor Ort kaufen könnte.

Reise und Ankunft

Ich hatte mir den Hin-und Rückflug selber rausgesucht und relativ unabhängig gebucht. Wenn man etwas früher anreist muss man sich meistens noch um eine zusätzliche Unterkunft kümmern, es ist aber kein Problem wenn man eventuell zwei Tage früher wieder abreisen muss. Ich hatte meiner Kontaktperson in Santander über meine Ankunfts Daten Bescheid gegeben und wurde so auch prompt vom Flughafen abgeholt. Vom Flughafen Weeze gibt es sogar Direktflüge nach Santander!

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe in der Thoraxchirurgie meine Famulatur gemacht, was auch mein Erstwunsch war. Mein Tag begann meistens zwischen 8.15 und 8.30 (die spanischen Arbeitszeiten sind recht flexibel). Die Thoraxchirurgie ist ein recht kleines Fachgebiet, es beschäftigt rund 5 Ärzte und 2 Assistenten. Montags und Freitags sind keine Operationen geplant und so geht es größtenteils um die ambulanten Patienten Sprechstunden. Dafür nehmen sich die Ärzte im Unterschied zu Deutschland viel Zeit - jeder Patient bekommt mindestens 15 Minuten, die dann auch voll genutzt werden mit Fragen, Erklärungen oder Small Talk. Generell sind die Spanier ein sehr kommunikatives Völkchen.
Danach schloss sich für die Ärzte noch der allseits beliebte Papierkram an, was für mich dann meistens bedeutete ich konnte entweder an den Strand gehen oder vor der Cafeteria warten bis diese öffnete, um mein gratis Mittagessen zu genießen.
Dienstags, Mittwoch und Donnerstag begannen meistens gegen 9.00 Uhr die Operationen, bei denen ich entweder assistieren durfte oder einfach zuschauen konnte. Es waren meistens laparoskopische Lappenentfernungen der Lunge aufgrund von Metastasen oder direkte Tumorentfernungen der Brustwand.
Gegen 13.00 Uhr war meistens das Maximum von zwei OPs am Tag erreicht und ich konnte mit den anderen Studenten Mittag essen gehen.
Das Krankenhaus in Santander ist super modern - es gibt kaum noch Akten, alles wird am PC gemacht, jeder Patient hatte auf meiner Station ein Einzelzimmer und einen Pyjama vom Krankenhaus gestellt. Es gab einen hochmodernen Automaten an dem man sich per individueller Karte seine Kleidung holen und wieder abgeben musste. Das mochte zum einen daran liegen, dass das Krankenhaus ein riesiges Einzugsgebiet im Norden hat, zum anderen dass es vor eine paar Jahren abgebrannt ist und fast komplett neu erbaut wurde.
Die Arbeitszeiten für spanische Chirurgen sind im Vergleich zu denen eines deutschen Chirurgen traumhaft. Wie gesagt, der Tag beginnt nicht vor 8.15 Uhr und endet zwischen 16.00 und 17.00 Uhr.
Fachlich habe ich tatsächlich nicht ganz so viel gelernt wie beispielsweise bei einer Famulatur irgendwo in Deutschland, ich hatte aber eine gute Möglichkeit in eine nischen-Fach wie die Thoraxchirurgie rein zu schnuppern und das Arbeitsleben in einem anderen Land kennen zu lernen.
Die Sprachbarriere war für mich das größte Problem, da ich so gut wie keine Spanisch Kenntnisse besaß. Die Ärzte haben versucht mir vieles in englische zu übersetzen, aber natürlich war das gerade bei den Sprechstunden mit den Patienten nicht immer möglich. Ansonsten waren alle sehr sehr nett und bereit einem jede Frage zu beantworten.

Land und Leute

Wenn ich an meine Zeit in Santander zurück denke sind mir vor allem die schöne Stadt an sich, aber ganz besonders die anderen Studenten in Erinnerung geblieben.
Santander hat ein ganz besonderes Klima: Es wird abends nie viel kälter als 18 Grad und auch morgens um 8.00 Uhr wenn man zum Krankenhaus läuft sind es meistens schon 20 grad. Darüber hinaus gibt es zwei Regeln zu beachten: Nimm immer deine Sonnenbrille mit und immer immer immer deinen Regenschirm! Denn das Wetter ändert sich von jetzt auf gleich und dem Wetterbericht ist nicht zu trauen.
25 Grad am Strand mit Sonne sind super, da ist selbst der Atlantik nicht zu kalt, ist die Sonne aber erstmal weg und kommt noch etwas Wind hinzu, wird auf einmal doch recht schnell kühl.
Es gibt in Santander an sich drei verschiedene Strände zu erkunden: El Sardinero, Magdalenas und Matalenas. Gegenüber in der Bucht und nur eine kurze Bootsfahrt entfernt gibt es zwei weitere Strände: Playa de el puntal und der ultimative Surfstrand playa de somo.
Der Stadtkern ist von vielen verschieden Restaurants und Bars gesäumt und man dort eigentlich jeden Abend bis in die Puppen trinken und ab 3 Uhr morgens auch mit den Einheimischen tanzen - denn früher geht dort niemand feiern!
Außerdem ist die Stadt sehr grün, es gibt mehrere schöne Parks und am Aussichtspunkt beim Leuchtturm kann man einen spektakulären Sonnenuntergang beobachten, wenn das Wetter es zulässt.
Wem das nicht genügt kann ganz einfach für einen Tagestrip den Bus in eine der nächsten Städte nehmen. Meine Empfehlungen wären dabei: Bilbao, Comillas, Santiana und San Sebastián!
Mit den anderen Studenten haben wir trotz fehlender Kontaktpersonen super viel unternommen! Die oben aufgeführten Tagestrips gemeinsam, ein internationales Picknick, bei der jeder eine Spezialität aus dem eigenen Land präsentieren konnte, gemeinsame Nachmittage am Strand und natürlich gemeinsames feiern!
Wir waren ein bunt durchmischter Haufen: Verschiedene Leute aus Spanien, den USA, Kolumbien, Ungarn, Polen, Griechenland, Indonesien, Mexiko, der Slowakei und ich als einzige aus Deutschland!
Ansonsten habe ich ein paar neue Eindrücke von Spaniens kulinarischer Seite gewonnen, die ich hier nicht unerwähnt lassen möchte.
Die Essenszeiten in Spanien sind komplett anders und für meinen deutschen Magen sehr gewöhnungsbedürftig! Das Frühstück gibt es auch so zwischen und 7 und 8 Uhr morgens, das Mittagessen aber dann erst wieder ab 14.00 Uhr! Die Portionen sind dabei sehr üppig: Wir haben zum Mittagessen in der Cafeteria immer eine Vorspeise bekommen, eine Beilage (meistens Gemüse oder Eintöpfe) dazu Fisch oder Fleisch, dazu Pommes oder Salat, dann noch ein eingepacktes Brot und einen Nachtisch! Dazu bekam man Wasser und Kaffee (der Kaffee in Spanien ist im allgemeinen sehr gut und sehr günstig im Café). Danach gibt es für viele immer noch eine ausgedehnte Siesta und das Abendessen wird dann auch erst wieder gegen 22.00 Uhr eingenommen. Dabei werden gerne viele Kleinigkeiten geordert (Tapas oder Pinchos) und geteilt.
Für Vegetarier ist es etwas schwieriger im Fleisch und Fisch reichen Spanien etwas zu finden und für Veganer ist es eine echte Herausforderung, denn wenn es kein Fleisch oder keinen Fisch gibt, gibt es Ei.
Wenn man sich erstmal dran gewöhnt hat ist das Essen aber sehr gut und es macht Spaß alles mögliche von einer Speisekarte zu ordern die man nicht lesen kann.

Fazit

Ich würde eine Auslandsfamulatur über die bmvd und gerade nach Santander, Spanien absolut weiter empfehlen! Ich hatte viel Spaß, habe viele neue Eindrücke und Freunde gewonnen und das alles für wenig Geld und wenig Planung meinerseits. Danke an die bmvd und an die IFMSA dafür!!!

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