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IFMSA-Chile(Chile);(Valparaiso) Natural compounds and their effects in different cellular processes on cancer cell lines

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
Anonym

Motivation

Ich hatte schon einmal eine Famulatur im Ausland mit BVMD gemacht und fand es super, sodass ich nochmal ins Ausland gehen wollte. Da der Austausch eine tolle Möglichkeit bietet, mal richtig weit weg zu kommen, habe ich mich besonders für Länder auf anderen Kontinenten interessiert und bin letztlich in Chile gelandet. Warum Chile? Weil Chile weit weg ist, weil Chile für Lateinamerika sehr sehr sicher und modern ist, weil man in Chile auch toll reisen kann, weil man in Chile Spanisch spricht und weil man in Gastfamilien untergebracht ist.

Vorbereitung

Da ich schon seit Jahren bei der BVMD engagiert bin und schon einen anderen Austausch gemacht habe, war mir das Ganze schon bekannt. Die Bewerbungsunterlagen habe ich gleich zusammen gesammelt sowie die Gebühren überwiesen und einen Fahrtkostenzuschuss beantragt.
Ich habe vor meinem Austausch sämtliche BVMD-Berichte im Internet gelesen und habe meine Impfungen gecheckt, Auslandskrankenversicherung abgeschlossen, man sollte eine oder zwei funktionierende Kreditkarten haben, Spanisch-Kenntnisse sind von Vorteil. Außerdem sind Gastgeschenke immer gerne gesehen, ich habe Gummibärchen, Schokolade und Souvenirs mitgebracht und die waren gleich alle weg, ich wünschte ich hätte noch mehr dabei.
Leider habe ich erst 7 Wochen vor meinem Flug die endgültige Zusage in Form der CA bekommen, was etwas stressig war, weil ich vorher nicht wusste, in welche Stadt ich komme und welches Projekt ich habe sowie wo ich schlafen werde. Ich wollte auf die CA warten bevor ich meinen Flug buche, andere sind das Risiko eingegangen und haben schon vorher gebucht und vielleicht günstigere Flüge bekommen.
Alles in Allem ist Chile gar nicht so anders wie Deutschland. Man sollte auf jeden Fall Kleidung für jedes Wetter mitnehmen, speziell auch warme Kleidung.

Visum

Deutsche können einfach so einreisen, wenn man weniger als 90 Tage bleibt.

Gesundheit

Man sollte die normalen Impfungen wie auch in Deutschland haben und speziell auch Hep. A. Ich habe noch Typhus gemacht sowie über Tollwut nachgedacht, habe mich aber letztlich nicht gegen Tollwut impfen lassen. Chile ist vom Gesundheitsstatus vergleichbar mit Europa, also man kann in Chile in der Apotheke auch alles kaufen oder notfalls auch zum Arzt oder ins (am besten private) Krankenhaus gehen. Ich habe meine Standard-Reiseapotheke mitgenommen mit den üblichen Mittelchen, habe aber nichts wirklich gebraucht. Für das Forschungspraktikum selbst brauchte man zum Glück keine Tests vorweisen.

Sicherheit

Chile ist vergleichsweise sicher, wenn nicht sogar sehr sicher. Ich würde es vergleichen mit Spanien oder Italien. Man kann überall rumlaufen, auch nachts, allerdings sollte man sich nachts angeblich nicht in gewissen Vierteln alleine aufhalten. Also am Besten nachts lieber zu zweit gehen oder ein Taxi oder Uber nehmen. Man sollte jedoch auf seine Sachen aufpassen, da es Taschendiebe gibt, wurde mir gesagt. Außerdem soll man sein teures Smartphone besser nicht zu auffällig in der Hand halten, wenn man sich an Orten mit vielen Menschen aufhält oder in der überfüllten Metro, da es angeblich gelegentlich zu Diebstählen kommt. Mir wurde aber nichts geklaut.
Ich hatte allerdings ein Pfefferspray dabei, was ich zwar nicht gebraucht habe, aber es hat mir ein gutes Gefühl gegeben; gegen Angreifer oder gegen Hunde (es gibt sehr viele Straßenhunde) einsetzbar.
Andere Länder Südamerikas sind jedoch teilweise deutlich weniger sicher, deswegen bin ich nur in Chile gereist; Chile ist auch groß genug.

Geld

Man zahlt alles in Pesos. Ich habe nichts gewechselt, da man da immer Verlust macht, sondern ich habe immer am Automaten mit meiner Kreditkarte Geld abgehoben. Allerdings verlangen fast alle Automaten eine Gebühr für das Abheben, ich habe aber eine gefunden (Scotiabank), die keine Gebühren erhebt. Man kann auch vieles mit Kreditkarte direkt bezahlen, allerdings sind oft Touren billiger, wenn man es in bar zahlt. Man sollte min. 1 wenn nicht sogar 2 Kreditkarten haben. Die Preise sind ungefähr vergleichbar mit Deutschland, meistens ist es etwas billiger. Man kann in günstigen Restaurants für 8 Euro ein kleines Menü essen, eine Flasche Wasser auf der Straße kostet 1 Euro, eine Nacht im günstigen Hostel-Dorm 11 Euro, ein Doppelzimmer bekommt man ab 35 Euro pro Nacht.
Wenn man will, kann man relativ günstig leben, wenn man zu Hause isst etc. Wenn man aber viel reisen will, sollte man schon etwas Geld zur Verfügung haben, da das Ganze dann schon etwas kostet, vor allem die Touren können recht teuer werden.

Sprache

Man spricht Spanisch in Chile und es ist von Vorteil, wenn man zumindest etwas Spanisch sprechen kann. Man würde aber auch mit Englisch durchkommen. Mein Spanisch war ungefähr A2/B1 und ich bin sehr gut klar gekommen. Wenn ich etwas nicht verstanden habe, bin ich von Spanisch auf Englisch gewechselt. Im Labor sprechen die meisten auch einigermaßen Englisch und die anderen internationalen Studenten sprechen eh Englisch, also man kann auch mit Englisch alles machen. Die Chilenen sprechen sehr schnell und undeutlich spanisch.

Verkehrsbindungen

Nach Chile muss man fliegen. Ich habe aufgrund der späten definitiven Zusage erst 6 Woche vorher buchen können und unter den bezahlbaren Angeboten waren nur Flüge, die zwischen 24 und 30 Stunden geflogen sind (inkl. Umsteigen und Wartezeiten). Es gibt auch schnellere Verbindungen mit ca. 18 Stunden. Ich bin von München über USA (Atlanta, Achtung, hier braucht man ein ESTA-Visum) nach Santiago geflogen und habe 880 Euro gezahlt.
Santiago ist sehr gut erschlossen mit Bussen und Metro. Reisen kann man sehr gut mit diversen Bussen oder auch Flügen. Je nachdem wo man hin will, brauchen die Busse wirklich lange (bis zu 24 Stunden) und ich habe mich für den Flieger entschieden, um in den Süden und in den Norden zu reisen. Busse sind recht billig, Flüge ungefähr so wie in Europa.

Kommunikation

Zu Hause hat man ja WLAN und es empfiehlt sich, sich eine Chilenische SIM Karte zu kaufen, die kostet so um die 20 Euro und Guthaben ist drauf und dann kann man telefonieren und hat Internet und kann über diverse Nachrichtendienste kostenlos nach Deutschland kommunizieren. Ggf. ein altes Handy als Zweitdandy mitnehmen und Laptop war auch sehr nützlich.

Unterkunft

Das Gute an Chile ist, dass man in der Regel in einer Gastfamilie untergebracht ist. Meine Gastfamilie war sehr herzlich und super nett. Sie wohnen in Las Condes, ein etwas besserer Stadtteil von Santiago, leider aber auch etwas außerhalb, sodass ich ca. eine Stunden mit den Öffentlichen in die Stadt fahren musste. Ich hatte ein eigenes kleines Zimmer und meine Gastfamilie hat gesagt, dass ich mich immer in der Küche bedienen soll zum Frühstück oder Abendessen. Das Abendessen wurde immer vorgekocht und dann im Kühlschrank aufgewahrt und jeder hat sich dann abends etwas raus genommen und gegessen; was ich etwas gewöhnungsbedürftig fand, aber okay.
Von den anderen Studenten weiß ich, dass manche in richtig schicken Apartments mit Pool und Co untergebracht waren, andere in eher mittelmäßigen Verhältnissen und vereinzelt haben auch zwei Studenten bzw. Studentinnen in einem Zimmer geschlafen, aber im Normalfall hat man ein eigenes Zimmer und die meisten Wohnungen oder Häuser, die ich gesehen habe, waren sehr sehr schick.

Literatur

Ich habe alle Erfahrungsberichte gelesen und habe mir einen Reiseführer gekauft, Lonely Planet, allerdings sind da keine Bilder drin. Vielleicht noch ein Spanisch-Buch, aber vor Ort hatte ich dann doch nicht so viel Zeit zum Lernen.

Mitzunehmen

Kreditkarte, Reisepass, Geld, Handy, ggf. billiges Ersatz-Handy, Gastgeschenke, Ladergeräte plus externe Power-Bank (!), Kamera, Laborkittel, warme Kleidung (!) sprich Daunenjacke, warme Schuhe, Handschuhe, Mütze, Badesachen, die üblichen Klamotten, Sportsachen, Turnschuhe. Ich habe keine Wanderschuhe und Wanderausrüstung mitgenommen, andere schon, es kommt drauf hin, wohin man noch reisen möchte. Zum Glück habe ich im Oktober meine Daunenjacke noch mitgenommen sowie alle meine Strickjacken habe ich jeden Tag angezogen, da sie in den Gebäuden nicht heizen.

Reise und Ankunft

Die Reise nach Chile dauert lange, bzw. der Flug dauert lange mit Umsteigen und allem. Ich wurde glücklicherweise von meiner Gastfamilie abgeholt und mit dem Auto nach Hause gefahren. Man kann aber auch mit einem Bus nach Santiago Zentrum fahren. Ich bin 4 Tage vor meinem Praktikum angekommen und konnte mich so schonmal etwas einleben und eine SIM Karte sowie Metro Karte organisieren.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Leider haben mir die chilenischen IFMSA Leute erst auf Nachfrage und dann auch erst am Sonntag Abend gesagt, in welchem Labor ich überhaupt bin und wer der Professor ist. Man sollte also im Zweifel immer selber nachfragen. Die Universidad de Chile hat übrigens mehrere Campi und man muss zur ‚Faculdad de Medicina’. Da der Student der mich da hinbringen sollte, da eine Klausur hatte, habe ich mich einfach selber auf die Suche nach dem labor und dem Professor begeben und es auch gleich gefunden. Dort wurde ich dann nett begrüßt auf Spanisch und habe einen eigenen Platz am Schreibtisch bekommen, außerdem einige Paper zum Lesen über Immuntherapie, die wirklich eher schwer zu verstehen waren, wenn man nicht grade Spezialist in Immunologie ist. Aber ich habe die einfach durchgelesen, auch wenn ich nicht alles verstanden habe. Das Lesen von Papern oder anderen Sachen macht man immer, wenn man grade keine Experimente macht und das ist relativ oft der Fall gewesen. Deswegen habe ich meinen Laptop immer mitgebracht, so konnte ich bei Leerlauf etwas am PC schreiben oder lesen.
Die Forschung in Chile hat insgesamt nicht so viel Geld und Ressourcen wie in Deutschland, deswegen sind die Möglichkeiten beschränkt. Alle haben mir gesagt, dass sie sich eigentlich bald auf eine PHD Stelle in Deutschland bewerben wollen und dass in Deutschland doch alles viel besser sei aus chilenischer Sicht. Vergleichsweise war mein Labor aber recht gut ausgestattet für Lateinamerikanische Verhältnisse. Also wer ausschließlich wegen dem Forschungsaspekt nach Chile gehen, will, der sollte es sich nochmal überlegen. Wer aber einfach die Forschung in Chile sehen will und ein anderes System kennen lernen will, der kann eine gute Zeit haben. Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass alles nicht so streng und stressig ist wie in Deutschland, man hat mehr Leerlauf und mehr Zeit.
Fachlich haben wir mit folgenden Methoden gearbeitet: Zellkulturen, Entnahme von Gewebe bei Mäusen, Flusszytometrie, Immunochemie, Western Blot, Inkubation, Zentrifugieren sowie weitere. Sie haben es aber nicht so streng mit dem sterilen Arbeiten, also was mir das als steril verkauft wurde, das ist wirklich nicht vergleichbar mit sterilem Arbeiten in Deutschland.
Am Anfang habe ich bei den Experimenten eher zugeschaut und gegen Ende durfte ich auch einige Sachen selbst machen, was ich toll fand.
Mein Tutor und noch eine andere haben gut Englisch gesprochen, andere haben eher sehr wenig Englisch gesprochen, sodass ich die Erklärungen nur schwer verstehen konnte. Aber jeder war sehr bemüht.

Land und Leute

Chile als Land ist super, man kann richtig viel reisen, das Land ist sehr lang und landschaftlich sehr beeindruckend. Ich war ein Wochenende in der Wüste in San Pedro de Atacama, ein Wochenende in Valparaiso und dann am Ende noch mehrere Tage in Pucon und Puerto Varas. Andere Studenten haben sich bis in den südlichsten Süden zu den bekannten Torres del Peine gewagt, aber hier muss man schauen wie das Wetter ist, da es in den meisten Fällen sehr kalt, regnerisch, neblig und verschneit ist und dann die Aussicht und die Wanderungen nicht so toll sind. Das muss man wirklich beachten, ich dachte im Oktober ist schon fast Sommer in Chile, aber im Süden Chiles ist das Wetter wirklich sehr regnerisch und kalt und stürmisch. Habe mehrere kennengelernt, die sehr enttäuscht waren von ihrem Trip nach Tatagonien. Also entweder man hält sich eher an den Norden des Landes, da ist es schön und heiß die meiste Zeit oder man stellt sich halt drauf ein und muss entsprechende Ausrüstung mitbringen. Dicke Daunenjacke und wasserfeste Wanderschuhe und Kleidung und verschiedene Wasserfeste Rucksäcke. Andere sind noch weiter gereist nach Bolivien oder Peru, das kann man machen, wenn man Zeit und Geld und eine Reisebegleitung hat; ich persönlich würde mich jetzt nicht unbedingt als Alleinreisende dorthin auf den Weg machen, aber gibt auch einige die das machen und man lernt ja auch immer noch wen kennen.
Meine Gastfamilie war wirklich ein Traum, sehr herzlich und nett, aber nicht einengend. Das war wirklich das Beste am Austausch, so eine tolle Familie und so ein toller Kontakt, wirklich unbeschreiblich.
Alle Leute, die ich kennen gelernt habe waren sehr freundlich und nett. Meine Gastschwester studiert auch Medizin und hat mir einiges über die Ausbildung erzählt. Sie muss aber jeden Tag von 8 Uhr bis 18 Uhr in die Uni gehen und hatte teilweise am Wochenende auch noch Kurse, deswegen war sie immer sehr beschäftigt und andere einheimische Studenten auch.
Natürlich muss man in der Großstadt Santiago immer etwas aufpassen. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass die Metro zur Rush-Hour so unmenschlich vollgestopft sein würde. Das ist wirklich unfassbar, wie man da gequetscht wird; da darf man nicht zimperlich sein.
In Santiago sind wohl immer die meisten Austausch-Studenten und in manchen Monaten wird man auch automatisch nach Santiago eingeteilt. Das hat dann den Vorteil, dass man auch andere Studenten kennen lernen kann (viele aus Europa) und mit ihnen sich verabreden kann sowie reisen kann.

Fazit

Die Zeit in Chile war wirklich super, vor allen das Land und die Leute sind super. Perfekt zum Reisen und tolle Menschen kennenzulernen, speziell sind hier die Gastfamilien zu erwähnen. Reisen würde ich auf jeden Fall wieder in das Land und ich kann den Austausch für einen Monat wirklich nur empfehlen. Für immer würde ich vermutlich aber nicht nach Chile ziehen und wer wirklich Hardcore-Forschung auf höchstem Niveau sucht, sollte sich das nochmal überlegen. Wer aber eine tolle Zeit haben will und Kultur, Land und Leute kennen lernen will, ist genau richtig.

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