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Kenia (MSAKE)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Antje, Dresden

Motivation

Ich habe letztes Jahr an einem Austausch in Ghana teilgenommen und mir hat die afrikanische Kultur sehr gefallen. Zudem reise ich generell viel und genieße die Verknüpfung von Famulatur und Reisen im selben Land, weil es eine ganz andere Erfahrung ist ein Land zu entdecken. In diesem Fall hatte ich mich für Kenia entschieden, da meine Freundin dort bereits gelebt hat und es immerwieder empfohlen hatte. Zudem lebt eine kenianische Freundin von mir in Nairobi, die ich gern besuchen wollte. Ich habe erneut die Erwartung gehabt ein Gesundheitssystem in einem Land limitierter Ressourcen kennenzulernen und neue Freundschaften sowie Kontakte zu Ärzten zu schließen.

Vorbereitung

Da ich kurz vorher eine Art Mini-STEX hatte, hatte ich nicht sonderlich viel Zeit mich vorzubrereiten. Ich wusste bis zu meiner Ankunft nicht mal, dass im Land Wahlen sein werden. Ich hatte mir einen Reiseführer gekauft, aber den braucht man eigentlich nicht, weil man am Ende eh alles über lokale Kontakte bucht. Die Bewerbungsformalitäten sind sonst ganz einfach, im Impfausweis sollte ein Gelbfieberstempel sein und das Visum kann man entweder online oder in der Botschaft oder (noch) bei der Einreise kaufen. Lief bei mir alles reibungslos. Den Invitation Letter sollte man jedoch lieber nicht zeigen. Generell sollte man viel Geduld mitbringen und einfach offen für andere Kulturen sein!

Visum

Das Visum habe ich persönlich direkt in der Botschaft in Berlin beantragt (bzw eine Freundin von mir, die zufällig eh dort war). Hat mich 40 Euro gekostet und dauerte 10 Tage. Man kann es aber auch online machen (wird in Zukunft der präferierte Weg sein), jedoch hatte ich die Botschaft angerufen und sie hatten es mir nicht empfohlen, da das System noch nicht ganz funktionstüchtig sei und eventuell Fehler auftreten könnten, für die dann keiner haftet. Nennt sich e-visa. Und dann kann man das Visum immernoch bei Einreise kaufen. Kostet dann 50 USD. Es gab keine Probleme. Ich war dann noch 3 Wochen in Tansania unterwegs und musste für meinen Rückflug wieder in Kenia einreisen. Auch das Transit Visum für 20 USD für 72h ist ganz einfach zu bekommen.

Gesundheit

Da ich bei der TK versichert bin, habe ich mir noch den Rest an Impfungen geholt, den ich bei meinen anderen Reisen noch nicht erworben hatte. Das war nur noch Tollwut. Gelbfieber sollte man im Impfpass haben, da sie da immer mal wieder drauf achten. Zur Reiseapotheke: Ich nehme immer Loperamid und Oralpädon für Durchfall mit (brauchte ich diesmal nicht yay). Ich hatte Malariaprophylaxe (Malarone) dabei und habe es die gesamte Zeit (72 Tage) genommen und keine Nebenwirkungen gehabt. Kenia hat generell nur an der Küste und am Lake Victoria Malariagebiete, dennoch empfand ich es als sinnvoll sie durchzunehmen, da wir an den Wochenenden immer gereist sind. Zudem hat Tansania ein höheres Risiko an Malaria, sodass ich es dort einfach weiter genommen habe. Ansonsten lohnt sich immer Ibuprofen und Paracetamol. Antibiotika kann man leicht über die Theke kaufen ohne Rezept. Und ansonsten arbeitet man ja im Krankenhaus. Wenn man sich mit den Ärzten gut stellt, gibt es die Medis auch umsonst. Ich war zum Beispiel mit bakteriellem Infekt erkrankt und habe mir Antibiotika kaufen müssen und war beim Arzt. Ich bin über die Appbank bei der AXA versichert, die die Kosten übernommen hat.

Sicherheit

Ich nehme immer ein Telefon mit, bei dem es mich nicht stört, wenn es geklaut wird. Am Ende wäre es aber egal gewesen, da ich die Sicherheitslage in den Orten, wo wir uns aufgehalten haben, immer als sicher empfunden habe. Bei großen Menschenansammlungen eignet sich gut eine kleine Bauchtasche unter der Kleidung. Reisen im Land mit Matatu oder Bus war immer sicher auch mit großem Gepäck. Da ich nicht wusste, dass in Kenia zu dem Zeitpunkt Wahlen waren, ist mir das Ausmaß der unsicheren Sicherheitslage in dieser Woche erst vor Ort bewusst geworden, nachdem uns alle Ärzte warnten zu Hause zu bleiben und nicht in die Klinik zu kommen. Da die Bevölkerung aber von der letzten Wahl gelernt hatte, war es am Ende nur in den großen Städten Nairobi, Mombasa und Kisumu gefährlich, wodurch wir unser Social Program etwas ummodeln mussten. Man kann aber allgemein allein reisen, allein tagsüber rausgehen, nachts würde ich mir als Frau immer etwas Gesellschaft mitnehmen, da die männliche Bevölkerung im Land doch gern mal einen über den Durst trinkt und ihr Benehmen in Bezug auf Frauen schnell verlieren...

Geld

Ich hatte eine Kreditkarte bei und ein paar USD. Offizielles Zahlungsmittel ist der Kenianische Schilling. Umrechnung in Dollar ist etwa 1:100. Man kann alles in Ksh zahlen. In den Nationalparks muss man per Kreditkarte zahlen, wenn man nicht eine Tour bucht, mit der alles im Cash am Anfang enthalten ist. Aufgrund eines neuen Gesetzes zur Verhinderung von Korruption wird kein Bargeld in Nationalparks akzeptiert. Neben dem Krankenhaus in Eldoret ist ein Automat, der kostenlos Ksh ausgibt (für Apobank Kunden). Viele andere Automaten verlangen commission fees, die die Appbank aber zurück zahlt. Man kann alles in Ksh bezahlen, die Safaris und andere Touristenattraktionen aber auch in USD. Die Kosten im lokalen Leben sind sehr gering und man kommt auch gut mit dem Essensgeld, was man von der lokalen Vertretung bekommt, hin. Die Touristenattraktionen sind dafür aber umso teurer.

Sprache

In Kenia hat man das Glück, dass jeder Mensch mit Bildung gutes Englisch spricht (im Gegensatz zu Tansania). Es gibt 42 Stämme in Kenia mit ihren eigenen Stammessprachen, bei denen sogar die Ärzte zum Teil Dolmetscher brauchen. Generell ist die Sprache im Krankenhaus aber Swahili. Krankenhausaufnahmen sind daher nur mit lokalen Studenten möglich. Ab und zu gab es mal Patienten mit gutem Englisch, die man dann auch selbst übernehmen konnte.
Man greift am Anfang relativ viel Swahili auf. Es wäre natürlich leichter gewesen, wenn man mehr Kenntnisse gehabt hätte. Da aber die Visiten und sämtliche ärztliche Gespräche in Englisch abgehalten werden, ist ein gutes Niveau an Englisch ausreichend.

Verkehrsbindungen

Zu Beginn war ich mir der Sicherheit nicht ganz bewusst und habe meine Reise von Nairobi nach Eldoret mit dem Easy Coach Bus angetreten. Hatte 1250 Ksh gekostet. Danach bin ich überall nur noch mit Matatu gefahren, was wesentlich günstiger ist (aber etwas unbequemer). Die Matatus sind sicher und es gibt bei Langstreckenreisen eine Zuweisung der Sitze und nicht mehr Personen im Auto als es Plätze gibt. Damit sind die Matatu Fahrten wirklich zu empfehlen (sicher und billig). Der einzige Nachteil ist, dass man hier immer darauf warten muss, bis alle Plätze auch wirklich verkauft sind. Also immer nachfragen, wie viele Plätze schon weg sind, bevor man sein Ticket kauft. Denn sobald man das Geld bezahlt hat, sitzt man in dem Matatu fest und muss warten...
In den Städten selbst gibt es dann Matatus, die auf die doppelte Anzahl an Leuten vollgestopft werden. Ich habe es bevorzugt mit den Pikipikis (Bodaboda) zu fahren, was einfach Motorräder sind, für die man für jede Strecke 50Ksh bezahlt. Dann gibt es noch die Tuktuks, die wie kleine Dreiradtaxis funktionieren und etwas teurer sind. Neben normalen Taxis eine lustige Alternative.

Kommunikation

Ich habe mir gleich am ersten Tag eine Simkarte gekauft (am besten ist Safaricom, gibt aber auch noch Airtel). Kostet 100 Ksh für die Simkarte und je nach GB-Anzahl dann 500 Ksh (1GB) oder 1000 Ksh (3GB) für einen Monat. Damit hatte man im ganzen Land immer mobiles Internet. In der Unterkunft gab es kein WLAN, sodass mobiles Internet wirklich notwendig war, um mit den anderen zu kommunizieren. Neben dem Krankenhaus gab es die Bibliothek und das Medical Education Center, die beide sehr gutes WLAN hatten. Mit dem konnte man gut über Skype oder Whatsapp nach Hause telefonieren.

Unterkunft

Wir haben im Studentenwohnheim gewohnt. 2 Doppelstockbetten mit 3 kenianischen Mitbewohnern. Meine Mitbewohner haben liebevoll ihre Decken und Kissen geteilt, sodass ich keinen Schlafsack brauchte. Geteiltes WC und Dusche (beides funktionierte nur sehr selten). Geteilte Küche für den gesamten Wohnblock, allerdings kein Kühlschrank und kein Ofen. Es wird auf Kochplatten gekocht, wenn der Strom funktioniert. Sonst ist das lokale Essen von der Straße oder der Cafeteria neben dem Krankenhaus aber auch nicht schlecht. Wir haben so gut wie jeden Abend zusammen gekocht. Meine Mitbewohner haben auch oft lokales Essen für mich gekocht.
Wichtig: nachdem ich abgereist bin, wurde die Unterkunft geschlossen. Ich kann nicht sagen, was nächstes Jahr mit den Incomings passieren wird, aber Nelson und Kigen werden das schon machen.

Literatur

Ich hatte keine Literatur. Ich habe alles vor Ort erfahren und geplant. Das Austauschkommittee war eine riesen Hilfe. Egal, wo man am Wochenende hingefahren ist, ob allein oder in der Gruppe, wir hatten immer lokale Gesellschaft, was alles so viel einfacher gemacht hat. An Internetseiten kann ich nur budget travel Kenya empfehlen, der Rest gibt nicht viel her und ist nicht auf Studenten zugeschnitten. Am besten alles von den Locals organisieren lassen, dann bekommt man nen fairen Preis.

Mitzunehmen

- Moskitonetz (auch wenn es kein Hochrisikogebiet ist, gibt es einen Haufen Mücken, die einem gern den Schlaf rauben)
- Mückenspray (hab ich persönlich nicht benutzt, weil es in Eldoret super kalt ist und man abends nicht in kurzer Hose draußen sitzt)
- lange Klamotten und zwar nicht zu knapp (nachts geht’s runter bis auf 10 grad)
- Regenjacke oder Regenschirm!
- Kreditkarte
- Reiseapotheke
- Schlafsack kann von Nöten werden (wer Mt. Kenya machen will, kann mir gern eine email schicken, hab da ganz viele Insider-Infos)
- Kopftaschenlampe
- Taschenmesser
- Desinfektionszeug
- KH: Kittel, Desinfektion, Stauschlauch, Stethoskop, Reflexhammer braucht man eher nicht, Leuchte, Handschuhe
- je nach Unterkunft: Messer, Gabel, Teller, Tasse (meine Mitbewohner hatten alles da)

Reise und Ankunft

Ich bin in Nairobi gelandet. Da meine Freundin in Nairobi wohnt, bin ich schon 3 Tage vor Beginn der Famulatur hin, um noch ein bisschen Zeit mit ihr zu verbringen. Sie und ihr Bruder haben mich auch vom Flughafen mit dem Auto abgeholt. Nach Eldoret bin ich dann einen Tag vor Famulaturbeginn mit dem Bus gefahren und wurde an der Busstation von Nelson abgeholt. Taxi muss man dann selbst bezahlen (500 Ksh). In der Unterkunft habe ich dann die anderen Incomings, die schon da waren, kennengelernt und Nelson hat uns die Stadt gezeigt und war mit uns essen. Die ersten Dinge, die ich erledigt habe waren Simkarte, Bargeld und Essen kaufen. Nelson hilft aber bei allen Fragen sehr gern und bringt einen zu jedem Ort, den man braucht. Auch bei der Ankunft hilft er einem bei allem, egal um welche Uhrzeit man landet!

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am 1.8. sind wir alle mit Nelson auf die Stationen gegangen, wo wir unseren Ärzten vorgestellt wurden. Ich war auf der Inneren Medizin. Da die Ärzte der anderen Austauschstudenten gerade nicht verfügbar waren, sind wir zu siebt auf die Innere gegangen. Auf der Inneren hat sich keiner wirklich für uns interessiert, bis die Visite der Nephrologen losging und der Nephrologe uns zu seiner Nierentransplantations-OP-Session eingeladen hat. Also sind wir zu siebt in den OP des privaten Krankenhauses und haben der indischen Lady über die Schulter geschaut (Ärzte aus Indien fliegen hier für eine Woche ein und erledigen alle Nierentransplantationen auf einmal und fliegen dann wieder zurück).
Die folgenden Tage war es ähnlich, da neben den Wahlen auch die Krankenschwestern gestreikt haben. Da die Kenianer zu den Wahlen in ihre Heimatorte reisen, waren in der gesamten Woche keine Ärzte auf Station bis auf die Interns (1. Assistenzarztjahr). Da es direkt nach dem Wahltag zu gefährlich ist zurückzukehren, habe ich die ersten Ober- und Chefärzte erst in meiner 3. Woche gesehen. Allerdings gab es einen amerikanischen Arzt auf Station, der immer mal wieder vorbeischaute. In meiner 2. Woche bin ich bei ihm mitgelaufen und hatte von dort an einen festen Platz in dem Team. Dieses bestand aus meinem Intern, der Registrar und dem Ami-Consultant. Da die Studenten wegen der Wahlen keine Uni hatten, war ich auch allein im Team. Dadurch durfte ich sämtliche anfallende Prozeduren durchführen: Katheter, Nasensonden, Blutabnahmen, Flexülen, LPs, Aszitespunktionen, Knochenmarksentnahmen, Transfusionen, Infusionen, ... Wenn man sich etwas einbringt, darf man auf jeden Fall viel machen. Ich war auch mal auf der Kinderstation und im OP, um es mir mal anzuschauen. Leider fiel die Kommunikation mit den Patienten sehr schwer, da diese meist nur Swahili konnten. Normalerweise bekommt man als Student ca 3-4 Patienten zugewiesen, die man aufnimmt, vorstellt und bei denen man alle Prozeduren durchführt. Ich hatte in der gesamten Zeit 2 Patienten, um die ich mich gekümmert habe. Da die Krankenschwestern gestreikt haben, war das ein Vollzeitjob, denn man musste jedes kleine Labor, jedes CT, jede Bluttransfusion selbst besorgen und im ganzen Krankenhaus umherlaufen.
Es gibt eine staatliche Versicherung: NIHS. Mit dieser wird die Grundversorgung der Patienten sichergestellt. Jedoch haben die meisten Patienten diese Versicherung nicht. Somit können viele ihre Behandlungen nicht bezahlen und sind auf das Geld ihrer Familien angewiesen. Am schockierendsten für mich waren die nicht vorhanden Algorithmen bei einem Herzstillstand, denn nur mit Druckmassage und Ambubeutel ließen sich nur selten Patienten wiederbeleben. Es gab demnach täglich Patienten, die den Aufenthalt auf der Station nicht überlebt haben. Es gibt eine Intensivstation mit 6 Betten, die aber dauerhaft voll belegt war. Eine andere Sache, die mich etwas schockierte war der Fakt, dass es keine Neurologie in Kenia gibt. Die Neurologie gehört zur Inneren. Es gibt keinen Algorithmus für Schlaganfallpatienten und diese werden auch nicht als Notfall betrachtet. Jeder Schlaganfall hat also bleibende Schäden, da es auch keine Physio oder Logo gibt.
Generell ist das Lehrsystem der Studenten aber recht gut: morgens gibt es eine Vorlesung, dann gehen die Studenten in 5er Gruppen zur Visite und stellen ihre Patienten vor und nehmen die Vitalzeichen ab. Danach haben sie wieder eine Vorlesung. Abends kommen sie dann wieder und nehmen Patienten auf, die sie dann am nächsten Tag vorstellen.
Mein Fall, der mir in Erinnerung bleiben wird ist meine Patientin, 38 Jahre, Mutter von 4 Kindern, die seit 1 Monat Schwäche und Nasenbluten hatte. Als ich sie vorgestellt hatte, fiel der Verdacht auf ALL. Ich durfte dann die Knochenmarkspunktion bei ihr durchführen. Das Ergebnis brauchte über eine Woche, um die Diagnose zu bestätigen. In der Zwischenzeit versuchten wir ihre geringen Thrombos mit Transfusionen zu steigern. Da die Studenten gerade im Urlaub waren, waren die Hauptspender nicht zugegen, sodass es sehr sehr selten überhaupt Blut gab, geschweigedenn in der richtigen Blutgruppe. An Tag 4 konnte die Patientin dann nichts mehr sehen, da sie durch die geringe Thrombozahl retinale Blutungen hatte. Auch das Ophthalmologie-Konsil sowie das HNO-Konsil zum Stoppen des Nasenblutens dauerten ewig und mussten durch ewiges telefonieren, hin und hergerenne von mir selbst organisiert werden. Auch die Medikamenteneingabe wurde durch das Fehlen der Krankenschwestern nur sehr unregelmäßig vollzogen. Am Ende war ihr Zustand zu instabil um mit der Chemo zu beginnen. Als meine Famulatur zu Ende war, waren die Studenten zurück und ich hatte gehofft, dass damit ihr Zustand schnell besser werden würde durch Transfusionen und beginnende Chemo. Mein Intern schrieb mir aber eine Woche später, dass sie leider an einer Hirnblutung verstorben sei. Die Geschichte hat mich tatsächlich mitgenommen, weil ALL in ihrem Fall gut behandelt werden konnte, jedoch die Umstände es einfach nicht ermöglichten, trotz dem ganzen Hin und Hergerenne zur Blutbank, zu den Ärzten, zu den Ersatzschwestern, ... Aber die Antwort, die die Kenianer einem in so einem Fall geben: Tja das ist halt Afrika.

Land und Leute

Die lokale Austauschorganisation hat für jedes Wochenende schon vorab einen Plan ausgearbeitet und mit Kosten und genauem Ablauf als PDF verschickt. Aufgrund der Wahlen im Land mussten diese Pläne dann etwas umgemodelt werden. Am ersten Wochenende waren wir in der Umgebung von Eldoret und haben kleine Wanderungen unternommen – Iten, Samich, Chepkit. An den weiteren Wochenenden waren wir in Maasai Mara (das Highlight aller, da die Chance auf die Große Migration der Gnus besteht, Ballon Safari und Sonnenauf- und Untergänge im Park), Nakuru NP und Hells Gate NP. Ein Ausflug nach Nairobi wurde auch unternommen. Je nach Situation im Land wird sich das Social Program anpassen. Ich bin nach meiner Famulatur noch 3 Wochen durch Kenia gereist und 2 Wochen durch Tansania. In Kenia haben wir noch den Amboseli NP (Tiere vor dem Kilimanjaro), Mount Kenya (5000 m) und Kisumu am Lake Victoria besucht. In Tansania haben wir dann Moshi, die Usambara Mountains und Sansibar gemacht. Der Kilimanjaro und Serengeti waren am Ende zu teuer. Für Kontakte, Preise und Erfahrungen schreibt einfach eine Mail an mich. Kenia und Tansania sind wunderschöne Länder und haben viel zu bieten. Ich empfehle aber genug Geld vorher zu sparen, um wirklich die Highlights auch mitnehmen zu können. Am meisten gefallen hat mir der Amboseli NP, da man viele verschiedene Tiere auf einem Haufen sieht. Der Mount Kenya war eine der größten Herausforderungen in meinem Leben. In 4 Tagen einmal rauf und wieder runter ohne Höhenkrankheit war für mich fast ein Wunder. Aber aufgrund von Geldmangel die beste Alternative. Ich empfehle aber trotzdem einen längeren Aufstieg zu planen. Die Aussicht von oben ist einmalig. Ein krasser Gegensatz zum warmen Afrika - bei -10 Grad mit Mütze und Handschuhen kann man bis nach Tansania schauen, wenn das Wetter es zulässt. Maasai Mara hat viele Löwen und ist generell ein wunderschöner Nationalpark. Wenn man sein Camp im Park hat, bekommt man wunderschöne Sonnenaufgänge und -untergänge zu sehen. Aber auch Kisumu am Lake Victoria bietet wunderschöne Sonnenuntergänge. Ansonsten ist der See nicht sonderlich beeindruckend. Lake Nakuru NP ist bekannt für seine Nashörner. Man sollte hier unbedingt den ganzen Tag einplanen. Als günstige Alternativen kann ich noch Lake Baringo und Lake Bogoria (Hot Springs) empfehlen. Hier kann man billige Bootstouren machen und viele Krokodile und Hippos sehen. In Tansania kann ich als günstige Alternative zum Kilimanjaro die Usambara Mountains empfehlen. Wunderschön und beliebig viele Tage kann man dort wandern. Aber schreibt mir einfach für Organisation von Touren und Kontakten :)

Fazit

Für mich war Kenia eine der besten Erfahrungen - Krankenhaus im Ausland und internationale Kontakte. Die Integration im KH und all das, was man über das Gesundheitssystem und den Mangel an Ressourcen lernt, ist einmalig. Durch die Austauschorganisation findet man einen einfachen Einstieg in das lokale Leben, welches ich viel mehr genossen habe als das anschließende Reisen. Ich habe sehr viele Locals kennengelernt, darunter auch Ärzte, die starke Ambitionen haben, die Umstände im Land zu verändern – durch Sponsorengelder, Projekte gegen HIV und chronische Erkrankungen. Diese Persönlichkeiten haben mich stark in meinem Wunsch im Ausland zu arbeiten bestärkt. Kenia fehlt es an Neurologen und generell neurologischer Versorgung. Da dies genau meine Richtung ist, habe ich mit Ärzten vor Ort gesprochen, welche Möglichkeiten es diesbezüglich gibt. Ein amerikanisches Sponsorenprogramm wird in den nächsten Jahren aufgebaut, um Ärzte vor Ort auszubilden. Ich denke, ich könnte mir eine Zukunft in diesem Bereich vorstellen. Definitiv würde ich aber in Kenia und Tansania wieder arbeiten und reisen, auch wenn es nur temporär ist. Ich kann diese Länder nur wärmstens empfehlen!

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