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PorMSIC(Portugal);Genetically modified rodent Plasmodium parasites as vectors for a whole-organism malaria vaccine

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Eva, Freiburg

Motivation

Da ich schon oft in Portugal war, dort Freunde habe und das Land sehr mag, hatte ich schon länger mit dem Gedanken gespielt, dort zu famulieren. Als ich dann über unsere Lokalgruppe der bvmd vom Forschungsaustausch erfuhr, schien das die perfekte Gelegenheit zu sein, einen Monat in Lissabon in einem Labor mitzuarbeiten um herauszufinden, ob die forscherischen Ambitionen, die ich manchmal hegte, eine realistische Zukunftsperspektive sein könnten.

Vorbereitung

Die Vorbereitung für meinen Austausch war recht unkompliziert. Nachdem ich von deutscher Seite (also von der bvmd) die Zusage bekommen hatte, dauerte es von portugiesischer Seite ziemlich lange, bis ich überhaupt etwas hörte und auch im Verlauf der nächsten Monate gab es immer mal wieder Situationen, in denen ich dachte, es käme nichts mehr. Also, ein wichtiger Tipp von mir: Ruhe bewahren, das läuft schon.
Ansonsten sind die Formalitäten dank haufenweiser Checklisten, Informationsseiten etc. einfach zu bewältigen.
Alle erforderlichen Dokumente sind auch recht einfach zu bekommen, einzig das Sprachzertifikat braucht etwas mehr Vorlauf. Ich habe dafür einen Termin bei einer Dozentin des englischen Seminars meiner Uni bekommen, an dem sie dann mit mir eine Art Englischtest gemacht hat. Das war nichts Wildes, alles auch ohne Vorbereitung zu schaffen, wenn man manchmal Englisch spricht und Filme schaut.

Visum

Die Vorbereitungen für meine Anreise waren - EU und Schengen sei Dank! - sehr einfach. Flug gebucht und die Sache war erledigt.

Gesundheit

Da ich nicht im Krankenhaus gearbeitet habe, waren etwaige Schutzimpfungen etc. kein Thema für mich. Meine Gastfamilie hat super für mich gesorgt, als ich mir Salmonellen eingefangen hatte. Das wäre alleine in einem Wohnheimzimmer definitiv unangenehmer, aber gut zu überstehen gewesen. Eine Auslandskrankenversicherung hatte ich schon vor dem Austausch. Falls ihr eine abschließen wollt, kann ich die envivas empfehlen. Da zahle ich ca. 20 Euro im Jahr und habe ein großes Spektrum an möglichen Kosten abgedeckt, vom Antibiotikum bis zur NotfallOP. Schaut euch die Konditionen an,ob es für euch passt.

Sicherheit

Portugal ist ziemlich sicher. Die großen Städte Lissabon und Porto sind im Thema Sicherheit mit deutschen Städten zu vergleichen, also es ist jederzeit möglich, nachts auf der Straße zu sein, wobei es angenehmer sein kann, zu zweit unterwegs zu sein. Sicherheit hat in meinem Kopf während des Austausches keine Rolle gespielt, was vermutlich ein gutes Zeichen ist, weil sie eher durch Abwesenheit zum Thema wird.

Geld

Euro, alles easy. Lebenshaltungskosten sind - gemessen an den portugiesischen Durchschnittsgehältern (Mindestlohn gute 500 Euro!) - ziemlich hoch, im Vergleich zu Deutschland aber immer noch günstiger. Importierte Produkte sind teilweise teurer als im Ursprungsland, also lokale Sachen bevorzugen, dann kommt man günstig durch.

Sprache

Während des Praktikums habe ich nur Englisch gesprochen und da auch sehr viel lernen und verbessern können im Bezug auf Fachsprache. Ansonsten liegen meine Portugiesischkenntnisse irgendwo zwischen A1 und A2 Niveau, was immer wieder für Freude gesorgt hat, wenn ich ein paar Sätze auf Portugiesche sagen konnte.Geht aber auch total ohne Portugiesischkenntnisse, Portugiesen sprechen im Allgemeinen sehr gut Englisch, weil Filme und Serien so gut wie nie übersetzt werden.

Verkehrsbindungen

Flugzeug, Auto, Zug, Bus. Zug ist witziger, Flugzeug erholsamer und günstiger. Der Lissaboner Flughafen liegt sehr stadtnah und ist gut mit der Metro zu erreichen. Im Land selber kann man sich gut mit Zug, Bus und Mitfahrgelegenheit fortbewegen.

Kommunikation

Internet gab es sowohl in der Gastfamilie, als auch im Labor. Viele Cafés bieten kostenloses WLAN an. Zu meinem Glück wurde vor meinem Austausch EU-weit eine neue Regelung zu Roaminggebühren eingeführt, sodass ich mit meinem deutschen Vertrag zu den exakt gleichen Konditionen aus Portugal telefonieren und surfen konnte, das war ziemlich bequem (und günstig).

Unterkunft

Ich hatte extremes Glück mit meiner Gastfamilie. Normalerweise werden Incomings in Lissabon im Wohnheim einquartiert, so war es auch bei den beiden anderen, die mit mir hier waren. Bei mir hatte es im Vorfeld irgendein Problem mit meinem Wohnheimzimmer gegeben, sodass die LORE Margarida mich kurzerhand bei ihrer Familie einquartiert hat, was ein großes Glück war! Wir haben oft zusammen zu Mittag oder Abend gegessen, viel gequatscht, zusammen Ausflüge unternommen. Als ich krank war, wurde ich bestens versorgt. Top!

Literatur

Die vom Labor angegebenen Artikel habe ich vorweg gelesen, ansonsten habe ich im Vorfeld nicht viel vorbereitet und dann jeweils nach den Arbeitstagen Unklares nachbearbeitet. Alles kann, nichts muss war hier das Motto.

Mitzunehmen

Übliche Reiseutensilien, je nachdem, was euch wichtig ist. Hier kann ich schlecht irgendwas Verallgemeinerndes schreiben. Im Prinzip ist der Alltag in Portugal dem deutschen relativ ähnlich, sodass man theoretisch all das, was man zuhause hat, auch hier findet. Ob man das möchte, ist eine andere Frage.

Reise und Ankunft

Problemlos. Ich war schon einige Zeit vorher nach Portugal gereist und habe ein bisschen Urlaub gemacht, in Lissabon empfing mich vorm Praktikum dann meine Kontaktperson und half mir, meine Monatskarte für die Metro zu besorgen und brachte mich zum Labor.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Wie gesagt, ich war in einem Labor. Die Nova Medical School hat ein angegliedertes Forschungsinstitut, das CEDOC (Centro de Estudos de Doenças Crónicas da Faculdade de Ciências Médicas da Universidade Nova de Lisboa). Hier arbeiten diverse Arbeitsgruppen an molekularen Mechanismen, die chronischen Krankheiten zugrundeliegen. Hierbei liegt ein Fokus auf neurodegenerativen und neuro-entzündlichen Erkrankungen wir Alzheimer, Parkinson etc. Ich war in einem Labor, das die Kommunikation zwischen Mikrogliazellen und Neuronen erforscht. besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Rolle von CO als Induktor von entzündlichen Prozessen, die die Mikrogliazellen wiederum ( vermutlich) an die Neurone weitervermitteln. Das ist absolute Grundlagenforschung und hat mit handfester Medizin erstmal wenig zu tun. Dementsprechend bestand der Abreitsalltag aus Tätigkeiten, die dem biochemischen Praktikum aus der Vorklinik sehr nahe kommen. In diesem Bereich habe ich unfassbar viel gelernt, sowohl was die Theorie als auch die praktischen Techniken betrifft. Western Blots, Immunofluoreszenzmikroskopie, Durchflusszytometrie und Proteinquantifizierung mittels Photoabsorption waren das täglich Brot. ich habe das Gefühl, die oftmals lückenhaften Fundamente aus der Vorklinik kräftig aufpoliert und jetzt ein viel besseres Verständnis für Molekularbiologie und Biotechnologie zu haben.
Ich habe vor allem Western Blots vorbereitet, proben pipettiert, Zellkulturen gepflanzt und ansonsten viel beobachtet und gefragt. Mein Tutor war sehr geduldig, hat wahnsinnig umfangreich erklärt und war immer ansprechbar. Letztendlich war das Thema nicht so faszinierend für mich, wie ich erwartet hätte. Ich habe aus der Erfahrung viele Rückschlüsse ziehe können bezüglich der Frage, wohin es mit mir innerhalb der Medizin mal gehen soll, worüber ich sehr froh und dankbar bin. Zum Alltag im Krankenhaus oder dem portugiesischen Gesundheitssystem kann ich kaum etwas sagen, weil ich da nur sporadische persönliche Erfahrungen als Patientin gemacht habe, die hier nicht weiterhelfen. Insgesamt denke ich, dass im Studium in Deutschland mehr Wert auf die vorklinische Ausbildung gelegt wird als in Portugal, was mir vonseiten den Biochemiker in meinem Labor bestätigt wurde. Ich war auch vor meinem Austausch der Meinung, dass eine solide naturwissenschaftliche Grundausbildung zwingende Voraussetzung ist, um ein "guter" Arzt oder Ärztin werden zu können. Ich verstehe gut, dass im Wust der Vorklinik die Sinnhaftigkeit von irgendwelchen Molaren Massen etc. sich nicht immer sofort erschließt und für viel Frust sorgen kann, aber alles in allem bin ich froh, so umfassend ausgebildet worden zu sein.

Land und Leute

Die Erfahrung mit meiner Gastfamilie war wunderbar, wie ich oben schon beschrieben habe. Ansonsten kenne und liebe ich die Portugiesen als sehr entspannte, freundliche und bescheidene Menschen (sofern solche kollektiven Zuschreibungen eben möglich sind). Es gibt immer Zeit für ein kleines Schwätzchen, man kommt leicht ins Gespräch, nimmt Anteil am Leben des anderen. Familie spielt in Portugal eine wesentlich zentralere Rolle im Leben, was dazu führt, dass viele bis Mitte/Ende zwanzig zuhause wohnen, so auch die PhD-Studenten in meinem Labor. Gemeinsames Essen ist überdies sehr wichtig, sei es das Mittagessen im Labor oder Abendessen im Familienkreis. Ich bin solche "klassischen" Verhältnisse eher weniger gewöhnt, habe sie aber sehr genossen.
Insgesamt würde ich sagen, dass das öffentliche Leben in Portugal weniger politisch ist als in Deutschland. Viele Portugiesen äußern sich enttäuscht über "korrupte" Politiker und sagen, kein Vetrauen in ihre Vertreter zu haben. Anstatt Aktivismus beobachtet man eher Rückzug ins Private. Wirtschaftlich ging es Portugal seit der Wirtschaftskrise eher schlecht, viele Menschen haben ihre Jobs verloren. Gegenüber der EU waren viele kritisch, fühlten sich übervorteilt und marginalisiert. Mittlerweile geht es dem Land wieder etwas besser, politische Reformen, harte Sparmaßnahmen (die von den Menschen sehr zwiespältig aufgenommen werden) und auch der zunehmende Tourismus helfen.
Stichwort Tourismus: Lissabon und Umgebung haben unglaublich viel zu bieten! Die Stadt an sich zu durchwandern ohne konkretes Ziel oder aber die Sehneswürdigkeiten, die ich hier nicht alle aufzählen kann, anzusehen ist beides super. In kurzer Entfernung gibt es viele tolle Strände, die am Wochenende zum Ausspannen einladen. Der Badeort Cascais liegt nur gute 30 Minuten Zugfahrt von Lissabon entfernt direkt am Atlantik, Abfahrt Bahnhof Cais do Sodré. Ein Besuch für 2 Nächte oder so lohnt sich. Wir haben Fahrräder gemietet und sind die Küste hochgefahren, total zu empfehlen. Einen Tag bin ich nach Sintra gefahren, eine kleine Stadt inmitten eines großen Naturschutzgebietes zwischen Lissabon und der Westküste. Sintra ist eine absoute Touristenhochburg, weil hier in kleinem Umkreis viele Attraktionen zu besuchen sind, allen voran der Pena-Palast, ein Märchenschloß vergleichbar mit Schloss Hohenschwangau, und das Maurische Kastell.Beides ist sehr sehenswert, aber es empfiehlt sich, nicht am Wochenende nach Sintra zu fahren, falls man das Bedürfnis nach etwas Bewegungsfreiheit und genug Luft zum Atmen hat.Vom Bahnhof Rossio aus fährt jede Stunde ein Zug.

Fazit

Absolut! Ich denke, ein Austausch ist unter fast allen denkbaren Umständen eine Bereicherung! Meine persönlichen Erwartungen wurden mehr als erfüllt, ich bin gleichzeitig glücklich und ein wenig traurig nach Hause gegangen, weil ich gerne länger geblieben wäre.

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