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India (MSAI-India)

HNO - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ursprünglich hatte ich einen Austausch nach Indien geplant, aber wegen der angespannten Lage durch das Coronavirus davon Abstand genommen. Schließlich konnte ich stattdessen einen Platz in Prag ergattern, wofür ich den Bundeskoordinatoren sehr herzlich danken möchte!

Vorbereitung

Alles lief sehr kurzfristig, sodass ich mich nicht speziell vorbereitet habe. Die Organisation lief wunderbar Dank der Hilfe von Bundeskoordinator Florian.

Visum

Tschechien ist in der EU, es ist also kein Visum oder ähnliches notwendig.

Gesundheit

Kurz nach der Ankunft musste ich einen Corona Test ablegen, der sehr teuer war. Ansonsten habe ich nichts Spezielles gemacht, bestimmt mal durch meinen den Impfass geblättert oder so.

Sicherheit

Prag ist sehr sicher. Ich fand es dort sehr gemütlich und wegen Corona war es wahrscheinlich zusätzlich entspannter, weil nicht so viele Touristen da waren.

Geld

Bezahlt wird in Tschechischen Kronen. Man kann fast überall in Prag per Kreditkarte zahlen, außerhalb ist manchmal auch Bargeld praktisch. In der Mensa des Krankenhauses konnte man nur bar zahlen, aber im Eingangsbereich von Motol standen von mehreren tschechischen Banken ATMs, für die man zumindest mit der Kreditkarte der Apobank auch keine Gebühren zahlen musste.

Sprache

Die Alltagssprache ist Tschechisch, aber in Prag sprechen fast alle auch gutes Englisch und manche auch ein paar Brocken Deutsch. Im Krankenhaus kam ich prima mit Englisch zurecht. Im Laufe des Monats habe ich ein bisschen Smalltalk gelernt und immer mal wieder per Duolingo Wörter und Floskeln gelernt. Im Krankenhaus fanden es auch alle ganz witzig, wenn ich ein paar tschechische Wörter verwendet habe.

Verkehrsbindungen

Nach Prag bin ich ganz entspannt mit dem Zug gefahren. Das war glaube ich der teuerste Zug, den ich dort genommen habe, innerhalb Tschechiens kann man nämlich sehr günstig reisen. Zug und Bus kosten deutlich weniger als in Deutschland, das Verkehrsnetz ist toll ausgebaut und Verspätung hatte ich auch fast nie.

Kommunikation

Ich kam gut mit meinem normalen Internetvertrag von Alditalk zurecht. Die Studenten in Tschechien nutzen eher den facebook Messenger als whatsapp. In Tschechien gibt es außerdem ein eigenes Kartenprogramm (mapy.cz) und eine sehr gute App für öffentliche Verkehrsmittel (IDOS).

Unterkunft

Ich habe in einer sehr hübschen WG nicht weit entfernt vom Krankenhaus gewohnt. Meine Mitbewohnerinnen waren sehr nett und offen, sodass wir häufig zusammen in der WG Küche saßen und uns nett unterhalten haben. Ich hatte ein eigenes kleines Zimmer, ein freies Fach im Kühlschrank und musste auch keine Bettwäsche mitbringen. Die Waschmaschine konnte ich mitbenutzen und das WLAN auch.

Literatur

Toll finde ich die Reiseführer vom Michael Müller Verlag und der Tschechienreiseführer hat mich nicht enttäuscht. Fürs Medizinische hab ich die Amboss App oder Doccheck verwendet, aber Fragen konnte ich auch immer direkt stellen.

Mitzunehmen

Wichtig ist es, auf jeden Fall Krankenhauskleidung mitzunehmen. Also Kittel, weiße Hose, weißes Oberteil/Polo, weiße Schuhe! Ein Stethoskop brauchte ich eigentlich nicht, weil ich hauptsächlich im OP war. Ich hatte noch ein bisschen Schokolade als Gastgeschenk für die WG mitgenommen.
Darüber hinaus natürlich Alltagsklamotten, Laptop, etc.

Reise und Ankunft

Ich wurde sehr nett von meiner Kontaktperson empfangen und zur Wohnung begleitet. Sie hatte außerdem den Covidtest für mich organisiert, der am Militärkrankenhaus durchgeführt wurde, wohin sie mich ebenfalls begleitet hat. Außerdem hat sie mich im Krankenhaus allen Leuten vorgestellt, mit mir die Einschreibung gemacht und ein bisschen die Stadt gezeigt. Das lief alles prima.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Motol erreicht man gut mit der U-Bahn (Endstation der grünen Linie). Das Krankenhaus ist ziemlich groß, das größte Tschechiens. Die HNO hat vier eigene Operationssäle zur Verfügung, die sich in zwei unterschiedlichen Stockwerken befinden. Ich habe mich jeden Morgen mit der Sekretärin getroffen, die mir den OP-Plan gezeigt hat und mich zur Schleuse in den Operationstrakt gebracht hat, da ich keinen eigenen Schlüssel hatte. Wenn ich vor der Operation noch Zeit hatte, haben wir auch mal zusammen noch einen Kaffee getrunken. Am ersten Tag konnte ich nur zuschauen, aber vom zweiten Tag an durfte ich als zweite Assistenz assistieren. Ich wurde in die OP-Pläne mit eingeteilt und hatte somit meinen festen Platz im Team, was ich sehr angenehm fand. Die Stimmung war gut, es wurde viel gescherzt und während der Operation wurden mir meistens die einzelnen Schritte auf Englisch übersetzt, sodass ich wirklich viel gelernt habe. Ich durfte auch zunähen und habe Nahtmaterial mitnehmen können, um zu üben. Auf der Station war ich einmal zur Visite, die auf Tschechisch war und somit für mich weniger interessant war. Ich hätte auch in die Ambulanz gehen oder häufiger auf Station sein können, aber mir hat es im OP immer sehr gut gefallen. Hauptsächlich habe ich bei größeren Operationen assistiert, vor allem Neck Dissections und komplizierte MKG-chirurgische Eingriffe. Bei Ohroperationen, z.B. dem Einsatz eines Cochleaimplantates, oder einer Myringoplastik, Tonsillektomien oder endoskopischen Eingriffen konnte ich zuschauen, wobei mir ebenfalls alles erklärt wurde. Gelegentlich wurde ich auch für zwei OPs pro Tag eingeteilt, was dann schon anstrengend werden konnte. Einmal bin ich beim assistieren ohnmächtig geworden, aber da haben auch alle ganz entspannt reagiert, ich wurde mit Kaffee und Schokolade versorgt und konnte nach Hause gehen. Insgesamt hat sich die Länge des Arbeitstages danach gerichtet, für wie viele OPs man eingeteilt war. Es ging meist um 8 Uhr los und die erste OP bis etwa 1 Uhr. Dann konnte man machen was man wollte, weitere Operationen anschauen, etwas essen oder nach Hause gehen. Meistens war ich bis zwei/halb drei dort und habe mir dann die Stadt angeschaut. Andere Studenten waren selten da, manche haben dort ein Tagespraktikum absolviert. Als einmal eine OP-Schwester positiv getestet worden war, wurde das ganze Team zweimal getestet und mit FFP2 Masken ausgestattet.

Land und Leute

Meinem Eindruck nach geht es den Tschechen wirtschaftlich ziemlich gut, besonders den Pragern, aber auch außerhalb von Prag tut sich viel. Da ich bei einem Erausmusaufenthalt in Spanien mit einer Tschechin zusammengewohnt und über sie noch viele andere Tschechen kennengelernt hatte, waren schonmal die Wochenenden dadurch gut gefüllt, alle wiederzusehen. Somit habe ich das Land in der kurzen Zeit recht ausgiebig erkundet. Ich bin auch vorher schon einmal in Prag gewesen und kannte schon Brünn, Lednice, das Bäderdreieck, den Böhmerwald und Olmütz von früheren Besuchen, alles sehr sehenswerte Orte, die ich empfehlen kann. Ein Freund von mir wohnt in Prag, mit ihm habe ich ebenfalls ein paar Ausflüge unternommen und war mit ihm Eis essen (Puro gelato!) und Bierchen trinken. Witzigerweise habe ich auch einmal zufällig einen Bekannten aus London getroffen, also groß ist Prag wirklich nicht. Ansonsten habe ich mich mit der anderen Austauschstudentin aus Rumänien sehr gut verstanden und mit ihr Prag erkundet. Wir sind einmal in der Woche zusammen essen gegangen oder haben uns in einen Biergarten gesetzt. Wegen der Coronabeschränkungen (Clubs hatten geschlossen, Kneipen erst noch bis Mitternacht und schließlich nur noch bis 10 Uhr geöffnet) waren wir natürlich nicht feiern oder lange aus, aber es war auch so sehr angenehm. Meine Highlights in Prag waren Vysehrad, die Prager Burg, das Klementinum, der Fernsehturm und das Viertel darum, der Park vom Schloss Stern (zum Joggen), Petynka zum Schwimmen gehen, die wilde Sarka (toll zum wandern), das Moldauufer und die Kleinseite. Außerhalb von Prag haben mir Karlsteyn, Pilsen (sehr gemütlich dort), Kudna Hora, das Riesengebirge und Königgrätz (eine wirklich interessante Studentenstadt) sehr gut gefallen. Einmal war ich in Pardubice, wo ich mich allerdings nicht so wohl gefühlt habe, weil mein Rucksack fast geklaut worden wäre. Dort wird auch Semtex hergestellt, ein weltweit verwendeter Sprengstoff, vielleicht war mir deshalb die ansonsten hübsche Stadt nicht so sympathisch. Zweimal bin ich auch nach Schlesien gereist, um mir Breslau/Wroclaw, Schweidnitz/Swidnica und Hirschberg/Jelenia Góra anzuschauen (. Leider konnte ich in Tschechien keinen deutschen Besuch empfangen, da erst Prag und schließlich ganz Tschechien zum Risikogebiet erklärt wurde, aber ich war auch so ganz gut beschäftigt. Insgesamt bin ich von Tschechien landschaftlich und kulturell sehr begeistert und habe auch noch viele Orte auf der Liste, die ich dort noch sehen möchte, z.B. Telc und Loket. Sehr empfehlen kann ich auch die tschechische Küche, besonders lecker finde ich Svickova und natürlich das tschechische Bier!

Fazit

Die Famulatur war genial, ich habe super viel gelernt, Tschechien ist ein sehr vielseitiges Land, die Tschechen sind einfach ein nettes und offenes Volk und Prag eine unglaublich tolle Stadt!
Ich würde jederzeit alles wieder so machen.

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