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Slovenia (SloMSIC)

Neurologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Georgina K., Heidelberg

Motivation

Schon lange hatte ich mit der Idee gespielt eine Famulatur im Ausland zu machen und mich dann recht kurzfristig für eine Bewerbung entschlossen, nachdem ich einen Termin für einen Sprachtest bekommen habe. Da ich nicht fliegen wollte und mich in Europa vor allem kleinere Länder interessiert haben, habe ich mich für die Bewerbung nach Slowenien entschieden. Wie sich herausstellte (nicht nur Coronabedingt) eine herausragende Wahl!

Vorbereitung

Bis auf die Bewerbung und das rechtzeitige Hochladen aller Dokumente, habe ich keine besonderen Vorbereitungen getroffen. Bei Fragen stand einem jederzeit sein CP zur Seite und hat nochmals an das Hochladen bestimmter Dinge erinnert und konnte einem auch sagen, ob man Besonderes wie Bettwäsche oder Handtücher benötigt.
Mein einziger Rat wäre sich rechtzeitig um den Sprachtest zu kümmern, da es ansonsten mit den Terminen etwas stressig werden könnte.

Visum

Da Slowenien Teil des Schengenraums ist, benötigt man aus Deutschland kein Visum. Mein Personalausweis war immer ausreichend, ich hatte, auch wegen verschärfter Grenzkontrollen durch Corona, meinen Reisepass dabei.

Gesundheit

Ich habe für die Famulatur keinen neuen Impfungen gebraucht. Ich musste nur vorzeigen, dass die Impfungen bei mir vorhanden waren. Bei manchen anderen Abteilungen benötigte man jedoch einen Tuberkulose- oder MRSA-Test. Coronabedingt haben zwei Abteilungen auch einen Corona-Test am ersten Tag verlangt. Auch dies war bei mir jedoch nicht erforderlich.

Sicherheit

Slowenien ist ein sehr sicheres Land, auch als ich nachts gereist bin oder spät in Ljubljana unterwegs war, habe ich mich immer sicher gefühlt. Die Lage schien mir nicht anders als in Deutschland zu sein. Auch von den slowenischen Studenten wurde betont, dass es sehr sicher sei.

Geld

In Slowenien wird der Euro verwendet, was das Geldwechseln erspart hat. Preislich schien mir alles ähnlich zu sein wie in Deutschland, besonders wenn man bei Hofer (Aldi) eingekauft hat. Grundsätzlich konnte man immer mit Karte zahlen, jedoch empfiehlt es sich Bargeld dabei zu haben, besonders um die Ausflüge, welche von den slowenischen Studenten organisiert werden, zu bezahlen oder um Rechnungen in einem Lokal aufzuteilen, wenn man als Gruppe zahlen muss.

Sprache

Generell wird slowenisch gesprochen, auch in der Kommunikation mit den Patienten. Grundsätzlich war es jedoch kein Problem mit Ärzten und Pflegern Englisch zu sprechen, einige sprachen auch Deutsch. Die alltäglichen Phrasen sollte man sich jedoch auch auf Slowenisch merken.

Verkehrsbindungen

Dadurch, dass Anfang August die Sorge um Corona groß war sind alle Incomings (Coronabedingt nur fünf aus europäischen Ländern) mit dem Auto angereist. Nach Hause bin ich allerdings mit den Zug gefahren, die Anbindung nach München ist gut und auch über Nacht fahren ist möglich. Auch mit dem Flixbus kann man über München nach überall in Deutschland reisen. Bei frühen Buchungen sind die Preise etwa 50€.
Innerhalb von Ljubljana selber konnten wir zur Klinik laufen und auch die Innenstadt war fußläufig (10 Minuten) zu erreichen. Für 3€ im Jahr kann man mit Bicikelj am Bikesharing teilnehmen, welches überall in der Stadt Stationen hat. Für jeweils eine Stunde kann man damit kostenlos fahren. Dazu benötigt wird eine Kreditkarte und eine UrbanaCard (bekommt man für 2€ an jedem Kiosk). Mit der UrbanaCard kann man auch die Busse nutzen, eine Fahrt kostet 1,50€. Dies habe ich allerdings nie genutzt, da man von unserer Wohnung zu Fuß überall war und ansonsten Bicikelj eine gute Option war.

Kommunikation

In unserer Wohnung und im Krankenhaus gab es überall WLAN, ansonsten konnte man mit seinen mobilen Daten von seiner deutschen SIM-Karte normal das Internet nutzen. Wir haben außerdem eine slowenische SIM-Karte für die Studenten-Boni bekommen. Da ich nicht, wie einige andere, ein zweites Handy für die Boni dabeihatte, habe ich mir bei Hofer für einen Monat ein Internetpaket gekauft und hatte damit keine Schwierigkeiten.

Unterkunft

Da wir Coronabedingt diesen August nur 5 Incomings waren, wurde uns eine Wohnung zu fünft zur Verfügung gestellt. In einem Zimmer waren zwei Betten, in welchem ein Pärchen gewohnt hat, das andere Zimmer haben wir uns zu dritt geteilt. In jedem Zimmer war ein Schrank und ein Schreibtisch vorhanden, Handtücher und Bettwäsche wurden gestellt. Wir hatten ein Bad mit Waschmaschine und einen großen Wohnbereich mit Küche, Esstisch, Sofa und Fernseher. Dies sei durch die geringe Anzahl an Incomings eine Sondersituation gewesen, da sonst ein Wohnheim als Unterkunft genutzt wird. Dadurch hatten wir jedoch eine super Lage und waren alle in etwa 10 Minuten bei unserer jeweiligen Abteilung der Uniklinik und auch schnell in der Innenstadt.

Literatur

Über Slowenien als Land habe ich mich vorher etwas im Internet informiert, da ich einige Tage zuvor schon im Land unterwegs war. Ansonsten wurden an den Wochenenden Ausflüge organisiert, die einem die touristischen Highlights des Landes gezeigt und einen guten Eindruck von der Vielfalt vermittelt haben.
Fachlich habe ich nur meinen aktualisierten Amboss-Account dabei gehabt und dort oder im Internet nachgelesen, wenn sich Fragen ergeben haben.

Mitzunehmen

Den ganzen Monat war es sehr warm, hat jedoch auch einige Male geregnet (ein Regenschirm ist also definitiv praktisch). Dadurch, dass man waschen konnte, brauchte man eigentlich nicht viel Kleidung. Ich hatte vor allem Sommerliches, Badesachen und eine Regenjacke dabei.
Ich hatte zwar meinen Kittel und eine weiße Hose dabei, in der Neurologie wurde mir aber vor Ort Klinikkleidung gestellt, die ich jeden Tag wechseln sollte. Auch ein Namensschild habe ich dort bekommen, nur der Reflexhammer war von mir.

Reise und Ankunft

Angereist bin ich mit dem Auto und war bereits einige Tage vorher in Ljubljana. Da die Unterkunft ab Sonntag verfügbar war, bin ich zwischenzeitlich in einem Hostel untergekommen und habe die Stadt erkundet. Vor Ort wurde ich dann von mehreren slowenischen Studenten mit einem Willkommenspaket in Empfang genommen, die uns alles in der Wohnung gezeigt haben. Jeder von uns wurde am ersten Tag zu seinem Mentor begleitet, sodass wir dort gut aufgenommen worden sind. Absprachen mit den slowenischen Studenten haben immer gut funktioniert.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich wurde am ersten Tag der Stroke Unit zugeteilt, die als Intermediate Care Station acht Betten hatte. Auf dieser war ein Arzt für die Station verantwortlich, ansonsten waren drei Ärzte in Weiterbildung, sowie ein slowenischer Student dort, der sich die Neurologie ansehen wollte. Der slowenische Student war für mich ein großer Vorteil, da wir dadurch gemeinsam die Anamnese-Gespräche und Untersuchungen durchführen konnten. Besonders sprachlich war dies bei älteren Patienten von Vorteil. Wir haben jeden neuen Patienten untersucht, sowie in Abständen auch die anderen Patienten um den Verlauf zu beobachten. Ansonsten wurden wir wie die Assistenzärzte behandelt und sollten regelmäßig Fragen zu den Patienten beantworten, den Hintergrund dazu in der Literatur recherchieren und dann gemeinsam mit allen diskutieren. Mindestens zwei Stunden am Tag waren deswegen tatsächlich dem Literaturstudium gewidmet. Da dies selbst für die Assistenzärzte sehr schwierig war, war dies auch für uns Studenten eine große Herausforderung, woraus ich allerdings auch einiges gelernt habe. Bei den Fragestellungen ging es besonders um seltene Hirnstammsyndrome, Neuroanatomie und die Okulomotorik. Wegen mir haben die Diskussionen auf Englisch stattgefunden.
Mein Tag in der Klinik begann gegen acht und dauerte meist bis zwei/drei Uhr. Dieser Umfang hat jedoch vollkommen ausgereicht und einem auch die Möglichkeit geboten noch den Nachmittag zu genießen. Bei Incomings in anderen Abteilungen wurde allerdings weniger Wert darauf gelegt wie lange sie blieben oder ob sie überhaupt anwesend waren.
Die neurologische Klinik hat in alles Aspekten deutschen Standards entsprochen, besonders die Intensivstation, die ich bei der wöchentlichen Chefarztvisite gesehen habe, war exzellent ausgestattet. Bei den Visiten habe ich wenig verstanden, jedoch hat der slowenische Student mir immer einiges übersetzt, sodass ich zumindest grob wusste worum es bei dem jeweiligen Patienten geht.
Ich hätte mir gewünscht auch andere Abteilungen der Neurologie sehen zu können, jedoch waren zu der Zeit immer seltene Schlaganfallsyndrompatienten auf Station, sodass die Ärzte sich gewünscht haben, dass wir diese genauer untersuchen. Dies war auf der andererseits auch sehr spannend, trotzdem habe ich so nur die Stroke Unit wirklich kennengelernt.
Das slowenische Gesundheitssystem ist im Vergleich zum deutschen nur staatlich organisiert. Viele Patienten in Ljubljana kamen aus anderen Teilen Sloweniens und wurden wegen der Größe der Klinik und den Behandlungsmöglichkeiten bei Bedarf in die Hauptstadt verlegt, sodass sich dort die schwereren oder komplexeren Fälle wiedergefunden haben. Da Slowenien insgesamt nur zwei Millionen Einwohner hat, schien dieses System dort gut zu funktionieren.

Land und Leute

Slowenien ist ein kleines, aber sehr vielfältiges und vor allem grünes Land. Viel hiervon wurde uns am Wochenende durch Ausflüge gezeigt. Trotz dessen, dass wir nur fünf Incomings waren, wurde uns dasselbe Social Programm geboten, was ansonsten mit einem Reisebus und fast vierzig Leuten stattgefunden hätte, nur, dass wir mit Privatautos unterwegs waren. Dies hat uns viel Flexibilität gegeben, was sehr schön war.
Am ersten Wochenende sind wir an die Küste nach Koper und Piran gefahren und haben auf dem Weg die Burg Predjama und die Höhlen von Postojna gesehen. Am zweiten Wochenende ging es mehr in den Norden nach Bled, Bohinj und zum Raften und Canyoning auf dem Soca. Das letzte Wochenende ging es nach Velika Planina und einen See in der Nähe.
Auch unter der Woche wurde uns viel angeboten, von NFDP, gemeinsamem Essen von traditionellen Gerichten oder Eislaufen, gab es viele Möglichkeiten. Außerdem gab es eine Kinovorstellung auf dem Schloss oder ein Besuch der Museen als es geregnet hat. Der Eintritt in die Museen ist am ersten Sonntag jedes Monats kostenlos.
Grundsätzlich bieten sich in Ljubljana viele Orte beim Fluss an um gemütlich zu sitzen, Eis zu essen (Cacao oder Vigo), Kaffee zu trinken, zu quatschen und ein Buch zu lesen, sodass wir genau dies häufig nachmittags gemacht haben. Auch Tivoli Park bietet sich sowohl für gemütliche Abende als auch sportliche Aktivitäten an. Außerdem sind wir Bouldern gegangen, was etwas außerhalb der Stadt lag.
In Slowenien gibt es für Studenten Boni, mit denen man für Preise bis maximal 4,31€ etwas zu Essen bekommt. Damit kann man in vielen Restaurants vom Studentenmenu essen und bekommt dabei Suppe, Salat, ein Hauptgericht und ein Stück Obst. Pro Werktag des Monats erhält man einen Boni (jedoch nicht für die ersten beiden Augustwochen, da ist Pause für Boni). Dadurch haben wir die ersten beiden Wochen vor allem gekocht, die anderen beiden Wochen haben wir jedoch unterschiedliche Lokale ausprobiert. Um die Boni zu nutzen muss man eine bestimmte Rufnummer wählen und sein Handy an ein Gerät halten. Danach zahlt man die restliche Differenz. Essenstechnisch ist es auf jeden Fall gut in Slowenien Student zu sein und in zwei Wochen konnte man stets neues Essen ausprobieren.
Insgesamt scheint das Land wirtschaftlich gut gestellt zu sein. Die Slowenen waren stets sehr herzlich und schienen sich zu freuen uns etwas von ihrem Land zeigen zu können. Besonders positiv ist mir aufgefallen, wie viel Wert auf Grünflächen, Sauberkeit und Mülltrennung gelegt wird, was sich auch im Erscheinungsbild der Städte deutlich wiedergespiegelt hat.

Fazit

Slowenien als Land ist ein Traum und hat unglaubliche Vielfalt zu bieten (in einer Stunde ist man von Ljubljana in den Bergen und am Meer). Dass der Austausch inmitten einer Pandemie stattfinden konnte, hat mich unglaublich gefreut. Dadurch, dass wir so wenige Incomings waren, hatten wir eine sehr persönliche Betreuung.
Kurz: Ich würde allen empfehlen nach Slowenien zu gehen- es war eine tolle Erfahrung.

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