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Portugal (PorMSIC)

Anästhesie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

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Motivation

Nachdem ich drei Famulaturen in Deutschland absolviert habe, wollte ich unbedingt mein letztes Praktikum im Ausland machen. Ich wollte sehen, wie die Krankenhäuser und das Gesundheitssystem in einem anderen Land funktionieren und einen anderen Blickwinkel auf das Praktikum bekommen. Die Vorstellung eine Famulatur im Ausland zu machen, hat mich sehr gereizt. Ich wollte in eine andere Kultur eintauchen und neue Leute kennenlernen, sowohl Ärzte als auch Medizinstudenten aus aller Welt.
Mir war es wichtig mich gut mit den Patienten zu unterhalten zu können. Da ich durch mein Auslandsjahr in Brasilien Portugiesisch spreche und mir Bekannte berichteten, wie sehr sich die Portugiesen mit dem Austauschprogramm Mühe geben, fiel mein Erstwunsch auf Portugal und wurde auch erfüllt!

Vorbereitung

Die Bewerbung über die BVMD war überraschend unkompliziert. Nach der Bewerbung erhielt ich bereits Mitte März eine Zusage aus Porto und eine E-Mail meiner „Contact Person“, der ich jegliche Fragen stellen konnte. So konnte ich meinen Flug recht früh buchen.
Ansonsten habe ich mir einen Reiseführer gekauft und andere Erfahrungsberichte im bvmd Portal gelesen.

Visum

Schengen sei Dank war kein Visum oder ähnliches nötig!

Gesundheit

Spezielle Vorkehrungen habe ich nicht getroffen. Es waren keine speziellen Untersuchungen im Voraus nötig. Ich habe eine Auslandskrankenversicherung, aber nichts Spezielles abgeschlossen. Eine kleine Reiseapotheke hatte ich aber dabei.

Sicherheit

Ich habe mich in dieser Hinsicht in Portugal nicht anders gefühlt als in Deutschland. Zwar ist Porto mit 300.000 Einwohnern eine Großstadt. Jedoch habe ich mich weder tags noch nachts unsicher gefühlt.

Geld

Mit der richtigen Kreditkarte kann man an den ATMs kostenlos Bargeld abheben. Damit hatte ich eigentlich keine Probleme. Generell sind die Lebenshaltungskosten in Portugal etwas niedriger, aber nicht wesentlich.

Sprache

Da ich ein Jahr in Brasilien gelebt habe, spreche ich fließend Portugiesisch. Zwar unterscheidet sich der portugiesische Dialekt, aber man hört sich relativ schnell rein. Portugiesisch Kenntnisse waren keine Voraussetzung, aber es war definitiv nützlich, da man schneller mit Patienten, Pflegern und Ärzten in Kontakt kam. Die Ärzte sprechen allerdings alle sehr gutes Englisch und meine Freunde, die kein Portugiesisch konnten, kamen auch mit Englisch sehr weit. Ich denke, dass ein paar Basics nicht schaden, da gerade die älteren Patienten kein Englisch sprechen und man so das Eis brechen kann. Wie gesagt sind Sprachkenntnisse aber keine Voraussetzung.

Verkehrsbindungen

Ich bin ab Hamburg nach Porto geflogen. Da ich im Sommer zur Haupturlaubszeit geflogen bin, waren die Flüge auch dementsprechend etwas teurer. Da ich relativ früh die Zusage bekommen habe, konnte ich bereits im April den Flug buchen. In Porto gibt es ein relativ gutes Metronetz. Die portugiesischen Contact Persons hatten jedem von uns eine aufladbare Metrokarte organisiert, und haben uns geholfen das richtige Monatsticket zu kaufen. Das Metronetz ist in verschiedene Zonen gegliedert und wir haben unsere Monatskarte für drei verschiedene Zonen gekauft, mit denen wir im Zentrum und zum Krankenhaus fahren konnten. Die Karte war auch für die Busse gültig, die wir zum Krankenhaus nehmen mussten. Das Ganze hat für den Monat knapp 30€ gekostet und war wirklich super! Ansonsten hat Portugal ein sehr gutes Zug- und Fernbusnetz. Die Tickets sind insgesamt günstiger als in Deutschland. Für eine vierstündige Zugfahrt von Porto nach Lissabon zahlt man z.B. 20€. Insgesamt war das Verkehrssystem bis auf die lokalen Busse, die ständig zu spät waren, sehr zuverlässig.

Kommunikation

Da die Roaminggebühren innerhalb der EU abgeschafft wurden, habe ich ganz normale meine deutsche SIM Karte weitergenutzt. Allerdings enthielt unser „Welcome kit“ auch eine portugiesische SIM Karte, die Einige benutzt haben. Außerdem gibt an vielen öffentlichen Plätzen, Cafés, in unserem Wohnheim und im Krankenhaus WiFi.

Unterkunft

Die Unterkunft wurde komplett von den Portugiesen organisiert und man musste sich um nichts kümmern. Alle 40 Austauschstudenten waren in einem Wohnheim untergebracht. Wir hatten unsere eigenen Zimmer mit Balkon und Blick auf den Douro Fluss. Auf jedem Flur gab es zwei Badezimmer und eine Küche mit einem Esszimmer. Wir waren alle über das ganze Wohnheim verteilt und es waren nur einige wenige Portugiesen dort, die dort während der Ferien gewohnt haben. Wir haben jede Woche frische Handtücher und Bettwäsche bekommen. Die Küchen waren gut ausgestattet und man konnte dort für ein paar Groschen seine Wäsche waschen. Vielleicht war der Zustand des Wohnheims nicht ganz so gut, wie die in Deutschland. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt.

Literatur

Ich habe mir den Lonely Planet gekauft und habe den Roman „Nachtzug nach Lissabon“ gelesen. Spezielle medizinische Bücher habe ich nicht gekauft, aber viele medizinische Begriffe auf Portugiesisch ähneln den Lateinischen.

Mitzunehmen

Mitgenommen habe ich einen Kittel, mein Stethoskop und Turnschuhe fürs Krankenhaus. Das Wetter am Meer kann sehr unbeständig sein und gerade nachts wird es wirklich frisch, sodass ich froh war lange Hosen, Jacke und einen Pulli mitgebracht zu haben. Man kann wunderschön am Meer joggen gehen, also habe ich mich auch über meine Sportsachen gefreut. Drogerieartikel sind in Portugal etwas teurer als in Deutschland, aber man dort auch alles kaufen. Powerbank, Sonnencreme und eine Wäscheleine sind meine Ratschläge.

Reise und Ankunft

Ich wurde am Flughafen von meiner Contact Person abgeholt und mit Metrokarte, SIM Karte, Metroplan etc. ausgestattet und herzlich empfangen! Da ich ein paar Tage vor Praktikumsbeginn gekommen war, musste ich mir für die ersten Nächte eine Unterkunft buchen, da wir nur während der Praktikumszeit in das Wohnheim konnten. Obwohl der Juli noch nicht begonnen hatte, waren schon einige Austauschstudenten dort und wir haben die ersten Tage gemeinsam etwas unternommen und die Stadt auf eigene Faust erkundet. Ich fand es sehr schön, ein paar Tage vorher da zu sein und langsam anzukommen. An unserem ersten Famulaturtag wurden wir alle von ein paar Contact Persons morgens am Wohnheim abgeholt und wir sind gemeinsam mit dem Bus zum Krankenhaus gefahren. Das war sehr gut, da uns so der Weg gezeigt wurde. Anschließend wurden wir alle auf unsere Stationen verteilt und den Ärzten vorgestellt. Insgesamt war alles sehr unkompliziert, was der tollen Organisation der portugiesischen Contact Persons zu verdanken ist! Wir wurden wirklich sehr an die Hand genommen, was alles extrem erleichtert hat.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Nachdem ich dem Chefarzt der Anästhesie vorgestellt wurde, wurde ich einer sehr netten Anästhesistin vorgestellt, die gerade frisch ihre Facharztprüfung gemeistert hatte. Wir verstanden uns direkt sehr gut und sie hatte viel Verständnis für ausländische Studenten, die nachmittags ein straffes Freizeitprogramm zu meistern hatten… Ich habe mich an ihre Arbeitszeiten gerichtet, also sowohl Früh- als auch Spätschichten mit ihr gemacht. Wenn sie am Wochenende gearbeitet hatte und unter der Woche einen Tag frei hatte, hatte ich das auch. Morgens ging es um acht Uhr los. Ich durfte dann aber meist nach dem Mittagessen gehen (was übrigens kostenlos und echt lecker war!). Ich habe auch mal eine Nachtschicht mit ihr mitgemacht. Insgesamt waren die Arbeitszeiten deutlich entspannter, als ich es von meinen vorherigen Famulaturen kannte. Meine Ärztin ist wirklich sehr viel rotiert, sodass wir eigentlich jeden Tag woanders waren. Das war für mich sehr interessant, da ich so auch sehr viele OPs und Anästhesiemethoden gesehen habe, die ich noch nicht kannte. Wir haben natürlich viele „normale“ Narkosen gemacht, waren aber auch viel bei pädiatrischen OPs dabei, haben die Schmerzvisiten gemacht, Intensivstation, Aufwachraum, Notaufnahme, … Das Spektrum war wirklich sehr breit und interessant! Das Team war sehr freundlich und aufgeschlossen und auch die meisten OP Pfleger und die Chirurgen haben sich nett mit mir unterhalten und mir Sachen erklärt. Generell konnte ich viel fragen, und bin immer auf ein offenes Ohr gestoßen.
Leider durfte ich nicht viel machen. Meine Tätigkeit beschränkte sich lediglich auf das Zuschauen, sodass ich hinsichtlich meiner praktischen Fähigkeiten nicht so viel mitnehmen konnte. Das fand ich etwas schade. So erging es aber den meisten ausländischen Studenten. Da ich bereits viele Famulaturen und Praktika gemacht habe, fand war das allerdings nicht so schlimm.
Gerade am Krankenhaus konnte man sehen, dass es der portugiesischen Wirtschaft nicht sehr gut geht. So weit ich das beurteilen kann, waren die medizinischen Standards schon ähnlich wie in Deutschland. Allerdings war das Krankenhaus in einem schlechteren Zustand. Dass Geld fehle, haben mir auch die portugiesischen Ärzte berichtet. Viele haben mehrere Jobs in verschiedenen Kliniken um sich über Wasser zu halten, da die Bezahlung so schlecht ist. Obwohl Ärztemangel herrscht, kann nicht jeder zu seinem Wunschfacharzt ausgebildet werden, sodass die Konkurrenz um die Facharztplätze groß ist. Die Abschlussnote entscheidet, welche Richtung man wählen kann.
Generell denke ich, dass wir in Deutschland eine sehr gute medizinische Ausbildung erhalten, und ich habe die vielen praktischen Tätigkeiten, die uns als Studenten zugetraut werden sehr zu schätzen gelernt.

Land und Leute

Da die portugiesischen Studenten Punkte für ihre Bewerbung kriegen, wenn sie Aktivitäten für die Incomings organisieren, hatten wir ein ziemlich volles Programm. Bereits im Vorfeld wurde uns ein Plan mit allen Aktivitäten geschickt, für die wir uns anmelden konnten. Das war sehr schön, da wir dadurch wirklich sehr viel gemeinsam unternommen und gesehen haben. Wir waren circa 40 internationale Austauschstudenten aus der ganzen Welt! Brasilien, Mexiko,Kolumbien, Canada, Indonesien, Tunesien, Malta, Litauen, Polen, Serbien, Schweden, Belgien, Frankreich ,… und ich als einzige Deutsche. Ich habe den Austausch in dieser Hinsicht als sehr bereichernd empfunden. Ich habe so auch viel über die medizinische Ausbildung in anderen Ländern gelernt und viele neue Freunde gefunden. Unter der Woche war fast jeden Nachmittag eine Unternehmung. Wir waren zum Beispiel in Matosinhos surfen und einen Tag in der Umgebung wandern. Es wurden Stadtführungen und eine Schnitzeljagd geplant. So hat man die Stadt, aber auch die Leute besser kennen gelernt. Auch kulturell hat Porto Einiges zu bieten. Wir waren im Museum, haben das Konzerthaus „Casa da Musica“ besichtigt und waren bei einigen Open-Air-Konzerten. Langweilig oder gar einsam wurde es nie! An unserem ersten Wochenende haben wir je drei Ausflüge in kleine Städte in der Umgebung gemacht. Das waren Aveiro, Braga und Guimaraes, was wirklich sehr schön war. Zudem wurden zwei National Weekends in Portugal und Lissabon organisiert, zu denen alle Incomings aus ganz Portugal kamen. Porto selber hat mir als Stadt wunderbar gefallen! Ich mochte die Größe und die vielen verschiedenen Ecken. Es liegt wunderschön am Dourofluss und auch das Meer ist sehr schnell zu erreichen. Das Zentrum bietet viele kleine Gassen und perfekte Spots für den Sonnenuntergang. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt und würde immer wieder dahin zurückkehren! Nach der Famulatur konnte ich die Zeit noch zum Reisen nutzen und war in Lissabon und in der Algarve. Ein Trip in die Hauptstadt ist meiner Meinung nach ein Muss, da diese sehr schön und schnell und gut zu erreichen ist. Trotzdem bin ich froh mein Praktikum in Porto gemacht zu haben. Die Algarve ist im August zwar recht touristisch, dennoch kann man an der Küste wunderbar wandern und frischen Fisch essen.
Ich kann wirklich nur empfehlen danach ein wenig das Land zu bereisen. Portugal ist so vielseitig und es gibt so viel zu entdecken!
Auch die Portugiesen sind sehr freundlich. Das komplette Studententeam war immer bemüht uns ein tolles Programm zu vermitteln und hatte immer ein offenes Ohr bei Fragen und Problemen. Die Ärzte waren immer interessiert und freundlich, und auch beim Reisen habe ich das portugiesische Volk sehr ans Herz geschlossen.

Fazit

Auch wenn der medizinische Input vielleicht nicht so war wie bei einer Famulatur in Deutschland, hatte ich eine unvergessliche Zeit und würde es jederzeit wieder tun. Die Offenheit und Freundlichkeit mit der mir Menschen aus Portugal und aus aller Welt begegnet sind, waren den Monat absolut wert. Es ist wahnsinnig spannend und interessant Medizin in einem anderen Land zu erleben. Portugal hat mir einen wunderschönen Monat beschert und ich bin sehr dankbar für alles, was ich erleben durfte.

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