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Thailand (IFMSA-Thailand)

Verschiedene - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Wenn man zu lange Zeit an einem Ort verweilt, gewöhnt man sich an die vor Ort gegebenen Umstände und Gegebenheiten, man verlernt diese zu hinterfragen und andere Möglichkeiten in Erwägung zu ziehen. Mann bleibt in einem in sich geschlossenen funktionierendem Universum ohne zu wissen, wie es außerhalb der Grenzen zu sich geht. Ein Auslandsaufenthalt in einem anderen Land mit anderer Kultur und einem anderen System schmeißt einen aus dieser Welt, in der man alles als selbstverständlich erachtet, und zeigt einem eine Alternative. Aus den Anstrengungen die es kostet sich an diese neue Umgebung anzupassen, resultiert für mich meist eine große persönliche Entwicklung, sowie in diesem Fall professionelle Fähigkeiten, von denen ich sehr profitieren kann.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung auf meinen Aufenthalt in Thailand habe ich einen Reiseführer (von Lonely Planet) sowie diverse Quellen im Internet benutzt um mich etwas über die Kultur, Geschichte und politische Lage Thailands zu informieren. Diese Vorbereitung hätte bei mir durchaus etwas gründlicher sein können. Die eigene Reise profitiert sehr davon, wenn man die Hintergründe in einem Land versteht. Sehr viel musste ich mir während meines Aufenthalts erarbeiten und nachlesen. Ebenfalls nützlich ist es sich einen Grundstock an Vokabeln und Phrasen in der landesüblichen Sprache anzueignen. Das ist sowohl höflich, als auch unheimlich nützlich, da in Thailand nicht jeder Englisch spricht.
Je nachdem was man in Thailand noch machen möchte, muss man genau überlegen was man an Gepäck und Kleidung mitbringt. Kleiner Tipp: Nimm mindestens einen dünnen Pulli mit (aber nicht mehr), da gerade in Bangkok in den öffentlichen Gebäuden, Taxen und Einkaufszentren die Klimaanlage auf Anschlag läuft, und ich mir (trotz Pulli) mehrmals fast eine Erkältung geholt habe.
Ebenfalls empfiehlt sich eine gute Reiseapotheke.

Visum

Ich hatte mir Vorab in Stuttgart in einem thailändischen Honorarkonsulat das Non-Immigrant-Visa-ED ausstellen lassen, welches von IFMSA-Thailand gefordert war. Dieses kostet 60 € und ist 90 Tage gültig. Alternativ kann man auch ein Touristen-Visum (gilt 30 Tage) beantragen und dieses dann vor Ort gegen Gebühr nochmal um 30 Tage verlängern. Oder man reist vor Ablauf der 30 Tage in ein Nachbarland aus (bspw. Cambodia, Laos, Myanmar, Malaysia oder Singapur) und wieder zurück nach Thailand um erneut ein 30 Tage Touristenvisum zu beantragen.

Gesundheit

Auf jeden Fall in Erfahrung bringen, wie und über wen man im Ausland versichert ist, notfalls eine Reisekrankenversicherung abschließen.
Teil meiner Vorbereitungen auf Thailand war ein Besuch bei meinem Hausarzt. Ich ließ mich dort über mögliche gesundheitliche Risiken in Thailand aufklären. In der Tübinger Tropenklinik gab es auch eine entsprechende Impfsprechstunde. Da meine Krankenkasse (TKK) die meisten Impfkosten übernimmt lies ich mich vorsorglich Impfen gegen: HepA, (HepB bereits vorhanden), Typhus, Tollwut und Japanische Enzephalitis. (Ist mit JE zugegebenermaßen etwas overkill, aber wurde ja bezahlt, also warum ein Risiko eingehen?)
Vor Ort und insbesondere wenn man Streetfood probieren möchte, was ich definitiv empfehle, sollte man auf die Hygiene achten. Also nur an den Ständen essen, wo auch viele Einheimische essen und wo vor deinen Augen gekocht wird, insbesondere bei Seafood aufpassen! Zusätzlich habe ich direkt vor dem Essen meine Hände mit einer kleinen Tube hand sanitizer desinfiziert. Trotzdem lässt sich eine oder mehrere Gastroenteritiden nicht unbedingt vermeiden. Eine Packung Imodium dabei zu haben schadet nicht, ansonsten sind die meisten Apotheken gut ausgestattet.
Wer sich für das Thema Reisegesundheit etwas mehr interessiert, dem Empfehle ich "Travellers' Health" von Dr Richard Dawood.

Sicherheit

Ich habe keine besonderen Versicherungen oder Vorkehrungen bezüglich der Sicherheit im Land getroffen. Thailand ist ein relativ sicheres Land und die politische Lage ist ebenfalls stabil. Viel wird dort vom Militär kontrolliert, welches für Ordnung sorgt. Auch als Tourist muss man nicht unbedingt Angst haben ausgeraubt oder Opfer eines Verbrechens zu werden. Falls man dort sein Geld verliert, dann durch Betrug. Leute, die versuchen Touristen herein zulegen, gibt es nämlich viele. Informiert euch über die gängigen Maschen, welche insbesondere in der nähe von Touristenhotspots häufig angewandt werden. Eine Masche, die mir immer wieder begegnet ist, war dass mir eine "hilfsbereite" Person entgegenkam und mir erzählte, dass der Tempel, den ich besuchen wollte, heute geschlossen sei, er würde mir einen anderen Ort empfehlen (zückt gleich eine Karte mit Orten) und auch ein Tuktuk organisieren. Also wenn euch irgendeiner erzählt, etwas hat geschlossen oder da sein gerade die Straße gesperrt, einfach ignorieren.

Geld

Die Landesübliche Währung ist Bath (BTH). Der Wechselkurs ist pi mal Daumen 1 EUR zu 40 BTH.
100 BTH sind also ungefähr 2,50 EUR.
Die Lebenshaltungskosten sind in Thailand prinzipiell um einiges niedriger. Mann kann jedoch leicht den Überblick über seine Ausgaben in der fremden Währung verlieren. Und natürlich ist es nahe der Touristen orte wieder um einiges teurer. Mann kann sehr sparsam durch Thailand reisen, aber wenn man es drauf anlegt auch sehr viel Geld ausgeben, insbesondere in Bangkok.

Sprache

Während meines Praktikums hatte ich so gut wie keine Probleme, mich mit den Ärzten, dem Personal oder den Studenten zu verständigen, die überwältigende Mehrheit konnte gut Englisch sprechen. Nahe der Touristenorte können viele Thais auch rudimentäres Englisch. Weiter außerhalb auf dem Land wird es dann etwas schwieriger, dennoch kann man sich meist mit Händen und Füßen gut verständigen. Hier ist es definitiv sinnvoll, sich ein paar Vokabeln in Thai anzueignen.

Verkehrsbindungen

Nach Thailand bin ich mit dem Flugzeug aus Frankfurt direkt nach Bangkok eingereist. Bangkok hat zwei Flughäfen: Bangkok-Suvarnabhumi (BKK) und Bangkok-Don Mueang (DMK). Innerhalb Thailands kann man zwischen den Städten relativ günstig mit der Bahn, Bussen und Nachtbusen reisen, oder wenn man statt Geld lieber Zeit sparen möchte mit Flügen im Landesinneren.
In Bangkok bewegt man sich entweder mit den preiswerten lizenzierten Taxis (darauf achten und notfalls darauf bestehen, dass sie den Taximeter anmachen), auf einem (Taxi)-Roller, welche man an den roten Westen erkennt für um die 20 BTH, mit dem Chao-Pharaya-Expressboot oder dem BTS-Skytrain-System (wichtige Knotenpunkte hier sind: Sathorn Pier, Siam und Phaya Thai).
Von Bangkok aus mit dem Fernbus fährt man von den Busstationen Mo Chit und Southern Terminal.

Kommunikation

Nach Ankunft am Flughafen hat man direkt die Möglichkeit eine Traveller SIM-Karte zu kaufen. Es gibt verschiedene Tarife, die alle relativ preisgünstig sind und einen mit Internet versorgen. Die zwei größten Anbieter in Thailand sind dtac und AIS. Deren Netze sind erstaunlich gut ausgebaut und man hat in den Städten fast überall Highspeed-Internet. In Thailand benutzen alle die Applikation LINE um sich Textnachrichten zu schreiben.

Unterkunft

Ich war in einem Wohnheim für med. Studenten und Residents in einem Zimmer für drei Personen untergebracht. Ich hatte eine Gemeinschaftsküche und ein eigenes Bad in meinem Zimmer. Die Dusche gab nur kaltes Wasser, was angesichts der Temperaturen jedoch sehr erfrischend war. Das Zimmer hatte eine Klimaanlage, was tagsüber sehr wichtig war.

Literatur

Einen Lonely Planet Reiseführer war sehr hilfreich für allgemeine Vorbereitungen, viel Wikipedia insbesondere um sich über die Geschichte und Geographie Thailands zu informieren, und http://www.thaizeit.de/ war sehr gut für Ideen für Freizeitaktivitäten.

Mitzunehmen

Einfach für warmes tropisches Wetter Packen und an das was man in Thailand vor hat anpassen.
Ein paar der Dinge die ich ganz praktisch fand: Reiseführer, Kamera, für die Klimatisierten Gebäude ein leichter Pulli, Badesachen, Travelhandtuch, Reiseapotheke, großer Rucksack, Schuhe zum Wandern (falls man im Norden wandern möchte), Sonnencreme und Insektenspray, Powerbank, Flip Flops und ein Nackenkissen für längere Bus-/Bahnfahrten.

Reise und Ankunft

Die Anreise mit dem Flugzeug war angenehm und komplikationslos. Meine contact person (CP) konnte mich leider nicht empfangen. Mein erstes Hostel fand ich problemlos über Googlemaps. Ich hatte noch vier Tage bevor mein Praktikum begann, welche ich nutzte um mir Bangkok genauer anzusehen. Am ersten Montag stellte ich mich dann beim International Office im Siriraj Krankenhaus vor. Dort vermittelte man mich weiter an meine Station.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine erste Station während meiner Famulatur im Siriraj-Krankenhaus war die Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. An meinem ersten Tag wurde ich meinem Supervisor Dr. Teerapong vorgestellt und wir durften bei den Anstehenden Beipass Operationen zuschauen. Für die folgenden zwei Wochen sah mein Stundenplan so aus: um 7 Uhr Visite auf Station, danach um 8 Uhr Konferenz oder Vortrag und ab 9 Uhr im OP. Dort konnten wir uns am OP-Plan aussuchen welche Operationen wir wir uns an diesem Tag anschauen möchten. Die meisten OP's waren CABG OP's (coronary artery bypass graft), Aortenanorismen und Rekonstruktionen von angeborenen Herzfehlern. Insbesondere diese waren sehr interessant und faszinierend, da die Chirurgen mit unglaublicher Geduld und Präzision die winzigen Strukturen neu miteinander vernähen mussten. Die Fäden, die sie hierfür benutzten waren mit bloßem Auge kaum erkennbar. Wenn wir wollten und das OP-Team um Erlaubnis fragten, durften wir uns auch steril einkleiden und am OP-Feld stehen und beobachten. In der zweiten Woche erlaubte mir der Arzt zusammen mit einem der Assistenzärzte die Hautnaht am Bein eines Bypasspatienten zu nähen, nach dem sie dort die Saphenus-Vene entnommen hatten. Danach durfte ich dem Operateur assistieren indem ich das Herz des Patienten mit meiner Hand fixierte, während er das Venentransplant annähte. Die letzten drei Tage der Zweiten Woche war ich dann zusammen mit einer Kollegin auf dem JCMS 2017, der Joint Conference in Medical Sciences der drei größten medizinischen Fakultäten Bangkoks, unterwegs. Hier sahen wir interessante Vorträge über Public Health, Fortschritte in der medizinischen Forschung und Präsentationen von neuen medizinischen Geräten. Die JCMS war für mich ein ziemlich tolles Erlebnis, da ich noch nie auf einer großen Medizinerkonferenz war. Die zweite Hälfte meiner Famulatur war ich dann mit den Anästhesisten unterwegs. Da ich im selben Gebäude und teilweise auch auf dem selben Stockwerk wie die Wochen davor arbeitete, musste ich mich nicht erst neu orientieren. Bei den Anästhesisten lernte ich einiges über die Theoretischen Grundlagen der Narkose und die verschiedenen Medikamente, die sie dafür benutzen. Da ich die Vorlesung Anästhesie noch nicht gesehen hatte, musste ich einiges hinterher noch recherchieren. Ich sah einige Spinal- und Epiduralanästhesien sowie periphere Nerven-Blockaden. An einige Patienten durfte ich zur Narkoseeinleitung ventilieren und anschließend intubieren. Sehr spannend war zu sehen, wie ein Patient mit fixiertem Nacken fiberoptisch durch die Nase intubiert wurde.

Land und Leute

Während meines Aufenthaltes in Bangkok hatte ich eine Menge Möglichkeiten, das Land und die Leute näher kennen zu lernen. Die ersten paar Tage bevor die eigentliche Famulatur los ging nutzte ich, um mir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Auch während der Famulatur hatte man Nachmittags oft noch genug Zeit um sich Bangkok anzusehen. Besondere Orte, die ich mir in Bangkok angesehen habe sind: der große Palast, Wat Po, Wat Arun, der Lumbphini Park, Siam Square und die umliegenden großen Einkaufszentren, der Erawan Schrein, Chinatown, Wat Saket, der Dusit Zoo, das Jim Thompson Haus, Wang Lang Market, Pier Maharaj und die Asiatique. Als Backpacker oder Partymensch empfiehlt es sich die Kao San Road zu besuchen, wo fast jeden Abend gefeiert wird und man hauptsächlich andere westliche Backpacker trifft. Dort findet man in den Neben-/Parallelstraßen auch sehr gute Restaurants und Bars. Desweiteren gibt es viele Märkte, die es sich lohnt anzuschauen, darunter sind der Nonthaburi Markt und der Talin Chan Floating market. Während eines Aufenthalts in Bangkok sollte man unbedingt einmal auf eine Rooftop Bar gehen (wir besuchten die "Above Elevan", "die HI-SO" sowie die etwas teurere "Vertigo" Rooftop Bar) einen Kochkurs belegen, insbesondere dann wenn man Gefallen an dem Street Food gefunden hat und man sollte sich einen Muay Thai Boxkampf ansehen! Es hat mich einige Tage gebraucht mich langsam an das Essen und die Schärfe zu gewöhnen, danach schmeckte mir das auf der Straße zubereitete Essen aber unheimlich gut.
An den Wochenenden machte ich mit meinen SCOPE-Kollegen Ausflüge in die umliegenden Städte. Darunter waren die ehemalige Hauptstadt von Siam, Ayutthaya, mit ihren schönen Ruinen, sowie die Provinz Kanchanaburi wo wir den Erawan-Nationalpark besuchten, mit seinen Wasserfällen unter denen man schwimmen konnte. Ein verlängertes Wochenende verbrachten wir in Siem Reap in Kambodscha. Dort befindet sich eine der größten und eindrucksvollsten Tempelanlagen der Welt. Die Zeit dort hat mir besonders gefallen, insbesondere die Unterschiede zu Thailand zu sehen in einem Land wie Kambodscha, welches noch nicht so weit entwickelt ist. Nach meiner Famulatur hatte ich noch elf Tage Zeit um frei herum zu reisen. Ich wollte unbedingt in den Norden reisen und mir Chiang Mai und die umliegenden Städte und den Dschungel anzuschauen und Wandern zu gehen. Für diese kurze Zeit habe ich eine Menge gesehen, allerdings war es zeitweise auch sehr unentspannt. Daher rate ich euch so viel Zeit wie möglich mit zu bringen, denn ihr werdet sie gebrauchen können. Im Norden schaut euch unbedingt Chiang Mai, Pai und Mae Hong Son an. Macht einen Tagesausflug nach Chiang Rai und das golden Triangel. Besucht einen Elefantenparck, wo man mit den Elefanten baden kann und macht einen Ausflug in den Dschungel. Mietet euch einen Roller und fahrt damit an die umliegenden heißen Quellen und Wasserfälle. Informiert euch vor Ort was es für Möglichkeiten für euch gibt und ich garantiere euch ihr werdet eine fantastische Zeit im Norden haben.

Fazit

Thailand hat bei mir sämtliche Erwartungen übertroffen. Sowohl in der Famulatur als auch im Land habe ich mich sehr wohl gefühlt. Ich habe dort immer einen Ansprechpartner gehabt.
Das Einzige was ich bereue ist, dass ich nicht genug Zeit hatte, um mir das Land noch etwas genauer anzuschauen. Für sämtliche Strände und Inseln im Süden fehlte mir leider die Zeit, daher kann ich euch diesbezüglich nicht beraten. Wenn Ihr die Gelegenheit habt sie zu besuchen, macht das! Ich selbst muss ein anders mal wiederkommen um den Süden Thailands nachzuholen.

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