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Armenia (AMSP-Armenia)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Daniela, Homburg

Motivation

Ich wollte eine meiner Famulaturen im Ausland machen, weil ich finde dass man durch einen Auslandsaufenthalt die Möglichkeit bekommt, die Dinge im eigenen Land mit etwas Abstand zu betrachten. Dazu suche ich mir am liebsten Länder aus, die sehr anders sind als mein Heimatland und eher nicht die typischen Urlaubsziele.

Vorbereitung

Ich habe mich vorbereitet, indem ich meinen Reiseführer gelesen und mich auf der Homepage des Auswärtigen Amtes informiert habe. Schwierigkeiten mit den Formalitäten gab es eigentlich keine, ich hatte nur das Problem, dass ich einen Restplatz bekommen habe und die Fristen manchmal etwas knapp waren. Ein Vorbereitungsseminar habe ich nicht besucht, ich hatte aber auch nicht das Gefühl, dadurch schlechter vorbereitet gewesen zu sein.

Visum

Ein Visum braucht man für Armenien nicht, man kann einfach mit dem Reisepass zur Passkontrolle durchgehen und kann einreisen. Nur wenn man die Region Nagorno Karabagh besuchen will benötigt man ein Visum, welches man aber sehr einfach in Yerevan in der Botschaft oder in Stepanakert im Ministry of foreign Affairs bekommt.

Gesundheit

Spezielle Impfungen oder Untersuchungen sind nicht notwendig, es gibt ei minimales Malaria-Risiko, aber Prophylaxe ist nicht notwendig. Eine Auslandskrankenversicherung habe ich durch mein Konto bei der Apo-Bank kostenlos bekommen.

Sicherheit

Yerevan ist eine sehr sichere Stadt, auch nachts alleine hatte ich nie das Gefühl von Unsicherheit. Ich habe mich also genauso verhalten wie auch zuhause, lediglich in einigen Orten, die ich besucht habe, außerhalb der Hauptstadt war ich ein wenig vorsichtiger.
Die Sicherheitslage in Armenien war eigentlich sehr stabil, trotz der Konflikte des Landes mit Azerbaijan und der Türkei. In Nagorno Karabagh sollte man jedoch vorsichtig sein, da dort theoretisch nur Waffenstillstand herrscht und somit also ein Kriegsgebiet ist. Davon merkt man bei Besuch der Region jedoch nichts.

Geld

Die Währung sind Armenische Dram, AMD. 1Euro sind ca 560 Dram, und man sollte auch am besten immer mit Dram bezahlen, da Euros nicht akzeptiert werden oder man dann einen höheren Preis zahlen muss. Am besten ist auch immer Bargeld, in vielen Hostels und Hotels konnte man auch nur Bar bezahlen. Es ist auch kein Problem, Geld an einem Automaten abzuheben, die gibt es in den größeren Orten reichlich. Geld wechseln kann man auch überall, man sollte nur auf einen fairen Kurs achten.
Das Leben in Armenien ist nicht teuer, Essen, öffentliche Verkehrsmittel und Unterkünfte sind sehr günstig.

Sprache

In Armenien spricht man Armenisch, und das Problem dabei ist, dass es auch eine eigene Schrift gibt und man somit nichts lesen kann. Wer Russisch spricht, ist dort auf jeden Fall im Vorteil, da fast jeder dort auch Russisch kann. Die jüngere Bevölkerung spricht allerdings meistens ein wenig Englisch, sodass man sich immer irgendwie verständigen kann.

Verkehrsbindungen

Die schnellste und günstigste Möglichkeit zur Anreise ist ein Flug. Es gibt keine Direktflüge aus Deutschland, aber meine Reise von Luxemburg über Wien dauerte etwa acht Stunden und verlief ohne Probleme. Etwas anstrengend ist, dass man um 3:35 morgens in Yerevan landet.
Im Land gibt es zahlreiche günstige Busse, Minibusse und Taxis. Außerdem funktioniert Trampen viel besser als in Deutschland und ist auch sehr sicher.

Kommunikation

Kommunizieren konnte ich mit ein paar wenigen Worten Armenisch, Englisch und wilden Gesten, sodass ich meistens begreiflich machen konnte was ich wollte und eine Antwort erhielt. Ich habe auch direkt am ersten Tag eine SIM-Karte gekauft mit mobilen Internet, was mir sehr geholfen hat einerseits mit den Armeniern und andererseits mit meinen Freunden und meiner Familie in Deutschland in Kontakt zu bleiben. Hier habe ich für 3GB ca. 5 Euro gezahlt.

Unterkunft

Ich habe im Dormitory der Medizinischen Universität gewohnt, was von den LEO's vor Ort organisiert wurde. In meinem Zimmer war alles nötige vorhanden, es gab sogar einen Kühlschrank und ich hatte ein eigenes Bad. Auf dem Flur gab es eine Küche zur Mitbenutzung.

Literatur

Zu empfehlen ist auf jeden Fall der Reiseführer "Armenia and Nagorno Karabagh" von Bradt. Dort finden sich viele Informationen zur Geschichte und den Sehenswürdigkeiten den Landes. Fremdsprachige medizinische Literatur brauchte ich nicht, ich habe mein deutsches Lehrbuch genutzt.

Mitzunehmen

Für das Krankenhaus brauchte ich einen Kittel, ein Stethoskop und ein kleines Notizbuch. Einmal brauchte ich auch meine Kasacks, aber ich hätte sie mir auch ausleihen können. Wichtig sind natürlich eine Reiseapotheke und alles, was man bei jeder anderen Reise auch benötigt.

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief ohne Probleme, und ich wurde am Flughafen abgeholt und direkt zu meiner Unterkunft gefahren. Ich hatte nach meiner Ankunft noch einen Tag bis Praktikumsbeginn, an dem ich mich mit einer Contact Person getroffen habe und Yerevan erkundet habe. Ins Krankenhaus wurde ich dann auch begleitet und vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe im "Heratsi Hospital Complex" in Yerevan in der Kardiologie gearbeitet. Am ersten Tag wurde ich dorthin begleitet und vorgestellt, danach habe ich direkt am Unterricht für die indischen Studenten teilgenommen. Auch an den darauffolgenden Tagen war ich dort, da der Professor sehr gut Englisch sprechen konnte und die Kommunikation mit den anderen Ärzten und Pflegern doch eher schwierig war. Jeden Tag haben wir ein anderes Thema komplett besprochen, Symptome, Diagnostik, Therapie und Komplikationen. Danach sind wir zu Patienten gegangen und haben Untersuchungen durchgeführt und besprochen. Am wichtigsten war das Herzecho, die Auskultation und das EKG. Ich war sehr froh darüber, dass wir das EKG immer sehr ausführlich besprochen haben, da dies in meiner Uni leider etwas zu kurz kommt. Ich konnte jedoch leider nicht so viele praktische Dinge üben, da die Kommunikation mit den Patienten sehr schwierig war und das dort auch nicht üblich ist. Dafür habe ich aber mein theoretisches Wissen über Kardiologie stark erweitern können. Mit den anderen Medizinstudierenden habe ich mich sehr gut verstanden, hauptsächlich hatte ich auch mit den indischen Studenten zu tun.
Die medizinische Ausbildung dauert dort auch 6 Jahre. Die ersten 6 Jahre sind mit der Vorklinik in Deutschland zu vergleiche, hier lernen die Studenten die Grundlagen wie Anatomie, Physiologie und auch schon Pathologie. Ab dem vierten Jahr ist das Studium in Blöcken organisiert, die komplett in den jeweiligen Kliniken stattfinden. So haben die Studenten zum Beispiel 4 Wochen lang Kardiologie, besprechen dort mit dem Professor fast das komplette Fach und schreiben direkt darauf folgend eine Klausur. Dann beginnt der nächste Block. Ich persönlich finde das System grundsätzlich besser als in Deutschland, da man sich auf eine Sache konzentrieren kann, anstatt alles gleichzeitig zu studieren und am Ende eine stressige Klausurenphase überstehen zu müssen. Das Problem ist nur, dass die Ausbildung sehr stark von dem zugeteilten Professor abhängt, wodurch es sein kann, dass verschiedene Gruppen unterschiedlich gut unterrichtet werden. Besser ist jedoch auch, dass man in viel kleineren Gruppen studiert und so tatsächlich ein Gespräch zwischen Professor und Studenten aufkommt. So ist man gezwungen, sich wirklich mit dem Stoff zu beschäftigen. Besonders an Armenien ist auf jeden Fall, dass man sehr viel warten muss. Wir haben teilweise über eine Stunde auf den Professor gewartet, wenn er in einer Untersuchung war und so ist leider viel Zeit ungenutzt verstrichen.

Land und Leute

Unter der Woche war ich viel in Yerevan unterwegs, habe mir dort Museen angeschaut oder einfach Spaziergänge durch die vielen Parks gemacht. Am interessantesten war für mich das Genozid-Museum, da es fast den wichtigsten Teil der Armenischen Geschichte behandelt. Der Eintritt ist frei, und auch der Guide ist umsonst. Häufig wurde ich auch angesprochen und habe dann mit vollkommen Fremden Kaffee oder Tee getrunken oder sie bei einem Spaziergang begleitet. Die Menschen waren alle sehr zuvorkommend und freundlich, ich habe mich immer willkommen gefühlt. Für viele dort ist Deutschland ein Paradies, ich habe sehr viele Armenier getroffen die in Deutschland studieren oder arbeiten möchten, und so waren alle immer schon interessiert wenn herauskam, dass ich Deutsche bin. An den Wochenenden und auch in den zwei Wochen nach meinem Praktikum bin ich durchs Land gereist. Armenien ist unglaublich vielfältig. Um Yerevan findet man viel Steppe und Berge, kaum Wald oder andere Vegetation. Ich habe dann zum Beispiel den Sevan-See besucht, in dem man im Sommer super schwimmen kann. In Dilijan kann man stundenlang durch den Wald im Nationalpark wandern und einige schöne Klöster besichtigen. Bei Ijevan bietet es sich an, die Lastiver Cave zu besuchen. Im Süden bei Goris kann man mit der längsten Cable-Car der Welt fahren, die sich 5.7 km über zwei Täler spannt und schönen Ausblick auf das Kloster Tatev bietet, welches man danach besuchen kann. Außerdem gibt es dort das Höhlendorf Khndzoresk, wo hunderte Höhlen in bizarren Felsen erkundet werden können, und vorher eine sehr lange und hohe Hängebrücke überquert werden muss. Die zweitgrößte Stadt, Gyumri, ist auch einen Tagesausflug wert. Es ist, nach Aussage der Einwohner, das kulturelle Zentrum des Landes. Hier ist es am besten, man findet jemanden der contact persons (CP's), der eine Stadtführung machen kann. Dann bin ich noch nach Nagorno Karabagh gefahren. De facto ist das Land unabhängig, das wird aber nicht anerkannt und so gehört es offiziell zu Azerbaijan, kann aber nur von Armenien aus betreten werden. Hier hatte ich das Gefühl, noch herzlicher aufgenommen zu werden als in Armenien selbst.
Die Menschen in Armenien sind zum großen Teil sehr arm. Trotzdem freuen sie sich, Essen zu verschenken oder Gäste in ihrem Land zum Essen einzuladen oder einfach ein Stück zu begleiten. Das Essen war für mich jedoch sehr gewöhnungsbedürftig, da es hauptsächlich aus Fleisch und Brot besteht. Gemüse wird als Beilage angesehen und meistens einfach weggelassen, sodass ich froh war, im Dormitory kochen zu können.

Fazit

Meine Erwartungen wurden auf jeden Fall erfüllt, und ich freue mich schon auf meinen nächsten Auslandsaufenthalt. Auf Dauer im Ausland arbeiten möchte ich jedoch nicht.
Ich möchte auf jeden Fall versuchen, meinen Mitmenschen offener und freundlicher zu begegnen, und auch in Deutschland die Armenische Mentalität beibehalten.

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