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CIMSA-ISMKI(Indonesia);Isolation and characterization cancer stem cell from Ca Mammae on Central Java

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Leah-Larissa, Heidelberg

Motivation

Ich liebe fremde Kulturen und bin schon immer gerne verreist. Die Entscheidung an einem SCORE Austausch teilzunehmen, war eine sehr spontane Idee von mir, da ich sowieso geplant hatte mit Freunden aus der Uni vier Wochen nach Indonesien zu verreisen. Als ich dann auf den SCORE-Restplatz für Indonesien gestoßen bin, war die Entscheidung meine Zeit in Indonesien auf zwei Monate zu verlängern eine leichte. Die Kombination von Urlaub und Arbeit fand ich spannend, da man so nicht nur aus einer touristischen Perspektive Land und Leute kennenlernt, sondern tiefer in das „every day life business“ eintauchen kann und die Indonesier auch von einer ganz anderen Seite kennen lernen kann. Ich war sehr gespannt auf die Arbeitsweise und die zwischenmenschliche Kommunikation der Indonesier und war offen für eine neue und ganz andere Kultur als die der Deutschen.

Vorbereitung

Die Vorbereitung für den Austausch war durch die tolle Unterstützung der bvmd sehr simple und wenn man die Informationen auf der Internetseite der bvmd befolgt, stößt man auf keine Komplikationen. Man braucht einen Englisch-Sprachnachweis, der zeigt, dass man sich auf Englisch verständigen kann und auch arbeiten kann. Der Nachweis für die nationale Sprache „Bahasa“ war nicht notwenig, obwohl im Nachhinein doch von Vorteil gewesen wäre ein paar Grundkenntnisse zu haben, da viele Indonesier kaum oder sehr wenig Englisch sprechen. Aber man kann immer Hand und Fuß zu Verständigung benutzen! Ich habe an keinem Vorbereitungsseminar teilgenommen, da ich meiner Meinung schon genügend Auslandserfahrung gesammelt hatte und auch schon mehrfach in Südostasien war und somit ungefähr einschätzen konnte, was mich erwartet und vor allem was Land und Leute von mir erwarten, bzw. wie es sich zu verhalten gilt.

Visum

Wenn man nur einen Monat vor hat zu bleiben, braucht man sich nicht schon vorher um ein Visum zu kümmern und kann dieses ganz einfach bei Ankunft in Indonesien am Flughafen erhalten. Da ich aber zwei Monate blieb, habe ich mir am Flughafen ein Visa on Arrival (VoA) für ca. 30 € gekauft. Diese musste ich dann auf der Immigrationsbehörde verlängern lassen. Das war etwas aufwendig, da man drei mal in die Immigrationsbehörde fahren musste, bis man endlich das Visum im Reisepass hatte. Die Mühlen mahlen einfach etwas langsamer in Indonesien. Wenn man sich diesen Aufwand sparen möchte, kann man sich vorher auf dem indonesischen Konsulat um ein Visum kümmern. CAVE: Man sollte nicht angeben, dass man einen Forschungsaustausch macht, sondern als Tourist einreist, da man sonst wesentlich mehr Dokumente benötigt und der Zeitaufwand viel größer ist. Außerdem sollte man ein Visum mit „multiple entrys“ beantragen, da Flüge nach Singapur und Malaysia sehr günstig sind und viele der Exchange Studenten für ein Wochenende dort hin geflogen sind. Wenn man nur ein „single entry“ Visum hat, verfällt dieses bei Ausreise aus Indonesien und der ganze Aufwand in Deutschland war umsonst.

Gesundheit

Da ich alle gängigen Impfungen hatte, musste ich mich darum nicht kümmern, aber die Seite des Auswärtigen Amtes gibt hierzu ausführliche Informationen! Bezüglich der geforderten TBC-Impfung waren sowohl Hausarzt als auch Tropeninstitut überfragt und sagten mir, dass es diese Impfung schon seit langem nicht mehr gäbe, da sie nachweislich nicht wirklich helfen würde. Keiner der Austauschstudenten hatte demnach eine TBC-Impfung!
Ich hatte über die Apo-Bank eine kostenlose Auslandsreiseversicherung. Meine Reiseapotheke bestand aus: Jod-creme, Pantoprazol, Immodium akut und Ibuprofen. Man konnte aber alles auch vor Ort kaufen. Das Essen war für die meisten Austauschstudenten gut verträglich. Obwohl wir viel auf „street food markets“ gegessen habe, kam es kaum zu Verdauungsbeschwerden.

Sicherheit

Indonesien ist ein recht sicheres Land und ich habe mich zu keiner Zeit unsicher gefühlt. Trotzdem sollte man gewisse Dinge beachten. Viele Indonesier haben noch nie einen „Weißen“ gesehen und finden das natürlich sehr interessant und machen gerne Fotos bzw. sprechen einen an. Vor allem als Frau wird man häufig angesprochen. Das kann manchmal nerven, aber ich habe mich nie unsicher oder belästigt gefühlt.

Geld

Das Zahlungsmittel in Indonesien sind indonesische Rupiah. 15000 Rupiah entsprechen ca. einem Euro. Anfangs war es etwas ungewohnt mit den vielen Nullen zu kalkulieren, aber man gewöhnt sich schnell daran. Ich hatte eine Visa Card mit der man überall bezahlen konnte und auch an ATMs Geld abheben konnte. Für Online Buchungen von Flügen und Zügen ist es wichtig, das eSecure Visa Verfahren zu haben, da sonst die Karten Validierung fehlschlägt und man keine Buchung durchführen kann! Außerdem sollte man im Vorhinein seiner Bank Bescheid geben, dass man sich im Ausland aufhalten wird, da es sonst passieren kann, dass die Karte gesperrt wird, wenn man um Ausland versucht Geld abzuheben.

Sprache

Wie schon oben erwähnt ist die Landessprache „Bahasa“. Ich habe mich vor dem Austausch garnicht mit der Sprache auseinandergesetzt, da ich dachte man lernt am besten vor Ort. Das stimmt zwar, da aber viele Indonesier kaum oder kein Englisch sprechen, ist es von Vorteil vor dem Austausch schonmal ein paar Basics zu lernen. Bahasa ließt sich so wie es geschrieben wird und man braucht keine Angst haben etwas falsch auszusprechen.

Verkehrsbindungen

„Local transport“ in Indonesien gestaltet sich sehr schwierig und meistens benutzt man Uber als Transportmittel. Das ist zum einen günstiger als offizielle Taxen und es geht schnell. Flüge über Lion Air oder Air Asia sind am günstigsten und man kann schnell von A nach B gelangen. In Zeiten von Klimawandel und ökologischem Footprint sollte man aber zweimal überlegen, ob man nicht lieber auf einen Zug umsteigt. Das ist zum ersten sehr günstig und man sieht die wunderschöne Landschaft Indonesiens.

Kommunikation

Ich habe mir gleich zu Anfang eine indonesische Simkarte gekauft und hatte somit direkt Internet und Co. Das empfiehlt sich auch, da in Indonesien vieles über Whatsapp und andere Apps läuft (z.B. auch die Autobestellung über Uber).

Unterkunft

Ich habe mit drei anderen Austauschstudenten in einem Hostel gewohnt. Jeder hatte ein eigenes Zimmer mit einem kleinen Bad. Natürlich kann man den Standard nicht mit dem deutschen Standard vergleichen und es bedarf bei dem ein oder anderen einer Eingewöhnungszeit, aber ich war sehr zufrieden mit der Unterkunft und habe mich nach kurzer Zeit schon zuhause gefühlt. Vor Ort gab es Kühlschränke und Wasserspender. Obwohl es auch eine eher schlecht ausgestattete Küche gab, haben wir doch meistens außer Haus gegessen, da es zum einen wesentlich günstiger ist, als selber zu kochen und wir generell nicht oft im Hostel waren und die Zeit lieber draußen auf Märkten etc verbracht haben. Ich musste nur eine Decke mitbringen. Tipp: Nehmt die Decke aus dem Flugzeug mit, diese ist zwar relativ dünn und klein, hat aber vollkommen ausgereicht.

Literatur

Ich habe mir einen Lonely Planet über Indonesien gekauft, welchen ich nur empfehlen kann. Auch die Internetseite Indojunkie ist sehr gut, um mehr über Land und Leute zu lernen. Vor Ort haben wir dann einige Publikationen zu unserem SCORE-Thema bekommen. Diese variieren aber natürlich von Projekt zu Projekt.

Mitzunehmen

Da ich für zwei Monate unterwegs war, hatte ich nur einen großen Backpack dabei. Kauft euch einen Rucksack und keinen Koffer, das ist um einiges praktischer. Auch einen kleinen Rucksack solltet ihr mitnehmen. Eine Freundin sagte mal zu mir: „Wenn du für Auslandsreisen packst, nimm letztendlich nur 1/3 von deinem geplanten Gepäck mit. Ich weiß, dass das schwierig ist, aber haltet euch daran. Ich hatte trotzdem wieder zu viel dabei und habe einiges zurücklassen müssen. Ihr werdet hier auf jeden Fall einiges kaufen, z.B. traditionelle Batik-Kleidung.

Reise und Ankunft

Da man die Zusage erst recht kurzfristig erhält, kann man den Flug erst ca. 6-4 Wochen vor der Abreise buchen., d.h. die Kosten für den Flug können etwas höher sein. Die meisten Flüge haben einen Zwischenstop, meistens in den Vereinigten Emiraten oder wie bei mir in Saudi Arabien. Hier gilt zu beachten, sich nicht zu freizügig anzuziehen und Beine, Ausschnitt und Schultern zu bedecken. Um einer Thrombose vorzubeugen solltet ihr euch während des Fluges genügend bewegen. Der Flug war lange und relativ anstrengend, aber ich wurde von meiner LORE sehr freundlich am Flughafen empfangen und in mein Hostel gebracht. Nehmt nicht zu viel Bargeld mit, da ihr überall mit VISA oder Mastercard Geld abheben könnt. Kleiner Tipp: Nehmt die Decke aus dem Flieger mit, da man diese immer gut gebrauchen kann. Manche Hostels haben nämlich keine Bettdecke.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe mit einer anderen Austauschstudentin zusammen an dem Projekt „Fabrication of materials from silk fibroin for therapeutic usage“ geforscht. Wir haben Cocoons der Seidenraupe Bombyx Mori zerkleinert, gekocht und weiter prozessiert, um am Ende ein Gel zu erhalten, das auf Wunden aufgelegt werden kann und mit verschiedenen Substanzen, z.B. Metformin versetzt werden kann. Die Idee dieser Forschung ist, Patienten mit Diabetes Typ 2 besser und direkter mit Metformin behandeln zu können, indem ein Fibroin Gelpatch auf offene Wunden v.a. an Beinen aufgelegt werden kann. Da Seide ein sehr widerstandsfähiges Material ist und nachweißlich bei der Heilung von Wunden helfen kann, ist die Kombination von Medikation und Seide eine sehr fortschrittliche Idee. Jedoch ist das Projekt erst ganz am Anfang und in der sogenannten Stage 1, also noch ohne Involvierung von Tierversuchen. Am Ende der 4 Wochen hat jedes Forschungsteam eine Präsentation vor dem ganzen Labor halten müssen, um Resultate und die generelle Herangehensweise in Form einer Powerpoint Präsentation zu veranschaulichen.
Da wir häufiger lange Wartezeiten während unsers Projektes hatten, zum Beispiel bei der Dialyse der Seidensolution, konnte man immer einen Naturwissenschaftler im Labor finden der gewillt war uns seine Forschung und die Methoden näherzubringen und zu zeigen. Wir durften auch einen Einblick in die Tierversuchsstation erhalten und wurden von einer Veterinärmedizinerin begleitet. Generell, konnte man sich die Arbeitszeiten relativ flexibel einteilen und es war kein Problem an einem Tag um 9 und am anderen erst um 10 mit der Arbeit zu beginnen.
Wenn man interessiert an dem SCOPE Programm ist, kann man sich mit dem local Officer kurzschließen oder SCOPE Austauschstudenten fragen, ob man mal mit in den OP oder auf Station gehen kann. Ich war bei einer offenen Appendektomie dabei und fand es sehr interessant zu sehen, wie Operationen in einem öffentlichen Krankenhaus in Indonesien gehandhabt werden.
Das Labor war für indonesische Standards sehr fortschrittlich und hatte die meisten der gängigen Geräte vor Ort. Trotz allem kann man natürlich die Ausstattung nicht mit Deutschland vergeichen, da schon alleine Materialien viel schwerer zu erhalten sind und die Lieferung oft Monate bow Jahre dauern kann. Wenn man sich aber auf die Herangehensweise einlässt und manchmal einfach entspannt abwartet was passieren wird, wird man sehen, dass man auch zu Resultaten kommen wird, auch wenn es alles länger dauert.

Land und Leute

Die Indonesier sind ein sehr friedliebendes Volk und sehr herzlich. Die freundliche und fröhliche Art hat mir mehr als einmal den Tag versüßt. Auch wenn vor allem die Männer häufig irgend einen Spruch auf indonesisch parat haben und mindestens einmal am Tag ein „Hello Miss, photo please“ nicht fehlen durfte, habe ich mich sehr willkommen und aufgenommen gefühlt. Als „Europäer“ muss man erstmal lernen, dass Indonesier sehr ungern direkt und konfrontativ kommunizieren und man sehr selten ein „Nein!“ zu hören bekommt. Auch wenn es natürlich schwer fällt, deutsche Verhaltensweisen komplett abzulegen, sollte man versuchen den Indonesiern etwas zurückhaltender entgegenzutreten, da dies schnell falsch verstanden werden kann und „Direktheit“ kein Teil der indonesischen Kultur ist.
Da Indonesien zu der Liste der "developing countries" gehört, sind Infrastruktur und der "Human developing index" nicht auf den weltweiten top Plätzen zu finden. Auch die Gleichstellung von Frauen und Männern ist nicht vergleichbar mit europäischen Standards und das "Gender Payment Gap" ist um ein vielfaches größer als in Deutschland. Viele Frauen arbeiten nicht und kümmern sich um Familie und Haushalt, während der Mann das Geld verdient. Die wirtschaftliche Situation im Land ist relativ stabil und in den kommenden Jahren/Jahrzehnten wird sich Indonesien voraussichtlich zu einer der stärkeren Industrienationen in Asien entwickeln und vielleicht auch China und Indien in den Schatten stellen.
In großen Teilen Indonesien leben verschiedene religiöse Minderheiten friedlich miteinander und es kommt kaum noch zu religiös bedingten Straftaten. Trotz allem gilt zu bedenken, dass Indonesien mit fast 90% muslimischen Anteil, das größte muslimisch geprägte Land der Erde ist und man sich demnach auch etwas an die religiösen Gepflogenheiten halten sollte. Damit ist gemeint, nicht zu freizügig herumzulaufen, auf Sumatra wird in einigen Regionen sogar erwartet ein Kopftuch zu tragen. Ich persönlich habe häufig , lange Stoffhosen getragen und darauf geachtet immer eine dünne Jacke dabei zu haben, für alle Fälle.
Ich habe kaum unangenehme Erfahrungen gemacht. Eine häufige unangenehme Erfahrung sei jedoch erwähnt. Oft werden Fotos von einem gemacht, ohne vorher gefragt zu werden. Wenn man dann jedoch nett sagt, dass man dies nicht möchte, unterlassen es die Einheimischen meist. Trotzdem kann das manchmal etwas nerven, vor allem wenn man gerade beim Essen ist oder auch einfach mal keine Lust hat auf eine Fotosession.

Fazit

Alles in allem war der Austausch eine wunderbare Erfahrung. Ich habe tolle Menschen kennenlernen dürfen und viel Einblick in Land und Kultur der Indonesier bekommen. Die Forschung an sich war auch interessant, leider fand ich aber die Betreuung seitens meines Supervisors im Labor etwas holprig und hätte mir auch von Seiten der nationalen Organisation (CIMSA) manchmal etwas mehr Unterstützung gewünscht. Dies hätte man zum Beispiel durch ein breiteres „Social Programm“ bieten können. Da wir aber eine große Gruppe an Austauschstudenten waren, haben wir vieles in der Gruppe gemacht und herausgefunden.

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