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Montenegro (MoMSIC)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich habe ein sehr ausgeprägtes Interesse für Sprachen und Kulturen und habe bereits Aulsandsfamulaturen hinter mir (privat organisiert), die mir sehr gut gefallen haben.
Mir war bewusst, dass ich nicht den gleichen Standard wie im deutschen Gesundheitssystem erwarten kann.
Ich erwartete eine Famulatur, bei der ich auf Menschen treffe, die mir hin und wieder Dinge bereitwillig erklären oder übersetzen, ein freundlicher Umgangston mit uns ausländischen Studenten und ein paar nette Gruppenunternehmungen in der verbleibenden Freizeit.

Vorbereitung

Vorbereitungsseminare habe ich nicht besucht.
Ich habe mich relativ kurzfristig für die Famulatur in Montenegro beworben, über einen Restplatz.
Ich habe mich etwas mit der Sprache vorher beschäftigt (Basics) . Das Prozedere im Portal der IFMSA habe ich als umständlich empfunden.
Ein offizieller Sprachnachweis für Englisch wird für Montenegro gefordert, ich habe einfach das Abizeugnis hochgeladen und ein paar englische Sätze dazu geschrieben.

Visum

Man braucht kein Visum.
Die Einreise ist mit dem Reisepass und sogar nur mit einem Perso möglich.
In den Kosovo beispielsweise kommt man jedoch nur mit Reisepass.



Gesundheit

Es sind keine Besonderheiten zu beachten. In der Region kommt Tuberkulose etwas häufiger vor.
Man desinfiziert sich im Klinikum sehr selten die Hände, deshalb sollte man sich privat Desinfektionsmittel für die Kitteltasche mitnehmen.

Sicherheit

Ich hatte keine Probleme mit der Sicherheit, Auch Abends und Nachts nicht. Hier ist von Vorteil, das Podgorica eine derart kleine Großstadt ist.
Taxifahrer sind eher mit Vorsicht zu genießen und ich kann nur betonen, immer Ruftaxis zu benutzen.

Geld

EURO.
Ja wirklich! Montenegro ist nicht Eu- Mitglied, darf aber den Euro als Zahlungsmittel offiziell verwenden.
Euros kann man an jedem Bankautomaten in der Stadt abheben, natürlich mit etwas Gebühren. Man kann also theoretisch Euros für die ganze Fahrt mitbringen, wenn man möchte...

Sprache

Keiner von uns Austauschstudenten sprach Serbo-Kroatisch. Serbo-kroatisch ist eine slawische Sprache, also verwandt mit Polnisch, Tschechisch, Russisch, Bulgarisch... SIe wird auch in Bosnien, Serbien, Kroatien und einigen angrenzenden Regionen gesprochen.
Manche Montenegriner behaupten, sie sprächen "Montenegrinisch". Dies ist aber zumindest sprachwissenschaftlich Unsinn und hat mit der verstärkten Nationalbesinnung seit dem Zerfall Jugoslawiens und dem Krieg mit Serbien in der 90ern zu tun.
Englisch wird von Einheimischen SCHLECHT gesprochen. Leider betrifft dies oft Jung UND Alt.
Alte Menschen verstehen sehr oft etwas Russisch. Ich beherrsche Russisch, was mir öfters weiterhelfen konnte. Totzdem ist Serbo-Kroatisch EINE KOMPLETT EIGENE SPRACHE, nicht denken, mit etwas Polnisch oder Russisch kommt man durch!
Angestellte im Krankenhaus und einheimische Studenten sind oft kaum gewillt, Englisch zu benutzen.

Verkehrsbindungen

Die nächsten Flughäfen sind Podgorica selber, dann noch Tirana in Albanien und Dubrovnik in Kroatien (am weitesten entfernte Option)
Man kann durch das mittelmäßig gut ausgebaute Busbahnhofnetz in viele Ecken Montenegros gelangen, natürlich vor allen in Städte.
Buverbindungen nach Kosovo, Tirana, Dubrovnik, Serbien und Bosnien sind gegeben und billig.
Taxis in Podgorica sind billig. IN POGORICA SELBST GIBT ES KEIN FUNKTIONIERENDES ÖFFI NETZ!!
Man MUSS Taxis nehmen. Nach Möglichkeit immer Ruftaxis.

Kommunikation

Sim Karten Inklusive Internetvolumen sind paradiesisch günstig. Diese braucht man auch, um sich Taxis zu rufen. Da man sehr hohe Datenvolumen erhält, ist es kein Problem, Freunde und Familie über Whatsapp oder andere Programme anzurufen.

Unterkunft

Ich möchte jetzt nicht in jedes Detail gehen, aber die Unterkunft=Wohnheim war unter aller Sau.
Von Außen noch hübsch mit einer kleinen Rasenfläche und Basketballplatz, hatte man speziell für uns Austauschstudenten die Zimmer mit Betten ÜBERFÜLLT. Davor und danach wurde die extrem enge Belegung wieder für die Einheimischen ausgedünnt.
Direkt unter einem Dach gelegen, hatten wir während einer Hitzewelle von tagsüber 44 Grad keine funktionierenden AC! Das Schlafen war qualvoll, die Hygiene war mehr als Zweifelhaft, hauptsächlich aufgrund der überfüllten Räume.
Auch an ausreichend Schlaf war nicht zu denken, da schon nach wenigen Tagen nur noch wenige Mitbewohner zur Famulatur gingen.
Außerdem kamen viele Ausstauschstudenten direkt aus Hotel Mama, und waren von Dingen wie Geschirr abwaschen, Klamotten waschen, Müll entsorgen, -heillos überfordert. Dies war ein erhebliches Problem und hat zu unendlichen Diskussionen mit an-und-für-sich netten Menschen geführt. Das Zimmer war bereits nach wenigen Tagen eine einzige Müllhalde-und ich bin wahrlich kein Ordnungsnazi!
Man muss dazu sagen, ich war mit Jungs in einem Zimmer, in den Frauenzimmern waren die Zustände vielleicht etwas besser.

DIe Austauschstudenten waren in 4 Kleinstwohnheime in der ganzen Stadt verteilt, teilweise weit voneinander entfernt. Sehr schlecht, weil somit sehr schwierig die ganze Truppe zusammen zutrommeln. Die absolut meisten Studenten waren aus Russland, sonst eine Bunte Mischung aus dem Rest Osteuropas und ein paar Studenten von Anderswo.

Literatur

Ein guter Reiseführer kann die Famu etwas erträglicher machen.
Albanien ist übrigens auch sehr schön :)
Ich habe mich im Internet regelmäßig über Geographie, Geschichte und Kultur der ganzen Region Ex-Jugoslawien belesen.

Medizinische Literatur, die ich mitgenommen hatte, war unnötig.
Sonnencreme sollte man schon mitnehmen.

Mitzunehmen

Badelatschen/Flipflops, etwas Interessantes zum Lesen und vielleicht schon Zutaten um ein Gericht für ein International Dinner zu zaubern (wenn es denn stattfinden sollte).
Desinfektionsmittel.
Reiseführer, eventuell auch eines Nachbarlandes, denn da gibt es auch einiges zu sehen!

Reise und Ankunft

Die Kommunikation mit meiner Kontaktperson verlief meist informationslos.
Das Mädel war erst im 2. Semester und wusste selbst nicht wie der Hase läuft.
Auch schien sie einen schlechten Draht zur Organisation zu haben, sie schickte mir zur Anreise die Adresse eines moderneren und riesigen Wohnheimes (Wo wir bestimmt alle reingepasst hätten), das aber das Falsche war. Die Abholung vom Flughafen lief schief, weil eine andere Person als meine Kontaktperson mich am Flughafen abholen wollte, und nie Kontakt mit mir hatte. Aber dieser Jemand wäre auch mit 2h Verspätung angekommen, also war es schon besser so,.,

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich wollte über diesen Teil nicht so viele Wörter verlieren, denn die Bilanz fällt sehr ernüchternd aus! Aber es geht nun mal nicht anders. Zunächst einmal möchte ich jedem Medizinstudierenden von dieser Famulatur, sollte sich die nächsten Jahre nichts ändern, abraten.
Das ist auch der Grund warum ich ausführlich berichte, um andere Studierende zu warnen.
Man sollte sich nicht blenden lassen, von dem schönen Land an sich. Denn das ist es, in der Tat: sehr schön! Doch das Land ist klein und man bereist es besser mal privat.
Ich habe Einblicke in mehreren Abteilungen des nicht sehr großen Klinikums bekommen, und muss sagen das überall wo ich war, mal mehr, mal schwächer, folgendes gültig ist : ABSOLUTES DESINTERESSE gegenüber uns als Austauschstudenten, absolut SCHLECHTE ARBEITSMORAL durch schlechte Bezahlung und teilweise sicherlich schlechte fachliche Ausbildung, Westeuropa ist zumindest auf der Karte nicht fern- eine astronomisch hohe Zahl spielt mit dem Gedanken auszuwandern, SCHLECHTE ENGLISCHKENNTNISSE und keinen Kultur der guten Lehre: damit meine ich, das Fachwissen das man sich angeeignet hat, behält man für sich selbst und erzählt gewöhnlich nicht davon.

WO: Ich habe mich ursprünglich für die Innere Abteilung-Cardiology gemeldet gehabt. Im Endeffekt habe ich auch Einblick in andere Abteilungen gewinnen können.
DER ERSTE TAG: Unklarheit bis zum Morgen desselben Tages, wann welche Abteilung anfängt! WIr hatten die Verantwortlichen mit Fragen bombardiert, doch keine Antwort bekommen.
Wir haben uns vor dem Krankenhaus gesammelt, und sind überrascht gewesen, wie viele wir "Austauschler " wir doch sind. Dann sind wir zu den Abteilungen gelaufen. Hier meldeten wir uns bei den Ärzten und mussten erstmal eine halbe Stunde im Gang warten. Nach ein paar kurzen Worten schlechten Englisch und eher unfreundlichem Verhalten wurden wir einem Assistenzarzt angeheftet, der uns einmal die Patienten in der Cardiology-Intensiv erklärte, und uns dann fragte, ob wir jetzt nicht mal bald zum Strand fahren möchten!?
MEINE AUFGABE: Jemanden finden der Englisch spricht UND sich nicht genervt fühlt. Sehr schwierige Aufgabe, stellte sich bald schon heraus. Die Ausnahmen waren in der Kardio nur 2 Assistenzärzte, die die Patienten wie am ersten Tag ganz kurz vorstellten, kurz abhören ließen und eventuell eine kurze fachliche Diskussion zuließen. aber meist wurde man abgewimmelt. "Willst du jetzt nicht mal nach Hause gehen?"

Das Klinikum in Podgorica ist das größte und Beste des Landes, wurde mir von den Ärzten erzählt. Ich habe eine Famulatur in Armenien und in Argentinien zuvor gemacht, wirklich nicht die reichsten Länder auf dieser Welt. Aber die Gleichgültigkeit, mit der man im Klinikum in Montenegro behandelt wurde, war eine absolute Negativerfahrung.

Land und Leute

Das Essen war sehr lecker und günstig. Ich empfehle die Seite Tripadvisor, um gute von schlechten Restaurants unterscheiden zu können. Die Küche ist typisch Balkan, mit viel Cevapi, einer Art von Hackspießen, die in der Balkanregion überall in verschiedenen Ausführungen zu finden sind und unter dem Namen KEBAB laufen. Dieser Kebab hat aber NICHTS MIT DÖNER ZU TUN, und man sollte uns in Dtl. wirklich verbieten, Döner in einem Atemzug mit Kebab zu nennen :)
Gute Salate finden sich oft und Montenegriner sind übrigens auch gut darin, die italienische Küche zu kopieren.
Die Wirtschaft versucht sich zaghaft zu entwickeln, viel Import aus Westeuropa und natürlich den angrenzenden Ländern (Sieht man besonders im Supermarkt). Aber das Land ist ja auch nicht groß.
Montenegro ist meiner Meinung nach kein Geheimtipp! Dies war neulich im "Spiegel" zu lesen.
Montenegros Küste ist im Hochsommer überfüllt wie andere Orte am Mittelmeer, bloß mit einem anderen Klientel: Russen, Einheimische und andere Balkanländer! Orte wie Budva sind ein zweiter Ballermann.
Es gibt hübsche Nationalparks im Hinterland, für die man am besten einen Mietwagen besitzt!
DIE ORGANISATION VON SEITEN DES MOMSIC WAR SCHLECHT. Ich bin für Spontanität zu haben, aber die Orga war wirklich nicht gut. Schlechter Kontakt zu den Ansprechpartnern und eine unklare Aufgabenverteilung zwischen Ebendiesen. Die Ausflüge, die wir nach längerem Anlauf und viel Durcheinander dann doch von der MOMSIC angeboten bekamen war ein Ausflug auf den Lovcen- einem Berg nahe Niksic, ein Ausflug in den Durmitor Nationalpark und eine Fahrt zum Shkodrasee, montenegrinische Seite.
Den Rest haben wir privat organisiert:
Wir haben den Durmitor Nationalpark im Norden des Landes besucht, eine hübsche und ruhige Gebirgslandschaft. Die an der nördlichen Küste gelegene Kotor Bucht mit dem bekannten und sehr schönen Kotor, hier muss man umbedingt hin!
Der Berg Lovcen nahe Niksic mit Blick auf die Kotor Bucht.
Die nächste Strandstadt zu Podgorica; denn Podgorica liegt nicht am Meer! : Sutomore (brutal überfüllt).
Die südliche Küstenstadt Ulcinj (mit schöner Altstadt), die Küstenstadt Budva (Ballermannfeeling, 99% Neubau).
Auch habe ich den Shkodrasee gesehen, allerdings die albanische, dörflich-idyllische Seite, die ich sehr empfehle wenn man ein Auto hat.

Auch habe ich nach der Famulatur einen Bus nach Tirana genommen und mir die albanische Hauptstadt mit Umgebung angeschaut. Albanien ist eher noch ein Geheimtipp und Menschen sind sehr freundlich.
Es ist schon alleine sehr faszinierend, wie unterschiedlich Albaner und Montenegriner sind. Albaner eher klein und oft grünäugig. Montenegriner durchschnittlich sehr groß, dunkle Augen. Albanisch ist keine slawische Sprache, im Prinzip hat die Sprache keine näher Verwandten.
Und diese Unterschiede finden sich nun auf kleinem Raum, z.B. Podgorica (gesprochen wie Podgoriza !!!) ist nur wenige Kilometer von der albanischen Grenze entfernt.

Fazit

Ich kann von der Famulatur in Montenegro nur abraten!
Man war im Krankenhaus geradezu unerwünscht und da ich schon ein fortgeschrittenes Semester bin hat sich die Zeit in Podgorica, Montenegro zeitweise wie Zeitverschwendung angefühlt. Die Organisation von Seiten der Partnerorganisation MOMSIC war nicht gut. Wir waren, im Gegensatz zum vorigen Jahr, in viele kleine Wohnheime über die Stadt verstreut (Wohl wegen einer Basketballveranstalltung, die die Plätze im neuen Wohnheim belegte). Die Stadt Podgorica ist eine nicht große und nicht sehr schöne Stadt. Sie liegt nicht am Meer.
Montenegro ist ein sehr kleines und schönes Land und mehrere Freunde von mir haben während ihrer Privatreise einen ganz anderen, positiven Gesamteindruck gewonnen.

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