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Brazil (IFMSA-Brazil)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Mira, Münster

Motivation

Brasilien war immer schon ein Land, das ich unbedingt bereisen und kennenlernen wollte. In Form eines Praktikums einen wirklichen Einblick in den Alltag und das Land zu bekommen, habe ich als super spannende Möglichkeit empfunden.

Vorbereitung

Ich habe mich eigentlich nicht speziell auf den Aufenthalt vorbereitet. Ich denke, das Wichtigste ist vor allem, Kenntnisse in der Sprache mitzubringen, da die Brasilianer oft nur sehr wenig Englisch sprechen.

Visum

Ich musste kein Visum beantragen, da man für bis zu 90 Tage ohne Visum einreisen kann und somit mein Aufenthalt gedeckt war.

Gesundheit

Am wichtigsten ist, an die Gelbfieberimpfung zu denken. Diese kann man nicht regulär beim Hausarzt durchführen, weswegen man am besten recht früh einen Termin macht, zur Not geht es aber sicher auch spontan!

Sicherheit

Ich habe die Auslandsversicherung vom MLP abgeschlossen, die ich zum Glück nicht nutzen musste, aber preislich sehr empfehlen kann.
Brasilien, vor allem São Paulo war für mich sehr viel sicherer, als ich erwartet hätte, was sich aber auf jeden Fall lohnt, ist eine "doleira" zu kaufen, eine Bauchtasche die man unter der Kleidung trägt.

Geld

In Brasilien zahlt man in Real, fünf Real entsprechen etwa 1€.
Ich hatte mit der Kreditkarte der Apobank meist keine Probleme, kostenlos Geld abzuheben.
Brasilien ist das teuerste Land Südamerikas und São Paulo innerhalb Brasiliens auch auf jeden Fall im Vergleich teuer, sodass ich die Preise ähnlich der deutschen Preise empfunden habe. Allerdings ist hier an Preisklassen natürlich alles vertreten!

Sprache

Portugiesisch sollte man recht gut sprechen, um am Praktikum und sozialen Leben teilzunehmen. An den Schulen wird nur sehr schlecht Englisch gelehrt, so dass viele Schüler zwar privaten Unterricht nehmen, allerdings aber auch unter den Studenten viele nur sehr unsicher Englisch sprechen.
Allerdings freuen sich deswegen aber auch alle umso mehr, wenn man sich selber traut zu sprechen und helfen gerne immer weiter!

Verkehrsbindungen

Die Verkehrsverbindungen habe ich in Brasilien als super gut wahrgenommen!
Die Metro in São Paulo ist unglaublich sicher, das hätte ich vorher nicht erwartet und Uber ebenfalls total günstig! Zwischen den Städten kann man in echt bequemen und ebenfalls sehr sicheren Bussen problemlos hin und her reisen.

Kommunikation

Eine Simkarte bekommt man in Brasilien an jeden Kiosk, das Problem ist, dass man um diese zu aktivieren eine brasilianische Identifikationsnummer benötigt. Diese kann jeder Brasilianer allerdings unlimitiert oft vergeben und somit würde ich einfach meinen Host der Partnerorganisation fragen, der gibt seine bestimmt gerne weiter!

Unterkunft

Ich habe bei 2 Studentinnen gewohnt, die im letzten Jahr studiert haben und wirklich super nett waren. Es war eigentlich ein ganz normales WG-Leben und ich habe mich mit den beiden sehr wohl gefühlt.
Ungewohnt war es für mich am Anfang, dass unser Gebäudekomplex 24//7 von einem Sicherheitsbeauftragten bewacht wurde, der kontrolliert, wer das Gebäude betritt. Leider ist das in São Paulo aber ganz normal.

Literatur

Vielleicht hört es sich sehr simpel an, aber was mir gut geholfen hat, um wieder in die Sprache zu kommen, war es, Netflix auf Portugiesisch zu schauen.
Ein paar Serien, die Netflix auf Portugiesisch anbietet:
- Coisa Mais Linda
- Telefonistas
- Casa do Papel

Mitzunehmen

São Paulo ist deutlich kälter, als man von Brasilien erwartet, eine Regenjacke und feste Schuhe würde ich für die Regenzeit auf jeden Fall mitnehmen! Der Regen dort ist aber zum Glück kein deutscher Dauerregen, sodass nach ein paar Stunden meist die Sonne rauskommt und man wieder in kurzen Sachen rumlaufen kann!

Reise und Ankunft

Meine Ankunft in São Paulo lief sehr problemlos. Ich war vorher bereits ein paar Tage in Rio und wurde in São Paulo von der dortigen IFMSA-Zuständigen vom Flughafen abgeholt. Sie gab mir auch die Nummer einer Studentin meiner Gruppe, mit der ich dann an meinem ersten Tag auch direkt ins KH fuhr.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war im Hospital Benefeciência Portuguesa eingeteilt, einem Privatkrankenhaus.
Die Zeit dort war sehr spannend und ich habe viel gelernt, allerdings nicht sehr viel selber machen dürfen. Die Studierenden sind dort für je etwa 3-4 Patienten verantwortlich, die man morgens visitiert und mittags dem Oberarzt vorstellt. Auch wenn es teilweise lange Wartezeiten gab, fand ich es super mal wirklich für Patienten konkrete Pläne auszuarbeiten, da man in der Vorstellung an den Oberarzt bereits neue Medikamente mit Dosierung und Co vorschlagen sollte und somit nicht nur über nächste Schritte nachdenken, sondern diese auch konkretisieren und anordnen musste. Die Assistenzärzte waren dabei immer vor Ort erreichbar und sehr engagiert. Wir hatten zudem recht viele Seminare, in denen Grundwissen der Inneren Medizin wiederholt wurde, wie häufige Krankheiten, aber auch zB Antibiotikatherapie.
In Brasilien absolvieren die Studenten 4 Jahre an der Uni und gehen dann für 2 Jahre für unterschiedliche Praktika in eine Art PJ, in dem aber noch Seminare und auch Prüfungen stattfinden. Die Seminare waren eher eine oberflächliche Wiederholung häufiger Themen, aber für mich eigentlich super, um Innere, was bei mir schon ein paar Semester zurückliegt, nochmal zu wiederholen.
Meine Mitbewohner waren zu meiner Praktikumszeit in einem öffentlichen Krankenhaus eingeteilt, sodass ich die Chance nutzte und 2 Tage bei ihnen hospitierte. Das würde ich jedem empfehlen, der in einem Privatkrankenhaus eingeteilt ist! Der Unterschied zwischen beiden Systemen ist wirklich groß und ich denke, man bekommt ein sehr einseitiges Bild von der Gesundheitsversorgung in Brasilien, wenn man sich nicht beide Seiten anschaut. Dort ist eine Knappheit an Personal, diagnostischen Möglichkeiten, aber auch Arzneimitteln Normalität und auch wenn alle sehr motiviert und bemüht waren, war es doch sehr eindrücklich.
In Brasilien ist der Arbeitsalltag der Ärzte sehr anders als in Deutschland strukturiert, die Ärzte arbeiten meist in 3-4 Krankenhäusern gleichzeitig, in denen sie aber eigentlich nur die Visiten durchführen. Alle diagnostischen und interventionellen Eingriffe, werden dementsprechend nur angeordnet und dann meist von den Radiologen oder verschiedenen Spezialisten durchgeführt, auch die Sonographie. Das Blut abnehmen übernehmen die Schwester und somit habe ich eigentlich gar nichts praktisch gemacht, was ich etwas schade fand. Die Ärzte kommunizieren viel über WhatsApp miteinander, da ja alle immer in anderen Krankenhäusern unterwegs sind und so bekommt man von den eigentlichen Untersuchungen nichts mit und sieht nur den Befund im PC.
Generell habe ich mich auf jeden Fall aber sehr wohl gefühlt und hatte eine schöne Zeit!

Land und Leute

Vor meinem Praktikum verbrachte ich bereits eine Woche in Rio de Janeiro, wo ich im Hostel unterkam und mit Backpackern aus aller Welt die Stadt erkundigte, was ein super Start in meine Zeit in Brasilien war.
In São Paulo haben wir in Mooca, dem italienischen Viertel der Stadt gewohnt. Das Viertel gehört nicht zu den reichsten der Stadt und auch wenn ich mich darauf eingestellt hatte, war der Unterschied zwischen arm und reich doch sehr beeindruckend. Es gab viele Wohnungslose und auf dem Weg zum Supermarkt habe ich mich in den ersten Tagen häufig etwas unwohl gefühlt, gleichzeitig steht hier aber auch das super moderne Gebäude der Uni Anhembi Morumbi und direkt daneben unser Wohnkomplex mit Fitnessstudio, Pool und 24h Security, in dem man sich so sicher gefühlt hat, dass meine Mitbewohner auch gerne mit offener Balkontür geschlafen haben. Auch wenn der Kontrast für mich am Anfang ungewohnt war, konnte ich mich nach ein paar Tagen daran gewöhnen und die Vorteile des Viertels, die besten italienischen Restaurants, Cafés und Feinkostläden genießen! São Paulo ist eine unglaublich internationale Stadt mit vor allem großen japanischen Einfluss. Wer an Kultur und Essen aus aller Welt interessiert ist, ist hier genau richtig und findet jeden Abend ein neues interessantes Event!
Im KH ist man in 6-8er Gruppen eingeteilt, so dass man eigentlich direkt Anschluss an die Studierenden findet. Meine Gruppe war super nett und herzlich! Jeden Tag waren wir vor dem Praktikum noch frühstücken und jedes Mal musste ich etwas anderes probieren!
Die Brasilianer identifizieren sich zudem alle sehr stark mit ihrer Uni, so sind fast alle in irgendwelchen Sportteams in denen sie gegen andere Unis antreten. Es gibt viele Feste, eine Hymne der Uni und jedes Studienjahr trägt ein anderes Outfit bei den Uniparties, so dass man direkt weiß, in welchem Jahr jeder studiert. Sich mit den Brasilianerinnen für eine Party fertig zu machen ist auf jeden Fall ein Event, das man nicht verpassen sollte! Make-Up und Maniküre haben hier einen deutlich höheren Stellenwert als in Deutschland und die meisten Studentinnen besuchen regelmäßig den "Salão da Beleza"!
Nach meinem Praktikum bin ich dann noch nach Foz do Iguaçu und in die Chapada Diamantina gereist und konnte unterschiedliche Facetten der brasilianischen Natur kennen lernen. Leider musste ich aufgrund der Corona-Pandemie meine Reise etwas früher beenden, ansonsten hätte ich mir gerne noch mehr angeschaut!
Insgesamt hatte ich eine super Zeit in Brasilien und konnte die brasilianische Lebensfreude, vor allem weil ich während des Karnevals dort war, jeden Tag spüren!

Fazit

Meine Erwartungen wurden auf jeden Fall erfüllt und ich würde morgen zurückfliegen, wenn ich könnte!
Die medizinische wie auch die kulturelle Erfahrung habe ich für mich als unglaublich bereichernd empfunden und würde jeden empfehlen, diese Chance zu nutzen!

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