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Tanzania (TAMSA)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Friederike, Dresden

Motivation

Ich bin selbst sehr Reise-begeistert und auch schon lang für die Austausch-AG der bvmd tätig.
Sprich in Kontakt mit fremden Ländern und Internationalen Studenten stehe ich schon länger.
Daran habe ich viel Freude und das gehört nach Medizin zu meinen großen Leidenschaften. Fremde Länder, andere Kulturen und Sprachen, unfassbar schöne Landschaften und einmalige Erlebnisse- Reisen ist für mich nicht bloß ein Hobby sondern immer auch mit persönlichem Wachstum in jedweder Hinsicht verbunden. Das kann man für mich nicht mit Geld aufwiegen. Und eine Kombination von dem was ich mit großer Leidenschaft verfolge und meinem Traumstudium war da quasi das non plus ultra.
Deshalb war es früher oder später quasi vorprogrammiert, dass ich eine Famulatur im Ausland machen werde. :)
Prinzipiell war ich offen für jeden Kontinent. Allerdings war ich im letzten Jahr mit meiner besten Freundin in Ghana unterwegs und aus irgendeinem Grund hat mich der Kontinent Afrika gepackt. Ehrlicherweise muss ich auch sagen, dass ich natürlich auch immer ein bisschen schaue, was das Land noch zu bieten hat, da ich mir eine Auslands-Famulatur nicht ohne eine danach kommendes Bereisen des Landes vorstellen könnte. Einfach um einen umfassenden Eindruck des Landes zu erlangen.
Tanzania war da irgendwie direkt in meinem Kopf aufgeploppt, weil es einmalige Landschaften hat und es vom medizinischen Level her dem entsprach was ich erleben wollte. Es ging mir dabei um Erkenntnisse hinsichtlich wie man mit weniger Ressourcen und weniger Geld trotzdem gute Medizin macht. Und vor allem unter Bedingungen die mit nichts zu vergleichen waren, was ich bisher erlebt hatte.
Ich denke, gerade auf dem afrikanischen Kontinent herrschen da große Defizite.
Erwartungen hatte ich keine, einfach weil ich denke Erwartungen schmälern den Gesamteindruck.
So kann man immer positiv überrascht werden.
Generell war mir aber natürlich schon sehr bewusst, dass ein Krankenhaus in Tanzania nicht mit einem deutschen vergleichbar sein wird.

Vorbereitung

Also spezielle Seminare habe ich nie besucht. An Vorbereitung habe ich auch nichts groß anders gemacht als für meine Reisen davor- außer vllt. medizinisches Equipment einzupacken. Natürlich gehört da dazu sich über das Land umfassend zu informieren. Besonders hinsichtlich kulturellen Gegebenheiten, Geldangelegenheiten und Transport. Ich hatte mit den Formalitäten keine Probleme. Allerdings war der Kontakt mit der lokalen Gruppe mehr als dürftig, weshalb ich so gut wie keine vorab Informationen hatte außer wo meine Unterkunft war. Visumsprobleme sind unter dem Abschnitt "Visum" aufgeführt.

Visum

Generell kann man das Visum vorher persönlich oder per Post (frankierter Rückumschlag, Geld, Hin-und Rückflugbestätigung, biometrisches Passfoto, application form, Reisepass) in der Botschaft (Eschenallee 11, 14050 Berlin) beantragen. Ich bin persönlich hingegangen. Allerdings sagte man mir vor Ort der invitation letter der IFMSA reiche nicht aus und ich solle doch einen vom Krankenhaus (KCMC- Kilimanjaro Christian Medical Centre) besorgen, da so mein Visums-Antrag nicht bearbeitet werden würde. Die Mitarbeiterin in der Botschaft war unfreundlich und nicht hilfsbereit. Auf meine Email ans KCMC hat nie jemand geantwortet geschweige den waren meine dabei contact persons hilfreich.
Viel unkomplizierter: Visum upon arrival am Flughafen beantragen. Man muss quasi nur einmal in eine Kamera lächeln, Fingerabdrücke geben, Geld bezahlen, kurz (oder länger- wir sind in Tanzania also alles pole pole) auf den Reisepass warten und schon hat man das Visum! Hier bitte nach Erhalt des Reisepasses UNBEDINGT nochmal den Reisepass checken ob das Visum auch wirklich eingeklebt ist! Wichtig: ein Tourismus-Visum reicht nicht aus (50 USD). Ihr benötigt um im Krankenhaus zuschauen zu dürfen ein spezielles Business-Visum, welches 250 USD kostet. Eigentlich benötigt ihr es genau genommen nicht, da ihr ja nicht arbeitet. Aber so sind die Regeln. Spart euch die zusätzlichen 50 USD und kauft direkt das Business-Visum. Ansonsten "dürft" ihr dieses im Krankenhaus erwerben und zahlt am Ende 300 USD allein für Visa-Beantragung.

Gesundheit

Spezielle Untersuchungen waren nicht von Nöten.
Auslandskrankenversicherung ist ein Muss, hier kann ich die über die Apotheker- und Ärztebank empfehlen da kostenlos! Was Impfungen angeht: da ich selbst viel reise hatte ich einige der Impfungen schon. Was ich nachgeimpft habe: Tollwut (super teuer, aber in Tanzania gibt es den Impfstoff nicht), Typhus. Gelbfieber würde ich empfehlen. Ebenso Auffrischung aller Standardimpfungen. Eine Cholera-Impfung ist abhängig vom eigenen Befinden. Ich selbst bin immer der festen Überzeugung, dass man mit Trinkwasser- und Nahrungshygiene diese Erkrankung durchaus umgehen kann (cook it, peel it or leave it). Letztendlich ist es aber abhängig davon mit welchem Weg man sich sicherer fühlt. Ebenso ist es mit der Malariaprophylaxe. Moshi selbst hat ein sehr niedriges Risiko zu erkranken. Deshalb gab es viele Studenten die komplett auf Malarone/Lariam/Doxy verzichtet haben. Generell muss man sagen, dass abends lange Kleidung tragen, Mückenspray benutzen (NOBITE) ungefähr einen vergleichbaren Schutz bildet. Ich selbst habe mich für ein Malarone-Generikum als Chemo-Prophylaxe entschieden- was aber zum großen Teil daran lag, dass ich a) noch durchs Land reisen wollte (z.T. hohes Ansteckungsrisiko) und b) von mir selbst weiß, dass ich Mückenspray gerne mal vergesse. Also auch hier gilt- eigenes Verhalten und Risiko abschätzen, persönliche Entscheidung treffen und that's it. Trotzdem würde ich empfehlen eine standby-Medikation für den Fall der Fälle dabei zu haben. Ansonsten sind die Ärzte im Krankenhaus auch bestens vertraut mit Malaria-Therapie! Wie gesagt, in Moshi selbst besteht ein äußerst geringes Malaria-Risiko!
An Reiseapotheke habe ich natürlich ein bisschen mehr mitgenommen: as always die Standard-Medikamente und auf was ich immer viel Wert lege: Blasenpflaster (!), Oralpädon Erdbeer als Elyt-Pulver (schmeckt besser als die Erwachsenen-Variante), Octenisept-Spray für Wunden aller Art, Kohletabletten, irgendwas gegen Reisedurchfall, Übelkeit/Erbrechen, Mückenspray mit viel DEET (NOBITE, 50%), Sonnenschutz. Natürlich gilt auch hier: eigene Abschätzung der Dinge die benötigt werden! Im Endeffekt hab ich außer den Pflastern und den Mückenspray und ein bisschen Octenisept natürlich nichts gebraucht. Allerdings gab es immer mal wieder Freunde, die dann vor Ort doch Reisedurchfall oder Übelkeit bekamen. Das kann man aber vorher nicht immer abschätzen wie der Magen-Darm-Trakt auf Wasser/Essen vor Ort reagiert. Daher immer vorsorgen! Kleiner Tipp wegen Malaria-Chemoprophylaxe: vor Ort z.t. massiv günstiger als in Deutschland!!!!!! Und wer im Stande ist an der Krankenkasse was zu drehen- die Techniker Krankenkasse erstattet ALLES- also sowohl Malaria-Prophylaxe als auch alle (!) Impfungen.

Sicherheit

Da ich schon relstiv viel rumgekommen bin und auch im Jahr davor in Ghana war, wusste ich ungefähr was ich zu erwarten habe. Im Vorfeld hatte ich trotzdem ehrlicherweise ein bisschen Bauch grummeln, da viel übertrieben dargestellt wurde. Was definitiv richtig ist: es ist ein armes Land im Vergleich zu Deutschland und ja als Weiße/r steht man schon irgendwie immer im Mittelpunkt und wird grundsätzlich als reicher angesehen. Speziell in Moshi sind aber so viele "Andersfarbige" unterwegs, dass es eigentlich ganz entspannt ist. Trotzdem gilt: nachts nie allein oder in kleinen Frauengruppen unterwegs sein. Immer das Taxi nehmen. Immer! Nicht unbedingt mit Visa-Karten und Geldscheinen wedeln oder das dicke Portemonnaie oder die Spiegelreflexkamera offen mit sich rumtragen. Vielleicht eine secret porch für unter die Kleidung dabei haben. Einfach mit offenem Blick rumlaufen, die Umgebung aufmerksam betrachten (so sieht man auch viel mehr als wenn man aufs Handy guckt). Gesunden Menschenverstand was Situationseinschätzungen anbelangt anwenden. Auf Märkten immer wachsam sein. Versuchen die Kultur anzunehmen, was auch bedeutet, knielange Kleidung zu tragen und die Schultern bedeckt zu halten. Im Allgemeinen habe ich mich aber nie, wirklich nicht einmal unwohl gefühlt, sondern immer willkommen und akzeptiert. Also weniger Stress machen, trotzdem aufmerksam sein und das Land genießen.
Es ist nämlich wunderschön! :)

Geld

Die Währung sind Tansanische Schilling. Allerdings hat sich der US-Dollar als 2.Währung etabliert. So gut wie alle touristischen Events/Taxis/usw. lassen sich in Dollar bezahlen. Traveller Cheques nimmt keiner, es empfiehlt sich eine Kreditkarte oder zwei dabeizuhaben und immer Bargeld abzuheben (Bitte vorher checken, ob man fürs Abheben im Ausland Gebühren zahlen muss- kostenlose Alternativen: DKB, ApoBank). Wichtig: im eigenen Land genügend Dollar abheben, da diese in Tanzania nur schwer zu bekommen sind (Achtung: älter als 2006 werden wirklich nicht akzeptiert). Vor Ort kann man Geld direkt am Krankenhaus abheben oder in der Stadt bei Barclay's oder Stanbiks (beide Gebührenfrei). Generell ist Tanzania was Lebenshaltung angeht schon günstiger als Deutschland. Lebensmittel und Getränke im Supermarkt sind günstiger, Obst/Gemüse z.T. deutlich günstiger (unbedingt Avocados kaufen und Mangos und Mangosaft!). Geht man in lokale Restaurants isst man günstiger, europäische Restaurants sind z.T. eben auch europäisch von den Preisen her. Lebt man "normal" eine Woche ohne Restaurants, kommt man mit ca. 15.000-20.000Tsh (ca. 7-8€) gut aus. :)

Sprache

Hauptsprache ist Suaheli. Allerdings kommt man mit Englisch überall mehr oder weniger gut zurecht. Notfalls eben mit Händen und Füßen!
Ich würde im Nachhinein vielleicht einen Suaheli Crash-Kurs empfehlen, da man so als Weißer erstens alle im Krankenhaus primär schon mal beeindruckt und sich eigentlich alle freuen, wenn man zumindest ein bisschen die Sprache beherrscht. Im Krankenhaus läuft eigentlich alles auf Englisch was Kommunikation zwischen den Ärzten/Studenten angeht, da Medizin auf Englisch gelehrt wird. Trotzdem wird zwischen drin viel auf Suaheli gesprochen, mit den Patienten sowieso. Der Sprachmix aus Englisch und Suaheli ist z.T. sehr witzig und oftmals super spannend zuzuhören. Falls man mal nichts versteht- nachfragen lohnt sich wie überall auch! Der Akzent im Englischen ist dennoch oftmals gewöhnungsbedürftig, mit der Zeit versteht man das dann aber alles problemlos. Trotzdem sollte das Englisch-Niveau gut bis sehr gut sein, da man sich sonst kaum zurechtfinden wird.

Verkehrsbindungen

Also man kann sicher auch per Schiff nach Tanzania reisen, ich würde aber eher die Methode "Flugzeug" empfehlen. Es gibt Direktflüge von Frankfurt direkt zum Kilimanjaro Airport, der sehr nach an Moshi ist. Dort ist das Krankenhaus in dem ihr famuliert. Ansonsten kann man von jedem Flughafen mit Umsteigen zu diesem Flughafen kommen. Oder man landet in Dar Es Salaam und nimmt den Bus bis nach Moshi. Es gibt viele Optionen. Ich selbst bin mit Etihad Airways/Air Berlin von Berlin via Abu Dhabi via Dar Es Salaam nach Moshi geflogen und auf zurück die gleiche Route nur umgekehrt. Es gibt günstigere Airlines mit längeren Layovers oder längerer Flugzeit oder mehr Umstiegen an sich. Das muss man für sich persönlich entscheiden. Ich selbst vertraue diesen Airlines und wollte ehrlich gesagt auch nicht 12h irgendwo am Flughafen sitzen. Deshalb war der Flug auch etwas teuer.
Vom Flughafen am Kilimanjaro bin ich dann mit einem Taxi (überteuert für Touristen 60USD- vorher mit Taxifahrer Alfred Kontakt aufnehmen, der macht das für weniger als die Hälfte, da könnt ihr mich einfach anschreiben).
Ansonsten kann man eben das Taxi nutzen, mit Motorrad-Taxis fahren, kleine Vehikel namens Badjajis benutzen die wie die TukTuks in Thailand aussehen oder mit Kleinbussen fahren. Überland gibt es viele Reisebusunternehmen, die häufig fahren, günstig sind und eigentlich auch relativ sicher. :)
Trotzdem muss man sagen, dass die Sicherheit auf den Straßen so semi ist und man immer mit irgendwas rechnen sollte. Langen Wartezeiten bis der Bus voll ist, wechselnde Preise, Staus usw. Es ist Tanzania- hier ist alles pole pole.

Kommunikation

Also ich hab mir eine SIM-Karte von Halotel besorgt, die 25.000Tsh gekostet hat und mir direkt eingerichtet wurde. Dabei waren 8GB Daten für einen Monat. Das ist ziemlich günstig und generell ist Datenvolumen/Handy sehr günstig. Dadurch konnte man leicht mit zuhause kommunizieren.
Bitte beachtet, dass man für Beantragung der SIM-Karte ein Ausweis-Dokument vorzeigen muss (Anti-Terrorismus-Regelung).
Ich hab immer ein älteres Mobiltelefon dabei mit dem ich dann die SIM-Karte benutze. Allerdings habe ich diesmal tatsächlich mein normales iPhone 5S benutzt, da alle ihre regulären Telefone genutzt haben. Unsicher war das nie!
Internet funktioniert wie gesagt am besten über Mobil- die Verbindung war besser als in Deutschland haha. Es gibt Internetcafes, am und im Klinikum gibt es kein für die Austauschstudenten zugängliches WLAN.

Unterkunft

Die Unterkunft war ein großes 7 Personen-Haus auf dem sogenannten Doctor`s Compound, einem großen bewachten Gelände mit 33 solcher 7 Personen-Häuser. Die Häuser sind prinzipiell vom Aufbau identisch, trotzdem ist jedes Haus ein wenig anders oder neuer/älter. Es gibt mehrere Doppelzimmer und je 2 Einzelzimmer, zwei Bäder (eine Toilette und ein Wannenbad). Eine große Küche gab es auch mit Kühlschrank/Herd, Waschbecken, Geschirr, Kochzeug und Wäsche-wasch-Möglichkeit. Also voll ausgestattet. Warmes Wasser gibt es auch. Strom muss man sich selbst kaufen und dann im Haus aufladen. Das ist aber nicht weiter schwer- nur hat mir das vorher keiner gesagt. Es gibt einen großen Wohnraum und eine Veranda mit einem großen Garten. :) Ich hatte ein Einzelzimmer abbekommen, was für mich perfekt war. :) Die Unterkunft war also unerwartet luxuriös und wirklich gemütlich. Oh und das Wasser auf dem Compound-Gelände ist trinkbar!!!!
Decken und Kissen gab es, aber da man immer nicht weiß wer da alles schon drauf lag bringe ich auf Reisen immer mein eigenes Kissen und ein Schlafsack-Inlay mit. Eine Reisedecke habe ich immer auch mit dabei weil man immer überall mal frieren kann (in Moshi war es nachts wirklich kühl und am Flughafen ist es sowieso ja immer kühl weil Air condition). Tatsächlich hat auch jedes Bett ein Moskitonetz und die Fenster waren alle mit Moskitonetzen verschlossen. :)
Oh und es gibt eine Housekeeperin, die aufräumt und putzt.
Die Organisation der Unterkunft war allerdings eine Vollkatastrophe. Meine einzige Info vor Anreise seitens des local NEOs war wo dieser Compound war und dass der Guard meinen Schlüssel hätte.
Bei abendlicher Ankunft am Compound nach 20h Anreise konnte keiner der Guards Englisch und keiner wusste etwas von Schlüsseln oder mir. Nach längeren Telefonaten und horrenden Auslandstelefonkosten habe ich den NEO erreicht und er schickte dann eine Freundin zum Compound die "alles klären sollte". Sie kam mit ihrem Vater, der nicht sehr angetan schien und redete ziemlich lang mit den Guards. Am Ende kam eine der Housekeeperinnen und brachte mich völlig zufällig zu einem der Häuser. Dort wurde mir gesagt, ich solle dort erstmal ne Nacht bleiben und dann sehen wir weiter. Keiner wusste also wirklich Bescheid. Letztendlich waren in besagtem Haus aber total nette britische Mädels die am hiesigen Krankenhaus ihr PJ gemacht haben und mir alles erklärt haben und mich auch aufgebaut hatten. Denn wie mir geschah oder irgendwelche Informationen hatte ich von meiner CP nie bekommen. Auch nach Nachfragen nich. Am nächsten Tag brachten die Mädels mich zu der Orga-Lady des Krankenhauses die mir mitteilte, dass sie von mir wusste, aber dachte ich käme an einem anderen Tag an und der Schlüssel bei ihr lag. Alles an sich kein Problem, wenn ich davon vorher gewusst hätte. Das war aber leider Totalversagen meiner CP und des NEOs. In dem Haus in dem ich den Abend davor gestrandet war, durfte ich letztendlich zum Glück bleiben. Ohne die Mädels dort wäre ich aufgeschmissen gewesen.
Beachtet bitte, dass ihr für den Schlüssel zum Haus/Zimmer ein Depots von 10USD zahlen müsst.

Literatur

Also ich habe nur deutsche medizinische Literatur mitgenommen. Informiert habe ich mich meistens dann via Amboss app und google bei Übersetzungsfragen fachspezifischer Wörter.
Bei Erkenntnissen über das Land und Moshi habe ich das www nach Erfahrungsberichten über das KCMC durchstöbert. Gibt man das bei google ein kommen direkt ein paar. :)

Mitzunehmen

- Kittel, Stethoskop, Reflexhammer, Lampe, Scrubs
(Reflexhammer außer für Neurologie bitte zuhause lassen- ich wurde an jedem(!) Flughafen gefragt ob das eine Waffe sei und musste z.T. auch mein Einladungsschreiben der IFMSA vorlegen, da sie mir den Hammer abnehmen wollten)
- Reiserucksack (45+10l), Handgepäckrucksack
- secret porch, Reisedecke, Reisekissen, Schlafsack-Inlay, Handtasche
- Shampoo, Conditioner, sonstigen Beauty-Kram
- Reiseapotheke: Standardzeug, Blasenpflaster, Moskitospray, Sonnenschutz
- Moskitonetz (war am Ende überflüssig, weil die Zimmer eins hatten)
- Regenjacke, dickere Pullis, eigentlich nur lange Hosen und Schulter-bedeckende T-Shirts, feste Wanderschuhe, ein Paar Bade/Duschflipflops
- Handdesinfektion, Hygienetücher
- Micorfaserhand- und badetücher (trocknen super schnell und sind klein und leicht)
- unbedingt: REISEADAPTER für britische Steckdosen und ne Powerbank mit viel Ampere
- diverse Ladekabel und Digitalkamera
Ersatztelefon
- Reisepasskopie, Impfpasskopie, Kreditkarten (mind.2, mit Sperrnotruf auf Extra-Zettel), Kopie der Auslandskrankenversicherung, Einladungsschreiben der bvmd/IFMSA

Reise und Ankunft

Die Organisation der Anreise war eine Vollkatastrophe.
Meine einzige Info vor Anreise seitens des local NEOs war wo der Compound war und dass der Guard meinen Schlüssel hätte. Keine Abholung vom Flughafen und die Info, dass die CP nicht vor Ort ist und es kein SP geben wird. Ich bin am Tag vor Praktikumsbeginn abends angekommen.
Bei abendlicher Ankunft am Compound nach 20h Anreise konnte keiner der Guards Englisch und keiner wusste etwas von Schlüsseln oder mir. Nach längeren Telefonaten und horrenden Auslandstelefonkosten habe ich den NEO erreicht und er schickte dann eine Freundin zum Compound die "alles klären sollte". Sie kam mit ihrem Vater, der nicht sehr angetan schien und redete ziemlich lang mit den Guards. Am Ende kam eine der Housekeeperinnen und brachte mich völlig zufällig zu einem der Häuser. Dort wurde mir gesagt, ich solle dort erstmal ne Nacht bleiben und dann sehen wir weiter. Keiner wusste also wirklich Bescheid. Letztendlich waren in besagtem Haus aber total nette britische Mädels die am hiesigen Krankenhaus ihr PJ gemacht haben und mir alles erklärt haben und mich auch aufgebaut hatten. Denn wie mir geschah oder irgendwelche Informationen hatte ich von meiner CP nie bekommen. Auch nach Nachfragen nich. Am nächsten Tag brachten die Mädels mich zu der Orga-Lady des Krankenhauses die mir mitteilte, dass sie von mir wusste, aber dachte ich käme an einem anderen Tag an und der Schlüssel bei ihr lag. Alles an sich kein Problem, wenn ich davon vorher gewusst hätte. Das war aber leider Totalversagen meiner CP und des NEOs. In dem Haus in dem ich den Abend davor gestrandet war, durfte ich letztendlich zum Glück bleiben. Ohne die Mädels dort wäre ich aufgeschmissen gewesen.
Beachtet bitte, dass ihr für den Schlüssel zum Haus/Zimmer ein Depots von 10USD zahlen müsst.
Angefangen zu arbeiten habe ich einen Tag später, da am Tag nach Ankunft erst Orga zu tun war. Sprich Visum, SIM-Karte, Essen besorgen und sich erstmal zurechtfinden. Tatsächlich habe ich nur durch meine Mitbewohnerinnen all das überhaupt gefunden, sie waren es auch, die mir die Pädiatrie gezeigt haben und mir gezeigt haben wo ich mich vorstellen muss. Das war einmal die Head of Department und eben jeder Doktor der mir so über den Weg gelaufen ist. Von Seiten der Local Group war da keine Info erfolgt. Generell sind da aber so viel ausländische Studenten, dass die Ärzte erstens wenig Überblick haben und zweitens sich auch nicht wirklich dafür interessieren.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war auf der pädiatrischen Station. Wie oben beschrieben musste man an Tag 1 zu der Orga-Lady Aneth und Geld bezahlen und Dokumente unterschreiben. Dann ist man einfach mit den andere Studenten auf Station gegangen und hat sich bei bei jedem vorgestellt. Das war einmal die Head of Department und eben jeder Doktor der mir so über den Weg gelaufen ist. Von Seiten der Local Group war da keine Info erfolgt. Generell sind da aber so viel ausländische Studenten, dass die Ärzte erstens wenig Überblick haben und zweitens sich auch nicht wirklich dafür interessieren.
Sprich der medizinische Alltag war komplett selbst organisiert und hängt von der eigenen Motivation ab.
Morgens kann man um 07.30Uhr zur Morgenbesprechung gehen, das dauert im Schnitt so 1-2h. Danach trifft man sich mit den anderen Studenten zum "Second breakfast" in der Kantine und ist Chapati mit Zucker und Limetten. Um 10.00Uhr geht es dann auf den Stationen der Pädiatrie los mit Visiten. Auch da ist es allein von den eigenen Interessen abhängig, wo man an der Visite teilnimmt. Zur Auswahl stehen: Neonatologie und 3 Kinderstationen für jeweils akute Erkrankungen, chronische und die ITS. Man muss nur die Ärzte mit dem Visitenwagen ausfindig machen und sich hinten dran hängen. Oftmals werden die Visiten wie oben bereits gesagt in Suhaeli gehalten, da Patienten einfach kein Englisch sprechen. Alle Akten sind aber in Englisch dokumentiert und wenn man nett nachfragt erklären sie auch gern auf Englisch alles nochmal- je nachdem welcher Arzt gerade dafür Zeit hat. Der Tag endet meist gegen 13.00-14.00Uhr. Wie ich vorher bereits vermutet hatte, darf man auf den Stationen nicht viel machen. Es ist eher aufmerksam zuhören/zuschauen angesagt. Natürlich durfte man mal mit dem Stethoskop Kinder abhören oder mit ihnen spielen. Aber das war es auch. Für mich persönlich war aber das einfach mit dabei sein und den Alltag auf Station erleben so eindrücklich, dass ich selbst nicht unbedingt jetzt auch noch "was tun" musste.
Das Krankenhaus ist DAS Krankenhaus für ausländische Medizinstudenten/innen um eine Auslandsfamulatur zu machen. Dementsprechend sind dort toll viele Studenten unterwegs. Auf der Pädiatrie waren wir immer mindestens 3, eher 4-5 aus allen Ländern- viele Deutsche, aber auch Italienerinnen, Australierinnen, Französinnen...vor allem Frauen auf der Pädiatrie. Aber ich habe mich mit allen immer gut verstanden und fand es auch angenehm sich über deren Studium auszutauschen. :)
Dadurch und durch das geringe Interesse der Ärzte vor Ort hatte ich leider weniger Kontakt zu lokalen Studenten (es waren auch grad Ferien) als ich eigentlich vorhatte. Das fand ich schade.
Vom Gesundheitssystem her basiert alles eher auf Bargeld und danach folgenden Therapien. Die Mittel hierbei sind aber sehr begrenzt und der Standard im Krankenhaus ist keinesfalls in irgendeiner Form vergleichbar mit Europa. Man sollte das alles aber selbst auf sich wirken lassen. Es ist schwer zu beschreiben. Ich selbst kann es nur empfehlen. Was mir im Gedächtnis geblieben ist, waren 2 Stationen: zum einen haben Kolleginnen von mir auf der Neo einmal 3 Säuglinge mit Asphyxie reanimiert, von denen 2 verstorben sind weil sie noch nie Säuglinge reanimiert haben und Schwestern und Ärzte dezent überfordert waren. Zum anderen, gab es dort Kinder mit Krebsleiden in Stadien, die so erschreckend waren, dass es mich den ganzen Tag beschäftigt hat. Oftmals ist fas für die Kinder dann auch das Todesurteil, da viele Medikamente einfach nicht zur Verfügung stehen oder eklatant teuer sind.
Es gibt noch viele andere solcher Geschichten, aber am besten ist sich alles selbst anzuschauen.
Die Ausbildung ist soweit ich es mitbekommen habe sehr hart und kostet vergleichsweise viel Geld. Es ist ein großes Privileg Medizin in Tanzania studieren zu dürfen. Mehr Einblicke habe ich aufgrund mangelnden Kontaktes zu locals nicht erhalten können.

Land und Leute

Neben der Krankenhaustätigkeit kann man unfassbar viel an Unternehmungen machen. Es gibt Tagestrips zu Wasserfällen, Kaffeeplantagen, Ureinwohner-Höhlen, Bike-Touren zu Zuckerplantagen, Tageswandertrips. Mehrtätig gehen Wandertouren (Usambara-Mountains), Fahrrad-Safaris über mehrere Tage (wirklich toll), man kann auf den Mt. Meru (ca. 3 Tage) oder den Mt. Kilimanjaro klettern (ca. 1 Woche). Natürlich immer mit das Highlight sind die "richtigen Safaris", sprich man besichtigt oder vielmehr durchfährt innerhalb einer bestimmten Tagesanzahl die großen National Parks, wie den Serengeti NP, Ngorongoro NP, Lake Manyara NP, Tarangire NP. Im compound haben die meisten dann einen 4 Tagesausflug durch eine Variation der genannten NPs gemacht. Alle waren ausnahmslos begeistert. :) Man kann vom Kilimanjaro Airport auch gut und relativ günstig nach Sansibar fliegen. ;) Von Moshi aus kann man gute Städtetrips nach z.B. Arusha machen oder in die umliegenden Dörfer. :)
Kenia ist auch nicht weit und in ca. 8h mit dem Bus ist man auch schon in Nairobi. Dort in der Nähe sind nicht nur der Masai Mara NP und der Ambroseli NP, nein auch der Mt. Kenya erwartet euch. Zum Lake Viktoria kommt man sowohl von Kenia als auch von Tansania recht zügig. :)

Generell ist Tansania politisch gesehen relativ stabil. Natürlich spielt Korruption auch hier leider immer noch eine große Rolle. Wirtschaftlich geht dadurch viel an Potenzial verloren. Da durchaus reiche Naturressourcen vorhanden sind. Es gilt vielmehr das Prinzip- jeder selbst ist wichtig und solange es mir und meiner Familie gut geht, interessieren mich die anderen wenig. So stehen sich viele oftmals leider selbst im Weg.
Kulturell ist das Land ein Mix aus vielen verschiedenen Stammeskulturen, dem Islam, dem Christentum und irgendwelchen Religionen dazwischen. Ich habe das stets als sehr spannend empfunden. Natürlich empfehle ich auch hier den Religionen angemessene Kleidung zu tragen (ich bin nie schulterfrei, tief ausgeschnitten oder mit Shorts/kurzen Röcken herumgelaufen). Die Tansanier sind ein sehr aufgeschlossen und freundlich und immer gut drauf. Man kommt super schnell ins Gespräch und wird immer herzlich überall empfangen. Natürlich gibt es auch Menschen, die aufgrund der Hautfarbe von Reichtum ausgehen und einen Vorteil oder Gewinn erhoffen. Das ist im Touristenbusiness häufig anzutreffen. Abseits davon trifft das oben beschriebene offene und herzliche eindeutig zu. :)
Meine Gastgeber in Form von CPs oder ähnlichen waren ja nicht vor Ort oder hilfreich. Dementsprechend waren meine Gastgeber eher meine Mitbewohnerinnen aus dem Compound. Die waren allesamt wirklich ganz großartig !!! :)
Der NEO hat zwischenzeitlich versucht, die Wogen etwas zu glätten, da ich nicht die einzige SCOPE Teilnehmerin dort war und alle die gleichen Probleme hatten. Dies ist ihm nur bedingt gelungen.
Das Essen ist natürlich anders, wobei man in Supermärkten europäisch einkaufen kann. Es geht hier vielmehr darum satt zu werden, als ein Geschmackserlebnis zu haben. Ugali ist ein geschmacksneutraler Brei, den man zumindest einmal probiert haben sollte. Ansonsten gibt es Reis, viel Hühnchen, gewürzte Soßen mit viel indischem Einfluss, Gemüse, und eben Ugali. Und nicht zu verachten: Wasser ist den locals zu geschmacksneutral- sie trinken lieber Coca Cola, Fante, Sprite oder Stones Tangaweezy (unbedingt probieren!!). Die Speisen haben viel indischen Einfluss und an jeder Ecke kann man auch indisch essen. Frittiert wird auch super viel...sogar gekochte Eier. Kochbananen sind auch immer mit dabei ebenso wie der Chapati, ein Pfannkuchen der zum Frühstück gegessen wird. Und ein Chai darf nie (!) fehlen. Milchprodukte sind nicht üblich und werden teuer importiert. Kühe sind rar und Massentierhaltung kaum bis garnicht vorhanden.

Fazit

Meine Erwartungen hinsichtlich des Landes und meines Aufenthaltes wurden aus bereits oben beschriebenen Gründen sogar übertroffen. natürlich gibt es den Wermutstropfen mit der lokalen IFMSA-Gruppe, aber abgesehen davon war der Aufenthalt einmalig und lehrreich.
Ich würde absolut wieder ins Ausland gehen und habe auch definitiv vor nochmal dorthin zu reisen um eine Safari zu machen und Sansibar zu bereisen. Und Kenia zu besuchen....und und und.
Ich glaube was ich medizinisch am meisten für mich verinnerlicht habe ist, das Medizin nicht unbedingt viel Geld oder Ausstattung braucht, sondern oftmals ein wacher aufmerksamer Blick, eine gezielte Untersuchung ausreichen um eine Erkrankung zu erkennen und Therapien einzuleiten oder zumindest eine Ahnung zu haben um was es geht. Und dass wir in Europa auf so hohem Niveau Medizin lernen und praktizieren dürfen, dass es für uns gegeben und normal ist. Leider habe ich oftmals das Gefühl, viele nehmen dieses Privileg nicht als solches wahr. Dazu habe ich mich bis vor diesem Aufenthalt definitiv dazu gezählt. Ich habe durch diesen Aufenthalt was das angeht eindeutig Demut erhalten und tiefsten Respekt vor allen europäischen Ärzten, die für sich ihre Bestimmung im Dort Arbeiten gefunden haben-Jeder Arzt hilft dort denke ich. Solange man nicht zwingend mit einer europäischen durchstrukturierten Haltung rangeht sondern bereit ist, tansanische Krankenhaus- und Hierachiestrukturen zu akzeptieren. Ich selbst könnte das glaub ich nicht, da auf mich mache Prozesse so abstrus und zeitraubend wirkten, vermeidbare Fehler aufgrund von Organisations- oder Absprachenproblemen auftraten, dass ich auf Dauer frustriert sein würde. Das ist aber nicht abwertend gegenüber der Kultur im tansanischen Krankenhaus gemeint, sondern meint lediglich, dass ich selbst als Person zu europäisch als Medizinerin bin. Für jemand anderen wäre es sich ganz wunderbar. :)
Deshalb würde ich absolut empfehlen dorthin zu reisen und eigene Erfahrungen zu sammeln. :)
Hakuna matata!!

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