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Slowenien (SlomSic Slovenia)

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Theresa, Köln

Motivation

Reisen gehört für mich zu einer meiner größten Leidenschaften, da ich es liebe neue Landschaften zu entdecken und mich mit Menschen aus anderen Ländern auszutauschen. Der Gedanke, dass ich als Medizinstudentin angesichts der vielen Pflichtpraktika und Projekte in den Semesterferien nun weniger Zeit haben werde, dieser Leidenschaft nachzugehen, beschäftigte mich anfangs häufig.
Daher war ich sehr interessiert, als ich von dem Forschungsaustausch erfuhr, da es die perfekte Möglichkeit darstellte, sowohl mein obligatorisches 1. Wissenschaftliches Projekt zu absolvieren und gleichzeitig ein neues Land zu entdecken.
Ich wollte gerne innerhalb Europas reisen und mir fiel auf, dass ich nur wenig über osteuropäische Länder wusste. Als ich auf Slowenien stieß, fing ich an ein bisschen zu recherchieren und war sofort hin und weg von den zahlreichen landschaftlichen wie kulturellen Angeboten, sodass mir schnell klar wurde: Da muss ich hin!

Vorbereitung

Für die Bewerbung musste ich einiges an Dokumenten einsenden und ein Sprachzertifikat erwerben. Meine Universität bot die Prüfung für ein DAAD Sprachzertifikat an, welche ich mit vorheriger Anmeldung problemlos absolvieren konnte. Da die gesamte Bewerbungsprozedur während meines ersten Semesters stattfand, fühlte ich mich durch den organisatorischen Aufwand leicht überfordert, sodass ich teilweise kurz davor war, mir den ‚Aufwand‘ zu ersparen und den ganzen Austausch zu vergessen. Nun bin ich überglücklich, dass ich mich doch dagegen entschieden habe, da diese einzigartige Erfahrung den Bewerbungsaufwand mehr als wert war! Ich kann deswegen nur jeden dazu ermuntern, am Anfang die Zähne zusammen zu beißen, da es sich wirklich lohnt.

Als ich die Card of Acceptance aus Ljubljana erhielt fragte ich die zuständige LORE nach Artikeln bzw. Literatur über das Thema meines Projekts, um mich ein wenig darauf vorzubereiten. Dafür war ich im Nachhinein sehr dankbar, da es mir den Einstieg in das Projekt deutlich vereinfacht hat. Gleichzeitig hatte mir meine Kontaktperson ein kleines ‚Survival-Kit‘ für meinen Aufenthalt in Slowenien geschickt, in dem man viel über die Sprache, Essgewohnheiten, Fortbewegung, Kultur und vieles mehr in Slovenien erfuhr.
Besonders dankbar bin ich der zuständigen Nore-out Sophia, an die ich mich bei jeglichen Fragen bezüglich des Austauschs wenden konnte und die mir stets weiterhalf, wenn ich mal ein Problem hatte.
Als ich nun alle Dokumente zusammen und abgeschickt hatte, hieß es nun einfach warten.

Visum

Da Slowenien ein EU-Mitgliedsstaat ist, benötigte ich kein Visum. Die Einreise verlief ohne Probleme.

Gesundheit

Hinsichtlich der Gesundheit habe ich keine speziellen Vorkehrungen getroffen, da der Zustand dort vergleichbar mit dem in Deutschland ist. Somit war die Standard-Impfprophylaxe ausreichend und meine Reiseapotheke beschränkte sich auf Schmerzmittel, Verbandsmaterialien und Medikamente bei Magen-Darm-Problemen. Was ich zusätzlich noch empfehlen würde – zumindest für diejenigen, die ebenfalls zu einer vergleichbaren Zeit dort hinreisen – ist ein Mückenschutzmittel (z. B. ein Spray) und ein Mittel zur Behandlung von Mückenstichen, da ich regelmäßig gestochen wurde und es wirklich viele Mücken gab.
Aufgrund der SARS-COV2-Situation war es natürlich wichtig, genügend MNS-Masken einzupacken, da zu der Zeit ebenfalls Maskenpflicht in geschlossenen Räumen herrschte. Gleichzeitig hatte ich ein Desinfektionsmittel für unterwegs dabei, was ich häufig benutzt habe und ich in diesen Zeiten als besonders notwendig erachtet habe.

Sicherheit

Unsere slowenischen Kontaktpersonen versicherten uns direkt am Anfang, dass Ljubljana eine sehr sichere Stadt ist. Ich habe während meines Aufenthalts keinerlei Erfahrungen gemacht, die dem widersprachen, denn auch wenn ich ab und zu mal alleine im Dunkeln unterwegs war, habe ich mich nie unwohl gefühlt. Ljubljana ist eine Studentenstadt und dies merkt man unter anderem daran, dass auch abends/nachts immer noch ein paar Menschen auf den Straßen sind.

Geld

Die Währung in Slowenien ist der Euro, daher war die Bezahlung überall problemlos. Die Preise für die freiwillligen Wochenendausflüge konnten, je nach dem wie viel geplant war, auch mal über 100€ liegen und mussten immer in bar bezahlt werden, weshalb man auf jeden Fall ein bisschen Bargeld dabei haben sollte. Geld abheben kann man zwar in der Stadt an zahlreichen Automaten, allerdings muss man an den meisten zusätzliche Gebühren bezahlen. Vor allem für das Abheben mit einer Girokarte sollte man sich im Vorhinein bei seiner Bank erkundigen, da zusätzliche Gebühren von der eigenen Bank hinzukommen können. Daher würde ich die Benutzung einer Kreditkarte empfehlen, denn diese wird ebenfalls in den meisten Geschäften akzeptiert und man kann sich eventuelle Gebühren beim Geldabheben sparen.
Die Lebenshaltungskosten sind in Ljubljana vergleichbar mit denen in Deutschland – bis auf Kaffee, welcher preiswerter ist! Es gibt günstigere Supermärkte wie Lidl oder Hofer (Aldi) und etwas hochpreisigere wie Spar oder Mercator mit einer dementsprechend größeren Auswahl.
Eine super tolle Aktion waren außerdem die Studenten-Coupons, welche ich ebenfalls nutzen konnte, da ich für den einen Monat an der Universität Ljubljana eingeschrieben war. Mit diesen Coupons konnte man in vielen Restaurants (die teilweise auch sehr schick aussahen) besondere Angebote bekommen und somit sehr günstig auswärts essen. Für maximal 4,31€ bekam man z. B. einen Salat, eine Suppe ein Hauptgericht und teilweise sogar einen Nachtisch! Mit Hilfe einer App konnte man stets überprüfen, ob sich in der Nähe ein Restaurant mit Studentencoupons befand und welchen Preis das Menü hatte. Zusätzlich bekommt man auch eine kleine finanzielle Unterstützung in Form von 80€ Taschengeld in bar von der IFMSA, die ich direkt in den ersten Tagen erhielt.

Aufgrund der Wochenend-Ausflüge auf denen wir zusätzlich häufig auswärts essen gegangen sind, habe ich im Vergleich zu einem normalen Monat zuhause ein wenig mehr ausgegeben. Ich muss allerdings dazu sagen, dass die Ausflüge unglaublich toll waren und wir wirklich den niedrigsten Preis für das, was man geboten bekam, bezahlt haben.

Sprache

Die Landessprache ist Slowenisch, welche zu den slavischen Sprachen gehört. Die Aussprache fiel mir eher schwer, aber nach ca. zwei Wochen hatten mir die Slovenen bereits die Basics wie ‚Hallo‘ oder ‚Danke‘ beigebracht. Da Slowenien nur rund 2 Mio. Einwohner hat, sprechen nur sehr wenige Menschen auf der Welt diese Sprache, wodurch die Slovenen auf das Erlernen von Englisch angewiesen sind. Daher konnte man sich auf Englisch vor allem mit jüngeren Menschen stets problemlos verständigen. Erstaunlicherweise sprachen auch einige Deutsch, da dies als weitere Fremdsprache in den Schulen angeboten wird. Wenn man genau hinhört entdeckt man auch ab und zu deutsche Wörter, die in die slowenische Sprache eingeflossen sind!

Verkehrsbindungen

Der Umwelt zuliebe habe ich mich dazu entschieden, mit dem Zug nach Slowenien zu fahren. Von Köln nach München habe ich ca. 4 ½ Stunden benötigt und bin dort in den Nachtzug der ÖBB gestiegen, sodass ich am nächsten Morgen, nach weiteren 6 ½ Stunden Fahrt, in Ljubljana ankam. Wenn man früh genug bucht, ist dies sogar eine der günstigsten Optionen, da man Tickets schon ab 55€ bekommen kann. Die Züge in Slowenien sind zwar qualitativ nicht mit deutschen Zügen vergleichbar und sind daher sehr langsam, dies kann jedoch eher positiv für eine Nachtfahrt sein. Man muss sich allerdings bewusst sein, dass man am nächsten Tag sehr müde sein kann, und ich würde jedem empfehlen sicherzustellen, auch schon für den Ankunftsmorgen ein Bett zur Verfügung zu haben (achte auf die Check-in Zeit deiner Unterkunft).
Eine weitere Option wäre ein Busunternehmen, wie z. B. Flixbus. Dies habe ich auf dem Rückweg in Anspruch genommen und würde es nicht unbedingt weiterempfehlen, da es sich preislich nicht groß vom Zug unterscheidet und durch Staus auch häufig lange Verspätungen entstehen. Zudem ist Zugfahren wesentlich komfortabler. Ljubljanas Flughafen ist sehr klein, sodass Flüge deutlich teurer sind.
In der Stadt gibt es ein sehr nützliches Bikesharing-Angebot, bei dem man für einmalig 3-4€ so oft wie man will 1 Stunde ein Fahrrad ausleihen kann. Dies funktioniert ähnlich wie in vielen deutschen Städten mit festen Stationen, die man über eine App in der Stadt finden kann. Da mein Apartment sehr nah am Zentrum lag, war das Fahrrad die perfekte Fortbewegungsmöglichkeit für mich und ich habe es wirklich häufig genutzt. Wenn man etwas weiter entfernte Ziele hat, kann man auch einfach mit dem Bus fahren, denn dieser ist mit 1,50€ pro Strecke ebenfalls sehr günstig.

Kommunikation

In meiner Willkommenstasche befand sich u.a. eine slowenische Sim-Karte, die man für 10€ aktivieren konnte. Dadurch hatte ich 40GB Internet auf meinem Handy, wodurch ich noch nicht einmal auf WLAN angewiesen war und sogar ab und zu unterwegs Videotelefonate führen konnte. Abgesehen davon gab es vor allem im Zentrum fast überall WLAN-Hotspots der Stadt und natürlich war unser Apartment ebenfalls mit einem WLAN ausgestattet, sodass ich nie Probleme mit dem Internet hatte. Ich habe regelmäßig meine Familie und Freunde mit Fotos neidisch gemacht und auf dem Laufenden gehalten.

Unterkunft

Bedingt durch die SARS-COV2-Situation unterschied sich mein Austausch in vielen Aspekten von einem gewöhnlichen Austausch, wie mir die Slovenen erklärten. Ein großer Unterschied war zunächst die Anzahl der Austauschstudenten: In den anderen Jahren nahmen stets um die 40 Studenten aus der ganzen Welt pro Monat an einem Austausch teil – in meinem Fall waren wir jedoch nur zu viert, da alle anderen absagen mussten. Daher gestaltete sich die Wohnsituation auch anders als sonst. Wir wohnten zu viert in einem großen 4-Zimmer Apartment mit einem großen Wohn- und Essbereich und ich besaß sogar ein eigenes Zimmer für mich alleine. Die Küche war sehr gut ausgestattet und besaß alles, was man zum Kochen benötigte, lediglich der Ofen funktionierte nicht. Da es nur ein Badezimmer gab, musste man sich morgens gut absprechen, weil wir alle zu einer vergleichbaren Zeit arbeiten mussten. Die Wohnung verfügte zudem über eine Waschmaschine.
Die Lage der Wohnung war nahezu perfekt, da ich morgens nur 5 Minuten zu Fuß bis zu meinem Institut brauchte. Auch das Stadtzentrum erreichte man zu Fuß in weniger als 10 Minuten und es gab eine große Auswahl an Supermärkten in fußläufiger Nähe.
Ich fand die Art und Weise der Unterkunft toll, da ich die anderen Studentinnen sehr gut kennengelernt habe und wir dadurch auch immer viel gemeinsam unternommen haben. Man hatte außerdem immer jemanden zum Quatschen und ich fand die Geschichten aus dem Krankenhaus und dem Leben der Anderen super interessant.
Es kommt jedoch immer darauf an, welcher Typ Mensch man ist und man sollte sich daher im Klaren sein, dass ein solcher Austausch eben auch das Zusammenleben mit zunächst fremden Menschen bedeutet. Ich kann aber nur für mich sprechen und sagen, dass ich durch diese Erfahrung des Zusammenlebens noch einmal viel gelernt und die Zeit sehr genossen habe.
Leider gab es dann nach ca. 2 ½ Wochen doch noch Komplikationen, da der Vermieter uns plötzlich ankündigte, dass zwei Erasmus-Studentinnen aus Spanien ebenfalls einziehen würden. Bei ihrer Ankunft am nächsten Tag erfuhren wir jedoch, dass die beiden 14 Tage in Quarantäne verbringen müssen, sodass ein Zusammenwohnen nicht möglich gewesen wäre. Somit wechselten wir nach vielen Diskussionen gezwungenermaßen das Apartment und zogen in ein wesentlich kleineres Apartment – dafür aber mit Balkon - einen Stock tiefer, denn dieses gehörte den selben Vermietern. Von da an mussten wir uns ein Zimmer zu dritt teilen und einer von uns sogar auf der Couch in der Küche schlafen. Die Situation war zwar etwas unangenehm, aber da wir uns alle schon gut kannten war es kein Problem für uns nun doch auf sehr engem Raum zusammen zu leben. Zudem war die Einrichtung ein wenig gemütlicher und der Ofen funktionierte!
Dies war eindeutig ein Fehlverhalten des Vermieters, da er die Corona-Regeln missachtete. Die Slovenen traf daher überhaupt keine Schuld und sie waren sogar noch wütender auf den Vermieter als wir es waren… Letzendlich haben wir uns aber immernoch wohl gefühlt und konnten im Nachhinein auch gemeinsam ein paar Späße über unsere besondere Wohnsituation machen.

Literatur

Ich habe mir für die Zeit in Slowenien einen Reiseführer in der Bibliothek ausgeliehen, was ich nur empfehlen kann! Zu Beginn habe ich mich ein wenig eingelesen und viele interessante Dinge über Slowenien erfahren, wodurch ich das Gefühl hatte, dass ich auch mehr wahrgenommen habe als ich unterwegs war. Außerdem bekommt man Anreize für Ausflüge und Wanderungen. Ansonsten konnte man vieles in dem sog. ‚Survival Kit‘ lesen, welches ich zuvor von meiner Kontaktperson geschickt bekam.

Mitzunehmen

Ljubljana gilt als eine der regenreichsten Städte Europas, weshalb es wirklich wichtig ist, regenfeste Kleidung mitzunehmen. Zudem ist das Wandern in Slowenien eine Art Nationalsport, daher sollte man unbedingt festes Schuhwerk und sonstige Wanderutensilien einpacken. Ich hatte nur meine Turnschuhe mitgenommen, da diese ebenfalls ein gutes Profil haben, würde aber im Nachhinein eher empfehlen richtige Wanderschuhe einzupacken. Wenn man Interesse daran hat, das Land zusätzlich auf eigene Faust zu erkunden, kann ich nochmals empfehlen einen Reiseführer auszuleihen/zu kaufen – auch wenn es ein bisschen altmodisch erscheint – da ich durch diesen tolle Entdeckungen gemacht und gute Tipps bekommen habe.
Desweiteren habe ich öfters mal meine Schwimmutensilien benutzt als wir z. B. einen Ausflug ans Meer gemacht haben oder ein Schwimmbad in Ljubljana besuchten.
Ich habe zum Arbeiten meinen Laptop mitgenommen und habe diesen auch häufig zum Recherchieren oder Schreiben von Texten benutzt. Zusätzlich habe ich noch einen Collegeblock benötigt, da ich während der Experimente stets die Protokolle mit den genauen Zeiten und Mengen mitschreiben musste. Ich sollte ebenfalls einen Kittel mitbringen, da ich diesen bei der Arbeit im Labor ab und zu tragen musste.
Für kleinere Ausflüge empfiehlt es sich, einen Rucksack und eine auffüllbare Trinkflasche mitzunehmen.
Ich empfehle allen, die einen eher leichten Schlaf haben, auf jeden Fall eine Schlafmaske oder Ohrstöpsel mitzunehmen, damit man nicht von den Zimmermitbewohnern gestört wird.
Für eine entspannte Zug-/Busfahrt ist außerdem ein Kissen sehr wichtig!

Reise und Ankunft

Ich entschied mich dafür, bereits einen Tag vor Beginn meines Projekts anzureisen, damit ich in Ruhe ankommen und mir zunächst einmal die Stadt angucken konnte. Somit habe ich an meinem ersten Tag schon sehr viel von Ljubljana gesehen und bekam eine erste Orientierung, was ich nur jedem empfehlen kann!
Die Anreise verlief ohne Probleme, sodass ich zwar müde, aber sicher mein Ziel erreichte. Netterweise wurde ich sogar von meiner Kontaktperson mit dem Auto vom Bahnhof abgeholt und zum Apartment gebracht. Sie zeigte mir und der anderen Studentin, die zeitgleich mit mir ankam, die nächsten Supermärkte und erzählte uns ein bisschen über unser neues Zuhause für den kommenden Monat. Am nächsten Tag kam sie wieder bei mir vorbei und wir gingen gemeinsam zum Institut für Zellbiologie. Sie führte mich auch direkt zu meinem Tutor, welcher schon von Beginn an sehr freundlich zu mir war und mir im Anschluss eine Führung durch das Institut gab. Er stellte mich jedem Mitarbeiter vor, dem wir auf unserem Rundgang trafen und alle wirkten sehr nett und interessierten sich für mich, meinen Austausch und mein Studium in Köln.
In den nächsten Tagen haben wir uns noch einmal mit den Slovenen getroffen und sie halfen uns bei der Registrierung für das Fahrrad und die Studentencoupons.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe meinen Forschungsaustausch, wie oben bereits erwähnt, im Institut für Zellbiologie absolviert. Mein Projekt diente zur Erforschung des Urothels der Blase und der Lokalisierung von bestimmten sensorischen Proteinen in der Blasenwand. Es erschien mir sinnvoll ein Themengebiet rauszusuchen, über das ich bereits ein wenig gelernt hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gerade mein 2. Semester abgeschlossen und daher bereits Klausuren in Biologie und Histologie geschrieben. Bevor das Projekt anfing machte ich mir dennoch Sorgen, ob mein vorhandenes Wissen ausreiche, da ich trotzdem noch sehr jung war und erst am Anfang meines Studiums stand.
In den ersten Tagen bekam ich sehr viele neue Informationen über die Geräte und den aktuellen Forschungsstand, was durch die englische Sprache und die Komplexität der Themen an sich nicht immer ganz einfach zu verstehen war. Daher recherchierte ich, wenn ich nach der Arbeit nach Hause kam, stets Vokabeln, welche mir unbekannt waren oder las mir nochmal etwas über Vorgehensweisen durch, die ich noch nicht ganz verstanden hatte. Auf diese Weise konnte ich das Wissen, welches mir aufgrund meiner kurzen Studienerfahrung fehlte, so gut es ging kompensieren und verstand um einiges besser, worum es in meinem Projekt eigentlich ging.
Auch die Mitarbeiter im Institut waren sich anfangs unsicher, was genau ich schon gelernt hatte und was sie mir lieber noch einmal erklären sollten. Dies war aber kein Problem und führte lediglich dazu, dass sie mir in den meisten Fällen einfach alles von Anfang an erklärten und ich dann ein Zeichen gab, wenn ich einiges bereits wusste. Gleichzeitig habe ich versucht, so viele Fragen wie möglich zu stellen, wenn mich etwas interessierte oder ich etwas nicht verstanden hatte.
Nachdem der erste Tag eher theoretisch war, da ich mich viel mit meinem Professor unterhielt und gemeinsam mit ihm einen Plan für meine Aufgaben der nächsten Wochen erstellte, fing ich am folgenden Tag bereits mit dem ersten praktischen Teil an.
Da wir noch auf frische Biopsien aus dem Krankenhaus warteten, fing ich mit bereits fixierten, in Paraffin eingebetteten Präparaten an. Meine Aufgabe war es zunächst, diese zu schneiden und für das Lichtmikroskop zu färben, um einen Überblick über die Struktur des Urothels bei verschiedenen Krankheitsbildern zu bekommen. Die Durchführung wurde mir von einer Laborassistentin gezeigt, indem sie es zunächst vormachte, dann zusah, wie ob ich es richtig ausführte und mich dann sogar alleine weiterarbeiten ließ. Trotzdem kam sie ab und zu vorbei und fragte nach, ob alles in Ordnung sei. Ich fand die Art und Weise des Arbeitens toll, da ich zwar sehr selbstständig Experimente durchführte, jedoch immer das Gefühl hatte, dass immer jemand da war, der mir ein bisschen über die Schulter guckte. Als wir dann die neuen Biopsien erhielten, führte ich eine Reihe von Immunmarkierungen durch und bereitete die Biopsien für die Analyse unter dem Mikroskop vor.
Die Verständigung war teilweise etwas schwierig, da die Assistenten im Labor eher gebrochenes Englisch sprachen und ich den Erklärungen manchmal nicht ganz folgen konnte. Letzendlich war aber jeder bemüht, mir zu helfen und zur Not fand man immer jemanden, der dolmetschen konnte. Außerdem ging es den Mitarbeiter wie mir: Sie mussten ihr Englisch ebenfalls erstmal ein bisschen aufwärmen, sodass die Verständigung von Woche zu Woche besser wurde.
Zwischen den Experimenten hatte ich häufig längere Wartezeiten, in denen ich Dinge recherchierte, die mein Tutor mir ‚aufgegeben‘ hatte. Dafür hatte ich einen eigenen Arbeitsplatz in einem Büro, welches ich mir mit drei Doktorandinnen teilte. Mit ihnen konnte ich immer ein bisschen quatschen und nachfragen, wenn ich mal nicht weiterkam.
Der Alltag in einem Labor ist sehr unterschiedlich im Vergleich zu einem Krankenhaus. Es gab keinen festen Ablauf, der tagtäglich durchgeführt wurde und ich konnte theoretisch kommen, wann ich wollte, solange ich all meine Arbeit erledigte. Dies war anfangs ein bisschen schwierig zum reinkommen, ich hatte mich allerdings nach der ersten Woche an die Art und Weise des Arbeitsalltags gewöhnt.
Von der IFMSA bekam ich ein Logbuch, welches wirklich hilfreich war um Struktur in den Austausch zu bringen. Dort konnte ich meine Ziele, meine Aufgaben und mein neu erlerntes Wissen Tag für Tag dokumentieren und auch für meinen Tutor gab es die Möglichkeit, Rückmeldung zu geben und Aufgaben vorzuschlagen.
So vergingen die Wochen wie im Flug und ich führte immer größere und komplexere Experimente durch, die ich dann am Ende gemeinsam mit meinem Tutor am Fluoreszenz- oder Lichtmikroskop analysierte. Ich fand es super interessant, die Ergebnisse anzusehen und zu verstehen, was dies bedeutete. Mein Tutor nahm sich stets viel Zeit für mich und stellte sicher, dass ich einen Überblick über die Experimente und vor allem ihren Zweck behielt. Zudem erfüllte er mir noch den Wunsch, einmal die Arbiet an einem Elektronenmikroskop zu beobachten, da mich dies besonders interessierte.
Die Arbeitsatmosphäre war sehr entspannt, sodass ich mir auch Tage freinehmen durfte, um bestimmte Unternehmungen zu machen, denn mein Tutor hatte dafür vollstes Verständnis.
Zum Ende hin fing ich an, einen Forschungsbericht zu schreiben, da dies eine Voraussetzung dafür war, dass ich mir das Projekt an meiner Uni anrechnen lassen konnte.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich sehr viel über das Urothel gelernt und einen guten Einblick in die medizinische Forschung bekommen habe. Durch das Verfassen des Forschungsberichtes im Stil eines Papers habe ich schon ein erstes Training für das Schreiben einer Doktorarbeit bekommen, wovon ich später bestimmt profitieren kann. Auch die Zusammenarbeit mit Menschen aus einem anderen Land mit einer anderen Kultur hat mich auf vielerlei Hinsicht geprägt. Mein Englisch hat sich eindeutig verbessert und ich habe viele neue ‚wissenschaftliche‘ Vokabeln gelernt, was für meinen weiteren Studienweg äußerst nützlich sein kann.
Die Arbeit im Labor kann ab und zu chaotisch sein, vor allem am Anfang. Davon sollte man sich nicht verunsichern lassen, da man sich nach einiger Zeit besser zurecht findet.

Land und Leute

Auf meinem Austausch habe ich sehr viel über das Land Slowenien und seine Leute gelernt, gleichzeitig jedoch auch sehr viel über andere Länder und die Geschichten der Menschen, die dort leben gehört.
Vor allem am Wochenende habe ich stets unglaublich viel erlebt, da wir auf den Wochenend-Ausflügen viele unterschiedliche Sehenswürdigkeiten ansteuerten. Die Größe Sloveniens ist einfach perfekt für solch einen Austausch, da man mit dem Auto in einer Stunde an wunderschönen Gebirgsflüssen, in eineinhalb Stunden am Meer und in weniger als einer Stunde in hohen Bergen sein kann.
Die Organisation war super, da wir immer mit zwei Autos von unseren Kontaktpersonen unterwegs und somit sehr flexibel waren.
Am ersten Wochenende fuhren wir zunächst zum Predhama Castle – eine mächtige Burg, die in die Felswand eingebaut wurde. Im Anschluss fuhren wir zur nahe liegenden Höhle von Postojna, in der man riesige Stalagniten und Stalaktiten bewundern konnte. Nach einer Weinverkostung gings dann am Abend an die Küste und wir verbrachten den folgenden Tag an den Orten Portoroz und Piran. Für einen Strandurlaub würde ich die slowenische Küste zwar nicht empfehlen, da es dort keine wirklich schönen Strände zum Erholen gibt, aber das Wasser war trotzdem sehr angenehm und man konnte sehr gut im Meer schwimmen.
An einem anderen Wochenende besuchten wir eine Klamm mit dem Namen Vintgar Gorge, die durch ihren strahlend blauen Fluss eins meiner landschaftlichen Highlights in Slowenien war. Nach einer kleinen Wanderung fuhren wir die Seen Bled und Bohinj an, deren Szenerie einfach wunderschön und einmalig war. Die Autofahrt am nächsten Tag zum Triglav Nationalpark zählt zu einer der schönsten, die ich je hatte, denn der Ausblick auf die gigantischen Berge war einfach unglaublich! Auf dem ebenfalls strahlend blauen Fluss Sodča erlebten wir dann die volle Dosis Adrenalin beim Rafting und Canyoning, was super viel Spaß gemacht hat. Zusammenfassend waren die Ausflüge echt toll geplant und ausgesucht, sodass man in kurzer Zeit super viele Dinge gesehen und erlebt hat!
Da wir zusammen in einem Apartement wohnten, habe ich mit den anderen Austauschstudenten generell viel Zeit verbracht, sei es nur ein bisschen Quatschen beim Frühstück oder ganze Tage, an denen wir zusammen Ausflüge unternahmen. Wir hatten alle sehr ähnliche Interessen, weshalb es sich häufig ergab, etwas zusammen zu planen. Beispielsweise haben wir einen Tagestrip nach Venedig unternommen, da man mit dem Auto nur 2,5 Stunden dorthin braucht.
Auch unsere Kontaktpersonen hatten großes Interesse daran etwas mit uns zu unternehmen. Ein schönes Beispiel dafür ist die Situation, in der wir eigentlich nur nach Tipps zum Wandern fragten und schon am nächsten Tag mit zwei Slovenen und ein paar von deren Freunden für eine Wanderung verabredet waren. Die Slovenen erklärten uns, dass dies aber auch daran läge, dass sie zu diesem Zeitpunkt Semesterferien hatten und dass es in anderen Monaten auch anders sein kann.
Es war aber immer sehr lustig mit der ganzen Gruppe, da alle stets gut gelaunt waren und auch die Einheimischen selbst die Ausflüge genossen. Wir haben uns viel über Dinge wie Politik, Nachhaltigkeit und natürlich auch die unterschiedlichen Gesundheitssysteme unterhalten, wobei ich wirklich viel gelernt habe.
Die Zeit war echt intensiv, da sie voller sozialer Interaktion und Unternehmungen war. Ich bin aber sehr dankbar dafür, da dieser Austausch eine der seltenen Möglichkeiten für genau solch eine Zeit darstellt.

Als ich mein Projekt beendet hatte kam mein Freund mich besuchen, damit wir zusammen auf eigene Faust noch ein bisschen das Land erkunden konnten. Daher hatte ich meinen Zug zurück auch erst später gebucht, um noch ein bisschen länger zu bleiben. Wir nahmen uns einen Mietwagen, was ich nur jedem empfehlen kann, da es zum einen super günstig war und zum anderen die schnellste und bequemste Art und Weise darstellt, sich in Slowenien fortzubewegen. Es war ein schönes Gefühl, ihm so viel über das Land und seine Kultur erzählen zu können und ich sah noch viele weitere schöne Orte.

Fazit

Für Menschen, die gerne mit Menschen aus anderen Kulturen Kontakt haben oder dies lernen möchten, ist der Austausch perfekt. Man muss zwar stets ein bisschen aus seiner Komfort-Zone herauskommen, aber das Gefühl danach ist immer wieder toll!
Slowenien ist mir als Land mit seinen Leuten sehr ans Herz gewachsen und ich bin mir sicher, dass ich zurückkehren werde. Zwar eher zum Reisen als zum Arbeiten, aber dies ist eher der sprachlichen Barriere zuzuschreiben. Wer Berge, Wälder und Seen mag und gerne Zeit in der Natur verbringt, dem kann ich Slowenien nur ans Herz legen.
Von der Abeit im Labor habe ich viel mitgenommen und auch meine englische Sprache hat sich deutlich verbessert. Ich habe einen großen Einblick ins wissenschaftliche Arbeiten bekommen und vieles über Forschung gelernt.

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