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Greece (HelMSIC)

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Nathalie, Köln

Motivation

Ich wollte an einem Forschungsaustausch teilnehmen, um neue Leute und eine fremde Kultur kennenzulernen und um Einblicke in ein Labor zu erhalten. Dass die Wahl schlussendlich auf Rumänien gefallen ist, lag der Corona-Pandemie zugrunde. Zuerst hatte ich mich für Griechenland und dann für Ägypten entschieden, die dann doch keine Studierenden aufnehmen konnten. Am Ende war Rumänien noch auf der Restplatzliste und da ich noch nie in Osteuropa war, hatte ich mich für dieses Land entschieden.

Vorbereitung

Zuvor habe ich einen PCR-Test machen müssen. Deutschland war kurz vor Antritt meines Austauschs sogar noch auf der sogenannten gelben Liste, sodass ich mich für 14 Tage in Quarantäne hätte begegeben müssen. Kurz vorher sind die Infektionszahlen in Deutschland jedoch gesunken, sodass die Quarantäne für mich wegfiel. Zu der Zeit stand ich bereits mit der lokalen SCORE Koordinatorin über WhatsApp in Kontakt, die mich über die Entwicklungen im Land auf dem Laufenden hielt. Ein bisschen stressig war es die Flüge zu buchen, weil die zweimal storniert wurden, sodass ich letzten Endes über Amsterdam fliegen musste.
Außerdem habe ich vorher ein wenig Geld in rumänische Lei umgetauscht, damit ich schonmal ein Wenig zur Verfügung hatte. Obwohl das nur umgerechnet 50 Euro waren, bin ich damit erstaunlich lange ausgekommen.

Visum

Ein Visum habe ich nicht benötigt. Die Einreise war ohne Probleme. Zuvor musste ich im Internet eine Art Einreiseanmeldung ausfüllen und den QR-Code vor Abflug zeigen.

Gesundheit

Ich habe keine Impfungen zuvor durchgeführt. Außer ein paar Ibuprofen-Tabletten habe ich auch keine Medikamente dabei gehabt. Die habe ich auch nicht benötigt. Der PCR-Test, den ich vor der Einreise durchführen musste, war ebenfalls negativ. Meine Kontaktperson aus dem Labor hat mich zum PCR-Test begleitet und das Ergebnis war 24 Stunden später verfügbar.

Sicherheit

Ich habe mich zu jeder Sekunde in Rumänien sicher gefühlt. Spät abends oder nachts war ich sowieso nicht unterwegs, da in der Stadt eine Ausgangssperre ab 22 Uhr und zuletzt sogar ab 20 Uhr herrschte. Zusätzliche Versicherungen habe ich nicht abgeschlossen; die habe ich auch nicht benötigt.

Geld

In Rumänien zahlt man mit rumänischen Lei. Zurzeit ist ein Euro circa 4,8 Lei wert. Wie bereits erwähnt, habe ich vorher 50 Euro im Wechselbüro umgetauscht. Ein Wechselbüro, das die Währung verfügbar hat, habe ich erst im dritten Anlauf gefunden. Wahrscheinlich wäre es intelligenter gewesen, vorher einfach dort anzurufen und nachzufragen. Vor Ort habe ich 400 Lei (80 Euro) für insgesamt eine Mahlzeit pro Tag erhalten. Ansonsten konnte ich in den allermeisten Geschäften und Supermärkten mit meiner EC-Karte bezahlen. Eine Kreditkarte kann man natürlich auch verwenden, ist meiner Meinung nach aber nicht zwingend notwendig. Beim Zahlen mit der EC-Karte wurden mir nur 1,8% Fremdwährungsgebühr berechnet. Die Lebenshaltungskosten sind im Vergleich zu Deutschland etwas niedriger.

Sprache

In Rumänien wird Rumänisch gesprochen. Allerdings gibt es einige deutsche Schulen in Rumänien, sodass beispielsweise eine Labormitarbeiterin deutsch gesprochen hat, die Studentin bei der ich gewohnt habe und sogar meine Kontaktperson aus dem Labor. Letzterer hat sich die Sprache aber selber beigebracht, um nach dem Studium in Deutschland zu arbeiten. Wenn man Glück hat, kommt man also mit Deutsch weiter. Ansonsten sprechen die meisten teilweise sogar fließend Englisch. Das war zum Beispiel im Labor der Fall.

Verkehrsbindungen

Öffentliche Verkehrsmittel in Rumänien zu nutzen ist etwas schwieriger. Die Straßenbahn in Timisoara zum Beispiel fährt wohl ohne richtigen Fahrplan. Wenn ich wohin musste, wurde ich entweder von meiner Mitbewohnerin oder einem anderen Volunteer gefahren oder habe Uber benutzt. Selbst die nächste Haltestelle von meiner Unterkunft war 15 Minuten Fußweg entfernt. Zum Labor bin ich 20 Minuten zu Fuß gelaufen.

Kommunikation

Ich hatte in meiner Unterkunft WLAN und ansonsten habe ich mein mobiles Internet verwendet. EU-Roaming-Gebühren gibt es ja nicht mehr. Eine Sim-Karte habe ich mir in Rumänien nicht gekauft, das war auch wirklich nicht notwendig.

Unterkunft

Ich habe bei der lokalen SCORE Koordinatorin gewohnt, die mir netterweise angeboten hat bei ihr zu wohnen. Ich konnte mich auch für ein Zimmer im Studentenwohnheim entscheiden, aber eine Mitbewohnerin zu haben fand ich schöner. Wir haben meist zusammen gekocht oder Essen bestellt und uns die Kosten geteilt. Ich habe mich mit ihr wirklich gut verstanden. Sie hatte eine normale Wohnung, die sauber und aufgeräumt war, in der man sich wohlfühlen konnte.

Literatur

Ich habe mich vorher nicht wirklich mit Literatur auseinandergesetzt. Man hätte sich bestimmt einen Reiseführer besorgen können. Bei mir beschränkte sich die Vorbereitung eher auf das Googlen von Sehenswürdigkeiten und möglichen Fettnäpfchen, die sich aber mit normalen Menschenverstand umgehen lassen.

Mitzunehmen

Ich habe einen Kittel benötigt und saubere Schuhe, die ich nur im Labor tragen durfte. Ansonsten hätte ich besser ein paar mehr T-Shirts anstelle von Pullovern eingepackt, da es im März erstaunlich warm war in Timisoara und sich die Temperaturen wärmer anfühlten, als sie eigentlich waren.

Reise und Ankunft

Ich bin über Amsterdam nach Bukarest und von dort nach Timisoara geflogen. Am Flughafen wurde ich von meiner Kontaktperson abgeholt, mit der ich ebenfalls vorher Kontakt auf WhatsApp hatte. Er hat mich zu meiner Unterkunft gebracht. Da ich noch einen Schnelltest vor meinem ersten Tag im Labor machen musste und ich eine Arbeitsbestätigung vom Labor für den Lockdown (dazu später mehr) benötigte, verschob sich der Start um einen Tag. Ich habe mich dann am ersten Tag mit meiner Kontaktperson vor dem Labor getroffen und wurde der Professorin und der Tutorin vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe meinen Forschungsaustausch in der Forschungseinrichtung „OncoGen“ absolviert. Das Projekt, dem ich offiziell zugeteilt wurde, war in der Abteilung der Allergologie und handelte vom Einfluss von Ambrosia- und Hausstaub-Pollen auf das respiratorische Flimmerepithel. Dem Projekt habe ich allerdings nur an zwei Tagen zugeschaut. Generell habe ich immer nur dort mitgemacht, wo an dem Tag etwas zu experimentieren war. Deswegen habe ich am ersten Tag einer Laborassistentin zugeschaut, die die vorhandenen Ambrosia-Allergene in kommerziell verfügbaren Allergen-Extrakten analysiert hat.
Hauptsächlich war ich aber mit meiner Kontaktperson zusammen im Labor. Er hat im Rahmen seiner Doktorarbeit über ein Allergen der Hausstaubmilbe geforscht und Blutproben auf das Vorhandensein von IgE-Antikörpern gegen dieses Allergen untersucht. Dabei wurden wir von meiner Tutorin begleitet, die mir viel erklärt und gezeigt hat. Bei diesem Projekt durfte ich viel mitmachen und einzelne Schritte unter Beobachtung durchführen, was mir sehr Spaß gemacht hat. Beispielsweise habe ich pipettiert, die Substanzen gewogen oder eine Gelelektrophorese durchgeführt. Die Stimmung war dabei locker aber konzentriert. Obwohl ich noch in der Vorklinik bin und mir höchstens meine mehr oder weniger vorhandenen Chemie- und Biologie-Kenntnisse aus dem ersten Semester helfen konnten, habe ich alles verstanden und konnte bei der Versuchsdurchführung mitmachen.
In den Pausen zwischen den Versuchsschritten habe ich Artikel über vorherige Forschungsprojekte gelesen, die mir meine Tutorin zur Verfügung gestellt hat. Außerdem hat sie mir zwischendurch viel erklärt in Form von einer Powerpoint-Präsentation, die sie noch auf ihrem Computer hatte und mir vorstellte. Da ging es hauptsächlich um den Basophilenaktivierungstest oder um die Produktion rekombinanter Proteine. Ich war sehr überrascht darüber, wie viel Zeit investiert wurde, um mir Dinge zu erklären und Fragen zu beantworten; zumal meine Tutorin auch selbst viel zu tun hatte.
Der Professorin war es ebenfalls ein Anliegen, mir einen lehrreichen Austausch zu ermöglichen, sodass ich einen Zoom-Link zum Physiology Journal Club erhalten habe, wo aktuelle Forschungsergebnisse aus dem OncoGen Studierenden vorgestellt wurde. Also habe ich mir abends ein paar Präsentationen auf Rumänisch angehört. Die Folien waren aber auf Englisch, sodass ich selbst da etwas mitnehmen konnte. :D
Sprachprobleme im Labor gab es keine, dort konnte jeder fließend Englisch sprechen.
Im Großen und Ganzen würde ich sagen, viel gelernt und gesehen zu haben.
Der Tag im Labor begann in der Regel um 10 Uhr und endete meist, abhängig vom Versuch, gegen 14 oder 15 Uhr.

Land und Leute

Ich habe durchweg positive Erfahrungen mit allen Leuten dort gemacht, mit denen ich Kontakt hatte. Besonders die Familie meiner Mitbewohnerin und meiner Kontaktperson, die ich kennenlernen durfte, waren unheimlich gastfreundlich und haben mir angeboten, sie jederzeit zu besuchen.
Mein Austausch war ein bisschen besonders, aufgrund der Umstände bezüglich der Pandemie. Außerdem war ich im März die einzige Incoming, weil einer Studentin aus Ägypten kein Visum erteilt wurde.
Ich bin samstagabends in Timisoara angekommen und montags fing ein Lockdown in der Stadt an. So musste man immer eine Erklärung mit sich führen und ankreuzen, warum man unterwegs war. Deswegen hat sich mein erster Tag im Labor verschoben, weil ich noch auf eine Bestätigung über meine Tätigkeit im Labor warten musste. Die Gründe, sich draußen aufzuhalten, beschränkten sich auf das Notwendigste wie beispielsweise der Weg zur Arbeit, Einkäufe erledigen, Arzttermine, Einzelsport im Freien etc.. Ich wurde aber kein einziges Mal kontrolliert, da die Polizei sich hauptsächlich an der Stadtgrenze aufhielt und dort die Leute kontrollierte, die die Stadt verlassen wollten. Trotzdem bin ich mit meiner Mitbewohnerin über das Wochenende nach Sibiu zu ihren Eltern gefahren und da die Polizei nur zufällig wenige Autos angehalten hat, konnten wir ohne Probleme Timisoara verlassen. In Sibiu hat mir meine Mitbewohnerin die Stadt und Museen gezeigt. Ihre Eltern waren sehr gastfreundlich (es wurde stets der beste Wein eingeschenkt) und haben uns typisch rumänisches Essen gekocht. Die rumänische Küche ist relativ fleischlastig. Es gab beispielsweise Sarmale (Kohlroulade), rumänischen Maisgrieß, Jumari (frittiertes Schweinefett) oder die Süßspeise Mucenici mit Walnüssen und Zimt, die wir bei ihrer Großmutter gegessen haben.
An einem Tag sind wir sogar Ski gefahren in einem Skigebiet nahe der Stadt, was ein kleines Highlight war.
An einem anderen Wochenende habe ich meine Kontaktperson aus dem Labor zu seinen Eltern nach Arad begleitet. Auf dem Weg dorthin wurden wir tatsächlich von einer Polizistin angehalten. Wir haben die Erklärung vorgezeigt, die Polizistin hat sie überflogen und uns durchgewunken, obwohl wir lediglich „andere berechtigte Gründe“ angekreuzt hatten. Generell hatte ich den Eindruck, dass die Leute dem Lockdown große Zustimmung entgegen gebracht haben. An dieser Stelle zitiere ich einfach mal einen Uber-Fahrer, der die Stimmung in der Stadt ganz gut zusammengefasst hat: „The people are tired. They just want their freedom back.“
Als wir in Arad waren, wurde ich sehr herzlich von seiner Familie empfangen. Die Stadt ist zwar eher klein, aber trotzdem auch sehr schön. Wir hatten an dem Tag Glück mit dem Wetter, haben uns in ein Café gesetzt (in Arad war kein Lockdown) und die Sonne genossen.
Auch an wenigen Treffen mit den anderen Volunteers habe ich teilgenommen. Ich hätte gerne mehr vom Land gesehen, aufgrund der Corona-Pandemie war leider nicht mehr einzurichten.

Fazit

Ich hätte nicht gedacht, dass mir der Austausch trotz des Lockdowns so viel Spaß machen würde. Das lag hauptsächlich an den Leuten dort, mit denen ich mich super verstanden habe. Das Land hat mir auch sehr gut gefallen; die Architektur, die Atmosphäre und die wunderschönen Parks (besonders die in Timisoara) machen wirklich etwas her. Dadurch dass ich die Familien und etliche Verwandte von meiner Mitbewohnerin und meiner Kontaktperson kennenlernen durfte, hatte ich das Gefühl, einiges über das Leben in Rumänien zu lernen und Erfahrungen mit der Kultur machen, was für mich letzten Endes viel mehr wert ist, als die Aktivitäten, die durch Corona nicht möglich waren. Ich habe auf jeden Fall vor, Timisoara noch einmal zu besuchen und den Kontakt mit den Leuten, die ich dort kennengelernt habe aufrecht zu erhalten.

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