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Oman (SQU-MSG)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Eva, Magdeburg

Motivation

Nachdem ich bereits vor 2 Jahren an einem Austausch über die bvmd teilgenommen habe und sehr positive Erfahrungen gemacht hatte, entschloss ich mich erneut für eine Bewerbung über das SCOPE Programm. Mich interessierte ein Aufenthalt in einem Land des mittleren Ostens. Nach ein wenig Recherche traf ich auf sehr gute Erfahrungsberichte aus dem Oman und fand heraus, dass es im WHO Ranking 2000 als eines der effizientesten Gesundheitssysteme gelistet wurde. So ergab sich meine Entscheidung, mich für dieses Land zu bewerben.

Vorbereitung

Die Vorbereitung bin ich sehr gelassen angegangen. Ich habe die Erfahrungsberichte nochmal gelesen und nach Tipps beziehungsweise Hinweisen geschaut, die nützlich sein könnten. Etwas unerwartet kam für mich ein Dokument der Sultan-Qaboos Universität sowie ein Impfzertifikat, welches ich noch auszufüllen hatte. Diese sind unter den Exchange Conditions auf der ifmsa Seite vermerkt, jedoch ohne eine Angabe, wann diese einzureichen sind. Ich habe circa fünf Monate vor dem Beginn des Austauschs eine Mail erhalten, dass ich diese einreichen solle.

Visum

Ein Visum kann man direkt am Flughafen erhalten. Es ist für 30 Tage gültig und kostet 20 Rial. Der Prozess hat ungefähr 10 Minuten gedauert und es gab keinerlei Schwierigkeiten.

Gesundheit

Vor der Reise habe ich das Versicherungspaket der Ärzte Finanz abgeschlossen, welches über die Seite der bvmd verlinkt ist und speziell für einen Auslandsaufenthalt kreiert wurde. Die Kosten dafür betrugen 21,90 Euro. Das Impfzertifikat der Sultan-Qaboos Universität beinhaltete ein Feld für eine Tuberkulose Impfung. Da ich nie gegen Tuberkulose geimpft wurde, ließ ich dieses frei. Eine Impfung, ein Tuberkulose-Test oder ein Röntgen-Thorax wurde auch auf Nachfrage nicht gefordert. Ansonsten empfiehlt es sich natürlich einen vollständigen Impfschutz zu haben. Eine Reiseapotheke hatte ich nicht mitgenommen, da es im Oman Apotheken gibt und über den Kontakt zu Ärzten/Studenten in der Klinik jederzeit eine Versorgung mit Medikamenten möglich gewesen wäre.

Sicherheit

Ich habe mich im Oman jederzeit sicher gefühlt. Eine hohe Anzahl an Verkehrsunfällen ist im Oman bekannt. Von den anderen Austauschstudenten hatte ich von einem Unfall mit einem der Organisatoren gehört, der sogar mit einem Krankenhausaufenthalt verbunden war. Während meines Aufenthalts hatten wir einen kleinen Unfall. Beim Rückwärtsfahren hat unser Organisator ein anderes Auto gerammt. Das Fahrverhalten schätze ich allgemein als gefährlich ein. Die Fahrer bedienen gerne ihr Handy während der Fahrt. Auch die Gurte zum Anschnallen bleiben gerne ungenutzt. Ein großer Unterschied ließ sich vor allem zwischen dem männlichen und weiblichen Fahrverhalten erkennen. Bei Gesprächen mit den Ärztinnen der Klinik stellte sich heraus, dass diese noch nie einen Unfall hatten.

Geld

Ich hatte mir bereits ausreichend Rial in den Oman mitgenommen. Ansonsten waren neben unserer Unterkunft ein Geldautomat und ebenso eine Möglichkeit Geld zu wechseln. Das Einkaufen und die Preise in den Restaurants sind vergleichbar mit denen in Deutschland. Zu Beginn des Monats haben wir Coupons erhalten, mit denen man im Krankenhaus gut frühstücken und Mittag essen konnte. Außerdem konnte man sich problemlos Lebensmittel mitnehmen.

Sprache

Die Studenten im Oman studieren Medizin auf Englisch. Zudem sind viele Ärzte aus Indien oder Pakistan und sprechen selbst wenig Arabisch. In der Klinik verläuft die Kommunikation somit auf Englisch. Nur mit den Patienten muss häufig Arabisch gesprochen werden. Arabischkenntnisse sind somit von Vorteil, jedoch keinesfalls notwendig.

Verkehrsbindungen

Ein öffentliches Verkehrssystem existiert fast gar nicht. Ich wurde vom Organisator des Austauschs vom Flughafen abgeholt und bei meiner Abreise dorthin gebracht. Während der Wochen in der Klinik wurden wir mit einem Bus der Universität abgeholt und nachmittags zu unserer Unterkunft zurückgebracht. Möchte man die Wohngegend verlassen, ist man entweder auf einen der anderen Studenten angewiesen oder muss sich ein Taxi besorgen. Eine Taxifahrt von der Klinik zur Unterkunft kostet circa 600 Baisa, eine Fahrt von der Unterkunft zum Strand kostet circa 4 Rial. Es wird oft ein viel höherer Preis gefordert. Hier empfiehlt es sich stur zu bleiben. Wir hatten uns ein paar Handynummern netter Taxifahrer organisiert und konnten sie somit bei Bedarf kontaktieren. Gelegentlich trifft man auch unbekannte Omaner, die einem eine Fahrt anbieten. Hiermit haben wir nie schlechte Erfahrungen gemacht.

Kommunikation

Im Oman kann man problemlos auf Englisch kommunizieren. Gleich am Flughafen konnte ich mir eine SIM-Karte kaufen. Diese kostete 5 Rial und enthielt lediglich 1,5 GB Datenvolumen. Später habe ich mir dann einmal pro Woche eine neue SIM-Karte für 2 Rial mit 2 GB Datenvolumen gekauft. Telefonieren konnte man über eine andere VPN Verbindung dann über Whats App. WLAN gab es in unserer Unterkunft leider nicht.

Unterkunft

Unsere Unterkunft befand sich in einem Wohnviertel (Al Khoud 6) nahe der Universität. Dort leben viele Studenten und es gibt ein paar kleine Supermärkte, Restaurants und Coffee Shops. Ich hatte ein Zimmer und Badezimmer für mich alleine, da wir während meines Aufenthalts nur vier Austauschstudenten waren. Bei meiner Ankunft musste ich gründlich aufräumen und putzen, denn leider hatten die Austauschstudenten des vorherigen Monats die Wohnung in schlechtem Zustand hinterlassen. Bettlaken und Decken sind vorhanden. Eine Waschmaschine ebenso. In allen Schlafräumen gibt es Klimaanlagen.

Literatur

Vor meiner Reise habe ich viel im Internet gesurft und mich dort über das Land und die Kultur informiert. Einen Kurs in Englisch für Mediziner hatte ich vor ein paar Jahren belegt. Außerdem hatte ich mir deutsche Literatur zum Thema Nephrologie mitgenommen.

Mitzunehmen

Ich hatte vorab in den Erfahrungsberichten nach nützlichen Tipps geschaut. Entsprechend hatte ich Sonnencreme, Mückenspray, Taschenlampe und lange Kleidung eingesteckt. Mückenspray war nicht erforderlich. Außerdem hatte ich viele deutsche Süßigkeiten und Spezialitäten mitgenommen. Die Organisatoren des Austauschs und die Omaner in der Klinik sind sehr freundlich und hilfsbereit. Da war es schön, sich bedanken zu können.

Reise und Ankunft

Meine Anreise verlief problemlos. Die Zeit von Ankunft meines Flugzeugs bis zum Verlassen des Flughafens betrug circa eine halbe Stunde. Der Leiter der Austauschgruppe hat mich zu meiner Unterkunft gebracht. Dort angekommen konnte ich die anderen Studenten kennenlernen, einkaufen, putzen und mich nach einer schlaflosen Nacht erholen. Da ich während einiger Feiertage angekommen bin, startete mein Aufenthalt im Oman mit einer Fahrt zum Wadi Shab und einem Ausflug nach Fanja. Mein erster Tag in der Klinik war zwar unorganisiert, einer der anderen Austauschstudenten konnte mir bei den organisatorischen Dingen jedoch helfen. Meinen Weg zur richtigen Fachabteilung habe ich eher durch Zufall gefunden. Eine Ärztin, die wir im Gang getroffen hatten, musste in die Nephrologie. So habe ich mein Team, bestehend aus acht Ärzten gefunden.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Der Tagesablauf gestaltete sich folgendermaßen. Um 7:30 Uhr wurden wir vom Bus an unserer Unterkunft abgeholt und zur Klinik gefahren. Dort konnten wir frühstücken und am Morning Meeting teilnehmen. Die Morning Meetings waren für mich nicht lehrreich. Circa 20 Ärzte und 30 Studenten saßen dort in einem Raum und es wurden oft sehr ausführlich und umständlich die Patientenfälle der letzten Nacht vorgestellt. Oft wurden diese dann lang diskutiert. Hier fehlten mir klare und knappe Ansagen und eine bessere Organisation. Um 9 Uhr begann die Visite. Während dieser wurden uns Untersuchungstechniken beigebracht und Wissen abgefragt bzw. vieles erklärt. Fast täglich hat der Oberarzt uns in Gruppen aus 2-3 Studenten eine Stunde unterrichtet. Fragen waren jederzeit erwünscht. Neben den Patienten auf der Station gab es außerdem die Möglichkeit, sich Patienten in der Ambulanz anzuschauen. Auch dort wurde einem jederzeit etwas erklärt und man konnte die Patienten untersuchen. Viele der Patienten kommen mit Abstoßungsreaktionen nach Nierentransplantationen oder einer Glomerulonephritis. Interessant war für mich, dass viele Patienten ihre Organe in Indien/China oder Pakistan gekauft hatten. Als Frau konnte ich sowohl Männer als auch Frauen ohne Kleidung untersuchen. Die männlichen Ärzte hingegen untersuchten meist durch die Kleidung hindurch. Mittag essen konnten wir jederzeit, für einen Tee oder Kaffee zwischendurch war auch immer Zeit. Bezahlt wird mit Coupons, die wirklich reichlich für einen Monat sind. Eine Woche habe ich an den Skills Lab Kursen der Medizinstudenten teilgenommen. Außerdem hatte ich mich einen Tag den Hämatologen angeschlossen und Patienten mit Sichelzellanämie und Thalassämie untersucht. Bedingt durch kosanguine Ehen sind genetische Erkrankungen viel häufiger anzutreffen als in Deutschland. Während meines Aufenthalts waren insbesondere ein Patient mit Multiorganversagen bei Infektion mit dem MERS-Virus und drei an Morbus Fabry erkrankte Brüder interessant.
Während meines Klinikaufenthalts haben mich viele Dinge begeistert. Einmal die gute Lehre, die für die Ärzte selbstverständlich war und nie von uns Studenten eingefordert werden musste. Außerdem der direkte Bezug zu den Patienten. Bei circa 7-12 zu betreuenden Patienten hatten die Ärzte sowohl für ihre Patienten als auch für die parallel laufende Lehre ausreichend Zeit. Wenn man als Student etwas wusste, wurde man viel gelobt, aber bei fehlendem Wissen niemals bloßgestellt. Die Patienten wurden immer von ihren Angehörigen in die Klinik begleitet. Wie in anderen Ländern teilweise üblich waren die Angehörigen nicht für die Pflege oder Versorgung mit Lebensmitteln da, sondern als zusätzliche Unterstützung für den Patienten. Im Vergleich zu Deutschland gab es zahlreiche Pflegekräfte. Der Umgang des Personals untereinander war immer freundlich. Auch konnten die Ärzte jeden Tag pünktlich gehen und eine Mittagspause machen. Dieser entspanntere Arbeitsalltag machte sich auch im Umgang mit den Patienten bemerkbar. Im Oman wurde sich in der Ambulanz mindestens eine halbe Stunde Zeit für die Patienten genommen. Dieser zwischenmenschliche Aspekt des Zuhörens und des Eingehens auf die Probleme der Menschen, habe ich im stressigen Klinikalltag in Deutschland oft vermisst.
Als Studentin war der Aufenthalt in dieser Klinik gut, für eine Assistenzarztzeit könnte ich es mir aber nicht vorstellen. Den Arbeitsalltag habe ich im Oman sehr genossen, jedoch kann man in Deutschland sowohl in praktischer als auch in theoretischer Hinsicht Medizin auf allerhöchstem Niveau erlernen. Im Oman wäre das einfach nicht möglich.

Land und Leute

Durch die gute Organisation der IFMSA Oman Gruppe und viele Feiertage, hatten wir die Möglichkeit sehr viel vom Land zu sehen und Einblicke zu bekommen, die man als normaler Tourist nicht bekommen hätte.
Gleich am ersten Wochenende fuhren wir zum Wadi Shab und nach Fanja. In Fanja waren wir bei einem traditionellen Fest dabei und wurden anschließend ins Haus einer der Studenten eingeladen und wurden mit fantastischen Speisen erwartet. Außerdem unternahmen wir Ausflüge nach Nizwa, Rustaq und nach Sur. Besonders beeindruckend war für mich das Jabal al Akhdar Gebirge. Wir besichtigten dort die verlassenen Bergdörfer. Mit einem der Studenten konnten wir eines der alten Häuser seiner Familie von Innen besichtigen. Das Klima im Gebirge war im Vergleich zu Muscat sehr angenehm und die Aussicht atemberaubend. Nicht umsonst lässt der Prinz von Katar seinen Palast dort bauen. Außerdem waren wir oft am Strand, haben Schildkröten gesehen, am Strand gegrillt, sind auf Kamelen geritten, haben Kamelmilch probiert, sind Quad gefahren und haben sehr viel Gutes und süßes Essen gegessen.
Besonders schön war zum Abschied eine Tour mit dem Boot zum Schnorcheln. Entlang der Küste haben wir zahlreiche Delfine gesehen und konnten die Landschaft genießen.
In der Klinik habe ich viele nette Ärztinnen kennen gelernt. Mit ihnen habe ich nachmittags oft etwas unternommen und interessante Gespräche geführt. So ergab es sich, dass ich nicht nur mit einer der Ärztinnen im Frauen Fitness Center in Muscat beim Langhanteltraining war, sondern auch im universitätseigenen Swimming-Pool für Frauen geschwommen bin. Schwimmen im Meer ist für Frauen im Oman kulturell nicht akzeptiert, sodass man dort fast nie eine Frau Baden sieht. Gerade diese Einblicke außerhalb des üblichen Tourismusprogramms waren für mich interessant zu erleben Die Omaner versuchen einem wirklich alles möglich zu machen und viel von ihrem Land zu zeigen. Von einer der Mütter der Ärztinnen habe ich sogar einen Gebetsteppich geschenkt bekommen. Es war interessant zu hören wie sich die Gesellschaft nach dem Öl-Boom verändert. Von jungen Männern, die über 4 Ehefrauen nachdenken bis zu Frauen, die entgegen der kulturelle Norm wandern und schwimmen gehen, trifft man auf eine sehr diverse Bevölkerung. Wir Austauschstudenten haben uns untereinander gut verstanden, jeden Abend noch einen Karak (den Alkohol Ersatz im Oman) getrunken, auf der Dachterrasse die Nacht über Muscat genossen und viel zusammen gelacht. So entwickelte es auch zur Tradition jeden Austauschstudenten, der die Gruppe verließ bis zum Flughafen zu begleiten und dort ein obligatorisches Abschieds-Selfie zu knipsen.

Fazit

Mein Aufenthalt war sowohl aus medizinischer als auch aus kultureller Sicht eine Bereicherung. Ich bin froh, einen Monat im Oman verbracht zu haben. Ich kann eine Teilnahme am Austauschprogramm der bvmd nur empfehlen.

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