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Morocco (IFMSA-Morocco)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Johanna, Hannover

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Motivation

Nach meinem Erasmusaufenthalt war mir klar, dass ich nochmal ins Ausland möchte. Ich finde unsere Famulaturen sind eine Supergelegenheit dafür und mit der BVMD ist die Organisation ja auch relativ einfach. Ich bin über einen Freund auf Nordafrika aufmerksam geworden und habe mich dann für Marokko beworben. Ich finde hier hat man eine spannende Mischung von westlicher, afrikanischer und arabischer Kultur, die mich sehr interessiert hat. Außerdem ist Marokko auch landschaftlich sehr schön mit Meer, Bergen und Wüste und außerdem ist in Rabat gutes Wetter und es ist trotzdem nicht zu heiß. Dass die IFMSA Marokko auch bekannt für ihr total gutes social program ist, habe ich erst hier erfahren.

Vorbereitung

Die Bewerbung ist relativ einfach und vorbereiten muss man sich nicht wirklich. Ansonsten hat mich die IFMSA mit einem sehr ausführlichem survival guide bedacht, den durchzulesen es sich lohnt. Achtet für die Formalitäten darauf, dass euer Pass noch mindestens 6 Monate gültig ist.

Visum

Für Marokko braucht man, wenn man einen deutschen Pass hat kein Visum.

Gesundheit

Ich habe für Marokko meine Tetanus-Diphterie-Pertussis-Dreifachimpfung auffrischen lassen, meine Hepatitis B Titer prüfen lassen und mich dann noch zusätzlich gegen Hepatitis A und Meningokokken impfen lassen. Optional wäre noch Tollwut gewesen, aber ich habe mich einfach von Straßenhunden und anderen Tieren ferngehalten.
In Marokko ist Tuberkulose sehr häufig und ich habe auch Meningitis und Sepsis mit Meningokokken gesehen.
Für die Reiseapotheke solltet ihr etwas gegen Durchfall mitnehmen. Ich hatte auch noch Pflaster, Ibuprofen und Paracetamol. Des Weiteren zu empfehlen ist ausreichend Händedesinfektionsmittel, denn im Krankenhaus ist das Mangelware.
Sowohl gegen Durchfall als auch Parasitenbefall, der in Marokko recht häufig ist, solltet ihr nach dem Prinzip „wash it, peel it or forget it“ vorgehen und Streetfood vermeiden, besonders wenn es sehr günstig ist und man keine Schlange dafür stehen muss. Außerdem würde ich kein Fisch essen in Städten, die nicht am Meer liegen oder kein Fleisch und Gemüse was den ganzen Tag ohne Kühlung in der Sonne steht.

Sicherheit

Die Sicherheitslage ist in Marokko gut. Ich musste mich erstmal an die Masse der Polizisten gewöhnen, die überall in der Stadt sind. Auf emsigen Gassen gibt es zwar schon einige Taschendiebe, deshalb sollte man nie auf belebter Straße sein Portemonnaie rausholen, sondern besser etwas Kleingeld in der Tasche haben, aber ansonsten habe ich von keiner negativen Erfahrung gehört.

Geld

Die Währung in Marokko sind marokkanische Dirhams, der Wechselkurs ist etwas 1 zu 11 und ich habe einfach mit einer Kreditkarte abgehoben. Marokko ist ein vergleichsweise günstiges Reiseland, für ein gutes Essen bezahlt man 3 bis 6 Euro im Restaurant und eine Hostelübernachtung kostet etwa 7 Euro.

Sprache

Die Kommunikation im Krankenhaus ist auf Darjia und Französisch, Englisch ist leider Mangelware. Da ich fließend Französisch spreche, hatte ich kaum Probleme bei der Kommunikation mit den Ärzten, wohl aber mit den Patienten denn sehr viele sprechen nur Darjia, also den marrokanischen Dialekt des Arabischen oder eine Berbersprache. Wenn man kein Französisch spricht, sollte man sich vielleicht eher ein chirurgisches Fach aussuchen und vielleicht vorher einen Crashkurs machen.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit Ryanair von Bremen nach Fez geflogen das war relativ unkompliziert und hat etwa 200 Euro in beide Richtungen gekostet. Manche der Austauschstudenten haben auch die Fähre von Tanger nach Spanien genommen, noch etwas Urlaub in Spanien gemacht und sind von da aus nach Hause geflogen.
Innerhalb Marokkos gibt es Züge, die relativ komfortabel sind, dafür aber sehr unzuverlässig. Es kann leicht passieren dass man zwei oder drei Stunden Verspätung hat. Ansonsten gibt es zwei Busunternehmen (CTM, Supratours), dass zu empfehlen ist, da die Busse gut gewartet sind. Mit normalen Linienbussen sollte man nicht fahren und stattdessen lieber Taxis benutzen, weil es gefährlich sein kann. Eine Fahrt in die Stadt kostet 2 bis 3 Euro, und achtet darauf, dass das Taximeter eingeschaltet ist. Etwas sicherer als Taxis vor allem nachts ist Careem, die marokkanische Version von Uber. In Rabat gibt es auch eine Tram die man gut benutzen kann, wenn man etwas Zeit mitbringt, denn wenn man Pech hat, muss man 40 min auf die Nächste warten.

Kommunikation

Ich habe mir eine marokkanische Simkarte geholt und mobile Daten darauf geladen, insgesamt für 7 Euro. Sonst kommt man aber auch nur mit Wlan gut klar, das gab es im Krankenhaus, der Uni und im Wohnheim.

Unterkunft

Ich habe in einem Studentenwohnheim gewohnt, welches für uns organisiert wurde. Das war cool, weil wir mit allen SCOPE und SCORE Leuten zusammen untergebracht waren. Es ist zwar etwas außerhalb der Stadt, aber dafür konnten wir zu Fuß zum Krankenhaus kommen und zum Essen gehen oder Stadt besuchen gab es sehr oft liebe Menschen die uns mit ihrem Auto herumkutschiert haben und sonst haben wir ein Taxi genommen. Die Sauberkeit war eher mäßig, aber für einen Monat in Ordnung. Es gab auf dem ganzen Gelände und auch in den Fluren ziemlich viele Katzen, die teilweise erkrankt waren und leider auch deren Hinterlassenschaften. Auch die Toiletten und Duschen waren nicht sauber und haben teilweise nicht funktioniert. Außerdem gab es im ganzen Gebäude nur einen Mülleimer, sodass sich in manchen Ecken der Müll gestapelt hat, was dann natürlich noch mehr Katzen angelockt hat. Aber die Zimmer waren nett und sauber, wir haben zu Zweit in Einem geschlafen.

Literatur

Ich kann den lonely planet Reiseführer für Marokko sehr empfehlen, wenn man etwas Zeit zum Reisen hat. Außerdem hat die Lokalvertretung von Rabat uns einen survival guide geschrieben, wo allerhand drinsteht. Ansonsten habe ich ein keine Fachbücher oder ähnliches zur Vorbereitung gelesen.

Mitzunehmen

Kleidungsmäßig kann man in den großen Städten wie Rabat oder Marrakech schon so rumlaufen, wie man mag, es kann aber sein, dass man als Europäerin öfters mal angequatscht wird. In den traditionelleren Regionen sollte man lange Hosen und T-shirts tragen, für abends braucht man in Rabat einen Pulli oder eine Strickjacke. Ein Hut oder Tuch gegen die Sonne ist praktisch, wenn man unterwegs ist. Manche mussten sich auch Kasaks fürs Krankenhaus mitnehmen, wir haben das und den Kittel aber gestellt bekommen. Ansonsten natürlich je nach Fachrichtung Stethoskop, Diagnostikleuchte und Reflexhammer.
Was ich mitgenommen habe aber überflüssig war, war ein Steckdosenadapter.

Reise und Ankunft

Ich habe die ersten drei Tage in Fes verbracht und bin dann mit dem Zug nach Rabat gefahren wo ich von meiner CP abgeholt wurde. Insgesamt waren alle superlieb und ich glaube wenn ich gefragt hätte, hätte mich sogar jemand in Fez vom Flughafen geholt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war im privaten Krankenhaus Cheikh Zaid in der Pädiatrie. Die privaten Krankenhäuser in Marokko sind allerdings ganz anders als die öffentlichen.
Ich habe mir auch einen Tag lang das öffentliche Krankenhaus angeschaut und dort schon eher das gesehen, was man vielleicht von Afrika erwartet, also Massen an Patienten, die in der Notaufnahme zwar schon Betten bekommen haben, aber keinerlei medizinische Versorgung oder Überwachung. Außerdem Ärzte, welche pausenlos arbeiten und mit begrenzten Mitteln und wenig Zeit pro Patient probieren, das Beste herauszuholen.
Im Vergleich dazu war es in unserem Krankenhaus sehr ruhig, es gab relativ wenig Patienten und zum Beispiel ein Arzt auf unserer Station, der teilweise mehrere Stunden am Tag exklusiv für uns Praktikanten Zeit hatte. Das war natürlich für uns gut, da wir so viele Anamnesen und körperliche Untersuchungen gemacht haben und die Patienten danach dem Arzt vorstellen könnten und wir sie dann zusammen besprochen haben. Angesicht des Patientenaufkommens im öffentlichen Krankenhauses war es aber gleichzeitig für mich etwas bizarr. Manchmal gab es natürlich allerdings auch Tage, wo gar nichts zu tun war oder die Patienten nur arabisch sprechen konnten und auch kein Arzt auf der Station vorbeigekommen ist. Gegen Ende des Praktikums kannten wir dann aber genug Kinderärzte von der Station und hatten deren Handynummer, sodass wir dann mit denen in andere Bereiche gegangen sind, zum Beispiel in den Kreissaal oder wir uns Interventionen angeschaut haben.

Insgesamt habe ich im Krankenhaus schon ziemlich viel gesehen. Die Menschen haben in Marokko eine andere Sensibilisierung für Gesundheitsthemen und kommen oft erst sehr spät zum Arzt wenn es wie in den Städten überhaupt eine adäquate medizinische Versorgung gibt. Auch werden Vorsorgeuntersuchungen zum Beispiel bei Schwangeren wenig genutzt, deshalb gab es einige sehr kranke Patienten, komplizierte Fälle und manchmal haben wir auch weit fortgeschrittene Erkrankungen gesehen.
Wir hatten an manchen Tagen zusätzlich noch Vorträge, Simulationen oder Fallbesprechungen in der Uni, die direkt neben dem Krankenhaus ist. Die waren zwar ganz interessant, aber dadurch waren wir unter der Woche schon sehr beschäftigt, sodass dann wenig Zeit war, um sich Rabat anzugucken. In den nächsten Monaten wird es aber dieses Programm wahrscheinlich nicht mehr geben und es ist auch fraglich, ob weiterhin Praktikanten in das private Krankenhaus geschickt werden, weil die Universität kein Geld mehr dafür ausgeben möchte.

Land und Leute

Die Studenten der Lokalvertretung von Rabat waren super nett, haben bei jedem Problemchen geholfen und das social program war auch total gut.
Wie haben mit der ganzen Gruppe zusammen Chefchaouen, Marrakech, Fez und die Sahara jeweils am Wochenende besucht und einen Tagesausflug nach Casablanca unternommen. Außerdem haben wir natürlich Rabat besichtigt. Die Studenten, die das organisiert haben, haben sich da total reingehangen und wir haben sogar einen nationalen Ausflug gemacht, wo fast alle Incomings in Marokko dabei waren. Es war super so die anderen Studenten aus aller Welt kennenzulernen. Auch viele Marrokkaner_innen, die in der IFMSA mitarbeiten sind mitgekommen, sodass man auch die kennenlernen konnte. Für mich war es total interessant so mehr über die Einstellungen der Menschen dort erfahren, zum Beispiel zu Themen wie Islam, Monarchie oder Familienplanung.
Die Mentalität der Marokkaner_innen ist schon etwas anders, als man es in Deutschland gewohnt ist. Die Menschen sind hier sehr herzlich, offen und freundlich. Manchmal habe ich die Freundlichkeit aber auch als aufdringlich empfunden.
Als wir mit Marokkanern unterwegs waren, gab es eigentlich gar keine Probleme mit Aufdringlichkeit, aber als ich nach dem Praktikum mit einer Freundin zusammen Urlaub gemacht habe, war es leider total anders und schon echt anstrengend. Besonders in touristischen Städten wie Marrakech oder Fes kann es sein, dass man dann sehr viel angesprochen wird man solle irgendetwas kaufen oder man wird überredet irgendwelche Hilfe anzunehmen, die man eigentlich nicht braucht und hinterher wird Geld dafür verlangt. Manchmal kommen auch Menschen die Geld wollen, weil man ein Foto von ihnen oder ihrem Besitz gemacht hat.
Auch mit aufdringlichen Männern hatten wir ziemlich zu kämpfen. Man fühlt sich zwar selbst im Dunkeln nicht wirklich ernsthaft bedroht, es ist aber schon anstrengend und belästigend. Sobald wir mit mindestens einem Mann in der Gruppe unterwegs waren, gab es kaum noch Probleme.
Das Essen in Marokko ist sehr lecker, das Gericht was es immer und überall gibt ist Tajine, im Tonkegel geschmortes Fleisch oder Gemüse, was man mit Brot isst. Total lecker und auch nicht zu scharf wie man vielleicht erwarten könnte. Nach einem Monat Tajine muss ich aber zugeben, dass ich langsam keine Lust mehr darauf habe. Sonst kann man aber in Marokko auch viele andere Sachen essen. Traditionell gibt es Couscous am Freitag (Gebetstag) sowie marokkanische Suppe (Harrissa) und Omelett. Aber auch Pizza, Panini, Nudeln, Burger und Schawarma gibt es überall zu kaufen.

Fazit

Obwohl ich im Krankenhaus fachlich vielleicht etwas weniger gelernt habe als in einem in Deutschland, war das der Aufenthalt für mich eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte und wohl so schnell nicht vergessen werde. Ich habe ein Land von einer anderen Seite kennengelernt als wenn ich nur Urlaub gemacht hätte und viele total nette Menschen getroffen. Ich kann auf jeden Fall jedem empfehlen eine Famulatur in Marokko zu machen!

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