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Egypt (AECS)

Tropenmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Elke, Jena

Motivation

Nachdem ich bereits die 3 Monate des vorklinischen Pflegepraktikums in eigener Regie im Ausland absolviert hatte, bot die Option einer Auslandsfamulatur mit der bvmd eine Möglichkeit, einmal den organisierten Austausch kennen zu lernen.
Ägypten war zwar nicht das Land meiner Wahl, nach der Zusage belas ich mich aber ein wenig über die nordafrikanische Republik, den arabischen Kulturkreis und die politischen Umwälzungen der letzten Jahre und sah der Famulatur in Alexandria ganz positiv entgegen. Da ich ohnehin großes Interesse für frühe Hochkulturen, alte Tempel sowie archäologische Ausgrabungen hege, bereitete ich mich ausgiebig auf eine Reise durch das alte Reich der Pharaonen vor.
An die Famulatur hatte ich keine allzu großen Erwartungen, da Ägypten nur sporadisch endemische Tropenkrankheiten zu bieten hat und meine Arabischkenntnisse sich leider auf wenige Worte beschränken, sodass der Kontakt zu Patienten sowieso ziemlich limitiert bleiben würde.

Vorbereitung

Die typischen Tropenkrankheiten hatten wir gerade im 3 Studienjahr im Zuge des Mikrobiologiekursus abgehandelt, sodass ich dafür kaum zusätzliche Vorbereitung benötigte. Die Hepatitis Viren sind ein großes Thema im Land. Hier lohnt es sich, ein wenig Zeit zu investieren. Auch Bilharziose (Schistosomiasis), Giardia lamblia u.a. Parasiten kommen vor.

Visum

Mit einem EU - Pass erhält man das Visum zur Zeit problemlos für 25 Euro (oder Äquivalenz in Dollar bzw. L.E.) bei Einreise am Flughafen.
Vor Abreise sollte man allerdings nochmal nach aktuellen Informationen zu den Einreiseformalitäten recherchieren, da diese sich jederzeit ändern können.

Gesundheit

Bei Einreise aus Europa gibt es für Ägypten keine Impfvorschriften. Impfungen gegen HAV und HBV, Typhus und alle in Deutschland üblichen Impfungen sollte man sich allerdings geben lassen. Wer nicht viel Erfahrung mit Auslandsreisen in subtropischen bzw. tropischen Ländern hat, sollte sich evtl. einer reisemedizinischen Beratung unterziehen. Ägypten zählt zu den trockenen Subtropen, für Reisende besteht kein relevantes Malariainfektionsrisiko.
Die Reiseapotheke sollte neben den üblichen Dingen, wie Pflaster, Desinfektionsmittel etc. auch ein paar Optionen für Reisediarrhoe enthalten. Das und noch mehr (Schmerzmittel, Antibiotika etc.) bekommt man aber auch alles ziemlich günstig und rezeptfrei in den dortigen Apotheken.
Hepatitis C ist ein großes Problem in Ägypten, die Durchseuchungsrate der zwischen 15- und 60ig-Jährigen liegt bei 16% und ist damit die höchste der Welt. Man sollte sich also möglichst nicht stechen (aber das gilt bekanntlich in allen Ländern für den Klinikalltag).

Sicherheit

Eine Krankenversicherung die Ägypten deckt, ist zu empfehlen. Die Sicherheitslage während meiner Reisezeit war entspannt. Solang man sich angepasst kleidet, politische Demonstrationen meidet und gewisse Verhaltensregeln beachtet, kann man beruhigt durch die Straßen schlendern. In einigen nicht-touristischen Vierteln der großen Städte sollte man teure Kameras u.ä. jedoch lieber in der Tasche lassen. Ich habe mich zu keiner Zeit meines Aufenthaltes bedroht gefühlt.

Geld

In Deutschland hatte ich vorher nichts getauscht. Das wäre unnötig teuer und es geht problemlos bei Ankunft am Flughafen. Abheben und Tauschen ist prinzipiell überall möglich. Für die erste Zeit kann man ruhig 100 oder 200 Euro mitnehmen, falls die eigene Bank sehr hohe Gebühren für das Abheben im Ausland erhebt. Als Student bekommt man aber bei einigen Banken eine gebührenfreie Visakarte. Traveller Cheques kann ich persönlich nicht empfehlen.
Ein Euro war im August 2017 ungefähr zwanzig ägyptische Pfund wert. Eine 1,5l Wasserflasche kostete 2,5 L.E., ein Abendessen im bescheidenen Restaurant ungefähr 20 bis 50 LE. Es lässt sich in Touristenstädten aber auch durchaus teuer Essen gehen. In gehobeneren Restaurants und Cafés werden zu jeder Rechnung 12 % Steuer (VAT) addiert und manchmal wird sogar eine Servicegebühr von ca. 10% zusätzlich erhoben (die genauen Prozente sollte man vorher im Menü nachschauen). Street Food kann man v.a. abends überall genießen. Es ist preiswert und äußerst schmackhaft. Ein Falafel Sandwich kostet zwischen 1,5 und 3 L.E. Eine Wasserpfeife im Café kostet zwischen 5 und 10 L.E.

Sprache

Wer Arabisch spricht ist in Ägypten klar im Vorteil. Obwohl sich der hiesige Dialekt vom typischen Arabisch deutlich unterscheidet, kann man sich mit den meisten Ägyptern (meines Erachtens problemlos) verständigen.
Die Patienten können in der Regel gar kein Englisch. Alle Ärzte im Uniklinikum sprechen allerdings gut Englisch und können auch wissenschaftliche Begriffe und Zusammenhänge in der Fremdsprache erläutern. In touristisch attraktiven Städten, am Roten Meer und entlang des Nils sprechen einige Leute in Restaurants, Hotels und auf den Märkten Englisch oder sogar Deutsch, die Allgemeinbevölkerung in der Regel kaum.

Verkehrsbindungen

Man kann nach Kairo oder Alexandria fliegen. Im Land gibt es Züge, die zwischen Kairo, Alexandria und Luxor und Aswan (im südlichen Niltal) verkehren. Buslinien verbinden praktisch alles was man als Touri bereisen mag (Sinai, westliche Wüste, Küste am Roten Meer).

Kommunikation

In dem Hotel, in dem wir in Alexandria untergebracht waren, gab es WLAN - allerdings mit einigen Lücken. Eine ägyptische Simkarte lohnt sich und ist nicht teuer. Die LEOs vor Ort helfen bei der Beschaffung dieser Art Dinge.

Unterkunft

In Alexandria wurden wir zu zweit, dritt bzw. zu fünft in Hotelzimmern eingepfercht. Man musste zwar nichts organisieren, man durfte aber auch absolut nichts selbst unternehmen. Die Möglichkeiten endeten bei gemeinsamen Gassi-Gängen in der Gruppe von 15 Austauschstudenten mit 5 Body Guards („contact person“). Abends wurden wir zusammen in einem Restaurant für ein bis zwei Stunden ruhiggestellt. Ab und an sind wir danach noch wie eine Herde Schafe in eine Bar getrieben worden. Bei den organisierten Reisen und Ausflügen fiel das weiter kaum ins Gewicht, da man ohnehin den ganzen Tag unterwegs war. In Alexandria selbst, fühlte ich mich oft eingesperrt und von der Stadt habe ich leider kaum etwas gesehen.

Literatur

Es gibt unendlich viel Reiseliteratur über Ägypten. Hier eine kleine Auswahl:
- German Archaeological Institute in Cairo; Westcar on the Nile A journey through Egypt in the 1820s; Heike C. Schmidt, 2011
- Rough Guides; Rough Guide to Egypt; Dan Richardson, Daniel Jacobs, 2013 (da gibt es sicherlich bald wieder eine aktuellere Auflage)
- O.W. Barth Verlag: Lexikon der Götter und Symbole der alten Ägypter; Manfred Lurker, 2011

Mitzunehmen

Kamera, eine Kopfbedeckung (falls man mal eine Moschee von innen ansehen mag), für entlegene touristisch nicht so erschlossene Gegenden sowie religiöse Orte empfiehlt es sich angemessen zu kleiden: lange Hose, Schultern bedeckt etc., Sonnenbrille, Sonnencreme, GoPro (besonders falls man plant Tauchen zu gehen), Stethoskop, Kittel, Telefon bzw. Arabic pocket dictionary

Reise und Ankunft

In Alexandria ist alles durchorganisiert und man wird nicht allein gelassen. Von der Abholung am Flughafen/Busterminal/Bahnhof bis zum Wasser kaufen am Kiosk um die Ecke, alles geschieht unter Aufsicht der LEOs. Für mich war das ziemlich anstrengend, für andere mag das behaglich und bequem sein.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Die Famulatur war theorielastig, da wir ohnehin alle kaum oder gar kein Arabisch sprachen. Die Ärzte haben sich aber große Mühe gegeben, ein Programm für uns zusammen zu stellen. Wir haben etliche Fälle von Hepatitis und deren Komplikationen gesehen sowie klinisch untersucht. Außerdem wurde uns ein ausführlicher Kurs zu den zugrundeliegenden Pathomechanismen und daraus folgenden Krankheitsverläufen geboten. Auch auf Differentialdiagnosen und deren klinische Präsentation wurde ausführlich eingegangen. Morgens gab es meist 2 Stunden Theorie. Das mag langweilig klingen, war aber letztlich ganz informativ. Die Ärzte haben ihre eigenen Erfahrungen einfließen lassen und auch Fälle mitgebracht. Im Anschluss sind wir auf Station und haben ein paar Patienten untersucht, aufgenommen etc. Ab und an durfte man mit zum Ultraschall. Die riesigen Ascitesbäuche waren beeindruckend. An manchen Tagen sind wir einige der typischen Tropenkrankheiten durchgegangen. Patienten darf man dazu aber nicht allzu viele erwarten, da diese auch in Ägypten sehr selten sind. Zu spät zu kommen, ist faktisch unmöglich, denn die Ägypter schaffen es immer noch ein wenig später. In der Klinik wurden wir stets sehr herzlich empfangen und äußerst gut betreut. Auf Station waren wir ca. 5 bis 7 Studenten pro Arzt. Fachlich ist das medizinische Personal im Klinikum fit und auch das Englisch der Ärzte, die uns betreut haben, war fließend. Was die räumlichen, hygienischen und materiellen Gegebenheiten angeht sind sicherlich Verbesserungen möglich. Die Patienten sind teilweise in 8-Bett-Zimmern untergebracht und es gibt nur ein Bad auf Station (ca. 4 Zimmer). Desinfektionsmittel wird, wenn vorhanden, sehr sparsam eingesetzt. Ob immer frische Nadeln(!) und Handschuhe benutzt werden ist fraglich. Die Famulanten aus der Chirurgie haben ähnliches berichtet. Das nosokomiale Infektionsrisiko würde ich als sehr hoch einstufen. Die Aseptik ist mangelhaft, was nicht unbedingt am Personal liegen mag, sondern auch daran, dass es eben ein staatliches Uniklinikum ist. Die finanziellen Mittel sind also knapp. Alles in allem aber nichts, was mich nach meinen vorrangegangenen Praktika in Übersee total geschockt hätte. Nichts desto trotz hat man als Famulant einen guten Einblick in den Klinikalltag eines ägyptischen Uniklinikums bekommen. Den Ärzten liegt daran, dass die Studenten etwas aus dem Praktikum mitnehmen und auf die klinische Untersuchung wird mangels teurer Bildgebung großen Wert gelegt. Diese sowie die Anamnese werden besonders gründlich vermittelt. Man bekommt ab und an ein Handout mit.

Land und Leute

Ägypten ist ein großartiges Land zum Reisen (auch als Backpacker). Man kommt mit Zug und Bus günstig von A nach B, in den großen Städten gibt es etliche Couchsurfer und für Hostels gibt es in der Regel preiswerte Optionen. Ich war vor Beginn der Famulatur knapp 2 Wochen allein reisen. Mein Hauptaugenmerk lag auf den Tempeln und archäologischen Ausgrabungen in Kairo und entlang des Niltals bis zur sudanesischen Grenze ganz im Süden des Landes. In größeren Orten trifft man häufig auch andere Traveller und vieles ergibt sich spontan.
Es findet sich für jeden Geschmack die entsprechende Reiseroute. Die westlichen Wüstengebiete zum Beispiel bieten hübsche Oasen und abenteuerliche Wüstensafaris. Die Badeorte und Luxusresorts um Hurghada am Roten Meer eignen sich für den unkomplizierten All-inklusive-Urlaub. In den Bergen auf der Halbinsel Sinai lassen sich historische Klöster entdecken und in den (teilweise leider ehemals) idyllischen Fischerdörfern an deren Küste kann man sich dem Tauchen entlang der Korallenriffe hingeben kann. Mit den paar Worten Arabisch, die ich aus meinem Reiseführer und von den Ägyptern, bei denen ich unterkam gelernt habe, kam gut durchs Land.
Nach der Famulatur und an den Wochenenden organisiert das Team in Alexandria einige gemeinsame Trips. Die habe ich auch mitgemacht. Die Preise werden vor Ort verhandelt. Die Teilnahme ist elektiv. Bei diesen gemeinsamen Reisen und Ausflügen ist alles straff durchorganisiert und für Eigeninitiative gibt es keine Valenzen. Man lernt alle anderen Famulanten in Alexandria kennen (im August war ich die einzige aus Deutschland) und teilt viele Erfahrungen. Wir haben eine Oase im Westen besucht und mit Beduinen in der Wüste, unter tollem Sternenhimmel geschlafen. Einen Tag waren wir in Kairo und haben die Pyramiden und das ägyptische Museum im Schnelldurchlauf bestaunt. Eine luxuriöse 3-tägige Nilkreuzfahrt war auch dabei und ein paar Tage waren wir auf der Halbinsel Sinai zum Tauchen. Die Teilnahme an den organisierten Trips ist besonders für diejenigen empfehlenswert, die nicht allein reisen möchten oder sich nicht trauen, alles selbst in die Hand zu nehmen.
Die meisten Ägypter sind sehr freundlich und hilfsbereit. Auch wenn man ihrer Sprache nicht mächtig ist versuchen sie, einem mit Händen und Füßen zu erklären, welchen Bus man nehmen muss oder wo man die köstlichsten Früchte ersteht. In den touristischen Städten und auf den Märkten versuchen die Leute, einem natürlich ständig alles Mögliche zu verkaufen. Daran sollte man sich nicht allzu sehr stören, nach einigen Tagen setzt eine Art Gewöhnung an diese Sitten ein. Bei Einkäufen und Taxifahrten empfiehlt es sich, in der Regel den Preis zu verhandeln.

Fazit

Die Famulatur hat vor allem mein klinisches Wissen für die Innere Medizin sowie die Infektiologie bedeutend erweitert. Das kommt in Deutschland oft zu kurz, da sich hier mehr auf Bildgebung, moderne Mikrobiologie und Laborwerte verlassen wird.
Reisetechnisch hat mich Ägypten begeistert und ich würde jederzeit wieder in das facettenreiche Land am Nildelta aufbrechen. Politische Unruhen scheinen Reisende, die sich angemessen verhalten, derzeit nicht zu beeinträchtigen.
Die Orga der LEOs in Alexandria ist für meinen Geschmack etwas zu überfürsorglich. Ich hätte mir mehr persönliche Entscheidungsfreiheit und Eigeninitiative, was die Freizeitplanung in Alexandria betrifft, gewünscht. Trotzdem haben sich die ägyptischen Studenten, Ärzte und Kontaktpersonen immer sehr freundlich und hilfsbereit gezeigt. Mit den anderen Famulanten habe ich mich durchweg gut verstanden und einige Freundschaften erhielten sich über die Famulatur hinaus.

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