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Phalombe Clinic (Malawi)

Gynäkologie - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Julia, Köln

Motivation

Das Besondere am Reisen ist für mich, ein Land mit seiner Kultur und den Menschen kennen zu lernen, offen zu sein für neue Erfahrungen und mal über den Tellerrand zu schauen. Während einer Famulatur in Tansania habe ich bereits einen Einblick in die afrikanische Kultur erhalten dürfen. Dort habe ich nicht nur im Krankenhaus viel gesehen und gelernt, ich bin verzaubert von der Kultur und bereichert an Erfahrungen wiedergekommen. Nun war ich gespannt, ob mich ähnliches in Malawi erwartet.

Vorbereitung

Ich habe nicht viel Zeit in bestimmte Vorbereitungen verwendet. Nach der erfolgreichen Anmeldung über die BVMD bekommt man mehrere e-mails von der Organisation MalawiMed (malawimed.org), die bereits alle nützlichen Informationen wie Kontaktdaten der Klinik, Infos über das Visum sowie eine Packliste zusammengefasst hat.

Visum

Für die Einreise in Malawi wird ein Visum benötigt. Dieses ist problemlos am Flughafen in Blantyre oder Lilongwe zu erwerben, kostet 75 Dollar und ist 30 Tage gültig. Es ist auch möglich, sich bereits in Deutschland darum zu kümmern, hat aber keinerlei Vorteile. Eine Verlängerung ist in einem Immigration Office möglich und kostet 5000 Kwacha (ca. 7 Euro).

Gesundheit

Es ist ratsam, eine gut gefüllte Reiseapotheke dabei zu haben. Zwar befindet man sich die meiste Zeit im Krankenhaus, jedoch ist dieses medikamentös nicht so gut ausgestattet und es werden sogar Spenden bei Anreise erwartet. Gerade für die Arbeit mit Kranken in Ländern wie diesen sollte man im Voraus alle empfohlenen Impfungen durchgeführt haben. Bei Ankunft im Flughafen wurden ebenfalls unsere Impfpässe kontrolliert. Dabei ging es den Flughafenmitarbeitern eher darum, ob man einen Pass dabei hat, denn sie haben sich nicht die einzelnen Seiten angesehen.

Sicherheit

Wir haben uns sowohl auf dem Krankenhausgelände als auch auf Reisen immer sehr sicher gefühlt. Natürlich sollte man über eine Auslandskrankenversicherung verfügen und sich den Lebensstandards dort etwas anpassen. Wenn man den Einheimischen freundlich gegenübertritt, sind diese äußerst nett und hilfsbereit.

Geld

Das Zahlungsmittel in Malawi sind Kwacha. Man sollte unbedingt direkt nach Ankunft am Flughafen Geld abheben, entweder direkt dort oder zum Beispiel am Supermarkt in Blantyre, da man in der Nähe des Krankenhauses kein Geld abheben kann. Am besten direkt zweimal den Maximalbetrag (ca 80 Euro) abheben. Die Kosten für das Krankenhaus und den Flughafentransport kann man ebenfalls in Dollar zahlen, sicherlich wäre auch Euro möglich. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, genügend Geld in Dollar für das Visum aus Deutschland mitzubringen, da es häufiger vorkommt, dass der Geldautomat dort nicht funktioniert.

Sprache

Neben der offiziellen englischen Landessprache wird in Malawi Chichewa gesprochen. Im Krankenhaus und in größeren Städten ist die Kommunikation auf Englisch überhaupt kein Problem, die Menschen im Dorf verstehen jedoch nur selten Englisch und es empfiehlt sich, sich ein paar Sätze auf Chichewa anzueignen, zumindest die Begrüßungsfloskeln.

Verkehrsbindungen

In Malawi bewegen sich die meisten Menschen zu Fuß. Nur einige Personen verfügen über ein Fahrrad oder können sich den Transport mit einem Fahrrad-Taxi leisten. Um größere Strecken zurück zu legen muss man auf Minibusse zurückgreifen. Abfahrtspläne gibt es nicht, man kann sich einfach an die Straße vom Krankenhaus stellen und dort warten, im nächstgelegenen Dorf (Phalombe) kann man dann in den nächsten Bus umsteigen. Die Preise variieren mit der Nachfrage und der Tageszeit, sind aber umgerechnet mit ein paar Euros für Hunderte Kilometer recht günstig.

Kommunikation

Es gibt auf dem Krankenhausgelände kein WLAN, sodass sich die Anschaffung einer Simkarte wirklich emfiehlt. Es gibt einen Stand am Flughafen, die Simkarten können aber auch gegenüber vom Krankenhaus gekauft werden. Mit dem Airtel-Netz hat man auch um das Gästehaus recht guten Empfang, der auch mal für ein Whatsapp-Telefonat ausreicht.

Unterkunft

Als Famulant werdet Ihr auf dem Campus des Holy Family Mission Hospital in einem Gästehaus für Freiwillige wohnen. Auf dem Gelände des Krankenhauses befinden sich auch die Wohngebäude und Schlafsäle der Ärzte, Clinical Officers, Krankenschwestern und Pfleger, sowie der übrigen Angestellten. In unmittelbarer Nähe gibt es einen kleinen Markt, auf dem man Grundnahrungsmittel wie Mais, Reis, Mehl und Eier kaufen kann. Bettwäsche (Kissen, wärmere Decke, Laken) ist im Gästehaus vorhanden, aber ein Schlafsack oder ein Schlafsackinlet ist trotzdem empfehlenswert, gerade wenn man Ausflüge machen oder reisen möchte. Moskitonetze sind über jedem Bett angebracht.

Literatur

Ich habe mir für die Landessprache das Buch „Kauderwelsch - Chichewa für Malawi“ gekauft und vor der Abreise ein paar Sätze darin gelesen. Richtig gefestigt haben sich die paar Wörter jedoch erst bei Ankunft. Im Freiwilligenhaus finden sich bereits ein paar Exemplare dieses kleinen Buches. Für die Klinik kann ich das „Oxford – Handbook of Tropical Medicine“ empfehlen.

Mitzunehmen

MalawiMed hat eine gute Packliste zusammengestellt, die meiner Meinung nach sehr hilfreich war. Vermisst habe ich während meines Aufenthaltes nichts, Was sich als äußerst nützlich erwiesen hat waren eine Powerbank und eine Kopflampe (Stromausfälle).

Reise und Ankunft

Wir wurden pünktlich von einem Fahrer des Krankenhauses am Flughafen abgeholt. Bei Ankunft hat eine der Freiwilligen schon auf uns mit dem Abendessen gewartet. Am nächsten Morgen haben wir uns dann in der Morgenbesprechung dem Klinikpersonal vorgestellt, anschließend noch unserem Ansprechpartner im Büro der Klinik. Alle haben uns sehr herzlich empfangen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Die ersten zwei Wochen habe ich auf der Gynäkologie (Labour ward) verbracht. Hier konnte ich etwas über Schwangerschaft und vaginale Untersuchungen lernen und habe bei Spontangeburten und der Erstversorgung der Säuglinge assistiert. Wir waren auch mehrmals im Operationssaal für Kaiserschnitte. Auch wenn der OP sich sehr von dem in Deutschland unterscheidet, läuft die Geburt routiniert. Die Nurses zeigten mir, wie man ohne technische Hilfe Herztöne des Fetus abhören, die Lage des Kindes bestimmen und eine Schwangere untersuchen kann. Man konnte immer fragen ob man bei etwas helfen kann und war Teil des Teams. Jedoch hatte man selbst keine bestimmte Aufgabe und hat sich vielleicht manchmal gefühlt als würde man sich aufdrängen, wenn man mal etwas selber machen wollte. Zu der Gynäkologie gehört auch eine Wöchnerinnen-Station (postnatal). Hier durfte ich bei der Wundversorgung der Kaiserschnittwunden helfen. Die Dritte Woche habe ich auf der Kinderstation verbracht. Dort liegen viele Kinder mit Lungenentzündungen, Knochenbrüchen, Malaria und Verbrennungen. Die Verbrennungen entstehen vor allem darin, dass in den vielen Haushalten ohne Strom mit offenem Feuer gekocht und geheizt wird und die Kinder beim Spielen versehentlich einen Kessel heißen Wassers umstoßen oder ihre Kleidung Feuer fängt. Morgens findet eine gründliche Visite statt. Nachdem ich die Namen auf den Krankenakten laut vorgelesen und verteilt habe (dies hat immer zu Schmunzeln bis großem Gelächter geführt) haben wir jedes Kind gründlich untersucht und das weitere Prozedere aufgeschrieben. Nach der Mittagspause passiert auf dieser Station jedoch nicht mehr viel. In der letzten Woche habe ich mir die beiden übrigen Stationen (Male ward und Female ward) angeschaut. Dort liegen neben gynäkologischen Fällen vor allem Patienten mit Knochenbrüchen, Tuberkulose, Infektionskrankheiten und Tumoren. Besonders auf dieser Station ist mit klar geworden, wie eingeschränkt die Diagnostik und Therapie der Patienten hier war. Die Clinical Officers leisten gute Arbeit, und bringen oft viel Erfahrung mit, dies hilft aber leider nicht allen Patienten. Die Behandlung scheitert teilweise wegen mangelnder Diagnostik, teilweise wegen fehlender Medikamente und Versorgung. Einzusehen, dass einigen dieser Patienten in Deutschland vermutlich leicht hätte geholfen werden können, war nicht immer leicht zu akzeptieren. Oft kommen die Patienten jedoch auch viel zu spät in die Klinik und ihnen kann nur noch palliativ geholfen werden.

Land und Leute

Unter der Woche haben wir eigentlich wirklich nur im Krankenhaus und in unserem Gästehaus Zeit verbracht. Nach der Arbeit saßen wir oft draußen auf der Terrasse und haben gelesen oder unsere Familie über Whatsapp angerufen. Auf dem Tagesplan stand außerdem der tägliche Einkauf auf dem Markt unten an der Straße. Unser erstes Wochenende, direkt nach unserer Ankunft am Donnerstagabend, haben wir überwiegend im Gästehaus verbracht. Am zweiten Wochenende machten wir uns auf den Weg zum Mount Mulanje, etwa eine Stunde entfernt von der Klinik. Hier haben wir eine 3-tägige Tour auf den Chambe Peak (zwar nicht der höchste, jedoch der steilste der Gipfel des Gebirges) unternommen. Die zwei Nächte verbrachten wir auf ungefähr der Hälfte der Strecke auf einer kleinen Hütte mit Kamin. Die Tour war wirklich atemberaubend schön und wir sind durch das Klettern (beschreibt es besser als wandern) an unsere Grenzen gestoßen. Einen weiteren großen Ausflug haben wir zum Lake Malawi (Cape Mc Clear) gemacht. Die weite Fahrt dorthin (ca. 9 Stunden in vier verschiedenen Minibussen) lohnt sich wirklich, an dem See ist es einfach traumhaft schön und man kann dort auch mal etwas westlicher essen, was uns nach 3 Wochen wirklich gefehlt hat. Bei dieser Gelegenheit haben eine weitere Freiwillige und ich auch unser Visum verlängern lassen können, da wir unseren Flug ungünstig mit 31 Tagen Abstand gebucht haben. Eine kleinere Gruppe von uns hat ebenfalls einen Ausflug nach Liwonde in ein Safari-Camp gemacht. Dies ist sicherlich ebenfalls ein schöner Ausflug und fast ein Muss, Ich habe mich dagegen entschieden, da ich in Tansania bereits sehr viel auf Safari war und lieber die Zeit vor Ort genießen wollte.
Zur Situation des Landes lässt sich sagen, dass man schnell bemerkt, dass Malawi eines der ärmsten Länder der Welt ist. Nur 20 Prozent der Menschen haben Zugang zu Strom, uns dieser ist zu ca. 80 Prozent ausgestellt. Dies war auch bei uns im Gästehaus der Fall. Die Menschen tragen zerschlissene Kleidung, Kinder rennen hinterher und fragen nach Süßigkeiten oder Geld, und auch manche Erwachsene tun dies. Trotz der ärmlichen Situation gibt es kaum Konflikte. Malawi hat noch nie einen Krieg erlebt. Die Menschen sind stolz auf sich und auf Dinge, die sie erreicht haben. Europäische Touristen sehen sie meist nicht als Last oder nervig an, sondern eher als Chance. Dies spiegelt sich wieder in der Herzlichkeit, mit der die Menschen auch Europäer wie uns empfangen. Sie waren offen für Gespräche und haben sich über Interesse an ihrem Land sehr gefreut. Unangenehme Erfahrungen habe ich während meines einmonatigen Aufenthalts wirklich nicht erlebt.

Fazit

Nach diesen vier Wochen voller Eindrücke in Malawi ist mir der Abschied wirklich schwer gefallen. Auch wenn die Arbeit im Krankenhaus manchmal sehr frustrierend war, habe ich trotzdem viel Erfahrung sammeln können. Ich habe viel gesehen, auch Dinge, die ich in Deutschland sicherlich nicht so schnell zu Gesicht bekommen würde, und mir ist klargeworden, dass zur ärztlichen Tätigkeit mehr gehört als ein paar Fachbücher zu wälzen. Ich habe viele nette Leute getroffen und hatte eine wirklich schöne Zeit mit den anderen Famulanten. Ein Wiedersehen ist bereits in Planung.

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