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Denmark (IMCC)

Anästhesie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Das dänische Gesundheitssystem ist gerade für uns Nachbarn aus Deutschland sehr interessant. Sowohl landschaftlich als auch in Bezug auf die besseren Arbeitsbedingungen in Dänemark ist es durchaus zu überlegen, sich die Sprache anzueignen und seinen Facharzt in Dänemark zu machen. Um einen ersten Einblick in das dänische System zu bekommen, habe ich mich dann noch einmal gegen Ende meines Studiums für einen Famulaturaustausch entschieden. Bereut habe ich es keineswegs.

Vorbereitung

Erfreulichweise ist die BVMD-Seite eine super hilfreiche Sache bei der Bewerbung. Schritt für Schritt kann man sich die Dokumente und Unterschriften besorgen, die man für die Bewerbung für einen Famulaturaustausch braucht. Wichtig war in meinem Fall, dass die Gastuniversität auch StudentInnen empfängt, die schon ihren Abschluss haben, da ich mich während meinem PJ für einen Austausch beworben habe. Außerdem ist auf die Gültigkeit des Sprachzertifikates zu achten, da die skandinavischen Länder sehr gute Englischkenntnisse vorrausetzen.

Visum

Visum habe ich für eine Famulatur in Dänemark nicht gebraucht.

Gesundheit

Dänemark hat ein staatliches Gesundheitssystem, welches hervorragend funktioniert. Vorab brauchte ich nur einen vollständigen, aktuellen Impfpass. Ansonsten ist es natürlich von Vorteil sich bei seiner Krankenkasse über etwaige Auslandsaufenthalte zu informieren, und ggf. eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen.

Sicherheit

Die Sicherheit in Dänemark ist vergleichbar mit Deutschland. Ich hatte während meiner Zeit nie das Gefühl, mich unsicher zu fühlen. Sowohl Polizei, als auch die Dänen sind sehr hilfsbereit und freundlich.

Geld

Ja die Dänen haben eine andere Währung. In meiner Zeit habe ich aber fast alles mit meiner Kredikarte bezahlen können. Ein Traum für Menschen wie mich, die nicht gerne Bargeld bei sich haben. Die Umrechnung hat man nach ein paar Tagen dann auch im Kopf :)

Sprache

Ich wurde von einigen gefragt, ob ich denn dann auch dänisch spreche, wenn ich für eine Famulatur nach Dänemark gehe. Und die Antwort ist nein! Als ich mit dem Zug ankam, war ich auch erstaunt, wie wenig man zu Beginn versteht. Anders ist es in der Klinik., jeder spricht fließend Englisch, und teils werden dann auch die Morgenkonferenzen für dich einfach mal auf Englisch abgehalten. Sehr zu meinem Vorteil.

Verkehrsbindungen

Die großen Städte in Dänemark sind entweder alle sehr gut mit dem Zug oder mit dem Flixbus zu erreichen. In Aarhus selbst habe ich mir ein Fahrrad für 4 Wochen ausgeliehen, da ich es aus Freiburg kannte und lieben gelernt habe, alles mit dem Rad zu erledigen. Außerdem ist Aarhus die perfekte Stadt für Radfahrer. In der Klinik wurde ich des öfteren belächelt, da das Universitätsklinikum auf einem Hügel liegt, aber so hatte man dann auch sein tägliches Sportprogramm.

Kommunikation

Wie bereits erwähnt, konnte ich nur sehr wenig dänisch. Aber dies war weder in meinem privaten Umfeld, noch in der Klinik ein Problem. Die Jugendlichen und Studentin in Aarhus sprechen alle fließend Englisch, und die Ärzte und das Pflegepersonal bemühen sich ebenfalls.
Ich hatte vor meinem Austausch sowohl mit den Dänischen Studenten als auch mit den Deutschen NEOS Kontakt, da es dieses Jahr aufgrund der COVID 19-Pandemie leider etwas kompliziert war.

Unterkunft

Mit meiner Unterkunft hatte ich den Jackpot getroffen. Die Lage war kaum zu übertreffen, mittten in der Innenstadt, alles perfekt mit dem Fahrrad oder zu Fuß errreichbar. Zusätzlich hatte ich noch 3 wundervolle Mitbewohner. Durch die vorlesungsfreie Zeit waren diese ab und an unterwegs, aber es war auch schön mal die Wohnung für sich zu haben.

Literatur

Um sich im Vorfeld mit der Sprache oder seinem gewählten Bereich zu beschäftigen, ist es sicherlich nicht schlecht, sich etwaige Literatur zu besorgen. Da ich Anästhesie schon in der Klinik hatte, habe ich mir nur einzelne Sachen noch auf Amboss durchgelesen. Ein Dänisch-Buch werde ich mir jetzt erst nach dem Austausch besorgen.

Mitzunehmen

Stethoskop, OP-Schuhe sowie Kleidung, die für alle Wetterlagen geeignet ist. Dänemark ist dafür bekannt, dass es doch auch sehr regnerisch und windig sein kann. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich einen der schönsten Sommer dort habe. Das Wetter war bis auf sehr wenige Ausnahmen sehr angenehm.

Reise und Ankunft

Ich habe mich dafür entschieden, einmal den Zug quer durch Deutschland zu nehmen. Da ich aus Süddeutschland komme und den Zug bis nach Aarhus genommen habe, fiel die Reise sehr lange aus und musste doch auch einige Male umsteigen. Im Nachhinein würde ich das aber wieder so machen, da ich gerne für solche Strecken das fliegen vermeiden möchte. Abgeholt wurde ich am Bahnhof von meiner sehr netten contact person, die mich dann auch zum Appartment gebracht hat.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Hier ein kurzer Überblick über meine 4wöchige Rotation in die Anästhesie am Universitätsklinikum in Aarhus: Beworben habe ich mich während meines letzten klinisches Jahres meine Medizinstudiums in Deutschland.
Somit habe ich meine Famulatur quasi erst nach dem PJ als sogenannte graduated student absolviert. Letzendlich war es sehr interessant, noch einmal in ein anderes Gesundheitssystem involviert zu sein, nach einem vollständigen praktischen Jahr im deutschen Kliniksystem.
Die Organisation meines Praktikums in der Anästhesie war von dänischer Seite perfekt. Ich wurde vorher per Mail über meine Rotation informiert, und hatte für jede Rotation einen persönlichen Mentor. So etwas habe ich in Deutschland bisher leider nicht erlebt. Angekommen am Bahnhof wurde ich von meiner Contact Person zu meiner Unterkunft gebracht. Er hat es sich auch nicht nehmen lassen, mich am ersten Tag der Sekretärin der Anästhesie vorzustellen.
An meinem ersten Tag bekam ich dann sowohl ein Namensschild, als auch einen Spindschlüssel sowie eine Zugangskarte mit allen Zugangsberechtigungen. Des weiteren bekam ich ein Essensticket, da eine Mahlzeit pro Tag für mich frei war. So weit zum organisatorischen. Nun zum klinischen Arbeitsalltag:
Interessanterweise ist es in Dänemark so, dass die Anästhesie-Pfleger eine deutlich höhere Verantwortung und gleichzeitig fundiertere Ausbildung haben.
Sehr zum Vorteil für Berufsneulinge, wie ich, die dann viel von der Pflege lernen können. Leider durfte man in der Praxis nicht allzu viel machen. Dennoch wurde mir viel gezeigt, erklärt, und immer dazu ermuntert, Fragen zu stellen, falls etwas unklar sei.
Auffallend war für mich das sehr kollegiale Miteinander zwischen dem Personal, egal ob Ärzte, Pflege oder Reinigungspersonal.
Ich hatte das Gefühl, dass hier Wert darauf gelegt wurde, sein Wissen zu teilen und als Team zu arbeiten. Allen voran, um den Patienten die Sicherheit zu vermitteln, gut aufgehoben und behandelt zu sein. Egal wo ich neu dazu kam, ich war immer herzlich willkommen. Ein weiterer Punkt sind die sehr angenehm geregelten Arbeitszeiten, sowie Pausen. Gerade nach einem PJ im deutschen System weis man diese Dinge sehr zu schätzen. Sogar die Assistenzärzte wurden regelmäßig ausgelöst und konnten pünktlich in den wohl verdienten Feierabend gehen.
Die Dänen sind der Meinung gute Medizin leisten zu wollen und können, und gleichzeitig ihre Freizeit zu schätzen. Nicht selten haben hier Oberärzte eine 80% Stelle und wollen dies auch nicht mehr ändern. Definitiv einige Vorzüge, die man sich für sein späteres Berufsleben auch überlegen könnte.

Land und Leute

Ich war schon in vielen Ländern Europas unterwegs, aber noch nie in Skandinavien. Deshalb fiel meine Wahl dann auch auf Dänemark. Dänemark hat ein sehr gutes Gesundheitssystem, die Dänen sind sehr freundlich, offen und soweit ich weis auch die glücklichsten Menschen in Europa.
Aufgrund der Pandemie war lange Zeit nicht sicher, ob der Austausch stattfinden kann. Kurzfristig Mitte Juli bekam ich dann einen Anruf, ob ich immernoch Interesse hätte und dann als eine wenige diesen Sommer einen Austausch machen möchte. Ich konnte mein Glück kaum fassen.
Dadurch war ich aber auch die einzige Studierende diesen Sommer in Aarhus. Die dänische Austauschgruppe war trotzdem sehr bemüht, mit mir unter anderem ein Welcome Dinner durchzuführen, und andere Kleinigkeiten zu unternehmen. Ein wirkliches Social program gab es aber leider nicht. Ich hatte aber kein Problem damit, einige Dinge auf eigener Faust zu unternehmen. Außerdem hatten meine Mitbewohner noch einige Geheimtipps für mich parat. So habe ich jetzt eine Liste mit unzähligen Cafes, die den besten Kaffee in Aarhus machen :)
Dänemark ist ein wunderschönes Land. Man braucht nie länger als 2h zum Meer, die Fahrradwege sind ein Traum und es gibt sehr guten Kaffee. Natürlich sind die Lebenshaltungskosten deutlich teurer als in Deutschland, aber das liegt auch daran, dass man gerade als Arzt in Dänemark auch deutlich besser verdient.
Interessant ist auch, dass es in Dänemark eine Unterstützung seitens des Landes gibt, dass jeder Jugendliche die Möglichkeit hat, finanziell unabhängig von seinen Eltern, ein universitäres Studium aufzunehmen. So etwas ist einfach klasse!
Natürlich muss man sich auch bewusst sein, dass das Klima im Vergleich zum sonnigen Freiburg auch seine Nachteile hat. Das dänische Gesundheitssystem ist gerade für uns Nachbarn aus Deutschland sehr interessant. Sowohl landschaftlich als auch in Bezug auf die besseren Arbeitsbedingungen in Dänemark ist es durchaus zu überlegen, sich die Sprache anzueignen und seinen Facharzt in Dänemark zu machen.
Dennoch müssen die Dänen alle ein dem österreichischen Basisjahr ähnliches Jahr nach dem Studium absolvieren. Hier rotieren sie sowohl in einen ambulanten als auch notfallmedizinschen Bereich, bevor sie mit ihrem eigentlichen Facharzt anfangen können. Meiner Meinung nach ist das keine schlechte Sache, nur muss man sich dessen bewusst sein.

Fazit

Falls ihr die Möglichkeit habt, oder gerade am überlegen seid, wo ihr eure nächste Famulautr machen möchtet, kann ich euch Dänemark sehr empfehlen. Auch dass ich nicht in Kopenhagen gelandet bin, war keinesfalls schlecht, da ich eine wundervolle Zeit in Aarhus hatte.

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