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Brasilien (DENEM Brazil)

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Britta, Essen

Motivation

Die Entscheidung, mich für einen Forschungsaustausch in Brasilien zu bewerben war eigentlich sehr spontan. Ich kam gerade aus einem Erasmus Semester in Italien wieder und hatte viele Freunde aus den verschiedensten Ländern kennen gelernt. Wieder Zuhause war für mich eigentlich sofort klar, dass ich so schnell wie möglich wieder weg wollte, also habe ich mich nach Restplätzen umgeschaut und mich für Brasilien entschieden, da ich zwei gute Freunde aus Rio de Janeiro habe.

Vorbereitung

Ich habe mich auf der Bvmd Seite über die Restplätze und Bewerbungsbedingungen informiert. Da es in Essen etwas kompliziert ist, kurzfristig an das Sprachzertifikat zu kommen, habe ich die Prüfung in Düsseldorf abgelegt, das war aber alles gar kein Problem und war leicht zu organisieren.

Visum

Da ich weniger als 90 Tage in Brasilien war, brauchte ich kein Visum. Man bekommt einfach einen Stempel bei Einreise.

Gesundheit

Da ich in den letzten Jahren schon viel gereist bin und auch eine andere Famulatur im Ausland gemacht habe, waren meine Impfungen alle vollständig. Eine Malariaprophylaxe habe ich nicht mitgenommen, ist aber je nachdem in welche Region man kommt, bzw. reisen möchte, vielleicht sinnvoll. Das wichtigste im Bezug auf Malaria, in Brasilien auch Dengue, Zika und Chikungunya, ist aber eh ein guter Mückenschutz. Zusätzlich hatte ich noch meine normale Reiseapotheke dabei, ich persönlich habe vor allem immer gerne desinfizierende und antibiotische Salben dabei und ein paar sonstige Basics, in Brasilien muss man aber keine Sorgen haben nicht an Medikamente zu kommen.

Sicherheit

Die Sicherheit in Brasilien ist so eine Sache. Ich persönlich habe mich nie unsicher gefühlt. Ich denke, das muss man auch nicht, wenn man ein bisschen gesunden Menschenverstand walten lässt und sich informiert.
In Rio hatte ich das Glück, dass ich immer mit locals unterwegs war, die sich auskannten. Natürlich gibt es Gegenden die man lieber meiden sollte und Gegenden, die man Nachts meiden sollte, aber wenn man sich an diese Regeln hält muss man sich keine Gedanken machen. Eindeutig zu empfehlen ist es, eine Bauchtasche mitzunehmen und seine Wertsachen in dieser aufzubewahren. Einem Freund von mir (Brasilaner!!) wurde während des Karnevals das Handy aus der Hosentasche geklaut, das war aber wirklich vor allem seine eigene Schuld.
In Joao Pessoa habe ich mich tatsächlich immer sicher gefühlt. Ich habe dort mehrere Ausflüge und Spaziergänge allein mit einer anderen Deutschen unternommen und wir haben nie irgendwelche Probleme gehabt.

Geld

Ich würde jedem empfehlen, eine Kreditkarte mitzunehmen, mit der man im Ausland kostelos bezahlen/abheben kann. In Brasilien kann man eigentlich alles mit Karte bezahlen. Selbst bei Straßenverkäufern während des Karnevals in Rio konnte ich per Karte bezahlen.

Sprache

In Brasilien spricht man Portugiesisch. Es macht auf jeden Fall Sinn sich ein paar Grundlagen anzueignen, da egal wo man ist, nicht immer jemand Englisch spricht. Wenn man ein bisschen Spanisch kann, erleichtert einem das die Sache schon gewaltig und man kommt ganz gut mit ein bisschen Portunhol aus.

Verkehrsbindungen

Im Stadtverkehr in Brasilien ist das wichtigste was man haben sollte, die App Uber. Busse sind (in der Stadt) meist nicht zu empfehlen, da unsicher und eine Metro/Ubahn gibt es häufig nicht. Mit uber kommt man jedoch recht günstig und vor allem sicher überall hin, und man kann während der Fahrt sein Portugiesisch mit den Fahrern üben. Für weitere Reisen lohnen sich aber auf jeden Fall die Reisebusse. Die andere Deutsche Norah und ich haben einen Ausflug nach Recife und Olinda gemacht und sind für umgerechnet ca. 15€ hin und zurück in einem super bequemen Bus gefahren.

Kommunikation

Sobald ich in Rio angekommen bin, bin ich mit meinem Bekannten in eine Mall und habe mir eine Sim-Karte von Oi geholt. Das würde ich auch jedem empfehlen. Es gibt monatliche pre-paid deals vergleichbar mit z.B. Aldi Talk. Ich habe für 12GB und freies Telefonieren umgerechnet ca. 10€ pro Monat bezahlt. Prinzipiell gibt es auch fast überall Wlan, sodass man vllt auch ohne Sim Karte auskommen würde, gerade wenn man aber viel Uber nutzt, ist es einfach viel entspannter und irgendwo auch sicherer nicht immer nach hotspots suchen zu müssen.

Unterkunft

Ich hatte von der Organisation eine „Host“ bekommen, bei der ich kostenfrei wohnen durfte. Sie hatte sich auch schon im Vorhinein bei mir gemeldet. Sie hieß Leticia und wohnte eher im südlichen Teil der Stadt, aber sehr nahe an der Universität wo ich mein Praktikum machte, sodass ich für eine Fahrt mit dem Uber nur ca 1€ zahlte. Es war eine sehr schöne Wohnung und ich hatte auch mein eigenes Zimmer. Leticia war jedoch leider nicht wirklich daran interessiert etwas mit mir zu unternehmen und ich habe auch zuhause nicht viel von ihr mitbekommen, da sie sich meistens mit geschlossener Tür in ihrem Zimmer aufgehalten hat. Ich hatte jedoch sehr Glück, dass mich Norah und ihre Host Ananda sozusagen fast adoptiert haben, ich bei ihnen waschen durfte, sie mich oft durchgefütter haben und ich auch einfach so viel Zeit dort verbringen konnte.

Literatur

Ich habe mir den Lonely Planet Brazil gekauft um mir einen Überblick über das Land zu verschaffen und mir ein bisschen zu überlegen, was mich als Reiseziele interessieren. Ansonsten hab ich auch einfach viel gegooglet und mir ein paar Blogs durchgelesen, da zu Joao Pessoa nicht wirklich viel im Reiseführer zu lesen war.

Mitzunehmen

Ich bin ein großer Fan davon, nur mit Handgepäck zu verreisen und das hat auch super funktioniert. In Rio und Joao Pessoa braucht man zu dieser Jahreszeit nur Sommerklamotten und Bikinis. Ich habe mir jedoch für das Praktikum zwei luftige lange Hosen mitgebracht. Es macht auch Sinn, sich eine wiederverwendbare Wasserflasche mitzunehmen, da es doch an einigen Orten Trinkbrunnen gibt und man so viel Plastik vermeiden kann. Für das Praktikum hatte ich einen Laborkittel dabei, den habe ich allerdings nie gebraucht und im Endeffekt hat er nur Platz weggenommen, also ruhig vorher nachfragen.

Reise und Ankunft

Ich bin mit KLM/Air France von Düsseldorf über Paris nach Rio geflogen. Ich habe gut einen Monat vor Abreise meinen Flug gebucht und habe für hin und zurück ca. 600€ bezahlt. Nach meiner Zeit in Rio bin ich mit Gol mit einem Direktflug nach Joao Pessoa geflogen. Dieser Flug war relativ teuer, da es wie gesagt ein Direktflug war, und Joao Pessoa ein sehr kleiner Flughafen ist. In Joao Pessoa hat mich meine „Godmother“ Marina vom Flughafen abgeholt und zu Leticia in die Wohnung gebracht.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe meinen Forschungsaustausch im Department of Biotechnology in der Arbeitsgruppe von Profa. Josiane de Campos Cruz gemacht. An meinem ersten Tag hat meine Godmother mich an die Uni gebracht und mich Profa. Josiane vorgestellt. Sie war sehr nett und hat mich zu meiner Betreuerin, einer Doktorandin, gebracht. Meine Betreuerin war auch sehr nett und hatte sich schon einen Plan gemacht, auf den sie mir für jeden Tag eine Aktivität und eine Ansprechperson aufgeschrieben hat, an die ich mich wenden kann. Sie meinte auch sofort, dass ich mir auch ruhig mal freinehmen könnte, ich sollte nur Bescheid sagen. Meine Aktivitäten bestanden vor allem darin, den anderen Studenten zuzusehen. Je nachdem bei wem ich war, durfte ich mal Sachen abmessen oder titrieren oder auch mal Organe zermatschen oder Mäuseställe putzen. Ich musste aber nie etwas machen, was ich nicht wollte. Es waren alles nur Vorschläge und wenn ich mal früher gehen wollte oder länger Pause machen wollte, war das auch kein Problem. Insgesamt waren die Studenten in dem Labor alle unglaublich freundlich und bemüht mir Sachen zu zeigen, auch wenn es manchmal schwierig war aufgrund der Sprachbarriere. Viele Studenten haben doch nur sehr rudimentär oder gar kein Englisch gesprochen und mein Portugiesisch ist auch ausbaufähig, aber irgendwie hat man sich doch immer verständigen können. Meistens bestand mein Tag daraus, dass ich am Vortag demjenigen, dem ich für den kommen Tag zugeteilt war, geschrieben habe und gefragt habe, ab wann sie im Labor sind. Das war meistens so gegen 9 Uhr. Der Versuch, der am häufigsten durchgeführt wurde, war einer zur Membranaktivität unter bestimmten Metaboliten. Dort habe ich dann zugeschaut wie zuerst die Mesenterialarterie aus einer Ratte entnommen und vorbereitet wurde und dann verschiedene Tests durchgeführt wurden. Bei den Tests durfte ich Sachen abmessen und hinzugeben und Ergebnisse notieren, im Großen und Ganzen gab es jedoch nicht wirklich eine Aufgabe für mich und ich habe einfach nur zugeschaut. Meistens war ich spätestens gegen 13 Uhr zuhause. Wer den Anspruch hat, selber etwas „zu forschen“, ist hier wahrscheinlich falsch aufgehoben. Die brasilianischen Studenten geben sich jedoch sehr viel Mühe, einem alles so gut es geht zu erklären und einen miteinzubeziehen. Und wenn ich ehrlich bin fand ich es auch nicht allzu schlimm, mich dann gegen Mittag mit Norah zusammen an den Strand zu legen. Ich muss aber auch sagen, dass ich die Zeit ohne Norah wahrscheinlich als sehr einsam empfunden hätte, da sich meine CP und Host nicht wirklich gekümmert haben, und ich eben nicht viel Zeit beim Praktikum verbracht habe.

Land und Leute

Joao Pessoa ist die Hauptstadt des Staates Paraiba, aber trotzdem eine recht beschauliche Stadt. Nach dem Praktikum habe ich meistens gewartet bis von Norah die Nachricht „auf dem Weg“ kam und dann haben wir uns zusammen verschiedene Sachen angeschaut. Einen Tag ganz am Anfang haben wir uns der Altstadt von Joao Pessoa gewidmet, die wirklich süß ist mit einigen bunten Häusern und schönen Aussichtspunkten. Die meiste Zeit waren wir jedoch um Cabo Branco und Bessa herum unterwegs. Das sind die Stadtviertel die direkt am Meer gelegen sind. Hier gibt es auch eine extra Bahn für Jogger bzw Fußgänger direkt am Strand. Joggen kam allerdings tagsüber nicht wirklich in Frage, da es in Joao Pessoa wirklich extrem heiß ist und die Luftfeuchtigkeit bei gefühlten 100%. Da Joao Pessoa aber, zumindest unserem Gefühl nach, eine extrem sichere Stadt ist und vor allem auch diese Stadtviertel, konnte man auch gut abends, nachdem die Sonne untergegangen ist, an der Strandpromenade laufen gehen. An unserem ersten Wochenende waren wir am Strand Intermares, einem der schönsten Stadtstrandabschnitte in Joao Pessoa und abends haben uns Bianca und Ananda (Norahs CP und Host) mit auf eine Medizinerparty genommen. Unter der Woche hatten wir auch genug Zeit an ein paar weiter entfernte Strände zu fahren, wobei „weiter entfernt“ trotzdem alles unter einer Stunde und gut und günstig mit dem Uber zu erreichen war. Und Strände gibt es um Joao Pessoa herum einige und unglaublich schöne an denen man fast alleine ist, wirklich ein Traum. Wenn wir nicht gerade am Strand lagen hat man uns meistens in einem der unzähligen Acai Laden gefunden. Man kennt Acai ja mittlerweile auch in Deutschland, aber das hier hat mit dem Original nicht so viel zu tun. Ich kann gar nicht so viel dazu schreiben, außer probiert es selber!! An unserem zweiten Wochenende haben Norah und ich einen Ausflug nach Olinda und Recife gemacht. Olinda hat eine wunderschöne Altstadt, in der man gut einfach nur schlendern und sein Acai oder Tapioca genießen kann. Bis dahin haben wir in Brasilien nicht so viel von Corona mitbekommen, die Fallzahlen waren sehr gering und vor allem in den Großstädten Sao Paulo und Rio de Janeiro und nicht bei uns im Nordosten. Als wir jedoch aus Olinda zurück kamen, änderte die Situation sich schlagartig. Die Universitäten hatten von heute auf morgen den Betrieb ausgesetzt, meine Host hat sich mit den Worten „nice to meet you“ in ihre Heimatstadt abgesetzt, und aus Europa kamen jeden Tag schlechtere Nachrichten. Wir erfuhren von mehreren Reisenden, die in anderen Südamerikanischen Ländern festsaßen und nachdem uns das Konsulat gesagt hat, dass sie uns nicht garantieren können, wie lange die Flughäfen noch offen sind, beschlossen wir schweren Herzens unsere Zeit in Joao Pessoa abzubrechen und nach Hause zu fliegen. Da sich die Situation wirklich allein innerhalb eines Tages komplett geändert hat, hat sich unser Heimweg nach Europa am Ende noch als ein reines Abendteuer herausgestellt.

Fazit

Die Zeit in Brasilien und vor allem in Joao Pessoa mit Norah war wunderschön. Es ist ein tolles Land mit tollen Menschen und viel zu entdecken. Leider hat uns Corona ganz schön einen Strich durch die Rechnung gemacht, aber wir wollen auf jeden Fall zurück und uns die unzähligen anderen Orte anschauen, die es noch zu entdecken gibt.

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