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Tunesia (ASSOCIA MED)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich wollte gerne ins Ausland um meinen Erfahrungshorizont , insbesondere im Hinblick auf andere Kulturen und Lebensweisen der Menschen zu erweitern. Desweiteren war es mir wichtig, meine Fremdsprachkenntnisse zu erweitern. Somit fiel meine Wahl auf Tunesien, als Französisch sprachiges Land.

Vorbereitung

Im Vorfeld habe ich mir diverse Erfahrungsberichte von anderen Outgoings durchgelesen. Desweiteren habe ich Kontakt zu meinen LEOs per Facebook aufgenommen, um allerlei Fragen zu klären.
Da mein Französisch recht gut ist, habe ich auch diesbezüglich keinen speziellen Kurs belegt.

Visum

Deutsche Staatsbürger müssen kein Visum o.ä. für Tunesien beantragen. Man muss jedoch im Flieger einen kleinen Zettel ausfüllen und angeben, wo genau man sich in Tunesien aufhalten wird. Es empfiehlt sich jedoch, einfach zur Sicherheit, wichtige Unterlagen (wie Reisepass, Personalsausweis etc) zusätzlich in kopierter Form mitzuführen.

Gesundheit

Für die Reise nach Tunesien sind offiziell keine speziellen Impfungen usw notwendig. Allerdings habe ich, nach Rücksprache mit meinem Hausarzt, vor Reiseantritt, meinen Hepatitis A- und Typhus-Impfstatus, auffrischen lassen.
Zudem sollte man darauf achten, dass Tuberkulose in Tunesien relativ weit verbreitet ist. Vom gemeinsamen Chicha- rauchen o.ä. würde ich daher abraten.
Außerdem empfiehlt es sich, eine Auslandsversicherung abzuschließen... Für alle Fälle!

Sicherheit

Wie oben bereits beschrieben habe ich wichtige Unterlagen zusätzlich in kopierter Form mitgeführt. Desweiteren habe ich es vermieden, in der Nacht alleine unterwegs zu sein. Vor allem als Frau sollte man stets achtsam sein. Durch die hohe Polizeipräsenz habe ich mich während meines Aufenthaltes zu jeder Zeit sicher gefühlt.

Geld

In Tunesien heißt die Währung Dinar. Verglichen mit dem Euro steht der Dinar relativ niedrig im Kurs. Ich habe die meiste Zeit mit Bargeld bezahlt. Um die, im Zuge der Abhebungen im Ausland anfallenden Kontoführungsgebühren möglichst gering zu halten, empfiehlt es sich entsprechend eher hohe Summen abzuheben. Bankautomaten gibt es hierzu ausreichend.
Wöchentlich habe ich ca 50 Euro für Essen und Trinken ausgegeben. Allerdings ist hierzu zu erwähnen, dass wir relativ oft auswärts gegessen haben. Dies ist in Tunesien, verglichen mit europäischen Preisen, extrem günstig.

Sprache

Die Amtsprachen in Tunesien sind Arabisch und Französisch. So findet man in der Regel Beschilderungen in beiden Sprachen. Im Kontakt zu anderen Medizinstudierenden und Ärzten konnte ich mich jederzeit sehr gut auf Französisch oder Englisch verständigen. Große Teile der Bevölkerung sprechen jedoch augenscheinlich lediglich Arabisch.

Verkehrsbindungen

Die Infrastruktur der öffentlichen Verkehrsmittel ist in Tunesien nicht sonderlich stark ausgebaut, sodass ich nur sehr selten einen Bus zur Beförderung genommen habe. Schnell und günstig sind hingegen Fahrten mit einem Taxi. In den Taxen habe ich mich stets sehr sicher gefühlt.
Meine Anreise habe ich mit Hilfe meines LEO organisiert, welcher mich mit seinem Privatwagen bereits am Flughafen abgeholt hat.

Kommunikation

Wie bereits oben beschrieben erfolgte ein Großteil der Kommunikation entweder in Französisch oder Englisch.
Bezüglich des Internets sind viele Restaurants und Bars, sowie die WG-Wohnung in welcher in untergebracht war, mit WLAN-Netzwerken ausgestattet.
Desweiteren habe ich mir, auf Anraten meiner Gastschwester, direkt am ersten Tag eine tunesische SIM-Karte gekauft. Somit war es mir sofort möglich, kostengünstig per Internet oder Telefon zu kommunizieren. Zur Sicherheit habe ich ein zweites älteres Smartphone mitgeführt.

Unterkunft

Ich war in einer 3er Mädchen-WG untergebracht. Diese wurde mir seitens des LEO zugewiesen. Ich hatte dort mein eigenes Zimmer. Die Unterkunft war, für studentische Verhältnisse, sehr gepflegt.
Eine Küche war selbstverständlich ebenfalls vorhanden, Bettwäsche musste ich nicht mitbringen. Insgesamt würde ich meine Unterkunft als sehr gut bewerten, da diese sich in unmittelbarer Nähe zum Krankenhaus befand. Außerdem war gleich nebenan ein großer Supermarkt zu finden, sodass ich jederzeit Einkäufe erledigen konnte.

Literatur

Im Vorfeld habe ich mich im Internet umfangreich über Tunesien informiert. Spezielle medizinische Literatur habe ich nicht in Anspruch genommen. Lediglich ein deutsch-französisches Wörterbuch habe ich stets mitgeführt, um eventuelle Unklarheiten rasch beseitigen zu können.

Mitzunehmen

Ich halte einen guten Sonnenschutz, sowie einen Sonnenhut und ausreichend Badekleidung in Tunesien für unverzichtbar. An den Abenden kann es, insofern ich das in der Zeit meines Aufenthaltes beurteilen kann, durchaus kühl werden, sodass sich zumindest eine wärmere Jacke empfiehlt.

Reise und Ankunft

Die Anreise nach Monastir verlief völlig komplikationslos. Alternativ wären auch Anreisen nach Tunis oder Enfidha möglich. Schon am Flughafen wurde ich von meinem LEO abgeholt. Dieser zeigte mir dann die Stadt, sowie das Krankenhaus in welchem ich mein Praktikum absolvieren sollte und stellt den Kontakt zu den zuständigen PJ-Stundenten und Assistenzärzten her.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe in dem Krankenhaus Farhad Hached in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in Sousse gearbeitet. Schon mit Antritt meines ersten Tages nahm ich an der Frühbesprechung teil, welche jeden Morgen um 8 Uhr begonnen hat. Diese dauerte jeweils ungefähr eine Stunde. Teilweise wurden in diesem Rahmen bereits Fortbildungen gehalten, sodass sich die Besprechungen an diesen Tagen entsprechend weiter verlängerten. In den Besprechungen selbst wurde über Patienten berichtet. Einige Ärzte wechselten in ihren Berichten zwischen Französisch und Arabisch, sodass es bisweilen schwierig war, die kompletten Inhalte zu verfolgen.
Meist dauerte die Anwesenheitspflicht bis ca 12 Uhr am Mittag. Für den Fall, dass besonders spannende Patienten im Verlauf des Nachmittages zu erwarten waren, so stand es mir offen, die Arbeitszeit freiwillig zu verlängern.
Desweiteren wurde in der Klinik erwartet, dass man, auch als ausländischer „Incoming“-Student, an Nachtdiensten teilnimmt. In diesen Fällen war ich bis zum Abend in der Klinik und hatte dafür am Folgetag frei.
Der Kontakt zu den anderen Ärzten und Medizinstudierenden war stets höflich und zuvorkommend. Das hohe Sprachniveau (insbesondere in Englisch und Französisch) meiner tunesischen Kollegen hat mich dabei nachhaltig beeindruckt. So wurde ich rasch auch den Freunden meiner Kollegen vorgestellt und wir unternahmen nach der Arbeit diverse Dinge miteinander (zum Beispiel Essen gehen, Ausflüge in andere Städte unternehmen, zum Strand gehen etc). Die Anknüpfung an weitere soziale Kontakt fiel mir somit sehr leicht.
Im Laufe meines Praktikums konnte ich bei allerlei operativen Eingriffen assistieren. Zudem wurde es mir erlaubt, körperliche Untersuchungen vorzunehmen. Die Anamneseerhebungen gestalteten sich eher schwierig, da der überwiegende Teil der Patientinnen lediglich arabisch gesprochen hat.
Der Umgang mit den Patienten scheint mir, verglichen mit europäischen Werten, durchaus paternalistisch zu sein. Die Patienten haben, was den weiteren Verlauf von Diagnostik und Therapie betrifft, deutlich weniger Mitspracherecht als es mir aus deutschen Kliniken vertraut ist. Häufig wird somit durch die Ärzte entschieden was das Beste für den Patienten sei und wie das weitere Vorgehen auszusehen habe.
Besonders eindrucksvoll fand ich, dass die tunesischen Medizinstudenten bereits relativ früh mit sehr hoher Verantwortung betraut werden und rasch auf sich alleine gestellt sind. Dadurch würde ich ihre praktischen Fertigkeiten, verglichen mit deutschen Standards, als weit fortgeschritten bewerten.
Am Ende des Praktikums musste ich des Weiteren eine kleine mündliche Prüfung bei meiner zuständigen Oberärztin absolvieren. Diese verlief sehr harmonisch und diente dem Nachweis meiner neu erlangten Kenntnisse in der Gynäkologie und Geburtshilfe.

Land und Leute

Aufgrund der, wie oben bereits beschriebenen, relativ kurzen Arbeitszeiten, verblieb mir recht viel Zeit für Unternehmungen außerhalb des Praktikums. So machte ich mich, gemeinsam mit meinen neu gewonnenen Freunden aus der Klinik, sowie deren Freundeskreisen, häufig auf den Weg, um andere Städte (wie zum Beispiel Hammamet, Mahdia, Tunis,...) oder Strände zu besuchen. Da das auswärtige Essen, verglichen mit deutschen Standards, besonders günstig ist, gingen wir zudem häufig gemeinsam essen. Die tunesische Küche ist äußerst vielfältig, wenn auch bisweilen sehr scharf. Für diejenigen, die besonders auf eine schlanke Linie achten, wird es daher sehr schwierig, denn man möchte auch mal alles ausprobiert haben.
Besonders zu empfehlen ist, nach meinem Dafürhalten, ein Ausflug in den Süden Tunesiens und in die Sahara. Dieser dauert drei Tage (zwei Nächte) und wird von Reiseagenturen extra für Touristen oder auch alle Incomings, die sich in den verschiedenen Städten Tunesiens befinden, organisiert. Somit kam ich auch rasch in Kontakt mit anderen Studierenden aus diversen Ländern dieser Welt.
Die stattgehabten Kontakte zu der übrigen Bevölkerung stellten sich größtenteils recht freundlich dar. Auch wenn Französisch eine Amtssprache in Tunesien ist, so beherrschen jedoch überwiegend die gebildeteren Menschen diese. Viele Tunesier sprechen lediglich arabisch, was bisweilen zu mitunter lustigen Missverständnissen geführt hat. Am Ende wurden wir uns jedoch eigentlich immer einig.
Besonders imponiert hat mit das Nachtleben in Tunesien. So gibt es in den größeren Städten diverse Bars, Clubs und Restaurant,s in welchen viel Live-Musik gespielt wird. Die Stimmung ist, insbesondere im Hinblick auf Tanz und Alkohol, bisweilen sehr ausgelassen gewesen. Dies hat mich persönlich gewundert, da ich von einem muslimischen Land nicht unbedingt einen derart westlich geprägten Lebensstil erwartet hätte. Dabei blieben die jungen Tunesier jedoch allzeit höflich und der Situation angebracht distanziert. Der muslimische Glaube wird von den feiernden Studenten daher offensichtlich eher locker ausgelegt und spielt im Hinblick auf diese Belange eine eher untergeordnete Rolle. Somit zeigte sich auch der Kleidungsstil der tunesischen Frauen, sowohl am Strand als auch in den Bars und Clubs, eher westlich und offen. Wie gesagt, beschreibt dies die Situation in den größeren Städten und im Nachtleben. Ob diese Verhaltensweisen auch für ländlichere Regionen gelten, mag ich schlussendlich nicht mit abschließender Sicherheit zu beurteilen.

Fazit

Ich würde jederzeit wieder nach Tunesien reisen wollen. Durch diesen Auslandsaufenthalt war es mir möglich, meinen persönlichen Horizont zu erweitern. Ich habe tolle Bekanntschaften gemacht und einige enge Freundschaften geschlossen. Auch im Hinblick auf meine weitere medizinische Karriere habe ich viele neue und wertvolle Erfahrungen und Einblicke gewinnen können, an welche ich mich im Laufe der nächsten Jahre bewusst und gerne erinnern werde. Ich würde jeden, der mit dem Gedanken spielt, in Tunesien eine Famulatur o.ä. zu absolvieren, dazu ermutigen, dies zu tun.

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