zurück

IFMSA-Brazil(Brazil);Co-relation between exercise and the level of angiotensin II

Pathologie - SCORE (Forschungsaustausch)
von Thi My, Düsseldorf

Motivation

Ich wollte ins Ausland, weil ich gerne neue Erfahrungen sammeln wollte.
Ich wollte in ein Land, dass nicht so eine großartige Technologie hat. Ein Entwicklungsland. Des Weiteren wollte ich das Gesundheitssystem dort kennenlernen und ihre Methoden der Diagnostik.
Wie die Arbeitsmoral ist, die Lebensumstände, das Studium.
Ein wenig um mein Studium, das leben in Deutschland zu ehren und wertzuschätzen

Vorbereitung

Um ehrlich zu sein, konnte ich gar keine Vorbereitung treffen, da ich eine Klausur einen Tag vor der Abreise hatte.
Zum Glück hatte ich meine Kontaktperson, die ich persönlich schon kannte. Sie hat für mich meine Anreise vom Flughafen geplant.
Uber herunterladen.
Starke Repellent wegen dengue Fieber und Zika.
PersonalAusweis oder Reisepass in Kopie immer bei sich tragen.

Visum

Kein Visum nötig. Aufenthalt für 90 Tage möglich. Keine Kosten

Gesundheit

Ich habe die Standard Impfungen wie Tetanus, Röteln, Diphterie, Mumps, Masern, Hepatitis A und B, encephalitis.
Es wäre sinnvoll gewesen zusätzlich noch Gelbfieber als impfprophylaxe zu haben und wenn man plant in den Amazonas zu reisen, noch zusätzlichen Schutz zu nehmen.
Schwierigkeiten gab es nur wegen den Mücken, die dengue-Fieber und zika übertragen konnten. Deswegen war ausreichender Repellent Pflicht

Sicherheit

Die Sicherheitslage in Brasilien selbst, war laut den Studenten sehr stark eingeschränkt. Niemand hat sich mehr getraut auf den Straßen zu laufen nach Dunkelheit bzw Dämmerung. Ich musste laut Gastgeber ein taxi nehmen oder sie haben mich gefahren. Es ist auch kaum jemand bei tageslicht auf den Straßen spazieren gewesen. Ausschließlich in marilia und in reichen Touristengebiete konnte ich ein wenig mehr alleine spazieren.
Ich selbst habe aber keine Gewalttaten miterleben brauchen.
Deshalb war ich einerseits sehr vorsichtig, andererseits hatte ich aber auch keine angst, dass was zustoßen konnte, weil ich mich an die Warnungen meiner Gastfamilie und freunde gehört habe.

Geld

Die Währung lautet Brasilianische Reais. Keine weiteren Währungen ausser in Grenzgebieten werden akzeptiert. Die übliche Zahlungsmethoden ist mit der Kreditkarte alles zu zahlen. Kaum ein Brasilianer hat Bargeld in der Tasche. Schwierigkeiten gibt es eher ein exchange office zu finden.
Die Preise für Lebensmittel sind etwas niedriger als in deutschland. Hier ist die devise: Bezahlt man mehr, erhält man auch mehr.
Aber man kann auch sehr sparsam leben.

Sprache

Ausschließlich portugiesisch. Ich habe es leider vorher nicht lernen können und musste zwangsmässig dieses erlernen. Für die Arbeit gibt es immer mindestens einen, der englisch Spricht.
Aber für Einkäufe oder sonstiges sollte man schon eine Basis an portugiesisch verstehen und sprechen. Es besteht sonst eine sehr starke Barriere in der Kommunikation.

Verkehrsbindungen

Es Gibt viele Busse, die von Stadt zu Stadt operieren. Brauchen lange, sind recht teuer und die Fahrkarten sind personalisiert ( Immer Ausweis mithaben). In der Stadt selbst sind die Busse sehr unübersichtlich, auch die Haltestellen findet man nicht so leicht, geschweige denn Fahrpläne oder welche Busse wohin fahren.
Man sollte auf jeden Fall Uber herunterladen ( Ein Uber taugliches Handy) weil die Taxi Fahrer einen hinters Ohr ziehen können. Auch für Fälle des Verlaufens ist es eine sehr gute Methode.
U bahnen sind nur in großen Städten vorhanden und übersichtlich, aber gefährlich.

Kommunikation

Ich habe viel google translate benutzt, um zu kommunizieren. Dafür habe ich eine SIM Karte gekauft, um täglich internet zu nutzen. Meist war Whatsapp und Facebook ohne Aufschlag immer und überall nutzbar.
Studierte Brasilianer oder auch in großen Städten können eher englisch sprechen.

Unterkunft

Ich habe bei meiner Gastfamilie gewohnt, die sehr geräumig und sauber war. Ich hatte alle Möglichkeiten mich selbst zu verpflegen, welches ich aber aufgrund der Möglichkeit im Krankenhaus zu essen nicht benötigt habe.
Ich musste auch nichts mitbringen, es wurde alles bereitgestellt

Literatur

Ich habe TripAdvisor, google und Lonely Planet benutzt um mich über das Land zu informieren.
Ich habe meine eigenen Bücher über medizinische versorgung benutzt, da die studierenden dieselben benutzt haben, nur auf portugiesisch.,

Mitzunehmen

Sonnencreme und Repellent ist sehr wichtig. Ansonsten habe ich ein paar Kleidungsstücke -> lange Hosen und Kittel für die Arbeit, und freizeitbekleidung mitgenommen. Mir hat nicht viel gefehlt oder irgendetwas vermisst.

Reise und Ankunft

Ich wurde von meiner Contact Person und ihrer Familie in Empfang genommen.
Ich kam am Samstag an und musste am Montag direkt arbeiten und wurde von meiner Contactperson gebracht und auch herumgeführt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war in einem Forschungsprojekt eingeteilt worden, die mit hypertensiven Ratten experimentiert haben. Die Frage dieses Projekts war, ob sport hypertensiven Ratten mehr NADPH-Oxidasen und COX in der Aorta herstellen lassen und so eine bessere Sauerstoffversorgung und Energiegewinnung haben.
Um dieses zu testen, haben wir zunächst western blotting, Organ-Bathing -> Kontraktionsfähigkeit testen von Aortae mit NOR, Angiotensin 2 und ACh getestet.
Dann Nachweis in „normalen“ Aorta -> ob es NOX1 oder NOX2 im histochemischen Präparaten existieren.
Währenddessen auch Sport mit den Ratten am Laufband betrieben, bei welchem die Dauer täglich gesteigert wurde.
Zum Schluss wurden diese Ratten getötet, um die Nebennieren, das Herz und die nebennieren zu wiegen und auch wieder die kontraktionsfähigkeit der Aorta zu testen.
Ich habe alle medizinischen Anteile sehr schnell verstehen können, da sie lateinisch waren. Doch alles andere, wie alltagskommunikation, wurde mit google translate oder nonverbal gelöst.
Das personal war sehr herzlich und ich fühlte mich direkt in dem Team aufgenommen. Es waren meist doktoranten, die im Labor arbeiteten. Von Physiotherapeuten hin zu Pharmazeuten, biologen, Krankenschwestern und Mediziner.
Im vergleich zu unserem Gesundheitssystem und Ausbildung, waren die staatliche Förderungen sehr rar. Sie fingen gerade erst mit western bloting an, welches in Deutschland schon im studium integriert ist. Die Gebäude waren auch sehr veraltet, auch alle Utensilien müssen sehr sparsam benutzt werden.
Ich durfte in einen ambulanten Operationssaal und da wurden abgekochte Tücher und Instrumente benutzt um zu operieren. Manchmal gab es auch gar keine Materialien zum operieren und die Operationen mussten eingestellt werden. (Z.b. Keine Handtücher, keine kompressen mehr, keine nadeln zum injizieren usw.)
In staatlichen Häusern ist die gesundheitliche versorgung kostenfrei, auch für ausländische Patienten. Aber die Wartezeit ist immens. Teilweise müssen Patienten 2 Jahre auf ihre Operation warten.
Dann gibt es noch Private Krankenhäuser bzw Praxen, die aber kein limit an Kosten haben. D.h. Weniger Wartezeit, dafür hohe eigene Kosten.
Dann gibt es unterschiede im Schulsystem.
Reiche Kinder: -> zuerst private Allgemeinschulen, danach Staatlich finanzierte Universitäten -> Diese beiden Schulsysteme sind die best anerkanntesten

Arme Kinder: -> staatlich anerkannte/finanzierte Schulen und müssen meistens auf privatuniversitäten gehen -> nicht so anerkannt, da man seinen Abschluss „kaufen“ kann.
Für mich persönlich hat dieses System keinen wirklichen Sinn gemacht.
Aber was mir gefallen hat ist, dass jede Uni seine Mannschaften für jede Sportarten haben und untereinander konkurrieren. Jedes Jahr gibt es einen Wettbewerb unter den Universitäten und somit eine große Zusammengehörigkeit.

Land und Leute

Außerhalb des Krankenhauses war ich am Wochenende nur unterwegs.
Von Foz do Iguazu, nach Recife, Nach Bauru, Santos und Sao Paulo bis hin zu Rio de Janeiro.

Es ist nicht so wie ich es mir vorgestellt habe. Aber es hat meine Sichtweise sehr verändert.
Zum Beispiel hat mich die Tatsache, dass es in Brasilien überhaupt nicht sicher ist, sehr aus der Fassung gebracht. Es kennt sich fast niemand auf den Straßen aus, sie kennen nur Ihre Lieblings- oder Stamm Läden, welches sie mit ihrem kugelsicheren Autos oder Taxis besuchen gehen. ( meist aus reichen Elternhäusern)

Keiner hat jemals auf der Straße gespielt. Sind sehr behütet durch die Gefahr des Kidnappens . Ich bin auch nur mit den reichen Brasilianern unterwegs gewesen, denn sie sind die einzigen, die das Privileg haben Medizin studieren zu können.
Das Labor ist sehr minimal ausgestattet, weil die reiche Regierung an Krankenhäusern, Straßenbau Forschung usw. spart. Trotz der vielen reichen Ressourcen möchte die brasilianische Regierung nicht in die liebenswürdigen, warmen Brasilianer investieren.
Daher bilden Alle, die es sich leisten können Barrieren, wie eigene kleine Städte, wo sie große Mauern mit Elektrozäunen errichtet haben, um sich vor Einbrechern, Mördern und anderen Kriminellen (v.a. Die korrupten Polizisten) zu schützen. Diese kleinen "neighborhoods" haben ihre eigenen Supermärkte, Friseure und Einkaufsstraßen, so dass sie nicht mehr raus müssen.

In den Favelas lernen die kleinen Kinder, dass ihre Eltern ohne Grund vor ihrer Nase in ihrem Heim erschossen werden. (Von Polizisten!!) und wenn sie anfangen zu weinen, werden sie gleich mit missbraucht oder sonst was... ich habe es selbst nicht erlebt, aber die Nachrichten berichten darüber.
Deshalb finde ich es umso schlimmer, dass es für Touristen „Favela-Touren“ existieren für 35€ mit eigenem Bodyguard. Ich habe mich fremd geschämt, bei dem Gedanken, dass andere diese Tour buchen.

Ich habe somit gelernt, die Sicherheit zu schätzen, die wir in Deutschland haben. Auch unser Fortschritt in der Forschung und die operationsverfahren, habe ich zu schätzen gelernt.
Die Brasilianer nannten die Laparoskopie und das Western Blot neuartig. Wir in Deutschland kennen schon fast keine anderen Methoden mehr, sind verwöhnt. Die Krankenhäuser Haben kein Geld für Handschuhe, kein Geld für Pappbecher, manchmal auch keine Handtücher. Sterile Sachen wie wir sie kennen gibt es nicht. Nur abgekochtes. Die "steril" sein sollen.

Das typische Brasilianische Essen besteht hauptsächlich aus Reis, Schwarze Bohnen und verschiedene Fleischsorten ( was fantastisch schmeckt, vor allem Churrasco) und ein wenig Salat. Auch auf Dessert wird sehr großen Wert gelegt. Alles muss extrem gesüßt sein. Sogar der typische Kaffee, der eher ein Espresso ist, ist grundsätzlich gesüßt.

Fazit

In einem reichen Land mit viel Potential und Ressourcen finde ich, ist es eine Schande, die Bevölkerung so untergehen zu lassen.
Dann habe ich sie mal gefragt, wie viel ein Laborassistent verdient. Sie verdient gerade mal 300€, eine Krankenschwester (studiert, mit Doktortitel) 1000€, ein Arzt? 10.000€ was sind das für Verhältnisse? Die reichen werden noch reicher? Die Armen werden noch ärmer?

Aber alle sind sehr sehr warm und herzlich, lieben das Leben, die Menschen, behüten und kutschieren mich durch die Gegend. Hatten Bedienstete, die mich bekochten, für mich wuschen, putzten und bezahlen alles für mich. Ich hatte noch nie so viel Luxus. Es war mir sehr unangenehm, so dass ich den angestellten Hausfrauen half. Meine Gastfamilie meinte nur, „wir bezahlen sie zum arbeiten. Lass es bitte.“ (Wie oft ich diesen Satz schon gehört habe haha)
Ich bin sehr froh, dass ich nach Marilia gekommen bin, ich habe gelernt, wie die einheimischen Leben, wie ihr Alltag aussieht, einerseits von den reichen und andererseits auch von den ärmeren. Beides haben ihre vor und Nachteile.
Das einzige was ich nur gewiss bin, ist, dass ich dankbar bin für diese Erfahrung.

zurück