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Jordan (IFMSA-Jordan)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Dass ich Jordanien gewählt habe, lag an einem glücklichen Zufall, denn nachdem ich die Frist verpasst hatte, blieben nur noch einige wenige Länder bei den Restplätzen übrig. Von diesen Ländern habe ich dann Jordanien gewählt, da ich durch die Herkunft meines Vaters (Jemen) schon immer eine Affinität zur arabischen Kultur hatte und Jordanien eines der wenigen derzeit sicheren arabischen Länder ist. Außerdem wusste ich, dass das jordanische Gesundheitssystem bei Patienten aus dem gesamten arabischen Raum einen sehr guten Ruf genießt und auch sonst der Lebensstandard in Jordanien sehr gut ist. Rückblickend kann ich sagen, dass Jordanien wirklich die beste Wahl für die Auslandsfamulatur war, die ich treffen konnte!

Vorbereitung

Ich habe mich auf den Aufenthalt nicht großartig vorbereitet, nur ein bisschen im Lonely Planet über die Geschichte und die Sehenswürdigkeiten Jordaniens gelesen, ein bisschen medical english gelernt und mir mehrere lange dünne Stoffhosen gekauft, da es in den meisten Regionen besser ist, zumindest die Beine aus Respekt vor der Kultur komplett zu verdecken.

Visum

Ich habe im Vorfeld online den Jordan Pass gekauft, mit dem man sehr günstig die meisten Sehenswürdigkeiten Jordaniens kostenlos besichtigen kann. Wenn man bei der Einreise am Flughafen in Jordanien den Jordan Pass vorzeigt, bekommt man auch das Visum kostenlos ausgestellt (kostet ansonsten 40 JD), das ging alles am Flughafen ganz problemlos. Das Visum ist dann für 30 Tage gültig, wenn man länger bleibt, sollte man das bei der Polizei verlängern lassen. Ich war am Ende meiner Famulatur für einige Tage in Israel und bin dann nach Jordanien zurückgekommen und musste dann bei der Wiedereinreise ein neues Visum erwerben, das hat dann aber an der Grenze nur 10 JD gekostet.

Gesundheit

Für Jordanien benötigt man keine speziellen Impfungen, für die Bewerbung musste nur ein aktueller Hep B Ak Titer nachgewiesen werden. Ansonsten habe ich die übliche Reiseapotheke mitgenommen, aber glücklicherweise nichts davon benötigt. Leitungswasser sollte man selbstverständlich nirgends in Jordanien trinken.

Sicherheit

Ich habe im Vorfeld der Bewerbung die Hinweise des Auswärtigen Amts gelesen und festgestellt, dass Jordanien entgegen der Meinung einiger meiner entsetzten Verwandten als sicher gilt. Mein Eindruck während des Monats dort war sehr positiv und ich habe mich während der gesamten Zeit sehr sicher gefühlt. Als Frau, vor allem als ausländische Gruppe mit mehreren Frauen, wird einem zwar sehr oft hinterhergerufen und man wird ständig angehupt und angestarrt, aber anders in Deutschland hatte ich dabei nie ein schlechtes Gefühl und konnte mir sicher sein, dass die Männer einem dennoch nicht auf die Pelle rücken würden. Zu 80% der Zeit war ich ohnehin in Begleitung von (männlichen) jordanischen Studenten unterwegs und musste mir dabei erst recht keine Sorgen machen. Von Kriminalität wie z.B. Taschendiebstahl habe ich in der gesamten Zeit nichts mitbekommen.

Geld

Ich habe im Vorfeld nur 100 Euro in JD gewechselt und dann während des gesamten Aufenthalts immer Geld mit meiner Kreditkarte abgehoben, die meisten Automaten in Amman haben dafür keine Gebühren verlangt. Es gibt aber auch gefühlt in jeder Straße Wechselstuben, sodass man ggf. auch sein Bargeld wechseln könnte. Jordanien ist in einigen Bereichen gleicht teuer wie Deutschland, wie z.B. bei Lebensmitteln aus dem Supermarkt, wobei westliche Marken dort sogar noch teurer sind als hier. Für frisches Obst und Gemüse lohnt es sich, auf den Markt (in Amman in Downtwon) zu gehen, wo der Preis wesentlich geringer und die Qualität viel besser sind als im Supermarkt. Das Streetfood (Falafel, Shawarma etc) ist ziemlich günstig, die meisten einfacheren Restaurants sind auch günstiger als in Deutschland, aber die gehobeneren sind mindestens genauso teuer wie in Deutschland. Westliche Bars und Clubs sind teurer als in Deutschland. Taxis (als das Hauotverkehrsmittel in Amman) sind sehr günstig. Insgesamt habe ich ungefähr 1000 Euro in dem Monat ausgegeben.

Sprache

Ich spreche dank meinem Vater etwas Arabisch, was für den Monat ganz hilfreich war. Die anderen internationalen Studenten konnten alle kein Arabisch und sind trotzdem sehr gut zurechtgekommen. Die meisten Verkäufer und Taxifahrer können etwas Englisch oder sind gerne bereit, sich mit Händen und Füßen zu verständigen. Den Großteil der Zeit waren wir ohnehin mit den jordanischen Studenten unterwegs, die dann für uns übersetzt haben. Lediglich im Krankenhaus fand ich, dass mein Arabisch wirklich wichtiger war, denn die meiste Zeit haben sich die Ärzte untereinander auf Arabisch unterhalten und englische Fachbegriffe benutzt und meine bosnische Mitstudentin (ohne Arabischkenntnisse) konnte den Visiten und Morning reports ohne extra Übersetzung gar nicht folgen. Auch die Gesrpäche der Ärzte mit den Patienten waren ausschließlich auf Arabisch. Für dieses Level der Sprachkenntnisse bringt aber auch ein mehrmonatiger Kurs nicht so viel denke ich, deswegen würde es meiner Meinung reichen, wenn man vor der Famulatur ein Paar wichtige Begriffe wie Begrüßungen, danke, sich vorstellen etc. lernt, darüber freuen sich alle Einheimischen immer sehr.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit Aegean Airlines über Athen nach Amman geflogen, zu einem unschlagbar günstigen Preis und mit einem wirklich guten Service. In Jordanien waren wir nachmittags zu unseren Ausflügen/Restaurant-Besuchen/Shopping-Touren fast immer mit den privaten Autos unserer jordanischen Studenten von unserem LC unterwegs. Unser Krankenhaus war etwas zu weit zum Gehen, deswegen haben wir uns immer ein Taxi geteilt, was sehr günstig war, vor allem wenn wir zu viert waren. Ansonsten sind in Jordanien auch uber oder die arabische uber-Alternative Kareem eine gute Option, besonders weil man da schon in der App das Ziel auf der Karte angibt und den Preis fest sieht und dann nicht vom Fahrer beim Weg oder Preis übers Ohr gehauen werden kann (passiert bei Taxis selten, aber kann schon mal vorkommen) und man auch über die Sprachbarriere hinweg am richtigen Ziel ankommt. Ich bin nur ein einziges Mal auf eigene Faust mit dem öffentlichen Bus gefahren, von Amman nach Madaba und zurück, das ist auch sehr billig, aber kann schon mal sehr voll und chaotisch sein und Arabischkenntnisse sind von Vorteil, aber wieder kein Muss.

Kommunikation

Meine Contactperson hat mich vom Flughafen abgeholt und dort direkt eine Handykarte mit mir zusammen gekauft. Dadurch hatte ich dann während des gesamten Aufenthalts eine jordanische Nummer zum Telefonieren und sehr viel Internet (die Karten gibt es ab 12 GB bis 20 GB glaub ich) zum kleinen Preis (bei mir 15 JD). Wenn man die Karte verlängern oder neu aufladen will, geht das ganz einfach in einem der vielen Shops des Internetanbieters. Ansonsten gibt es in vielen der westlicheren Cofeshops wie Starbucks oder in den Shoppingmalls auch kostenloses WLAN.

Unterkunft

Einer der größten Pluspunkte meines Aufenthalts war, dass alles perfekt organisiert war, ohne dass man selbst einen Finger dafür rühren musste. Dazu gehörte auch die Unterkunft. Unser LEO hatte für die beiden Sommermonate (Juli und August), in denen jeweils ungefähr 10 internationale Incomings von unserem LC da waren, 2 tolle Wohnungen gemietet. Die Wohnungen lagen direkt übereinander in einem recht schicken Mehrfamilienhaus in einem gehobeneren Viertel von Amman in der Nähe von unseren beiden Krankenhäusern, dem Jordan Hospital und dem Specialty Hospital. Die Wohnungen waren riesig, möbiliert und mit Klimaanlage ausgestattet und viiiieeel besser als ich mir meine Unterkunft in Jordanien jemals erträumt hätte. Zum Teil haben sich 2 Mädels ein Zimmer geteilt, was aber für niemanden ein Problem war. Es gab mehrere Badezimmer und eine große Küche mit allem was man so für das normale Kochen braucht. Insgesamt haben wir aber öfter außerhalb gegessen als selbst gekocht. In unseren Wohungen war immer viel los, fast jeden Abend kamen unsere jordanischen Studenten vorbei und wir haben zusammen Zeit verbracht. Auch die anderen internationalen Studenten der anderen LCs haben wir oft in deren Wohnungen besucht (außer die aus Irbid, die kamen wenn dann immer zu uns nach Amman), die Wohnungen der anderen LCs waren ähnlich gut und schick.

Literatur

Ich habe mir den Lonely Planet über Jordanien besorgt, aber eigentlich nur im Vorfeld ein wenig darin gelesen, während des Monats kam ich gar nicht mehr dazu. An den jeweiligen Sehenswürdigkeiten wie z.B. in Jerash findet man aber auch oft Tafeln mit Erklärungen.

Mitzunehmen

Bei der Kleidung sollte man sich nicht zu viele Gedanken machen, ich hatte neben Jeans und Tshirts noch einige lange Stoffhosen mit. Ein paar kurze Sachen kann man auch mitnehmen und dann in den Hotelanlagen in Aqaba, am Toten Meer und in privaten Wohnungen tragen. Für die Wüste und für den Hiking Trip (alle diese Orte waren Teil des national social programs) sind Wanderschuhe oder zumindest Sportsschuhe mit etwas mehr Profil, die auch mal sehr staubig oder nass werden dürfen, sehr ratsam. Einen dickeren Pullover sollte man auch für die Nacht in der Wüste und für die stark klimatisierten Reisebusse (auf dem Weg zu den Orten des national social Programs) mitnehmen. Ansonsten neben dem Kittel für das Krankenhaus all das, was man auch für einen Monat in Deutschland brauchen würde :)

Reise und Ankunft

Wie oben schon erwähnt war mein gesamter Aufenthalt in Jordanien perfekt von unserem LEO und den anderen jordanischen Studenten des LCs durchorganisiert. Ich wurde von meiner Contactperson am Flughafen abgeholt und wir sind dann zusammen mit seinem Auto zu der Wohnung gefahren. Als alle August-Incomings da waren (4 Tage nach meiner Ankunft), sind wir dann alle zusammen mit unserem LEO zum ersten Mal ins Krankenhaus und wurden dort unserer jeweiligen Abteilung vorgestellt. Auch danach wurden wir extrem eng von den Jordaniern betreut, jeden Tag gab es einen Programmpunkt, von der Besichtigung verschiedener Sehenswürdigkeiten in Amman, über den Besuch vieler Cafes und Restaurants, Basketballspielen, Bowlen bis hin zu einfach gemeinsam auf unserer Dachterasse abhängen, quatschen und Spiele spielen. Durch diesen engen Kontakt sind wir nicht nur als internationale Studenten sehr eng zusammengewachsen, sondern auch mit unseren jordanischen Studenten. Ich kann für mich wirklich sagen, dass ich dort eine neue Familie gefunden habe und werde diese tiefe Freundschaft zu mehreren der jordanischen Studenten und auch zu mehreren der anderen internationalen Studenten hoffentlich den Rest meines Lebens weiter aufrecht erhalten können.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Durch die vielen Freizeitaktivitäten und die tolle Beziehung zu den anderen jordanischen Studenten ist für mich die Famulatur selbst etwas in den Hintergrund gerückt. Ich war in der Pädiatrie im Jordan Hospital. Alle internationalen Studenten werden in einem privaten Krankenhaus untergebracht. In den privaten Krankenhäusern geht es insgesamt recht entspannt zu und es gibt verhältnismäßig viele Ärzte, Interns (entspricht unseren PJlern) und jordanischen Famulanten auf wenige Patienten. Dadurch machen die einzelnen Ärzte und vor allem die einzelnen Studenten recht wenig selbst am Patienten. Der Großteil meines „Arbeitsalltags“ bestand aus Teilnahme an den Morning reports (ohne Arabisch Kenntnisse schwer zu verfolgen), an den lectures und dann an der Visite. Danach durfte ich meistens schon nach Hause (das war meistens am späten Vormittag oder Mittag). Ich war dadurch insgesamt eigentlich nur Beobachterin und habe nichts wirklich selbst oder praktisch gemacht, war mir aber auch recht so. Denn ich habe trotzdem viel in dieser Zeit gelernt, weil in unserer Abteilung eine sehr gute Oberärztin war, die für alle ihre Assistenzärzte und auch uns Studenten eine sehr gute Lehre gemacht hat und die morning reports und Visiten sehr gut geleitet hat. Insgesamt hatte ich auch den Eindruck, dass die jordanischen Ärzte und Studenten den Deutschen im theoretischen Lehrbuchwissen einiges voraus haben und dadurch habe ich auch sehr viel theoretisch über einzelne Krankheitsbilder, physiologische Zusammenhänge und Symptome lernen können. Ein weiteres Highlight im Krankenhaus war außerdem das leckere kostenlose Mittagessen. Der Kontakt zu den anderen Assistenzärzten und der Pflege war eher nicht so eng, da wir schon immer nach dem offiziellen Teil am Vormittag/Mittag gehen durften und dadurch nicht wirklich Teil der normalen Arbeitsroutine auf Station werden konnten.















































































































































































































































































































































































































































































































































































































































Land und Leute

Über meine (ausnahmslos positiven) Erfahrungen mit Land und Leuten in Jordanien könnte ich nach diesem Monat ein ganzes Buch füllen. Die Menschen, allen voran die jordanischen Studenten haben diesen Monat zu der besten Zeit meines Lebens gemacht. Sie waren so gastfreundlich, offen und großzügig wie ich es bisher bei noch niemand Anderem erlebt habe. Sie haben jeden Tag etwas mit uns unternommen, sind hunderte Kilometer mit ihren privaten Autos gefahren um uns überall hin zu chauffieren, haben uns zum Teil zu sich nach Hause eingeladen und uns immer wieder die Schönheit ihrer Heimat gezeigt. Wir haben unendlich viele wunderschöne Momente zusammen geteilt, von tiefgehenden Gesprächen und Diskussionen über Religion, Kultur und den Sinn des Lebens bis hin zuvverrückten spontanen Aktionen. Zusätzlich neben diesen schönen Erfahrungen mit unserem eigenen LC war auch das national social program mit den 3 anderen LCs unheimlich schön. Wir haben bis zum Ende des Monats alle bekannten Sehenswürdigkeiten des Landes gesehen: Petra, Wadi Rum, Aqaqba am Roten Meer, das Tote Meer, Wadi Al-Hidan, Ajloun, Jerash, Um Quais, Irbid, Madaba und alles was Amman zu bieten hat. Die nationalen Trips waren genauso perfekt organisiert wie unsere kleineren lokalen Unternehmungen und haben sehr viel Spaß gemacht, da man in der großen Gruppe von ca. 50 Leuten noch viel mehr interessante Menschen aus anderen Ländern und Jordanien kennengelernt hat und der Austausch sehr bereichernd war. Durch den engen Kontakt zu den jordanischen Studenten haben wir auch sehr gute Einblicke in die jordanische Gesellschaft bekommen.




















































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































Fazit

Der Monat in Jordanien war die aufregendste und schönste Zeit meines Lebens. Ich würde mich jederzeit wieder dafür entscheiden und werde ganz sicher auch wieder nach Jordanien zurückkehren und meine wunderbaren Erinnerungen wieder aufleben lassen. Ich kann nur jedem empfehlen, keine Scheu vor dem muslimischen Land und den politisch brisanten Nachbarstaaten zu haben und selbst diese tolle Erfahrung mit einem Austausch in Jordanien zu machen!

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