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Slovenia (SloMSIC)

Anästhesie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Britta, Leipzig

Motivation

Für meine letzte Famulatur wollte ich gerne noch einmal in ein Land gehen, dessen Kultur und dessen Gesundheitssystem ich noch nicht kannte, dennoch wollte ich nicht zu weit weg. Ich hatte mir schon überlegt, dass ich mich auf einen Restplatz bewerben möchte, da mir die lange Bewerbungsphase nicht flexibel genug war. Als ich einige osteuropäische Länder auf der Liste gesehen hab wusste ich, dass mich diese am meisten interessieren und habe mich so auch für Slowenien beworben.

Vorbereitung

Durch die Covid-Situation habe ich mich erst sehr kurzfristig getraut, mich auf den Austausch vorzubereiten, da ich lange daran gezweifelt habe, dass ich ihn überhaupt antreten kann. Vor der Bewerbung habe ich schon einige Erfahrungsberichte gelesen, um einschätzen zu können, was auf mich zukommt und was ich benötige. Das hat sehr geholfen. Einige Schwierigkeiten hatte ich mit der Website der IFMSA, da wurde mir von dem Exchange Assistant für Outgoings der bvmd aber sehr gut geholfen. Den Zug nach Ljubljana habe ich dann erst 2 Wochen vor Abreise gebucht, das hat aber alles gut funktioniert. Ansonsten hatten wir auch schon Kontakt mit unseren Kontaktpersonen circa 2 Wochen vor Abreise, das war sehr beruhigend.

Visum

Ein Visum braucht man als europäische*r Staatsbürger*in nicht.

Gesundheit

Als Deutsche brauchte ich vor Einreise nach Slowenien zu dem Zeitpunkt keinen Covid-Abstrich und auch keine anderen speziellen Tests. Eine Auslandsreiseversicherung habe ich sowieso, das halte ich auch für sehr sinnvoll. Außerdem habe ich einige Medikamente immer auf Reisen dabei, in Slowenien bekommt man aber auch alles ohne Probleme. Insgesamt wurde mit Covid eher weniger vorsichtig umgegangen als in Deutschland, zu dem Zeitpunkt hatte Slowenien aber auch nur sehr wenig Infizierte. Dennoch waren wir manchmal unzufrieden mit dem Umgang, vor allem von Seiten der Besitzer des Airbnbs in dem wir untergebracht waren.

Sicherheit

Ljubljana ist eine sehr sichere Stadt, man kann ohne Probleme nachts unterwegs sein. Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unwohl gefühlt, wir waren allerdings auch oft zusammen unterwegs und vor allem in Innenstadtnähe.

Geld

Die Währung in Slowenien ist Euro. Ich hatte eine Kreditkarte mit und habe zwei Mal Geld abgehoben, für die von der Organisation angebotenen Ausflüge brauchte man nämlich Bargeld. Ansonsten kann man aber auch super mit Karte zahlen. Die Lebenshaltungskosten sind etwas niedriger als in Deutschland, vor allem da es Student Coupons gibt, mit denen man für maximal 4,31€ essen gehen kann.

Sprache

In Slowenien wird Slowenisch gesprochen. Da habe ich mir ein paar wichtige Worte für den Alltag angeguckt, im Prinzip kommt man aber mit Englisch gut zurecht. Vor allem die Ärztinnen und Ärzte haben gut Englisch gesprochen, mit dem Pflegepersonal war es manchmal etwas schwierig zu kommunizieren, aber alle haben sich immer Mühe gegeben. Ich würde sagen, dass man mit einem B1 oder B2 Niveau super zurechtkommt.

Verkehrsbindungen

Ich habe sehr kurzfristig einen Zug nach Slowenien gebucht, das hat sehr gut funktioniert. Ich bin erst nach München gefahren und von da gab es einen Nachtzug für ca. 30€ nach Ljubljana, super praktisch. Auf dem Rückweg habe ich dann den Flixbus nach München genommen, der hat nur 20€ gekostet und braucht sogar kürzer als der Zug. Im Land sind wir mit dem Auto unterwegs gewesen, da wir nur so wenige waren. Zum Reisen kann man sich auch sehr gut ein Auto leihen, das kostet gute 10€ pro Tag und ist wesentlich praktischer als mit dem Bus oder Zug im Land zu reisen.

Kommunikation

Wir haben in Ljubljana, um die Student Coupons in den Restaurants nutzen zu können, eine slowenische Sim-Karte bekommen. Man konnte die entweder immer wechseln oder drin lassen und nur über die mobilen Daten nach Hause kommunizieren, das ging gut, da wir 40 GB Datenvolumen hatten. Ich habe Letzteres gemacht und immer über Whatsapp telefoniert. Man kann sich auch überlegen ein zweites Handy für die Coupons mitzunehmen, falls einen das Wechseln der Sim-Karte stört.

Unterkunft

Wir sind in einem Airbnb untergekommen, das von der Gastorganisation organisiert wurde. Dort gab es eine gut ausgestattete Küche, W-Lan, Bettwäsche und Handtücher. Insgesamt war die Unterkunft etwas heruntergekommen aber sehr groß und für einen Monat vollkommen ausreichend. Die Absprache mit den Besitzern war allerdings zwischendurch etwas schwierig. Wir mussten für die letzte Woche in eine andere Wohnung im gleichen Gebäude ziehen, da zwei Studentinnen, die in Quarantäne mussten, in eins der Zimmer gezogen sind und wir jeweils nicht voneinander wussten, dass wir zusammenwohnen sollen. Aber auch da haben sich unsere Kontaktpersonen für uns eingesetzt und wir haben eine gute Alternative gefunden.

Literatur

Ich habe nicht wirklich recherchiert bevor ich gefahren bin, auch weil ich so lange dachte, dass es nicht klappen wird. So habe ich alles auf mich zukommen lassen und habe das auch nicht bereut, da man auch von den Gastgebern super Tipps bekommt und viele Ausflüge für uns organisiert wurden.

Mitzunehmen

Für das Praktikum habe ich Turnschuhe, eine weiße Hose und einen Kittel mitgenommen, die Klamotten habe ich aber letztendlich nicht gebraucht, da ich welche vom Krankenhaus gestellt bekommen habe. Das war aber in anderen Fachbereichen nicht so. Ansonsten hatte ich Wandersachen und Schwimmsachen mit und etwas für den Alltag und war damit gut ausgestattet. Das Wetter war Anfang September richtig gut, wir hatten fast 30 Grad und Ende September war es dann schon sehr kalt und regnerisch, darauf sollte man auch vorbereitet sein.

Reise und Ankunft

Die Anreise war etwas stressig, da mein erster Zug viel Verspätung hatte, der Nachtzug hat aber zum Glück gewartet. Am Bahnhof in Ljubljana wurde ich dann morgens von meiner Kontaktperson abgeholt und zur Unterkunft gefahren, das war echt toll. Als dann alle Austauschstudentinnen da waren, sind wir einmal zum Krankenhaus gegangen und ich habe einen Spind bekommen. Am nächsten Tag ging das Praktikum los, da habe ich mich morgens mit meiner Kontaktperson getroffen und er hat mich zur Wäscheausgabe und danach zu meiner Mentorin gebracht. Insgesamt wurde sich super um uns gekümmert.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war in Ljubljana auf der Anästhesie. Dort waren alle super nett und haben sich sehr Mühe gegeben mir viele Sachen zu zeigen und mich auch viel machen zu lassen. So habe ich schon am ersten Tag intubiert und durfte auch fast jeden Patienten intubieren. Außerdem durfte ich viele Larynxmasken legen, habe arterielle Zugänge gelegt und auch viele Blasenkatheter. Auch ein paar Flexülen habe ich gelegt, oft haben das allerdings die Pfleger*innen übernommen. Dann habe ich auch geholfen Medikamente aufzuziehen und während der Operationen zu protokollieren. Ich hatte das Glück, das meine Mentorin mich mit einem deutschen Arzt bekannt gemacht hat, mit dem ich dann viel unterwegs war, so konnte er mir viel erklären und auch interessante Eindrücke über das slowenische System mit mir teilen. Zum Beispiel ist die Facharztausbildung sehr lehrorientiert, die Assistenzärzte sind immer mit einem Facharzt im OP und sind nur in zweiter Linie Arbeitskräfte. Mit ihm war ich auch viel im pädiatrischen OP, das fand ich sehr spannend. Dort konnte ich zwar nicht ganz so viel machen, habe aber viele verschiedene Operationen gesehen. Wir waren auch beim MRT in der Pädiatrie und auf der pädiatrischen Intensivstation. Dort habe ich sogar eine Reanimation eines Säuglings gesehen, das ist mir am meisten in Erinnerung geblieben. Außerdem war ich noch im plastischen und neurochirurgischen OP. Ich hätte auch auf die Intensivstation der Erwachsenen gehen können, habe mich aber dagegen entschlossen, da ich an den Tätigkeiten im OP viel Spaß hatte. Der einzige Nachteil dieses Praktikums war, dass man dann doch viel rumsaß, solange die Operation ging. Ich durfte dann aber auch mal im Vorraum an meinem Laptop arbeiten oder was lesen, da waren alle sehr entspannt. Insgesamt war ich immer von 8 bis 13 oder 14 Uhr im Krankenhaus und man hatte nur eine 80 % Anwesenheitspflicht, man konnte sich also auch mal einen freien Tag nehmen. Was die Ausstattung im Krankenhaus angeht orientiert sich Slowenien sehr am deutschen System, deswegen konnte ich im OP kaum Unterschiede erkennen. Die anderen Studentinnen haben aber erzählt, dass die Stationen teilweise etwas runtergekommen waren, da das Gebäude auch schon lange nicht mehr renoviert wurde. Die Stimmung im OP war meiner Meinung nach lockerer als in Deutschland und auch die Hierarchien sind gefühlt nicht so stark ausgeprägt. Das habe ich als sehr angenehm empfunden, da die Atmosphäre im Team immer sehr gut war und man sich auf Augenhöhe begegnet ist.

Land und Leute

Slowenien ist ein super vielfältiges und sehr schönes Land, trotz der geringen Größe. Unsere Gastgeber waren alle super nett und haben sich echt toll um uns gekümmert. Wir haben einiges miteinander unternommen, zum Beispiel haben sie uns die Stadt gezeigt, wir haben einen „National Food and Drink“ Abend gemacht und das traditionell slowenisch/ österreichische Kartenspiel Tarock gelernt. Von ihnen wurden auch einige Wochenendausflüge organisiert. Am ersten Wochenende waren wir in der Postojna Höhle, bei der Predjama Burg, haben eine Weinverkostung in Vinakras gemacht und haben die Küstenstädte Koper, Izola und Piran gesehen. Letztere war besonders schön, sie erinnert von der Architektur an italienische Kleinstädte. Das zweite Wochenende haben wir für einen Tagesausflug nach Venedig genutzt, waren in Maribor, der zweitgrößten Stadt in Slowenien, und in Ptuj, der ältesten Stadt Sloweniens. Am Sonntag haben wir noch eine super schöne und anstrengende Wanderung auf den Berg Visevnik gemacht, eines der schönsten Erlebnisse meiner Meinung nach. Am dritten Wochenende waren wir im Vintgar Gorge und haben uns Bled und Bohinj angesehen, zwei idyllische Seen im Norden. Leider haben wir es nicht mehr geschafft Stand-Up-Paddlen zu gehen, da war unsere Zeitplanung etwas zu knapp. Außerdem waren wir am Sonntag Raften auf der Soča und Canyoning, beides tolle Erfahrungen, die ihr Geld auf jeden Fall wert sind. Am vierten Wochenende war das Wetter leider nicht so gut, wir Austauschstudentinnen haben aber den Donnerstag genutzt, um eine lange Wanderung nach Velika Planina zu machen, auch sehr empfehlenswert. Das ist eine Hochebene, auf der im Sommer die Hirten unterwegs sind. Die waren zwar schon nicht mehr da, aber eine kleine Hütte hatte noch offen und wir haben auch trotz Nebel die Landschaft genießen können. Nach dem Austausch habe ich die Zeit noch ein bisschen genutzt und war viel klettern und wandern, dafür ist Slowenien ein wahres Paradies, meine Kontaktperson meinte immer, hiken sei der Volkssport der Slowenen. Das Essen ist den süddeutschen, österreichischen und tschechischen Spezialitäten sehr ähnlich, es gab aber einige interessante Gerichte mit beispielsweise Buchweizen. Ich habe allerdings vieles nicht probiert, da das meiste mit Fleisch ist. Als Vegetarier*in oder Veganer*in ist es schwierig die traditionellen Gerichte zu probieren, wir waren aber zum Abschied in einem slowenischen veganen Restaurant, das war sehr lecker. Auch mit dem Student Coupons kann man in einigen vegetarischen und veganen Restaurants gut essen.

Fazit

Insgesamt war es ein sehr schöner Aufenthalt und eine rundum gute Erfahrung. Ich kann jedem empfehlen so einen Austausch mitzumachen, da man so eine gute Chance auf einfache Art eine Kultur, tolle Menschen und ein anderes Gesundheitssystem kennenzulernen wahrscheinlich nicht so häufig bekommt.

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