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Ägypten (IFMSA Egypt)

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Deniz Erdal, Bonn

Motivation

Meine Universität legt voraus, dass währen dem dem Studium zwei Forschungsprojekte (eins in der Vorklinik und eins in der Klinik) absolviert werden. Diese reichen von Hausarbeiten bis zu Laborpraktika. Da ich ein besonderes Interesse in Forschung habe, hatte ich zusätzlich ein weiteres Fach belegt den Research Track, wodurch ich weitere Vorlesungen über die Forschungsprojekte an der Universität hatte und ein Laborpraktikum abschließen muss.

Vorbereitung

Für die Formalitäten des Aufenthaltes habe ich mich recht früh an die Liste gehalten, die mir von den Koordinatoren des anderen Landes gegeben wurde. Dazu gehörte neben den Standard Dokumenten (Visa, Reisepass, Auslandskrankenversicherung) auch eine internationale Studentenkarte die Isic Card, um auch im Ausland Ermäßigungen zu erhalten. Zum Glück waren die meisten Sachen innerhalb von 1-2 Tagen fertig und ich konnte mich schon auf den Aufenthalt freuen. Geplant war auch das ich mich eine Woche vor dem Austausch in mein Forschungsgebiet hereinlese, doch wegen Komplikationen war mein Forschungsprojekt schon vor Anreise ausgefallen. Trotzdem wurde ich vom Austauschkomitee gebeten zu kommen, da sich schon an einem Ersatz gearbeitet haben.

Visum

Für die Einreise nach Ägypten ist ein gültiger Reisepass notwendig und man benötigt ein Visum. 30 Tage Visa sind sehr einfach zu beantragen und können entweder nach der Landung für ca. 25$ erworben werden oder können auch schon online direkt gekauft werden. Da ich länger als 30 Tage bleiben wollte hatte ich mich entschieden ein 90 Tage Visa zu beantragen. Dies geschieht in der Ägyptischen Botschaft in Berlin oder auch in den Ägyptischen Konsulaten wie bei mir in Frankfurt. Die Kosten betragen hier sogar nur ca. 22€ und benötigt wird nur der Reisepass und Personalausweis. Wie in eigentlich fast allen Konsulaten sind die Wartezeiten lang. Nachdem man das 90 Tage Visa beantragt hat, wird es innerhalb von einer Woche fertiggestellt. Im Notfall kann man es aber auch am gleichen Tag erhalten. Nachträglich hatte ich auch erfahren, dass man sein Visa auch in Ägypten verlängern lassen kann, falls man seinen 30 Tage Aufenthalt übersteigt.

Gesundheit

Zuerst musste ich eine Auslandskrankenversicherung abschließen, was jedoch einfach online ging und nur 9€ gekostet hatte. Ich hatte mich auch entschieden mich zu impfen, da meine Krankenversicherung (Barmer) alle Reiseimpfungen übernimmt. Ich hatte mich also neben den Auffrischungen für die Standardimpfungen auch gegen Hepatitis A, Meningokokken, Typhus und Tollwut geimpft. Die Tollwut Impfung empfinde ich hierbei als besonders wichtig, da in Ägypten viele Katzen und Hunde frei herumlaufen. Die meisten von ihnen sind sehr scheu, aber man weiß ja nie.

Sicherheit

Zwar hatte Ägypten in der Zeit vor meinem Aufenthalt kleinere Anschläge gehabt, doch durch eine stärkere Polizeipräsenz wurde die Sicherheit wieder erhöht. Es ist typisch für Ägypten das Polizeibeamte Maschinenpistolen bei sich tragen, doch solange man sich respektvoll ihnen gegenüber verhält, sind auch sie sehr nette Menschen, die mir auch schon geholfen haben. Ich persönlich habe mich nie unsicher gefühlt. Man sollte aber auf sein Geld aufpassen, da es in Ägypten auch Taschendiebe gibt. Trotzdem muss man sich nicht von den Menschen distanzieren, da viele von ihnen sehr freundlich zu Ausländern sind.

Geld

In Ägypten wird mit dem Ägyptischen Pfund gezahlt. Der Wechselkurs lag bei mir bei ca. 1€ zu 17 Pfund. Die meisten Geschäfte nehmen nur Zahlungen in Pfund an, vereinzelt kann man aber auch in Dollar oder Euro zahlen. Deshalb sollte man immer Pfund bei sich tragen. Pfund kann man außerhalb von Wechselstuben auch einfach aus dem ATM ziehen. Diese sind vereinzelt vorhanden und man hatte mich immer zum nächsten Automaten gebracht, wenn ich unbedingt Geld brauchte. Meine Sparkassen Bankkarte hatte hierfür problemlos gereicht, man kann aber auch zum bezahlen Debit- und Kreditkarten verwenden (habe ich leider nicht ausprobiert, wurde mir aber von der Lokalvertretung gesagt). Die Preise in Ägypten sind dabei sehr günstig. Die meisten Gerichte kosten nur wenige Euros und man kann schon für weniger als 5€ satt werden.

Sprache

Die Ägypter sprechen in ihrem Land Arabisch. Sie haben dabei ihren eigenen Akzent und besitzen im Gegensatz zu anderen arabischen Ländern auch Buchstaben wie das G. Neben Arabisch können viele Bewohner auch Englisch. Das Sprachniveau variiert hierbei sehr stark von nur einigen Worten bei den Verkäufern zu einem sehr guten Niveau an der Universität. Ich persönlich hatte im Voraus kein Arabisch gelernt und habe somit nur einige Worte während des Austausches gelernt. Es könnte jedoch sehr sinnvoll sein vor Beginn des Aufenthalts schon ein paar Wörter zu lernen, auch wenn Arabisch nicht gerade die einfachste Sprache ist.

Verkehrsbindungen

Am meisten wird in Ägypten mit dem Auto gefahren. Der Verkehr ist dort sehr chaotisch, doch hat für die Ägypter eine gewisse Ordnung, die irgendwie funktioniert. Ich persönlich wurde fast immer von den anderen Gefahren und musste pro Tag nur einige Euros für das Benzin bezahlen. Sonst kann man auch den Bus nehmen, doch da aber die Ägypter größtenteils nur mit Minibussen fahren, muss man sich mit dem Fahrer verständigen können, um ihm Bescheid zugeben, wann man aussteigen möchte (es gibt keine Haltestellen). Der Preis ist hierbei auch günstig, doch es kommt zu langen Wartezeiten und vollen Bussen.

Kommunikation

Ich hatte vom ägyptischen Austauschteam eine SIM-Karte erhalten auf der schon ein paar Pfund drauf waren, um das Team anzurufen. Ich konnte aber problemlos weitere Funktionen zur Kommunikation kaufen in dem ich mir Aufladungen in den lokalen Supermärkten geholt habe. 12GB Datenvolumen kosten in Ägypten etwa 10€.

Unterkunft

Ich habe von dem Austauschteam ein Apartment in einem Studentenwohnheim im Keller bekommen. Es war eigentlich geplant, dass ich das Apartment mit einem anderen Austauschstudenten aus Italien teile, aber konnte aufgrund der Covid-19 Pandemie nicht kommen. Die Ausstattung hatte alles Nötige bis auf einen Föhn, den mir die anderen im Notfall aber auch besorgt hätten.

Literatur

Ich habe mich am meisten über die Seite des Auswärtigen Amts über die momentane Lage im Land informiert. Des Weiteren habe ich unterschiedliche deutsche Artikel über vorrausgegangene Ereignisse gelesen.

Mitzunehmen

Ich habe persönlich zu viel Kleidung mitgenommen. Es ist besser weniger mitzunehmen und die Sachen, wenn sie sehr schmutzig sind in einer Wäscherei waschen zu lassen. Man sollte aber nicht gerade sein Lieblings Kleidungsstück abgeben, da das Geschäft bei mir fasst eine Hose verloren hat.

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief problemlos und ich wurde am Flughafen vom Austauschteam abgeholt. Ich persönlich bin 2 Tage vor Praktikumsbeginn eingetroffen. Da vom Austauschteam auch ein Anreisetag geplant war, hatte ich somit 3 Tage um mich mit dem Team und der Universität vertraut zu machen. Der Abflug war aufgrund der Covid-19 Lage sehr anstrengend, da nur vier Tage im Voraus angekündigt wurde, dass die Grenzen vollständig geschlossen werden. Ich musste mich somit sofort zum Flughafen begeben und ein neues Flugticket kaufen, da eine online Buchung nicht funktioniert hat.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Grundsätzlich war geplant, dass ich einem Forschungsprojekt an der Universität nachgehe. Da sich die Gynäkologie jedoch nicht bei dem Austauschteam gemeldet hat, wurde vorgeschlagen, dass ich die ersten Tage mit der anderen Austauschstudentin Katharina in die Klinik gehe. Das Universitätskrankenhaus besitzt hierfür im Außenbereich einen Zimmerblock mit den einzelnen Fachrichtungen. Jedes Zimmer war wie ein gewöhnliches Behandlungszimmer ausgestattet. Nach dem die Patienten vom Außenwartebereich aufgerufen wurden, wurde hier die Anamnese befunden und der Patient untersucht. War eine stationäre Aufnahme nötig, wurden die Patienten natürlich überwiesen. Grundsätzlich fungierten diese Räume als kleinere Fachpraxen. Hierbei beginnt der Tag um 9uhr. Nachdem alle Patienten behandelt wurden, beginnt dann nachmittags die Visite der Patienten auf Station, die von denselben Ärzten übernommen wurde. Die Besprechung über die Patienten hinsichtlich der Krankheitsbilder und Behandlung erfolgte dann nach dem Patientenkontakt. Die Ärzte waren gerne bereit sich ein bisschen Zeit zu nehmen, um die Patienten zu berichten. Da ich nur im Vorklinischen Studienabschnitt war, fiel es mir ein bisschen schwer den Ärzten zu folgen, aber Katharina half mir hier, um das Vorgehen nachzuvollziehen. Besonders interessant, war als wir einer Besprechung beisitzen durften und hier besprochen wurde, wie Meditation in den Behandlungsalltag eingeführt werden kann.
Das Gesundheitssystem in Ägypten scheint mir sehr zwei geteilt. Zwar waren auch nicht gutgestellte Menschen stationär aufgenommen, doch der Zimmer unterschied war enorm. Auch in der Ambulanten Versorgung sammelten sich vermehrt niedrigere Soziale Einkommensschichten, die draußen warten mussten. Für besser gestellte, gab es anscheinend auch einen Warteraum im Klimatisierten Gebäude, die Vermutlich auch nicht in die kleinen Behandlungsräume im Außenbereich mussten. Hinsichtlich der Pandemie war auffällig, dass keine Desinfektionsspender in den Zimmern oder den Gängen vorlagen. Auch der Mundschutz wurde oft nicht konsequent getragen und abgenommen und wieder aufgesetzt.
Nach der ersten Woche ohne Rückmeldung für mein Forschungsprojekt, wurde für mich schnell ein neues Projekt organisiert. Da ich aber aufgrund des Bürokratischen Aufwands nicht sofort beginnen konnte, wurde geplant, dass ich von einer bekannten Forscherin des Austauschteams in Wissenschaftliche Methoden zunächst eingewiesen werde. Hierfür habe ich mich erstmal ein paar Tage im Voraus in der Universitätsbibliothek informiert. Grundsätzlich war nach der Einweisung geplant, dass ich in einem Universitären Kurs teilnehme, der sich mit der Benutzung von Versuchstieren beschäftigt hätte und dann, zwar verspätet, in ein Forschungsprojekt übergegangen wäre, um die Methoden zu lernen die ich für meinen Research Track benötige. Da aber aufgrund der Covid-19 Pandemie zur Monatsmitte alle Universitäten geschlossen wurden, fiel mein Projekt leider aus.

Land und Leute

Das Austauschteam hatte ein fantastisches Social Program auf die Beine gestellt. Jeden Tag waren Aktivitäten geplant, die sich von Museumsbesuchen bis zu besuchen des Muqattan Bergs und dem Cairo Tower erstreckten und eine fantastische Aussicht ermöglichten. Es gab auch Tagesausflüge wie einen Yachttrip auf einer gemieteten Yacht. Aufgrund der Pandemie mussten aber später viele Ausflüge ausfallen, wie eine 12 Stunden lange Fahrt nach Luxor mit anschließender Bootsfahrt zurück nach Kairo. Auch eine National Food and Drinks Party, auf der wir unsere Landeskostüme und Landesgerichte ausgetauscht hätten, konnte nicht stattfinden. Auch wenn wir vielen Aktivitäten auf unserer Liste nicht nachkommen konnten, habe ich einen sehr großen Einblick in die ägyptische Küche bekommen. Viele Gerichte enthalten dort Fleisch und sind sehr kalorienreich. Trotzdem habe ich eigentlich alles genossen, was ich essen konnte, wo von ich Humus und Koshari (ein Gericht aus Reis mit Kichererbsen, Nudeln und weiteren Zutaten welches mit Knoblauchöl und einer Tomatensauce verzehrt wird) nur weiterempfehlen kann.
Die Ägypter besitzen eine sehr diverse Kultur, da im Land der Pharaonen schon Römer, Europäer und später Araber Einfluss hatten. Besonders fällt dies auf in der Pharaonenstadt, einer Art Kollage aller ägyptischen Sehenswürdigkeiten mit Replicas. Dort gibt es einzelne Bereiche zu den Verschiedenen Epochen, die von den Göttern bis zum 2. Weltkrieg reichen. Im ägyptischen Museum hingegen (Das so alt wie es ist schon eine eigene Antiquität ist) kann man sich vertiefend mit der alten ägyptischen Kultur vertraut machen, indem man sich tausende Jahre alte Statuen der Pharaonen ansieht oder einen kleinen Aufpreis zahlt, um auch die die Mumien der Pharaonen zu sehen.
Dass Ägypten ein sehr touristisch geprägtes Land ist, ist schon daran auffällig, dass viele Straßenverkäufer einem schon hinterherlaufen. Sie sind dabei sehr freundlich und machen einem auch viele Komplimente, doch sie zeigen einem natürlich auch, wie sich die Gesellschaft wirtschaftlich unterscheidet. Während bei meiner Universität nur privat Studenten aus gutem Hause waren, konnte man auf der Straße viele Bettler sehen. Auch Kinderarmut ist ausgeprägt und man sieht in manchen Stadteilen Kinder auf dem Boden Schlafen. Viele alte Menschen und auch amputierte verdienen ihr Geld, indem sie Aktivitäten nachgehen, wie das Lotsen von Autofahren zu Parkplätzen mit anschließendem Helfen beim Einparken und Schützen vor Beschädigungen. Zudem gibt es in Ägypten kein bezahlbares Versicherungssystem, weshalb Autounfälle nur auf gegenseitigem Verständnis bezahlt werden und man darauf angewiesen ist sich gegenseitig zu helfen.

Fazit

Für mich persönlich war der Austausch auf Universitärer Ebene nicht hilfreich, da ich aufgrund der Pandemie und Planung ohne Zertifikat abreisen musste. Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht eine schöne Erfahrung hatte. Die Ausflüge an denen ich innerhalb des Austauschs teilgenommen hatte, waren sehr prägend. Das Austausch Team ist einfach fantastisch und hat einen mit aufgenommen. Ich erinnere mich immer noch an die Nachtfahrten in Kairo und plane auch zurück zu kommen nach dem ganzen Trubel hier.

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