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IFMSA-Japan(Japan);Research for synaptic plasticity linked to cognitive function and development of a novel anti-dementia drug

Neurologie - SCORE (Forschungsaustausch)
von Lukas, Tübingen

Motivation

Grundsätzlich reise ich gerne und bin interessiert an anderen Kulturen. Von einem Austausch erhoffte ich mir vor allem die Möglichkeit, mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen, und so einen tieferen Einblick in die Landeskultur zu bekommen als der Standard-Tourist.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung auf meinen Aufenthalt in Japan habe ich keine speziellen Kurse besucht. Im Grunde bestand die Vorbereitung aus dem Buchen der Flüge und Abschluss einer Auslandskrankenversicherung. Natürlich habe ich mich im Vorfeld auch eine wenig über die japanische Kultur informiert. Durch den Email-Kontakt mit meinem dortigen Kontaktstudenten erfuhr ich, dass ich zum Teil in Gastfamilien untergebracht würde und konnte mich um angemessene Gastgeschenke kümmern. Auch, dass ich zumindest ein paar Sätze auf japanisch sagen konnte, kam bei den Leuten dort gut an.

Visum

Für EU-Bürger ist es nicht notwendig, ein Visum für Japan zu beantragen, solange der Aufenthalt im Land kürzer als 90(?) Tage ist. Man fliegt einfacht hin und bekommt einen Stempel in den Pass.

Gesundheit

Teil der Bewerbungsunterlagen für das IFMSA-Bewerbungsportal war eine Kopie des Impfpass, ich bezweifle aber, dass diese genau angeschaut wurde. Der Versicherungsschutz der deutschen Krankenkassen gilt in der Regel nicht für das nicht-EU-Ausland, deshalb schloss ich eine Auslandskrankenversicherung für den Zeitraum der Reise ab. Dabei musste ich darauf achten, dass Japan auch wirklich abgedeckt ist, denn viele Versicherungen gelten nicht die USA, Kanada und Japan. Auf eine Schutzimpfung gegen die Japan Enzephalitis verzichtete ich. Die kleine Reiseapotheke mit den absoluten Basics kam zum Glück nicht zum Einsatz.

Sicherheit

Japan ist ein sehr sicheres Land, mal von der Bedrohung durch Nordkorea/China/Russland abgesehen. Die Kriminalitätsraten sind sehr gering und man kann sich ohne Sorgen so frei bewegen, wie in Deutschland.

Geld

In Japan bezahlt man mit dem Yen (1€ entspricht ungefähr 130Yen). Andere Währungen werden nicht akzeptiert. Zahlen mit der Kreditkarte ist eher unüblich in Japan, so muss man zB Zugtickets idR bar bezahlen. Mit der kostenlosen DKB-Kreditkarte konnte ich ohne weitere Gebühren an Geldautomaten Geld abheben. Das Preisniveau ist in etwa wie in Deutschland. Grundnahrungsmittel im Supermarkt sind eher etwas teurer, dafür bekommt man in den zahlreichen Restaurants (Ramen, Udon, Soba,...) ein leckeres Essen für 5€ bis 10€. Je nachdem, wie weit entfernt die Unterbringung von der Universtät ist, können täglich bis zu 10€ für die öffentlichen Verkehrsmittel anfallen.

Sprache

In Japan spricht man Japanisch. Ich habe mir Mühe gegeben, zumindest ein paar Sätze auf Japanisch lernen, das wäre nicht unbedingt nötig gewesen, kam aber oft ganz gut an. Leider sprechen auch junge Japaner oft nur sehr dürftig Englisch, irgendwie konnte ich mich aber immer verständlich machen. Zum Glück war das Englisch meines Supervisors im Labor sehr gut, die Zusammenarbeit wäre sonst wohl etwas schwierig geworden.

Verkehrsbindungen

Die öffentlichen Verkehrsmittel in Japan sind zahlreich und gut ausgebaut. In den Städten gibt es oft viele verschiedene private Straßen- und U-Bahn-Linien, die mal besser, mal schlechter miteinander vernetzt sind. Dementsprechend schwierig gestaltet sich bisweilen die Reiseplanung. Immerhin gibt es alle Linienpläne zusätzlich in römischer Schrift.
Je nachdem, wie weit entfernt von der Uni man wohnt, können am Tag schon mal gute 10€ Transportkosten zusammenkommen.
Von Stadt zu Stadt reist man in Japan am schnellsten und bequemsten mit dem Schnellzug Shinkansen. Der ist allerdings auch recht teuer (zB Osaka-Tokyo ca. 100€). Wer Zeit hat, vor oder nach dem Praktikum das Land zu bereisen, sollte sich schon in Deutschland über den Japan Railpass informieren, eine Art Interrail-Ticket für Japan, das man nur im Heimatland im Reisebüro erwerben kann.

Kommunikation

Habe ausschließlich über WLAN mit Leuten in Japan und zu Hause kommuniziert. Das gab es kostenlos an der Uni und in meiner Unterkunft und häufig, wenn auch nicht immer, an Bahnhöfen und anderen öffentlichen Plätzen. Coffeeshops mit kostenlosen WLAN gibt es eher nicht so viele.

Unterkunft

Von meinen insgesamt vier Wochen in Japan kam ich zwei Wochen in Gastfamilien unter (zwei Gastfamilien, jeweils eine Woche) und die anderen zwei Wochen im Gästehaus des Colleges. Um die Organisation musste ich mich gar nicht kümmern. In den Familien wurde ich voll umsorgt, im Gästehaus gab es eine voll ausgestattete Küche, sodass ich mich selbst versorgen konnte. Bettwäsche oder ähnliches musste ich nicht mitbringen.

Literatur

Ein Freund hatte mir das Buch "Fettnäpfchenführer Japan" (Kerstin und Andreas Fels) ausgeliehen, das vermittelt ganz unterhaltsam die kulturelle Eigenarten und Verhaltensregeln Japans. Einem Ausländer verzeihen die Japaner aber normalerweise, wenn er sich für japanische Verhältnisse etwas unhöflich verhält.

Mitzunehmen

Mitgenommen habe ich Klamotten, Handtücher, was man eben so braucht, um vier Wochen zu überleben. Ich hatte immer die Möglichkeit meine Wäsche zu waschen, dementsprechend wenige Sachen wären eigentlich nötig gewesen.

Reise und Ankunft

Angereist bin ich per Flugzeug. Am Kansai International Airport wurde ich von meinem Kontaktstudenten und einem Sohn der ersten Gastfamilie mit dem Auto abgeholt. Ich hatte noch zwei freie Tage bis zum Praktikumsbeginn. Am ersten Tag wurde ich von meinem Kontaktstudenten auf dem Collegegelände herumgeführt. Auch zum ersten Treffen mit meinem Supervisor kam der Kontaktstudent mit.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Das Forschungsprojekt, mit dem ich die vier Wochen am Hyogo College of Medicine zugebracht habe, beschäftigte sich mit dem Einfluss der Atmung auf den Abruf von Erinnerungen. Die Aufgabe, der ich mich gemeinsam mit meinem Supervisor widmete, bestand im wesentlichen daraus, den Versuchsaufbau für ein geplantes Experiment zu vervollständigen, ein Protokoll festzulegen und schließlich einen ersten Durchlauf des Experiments durchzuführen. Das Experiment bestand aus einer klassischen Angstkonditionierung von Mäusen, bei der diese lernten, verschiedene Geräusche entweder durch die Paarung mit leichten Elektroschocks mit Gefahr oder durch das Ausbleiben der Elektroschocks mit Sicherheit zu assoziieren. Beim späteren Abruf des Erlernten wurden sowohl das Verhalten der Tiere beobachtet als auch deren Atemung gemessen.
Die ersten zwei Tage des Praktikums bestanden daraus, dass mir mein Supervisor eine Einführung in seine Forschungsinteressen gab. Er erklärte mir das geplante Experiment, welchen Zweck es seiner Meinung nach habe, was er sich von den Ergebnissen erhoffte usw. Nachdem ich eine grobe Idee des Forschungsvorhabens hatte, begann die praktische Arbeit. Ich war zu dieser Zeit der einzige Student meines Supervisors, ich hatte also eine dauerhafte 1:1-Betreuung.
Meine Aufgabe bestand zunächst darin, den Umgang mit den Labormäusen zu erlernen – hierzu musste ich auch einen Test über den korrekten Umgang mit Versuchstieren bestehen – und dafür zu sorgen, dass die Mäuse im Gegenzug den Umgang mit mir erlernten. Die späteren Verhaltensbeobachtungen sollten nicht durch die Angst vor Menschen verfälscht werden.
Dann mussten die benötigten Geräte wie Lautsprecher, Elektroschocker, Messgeräte korrekt mit einem Computer vernetzt werden, sodass das Experiment später weitgehend automatisch und mit einem exakten Timing ablaufen konnte. Hierbei war etwas Erfahrung mit Computern und Elektronik gefragt, auch musste etwas programmiert werden.
Als schließlich nach einigen technischen Problemen der Aufbau stand und funktionierte konnten wir das Experiment an sechs Mäusen durchführen. Es bestand aus zwei Trainingstagen, an denen die Mäuse konditioniert wurden, und zwei Testtagen, an denen wir überprüften, wie gut sie die Bedeutung der verschiedenen Geräusche erlernt hatten und abrufen konnten. Zuletzt führten wir gemeinsam eine erste Analyse der Ergebnisse des Experiments durch.
Unabhängig von dem durchgeführten Experiment lernte ich an zwei Nachmittagen wie man einer Maus das Gehirn entnimmt, Gefrierschnitte desselben anfertigt und diese färbt, um sie unter dem Mikroskop zu betrachten.
Auch wenn die Zeit von vier Wochen natürlich zu kurz ist, um richtig in ein Forschungsthema einzusteigen, habe ich doch einige praktische Fähigkeiten erworben, die ich vielleicht in meinem späteren Berufsleben noch einmal anwenden kann. Vielleicht noch wichtiger als das, was ich gelernt habe, ist der Einblick, den ich in den praktischen Wissenschaftsbetrieb bekommen habe und der mir hilft über meine beruflichen Ziele etwas klarer zu werden.

Land und Leute

Als ich Leuten zu Hause von meinem Vorhaben erzählte, für ein Praktikum nach Japan zu gehen, war die Reaktion nicht durchweg begeistert. Japaner gelten für viele Deutsche als nicht besonders offen Fremden gegenüber, durch ihr übertrieben höfliches Verhalten unnahbar und vielleicht etwas unauthentisch. Immerhin lächeln die immer, auch wenn sie wütend sind.
Wie das so oft ist, haben auch diese Klischees einen wahren Kern. Man sollte sich jedoch auf jeden Fall sein eigenes Bild machen und sich überraschen lassen von der Herzlichkeit und Gastfreundschaft, mit der man von den Japanern empfangen wird; sobald sie ihre erste Scheu abgelegt haben.
Gleichzeitig ein großes Glück und eine gewisse Herausforderung war meine anfängliche Unterbringung in Gastfamilien. Die Kommunikation stellte sich aufgrund des eher bescheidenen Englischs der Gastgeber als eher schwierig dar. Trotzdem konnten wir uns irgendwie verständigen und es stellte sich schnell heraus, dass meine Gastgeber es als regelrechte Ehre betrachteten, einen Ausländer bei sich willkommen zu heißen. Neugierig erkundigten sie sich nach Deutschland, meiner Heimatstadt und dem Studium in Deutschland. Auch waren sie sehr bemüht, mir Tips für Ausflüge in der Gegend zu geben.
Auch am College machte ich nur positive Erfahrungen mit den Leuten. Ich wurde in die Sportclubs eingeladen, sollte einmal einen Vortrag über meine Uni und das Medizinstudium in Deutschland halten und wurde als großer, blonder Mann oft gefragt, wo ich herkomme und wie mir Japan gefällt. Mit meinem Kontakstudenten und anderen Studenten, die ich öfter sah, ging die Konversation zum Glück auch über die Smalltalk-Themen hinaus und wir unterhielten uns über die japanische Politik und Gesellschaft.
Häufig fuhr ich nach der Arbeit noch in ein anderes Stadtviertel in Osaka oder Kobe, sodass ich nach den vier Wochen einen guten Überblick über das gesamte Stadtgebiet hatte. Zusätzlich unternahm ich Tagesausflüge nach Himeji, Kyoto und Nara. Himeji hat eigentlich nur eine, dafür wirklich schöne, traditionelle japanische Burg zu bieten, welche die eine Stunde Anreise aber durchaus rechtfertigt. Ganz andere Kaliber sind hingegen Kyoto und Nara, welche beide eine unglaubliche Dichte an zum Weltkulturerbe erklärten Tempeln und Shinto-Schreinen vorweisen können. Beide Städte haben mehr Sehenswürdigkeiten, als man an einem Tag besichtigen kann. Ein Besuch kann ich nur wärmstens empfehlen. Die beiden Städte sind allerdings auch sehr beliebt bei ausländischen wie japanischen Touristen. Besonders an Sonn- und Feiertagen können die Tempelanlagen leicht so voll werden, dass man deren Schönheit kaum noch genießen kann. Falls möglich sollte man die Ausflüge also an einem Wochentag unternehmen.
Das Essen in Japan ist ein absolutes Highlight. Die Menschen legen sehr viel Wert auf gutes Essen. Eine gute Möglichkeit, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen ist, sie nach ihren Lieblingsrestaurants in der Gegend zu fragen. Man kann sich aber auch fast sicher sein, dass das Restaurant um die Ecke eine gute Nudelsuppe für kleines Geld serviert.

Fazit

Der Forschungsaustausch in Japan war eine tolle Erfahrung, die ich jedem weiter empfehlen würde. Das Austauschprogramm bietet eine Möglichkeit, mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen und deren Alltagskultur zu erleben, die einem als normaler Tourist nicht offen steht. Das Land bereisen will ich auf jeden Fall noch einmal, dort zu arbeiten kann ich mir allerdings nicht vorstellen, nicht ohne die Sprache einigermaßen zu beherrschen.

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